Bis einer heult! • Touristen-Dom-Fotografier-Strasse
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7. November 2002 | Pia Drießen

Touristen-Dom-Fotografier-Strasse

Also, das muß ich jetzt endlich mal los werden, denn immerhin beschäftigt mich dieses faszinierende Phänomen schon seit 3 Monaten.
Ich hab im Büro einen netten Fensterplatz… sehr schön… kann man den ganzen Tag raus gucken.
Das Leben auf der Strasse ist aber weniger Interessant. Highlights sind überarbeitete Hausfrauen und gelangweilte WDR-Mitarbeiter, welche auf den nie-funktionierenden Parkscheinautomat direkt vor meinem Fenster einschlagen!
Ja, die Strasse, unter Denkmalschutz stehend und in mieserablem Zustand, ist vollkommen lebensgefährlich wenn selbige mit einem minimalen Absatz betreten wird… am besten Spikes verwenden.
3 mal am Tag quetscht sich hier ein riesen Reisebus durch, hupt sämtliche menschenverlassene Autos an, obwohl die ja allein nicht weg fahren können, und rampuniert sich regelmäßig die Außenspiegel. Aufregung pur.
So, und nun zum eigentlichen Hightlight. Direkt von der Strasse aus sieht man den Dom. Man geht quasi auf Tuchfühlung mit diesem und das vollkommen "frontal". Logische Schußfolgerung… sämtliche Touristen, die jemals Köln betreten, müssen mitten auf der Strasse riesen Gruppen bilden um einmal den Dom auf Bild festzuhalten. Dabei ist ganz wichtig: immer mit auf dem Bild drauf sein, damit man zu Hause auch den Beweis antreten kann, dass man selber da war und nicht in Stockholm am Bahnhof ne Postkarte gekauft hat. Vorne weg die Japaner. Hier bestätigt sich für mich mal wieder jegliches Vorurteil über Japaner. Die Grinsen immer, stehen dabei aber stocksteif da, manchmal ein schüchternes "Peace"-Zeichen (dacht, das wäre lange out!). Manche extrem-Touristen bemühen sich sogar den Dom irgendwie zu stützen (hallo, wir sind net in Pisa!?!), ihn auf der Handfläche zu balancieren (dafür knien die sich in jede Pfütze), oder sich anzulehnen.
Und das jeden Tag, bei Wind und Wetter, jeder Temperatur!!!
Ich habe mir fest vorgenommen mich eines Tages selber auf die Strasse zu stellen und eben genau diese Verrenkungen zu machen. Die Ergebnisse werde ich Euch natürlich präsentieren, wahrscheinlich mit ein paar Japanern im Hintergrund *g*

Zum Schluß noch mein Plädoyer an die Stadt Köln: benennt doch bitte die Burgmauer in "Touristen-Dom-Fotografier-Strasse" um, damit ich niemanden mehr mit den Worten "Da, wo die Touristen den Dom fotografieren!" erklären muß welche Strasse ich meine.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
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