Bis einer heult! • Theorie vs. Praxis: Tagesaufreger
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6. Februar 2006 | Pia Drießen

Theorie vs. Praxis: Tagesaufreger

Ich muss gestehen, ich hab das, was ich tue, nicht studiert. Trotzdem habe ich einen Job, Kunden, viele Projekte und reichlich Spaß an meiner Arbeit. Ab und an wird mein Einsatz und meine Arbeit sogar von Erfolg gekrönt – das soll man sich mal vorstellen!

Nun erhielt ich heute eine Marketing-Strategie, welche Studenten im Rahmen ihres Medienwissenschaft-Studiums erarbeitet haben. Die Grundidee ist nicht schlecht, in Ansätzen sogar innovativ … aber bitte wer bringt den Leuten bei, solche Konzepte zu schreiben? Wäre ich 08/15 Kunde und z.B. in einer Marketing-Position des zu bewerbenden Unternehmens, hätte ich noch eine geringe Chance, das Konzept zu verstehen. Sollte ich dann wiederum diese Strategie meinen Vorgesetzten verkaufen müssen: keine Chance! Abgelehnt! Ganze Arbeit um sonst.

Sicherlich gibt es in der Medienwelt eine gewisse Fach-Terminologie, welche ich im täglichen Umgang mit Dienstleistern, Kollegen und Partnern auch pflege, jedoch muss einem klar sein, dass mein Kunde damit wahrscheinlich nicht viel anfangen kann. Das Argument, dass die Strategie ja eh nur von Dozenten und Professoren gelesen werden, lasse ich ganz klar nicht zählen.

Fachwissen gut und schön, aber am Ende der medialen Nahrungskette steht der Kunde, nicht der Dozent … und wenn man eine SWOT-Analyse in einem Strategie-Papier aufführt, dann sollte sie bitte auch korrekt angewendet worden sein.

Ich gehe stark davon aus, dass das Konzept aber in dieser Form vom Dozenten gewollt ist. Möglichst viele Fachbegriffe des vergangenen Semesters einfließen lassen, damit er sich den Vokabeltest spart. Tz.

Meinen Feierabend opfere ich da gerne für die gewünschte Unterstützung bei der Fertigstellung. Was ein Segen, dass mir so was tatsächlich richtig viel Spaß macht. Traumjob eben.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Pat Bateman / Feb 6 2006

    swot-analysen sind mir beim studieren auch schon des öfterenl über den weg gelaufen… ist ja an sich auch nichts schlechtes, um eine innovation vorher in etwa bewerten zu können. aber wie auch beim rechnungswesen und in ganz vielen anderen bereichen: der graben zwischen theorie und praxis ist da tiefer als der grand canyon… :neutral:

  2. Falco / Feb 6 2006

    Du redest um 16.30 Uhr schon von Feierabend? :?: Arbeitest Du nur halbtags? :wink:

  3. Pia / Feb 6 2006

    Wo schrieb ich, dass ich um 16:30 Uhr Feierabend mache? Wo, Herr Falco, wo nur? :D

  4. marcc / Feb 6 2006

    Verwendet man zuwenig Fachchinesisch fördert man beim Dozenten die Hypothese, dass man Theorie, Nomenklatur und Terminologie insuffizient beherrscht. Und dann könnte ja jeder kommen…
    :wink:

    „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“
    Arthur Schopenhauer

  5. ingo / Feb 6 2006

    das kommt mir bekannt vor. ist in meinem studiengang nicht anders. angeblich soll man ja im hauptstudium praxisorientierter arbeiten, aber davon habe ich bis jetzt auch noch nichts gemerkt.
    es freut den dozenten immer wenn man mit den fachbegriffen um sich werfen kann, aber ob man das anderen leuten erklären kann interessiert die nicht.

  6. Stembär / Feb 7 2006

    FACHIDIOTEN!:grin:

    Ich weiss schon, warum ich mit viel Praxisbezug studieren will: damit ich und meine Kollegen das, was ich sage, auch ohne Fremdwörterbuch verstehen… und in der Produktion braucht man mit Uni-Slang erst gar nicht anfangen… da kriegt man höchsten nen Schraubenschlüssel an den Dätz…:shock:

  7. DraMaticK / Feb 7 2006

    Nein, nein, nein… ihr seht das falsch… *Geschwätz*, genauer Fachgeschwätz gilt immer noch als Verkaufsargument Nr. 1. Nicht? Gerade im Marketingbereich! Das muß keiner verstehen, das muß nur gut klingen :grin:

  8. marcc / Feb 7 2006

    @DraMaticK: Ich sach mal so: Zu erkennen, bei welchem Kunden welche Fachjagondichte die richtige ist, macht den guten Verkäufer aus.

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