Bis einer heult! • Domian find ich zum Kotzen!
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11. Mai 2006 | Pia Drießen

Domian find ich zum Kotzen!

Es betrug sich zu meinen besten Abiturientenzeiten. Das ist die Zeit, in der man jeden Abend eines Wochenendes in der so genannten Schulkneipe verbringt, also der Kneipe, die von den Schülern des hiesigen Gymnasiums eingenommen wurde. In unserer kleinen Stadt gab es zwei Gymnasien, die sich natürlich mit traditioneller und abgrundtiefer Verachtung gegenüber tragen. Das wir die bessere Schule waren steht hier außer Frage. Ich wollte es nur der Vollständigkeit halber erwähnen.

In dieser Kneipe, die den verheißungsvollen Namen „Jägerhof“ trug und ein Jahr nach meinem Abitur zu einer Wohnung umgebaut wurde, hatte ich so ziemlich jeden Fleck schlafend, erbrechend oder zumindest volltrunken markiert. Durch eine Zufall sahen Herr H. und ich uns diese Wohnung auf unserer Suche nach einem neuen Domizil an, da ich die Zeitungsanzeige im lokalen Werbeheftchen entdeckt hatte und enthusiastisch ein „In der Nähe ist meine Stammpinke!“ gerufen hatte.

Nun war diese Stammpinke also eine schicke 3 Zimmerwohnung mit Marmorböden, voll elektrischen Rollos und extravagantem Tür-Fenster-Dekor. Dass ich bei dieser Besichtigung durch jeden Raum lief und entzückt „Da hab ich schon mal hin gekotz“ rief, verwirrte Herrn H. zwar etwas, trug aber nicht zur Entscheidung bei, die Wohnung nicht zu nehmen. Letztendlich scheitere es daran, dass wir noch 2 Monate Kündigungsfrist aussitzen mussten und ein anderer Interessent schneller war.

Aber zurück zu meiner wilden Abizeit. An einem dieser Abende, in denen wir unser Schülerdarsein und das damit verbundenen Elend in Long-Island-Icetea ertränkten, bot mir der Bruder meines Ex-Freundes sein Glas an, da es ihm nach eigener Aussage nicht gut ginge. Als immer klammer Schüler, der sich ein paar Eure in einem Spielzeugladen dazu verdiente, nahm ich das dreiviertel volle Glas Icetea gern entgegen, bedankte mich artig und begann mit der zügigen Leerung. Aus heutiger Sicht bin ich immer noch fasziniert, was und vor allem wie viel ich damals vertrug. Unter 7 Icetea hab ich den Laden nie verlassen und wer weiß, was in einem richtigen Long-Island-Icetea rein gehört, der wird mir nun hoffentlich sein Erstaunen und seine Erfurcht gebührend offerieren.

Der Abend verlief relativ entspannt, bis auf die üblichen Rangeleien auf dem angrenzenden Parkplatz, an denen ich jedoch nie aktiv beteiligt war.

Gegen 3 Uhr verließen wir den „Jägerhof“ und machten uns auf den Heimweg. Ich nächtigte bei meinem damaligen Freund, welcher mit dem Fahrrad rund 4 Minuten entfernt wohnte. Wie ich in meinem Zustand überhaupt noch Fahrrad fahren konnte ist mir bis heute ein Rätsel, möglicherweise hat mein Unterbewusstsein oder, um es in korrekter Pädagogik-LK Fachterminologie auszudrücken, mein ES, Erinnerungen an diverse Stürze einfach unterdrückt.

Man lag also irgendwann im Bett, ein Fuß auf den sicheren Boden vor dem Bett platziert, damit man sicher in das Land der Träume gleiten konnte ohne abzuheben, sich zu drehen oder duzende Saltos zu schlagen. Das funktionierte auch ganz gut … bis 4 Uhr etwa.

Urplötzlich wurde ich aus dem Schlaf gerissen, war von einer Sekunde auf die nächste hellwach und stürzte in 0,5 Millisekunden aus dem Zimmer und aufs Klo. Sollten Sie schwache Nerven haben, klicken Sie bitte jetzt oben rechts auf das kleine X (bei einem Mac nehmen Sie den roten Punkt oben links).

Ich erbrach mich, als müssten Magen, Galle und Leber gleichzeitig meinen Körper verlassen. Ungefähr so, als wenn man nach einer Massenschlägerei in einer Disko vom Türsteher freundlich gebeten wird zu gehen. Das läuft meist auch unter 10 Sekunden und ohne viel Diskussion ab.

Als ich meinen heißen Kopf gerade an die kühlende Klobrille schmiegte, bemerkte ich ein sehr lautes und unangenehmes Rumoren in der Margen-Darm-Gegend. Ich sah mich hektisch um, ob nicht irgendwo Sigourney Weaver neben mir stand und hysterisch Lachend auf mich zeigte.

Keine Zeit für weitere Überlegungen. Lieber Mund zu und ultrafix auf die Schüssel gesetzt. Sie können sich denken, was dann kam. Ausformulieren, trotz meiner sonst so freien Art zu schreiben, möchte ich dies hier ganz sicher nicht. Nach geschlagenen 2 Minuten, in denen ich den extremen Brechreiz unterdrückte, platze dann der Knoten und erreichte in letzter Sekunde mit dem Kopf das angrenzte Waschbecken.

Mit dem Hintern auf der Schüssel klebend, den Kopf über das Waschbecken haltend, verbrachte ich gut und gerne eine viertel Stunde bis der Druck – oben wie unten – etwas nachließ. Im einem Moment des Durchatmens schaltete ich mit einer Hand das Radio ein, welches neben der Toilette angebracht war. Domian!

Ich mag und mochte Domian noch nie, aber hier, in diesem Moment, brachten mich Gedanken wie „Domain, ich könnt kotzen!“ oder „Domain, da scheiß ich drauf!“ eher aus meinen Konzentrations- und Atmungsrhythmus. Also blieb er an.

Eine halbe Stunde später saß ich immer noch auf dem Klo, den Kopf inzwischen auf die Hände gestützt, die Ellenbogen fest auf meine Oberschenken gepresst. Ein leichtes Seufzen entfuhr mir, als das Ende meines Elends absehbar wurde. Mein Magen hatte sich beruhigt, in beide Richtungen, aber zu Sicherheit wollte ich noch rund 10 Minuten sitzen bleiben.

„Jetzt ist Ulrich in der Leitung. Hallo Ulrich, was möchtest Du los werden?“
„Hallo Domian, ich habe ein Problem.“
„Erzähl es uns, dafür hast Du schließlich angerufen.“
„Hm … ja … ähm …“
„Nur Mut.“
„Ja, also gut. Ich komme nur zum Orgasmus, wenn meine Freundin mir beim Sex auf den Bauch kotet!“

Aus den 10 Minuten wurde dann doch eine ganze Stunde. Zum Kotzen!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. ReneMT / Mai 11 2006

    *LOL* Wirklich schön geschildert – erinnert mich dunkel an letzten Herrentag :-)

  2. K. / Mai 11 2006

    hahaha herrlich :-) schöner bericht

  3. Astax / Mai 11 2006

    Muß ich mir eigentlich ernsthaft Sorgen machen wenn ich nebenbei genüsslich ein Stück Erdbeerkuchen verspeisen konnte? :)

    Hachja… die Jugend…

  4. padre / Mai 11 2006

    sehr mutig! :grin: allerdings habe ich schon damals, zu meiner schulzeit, das gefühl bekommen, dass es frauen immer gleich viel härter trifft. so ab dem 17. lebensjahr kann ich die anzahl der übergebenen fälle im anschluß an meine exzesse an einer hand abzählen. manchmal habe ich mir allerdings gewünscht, das gift schon wieder etwas früher aus der umlaufbahn lassen zu können … :oops:
    ps: domian geht gar nicht.

  5. marcc / Mai 11 2006

    Sieben Long Island Ice Tea am Abend?
    :lol: :shock: :kotz:
    Respekt, mir reicht da einer und bei mir verteilt sich der vermutlich in mehr Körpermasse.

    Aber solange Sie nur jeden Platz nur schlafend, erbrechend und volltrunken markiert hatten ist ja alles in Ordnung.
    :pfeif:

    (Ja, es sind die Leser, die da immer was reininterpretieren)
    :grin:

  6. Susanne / Mai 11 2006

    Hehe, manchmal sind Toiletten mit Waschbecken gleich nebenan *sehr* praktisch – durchaus, ja ;)

  7. Legolas / Mai 11 2006

    Aber heute hast Du Dein Alkoholproblem doch im Griff, oder? :grin:

  8. Pia / Mai 11 2006

    Eigentlich müsstest Du mich gut genug kennen um zu wissen, dass ich heute nur noch sehr selten etwas trinke …

  9. Legolas / Mai 11 2006

    Es ist schon seeeehr lange her, dass wir mal was zusammen getrunken haben. Meine Erinnerungen sind eben auch nicht mehr die besten.

  10. Holgi / Mai 11 2006

    sieben Long Island Ice Tea?
    Respekt!
    Das verträgt je nach Mischungsverhältnis mancher gestandene Triebtrinker mit jahrelangem Trainingsvorsprung nicht.
    Aber welcher Wirt der auf seine Kozession wert legt und keinen Ärger wegen des Gesetzes zur Jugend in der Öffentlichkeit haben will verkauft sowas an Schüler?
    Entsetzt den Kopf schüttel.

  11. Pia / Mai 11 2006

    Als Abiturient ist man in der Regel volljährig … ich weiß ja nicht, wie das da ist, wo Sie her kommen.

  12. marcc / Mai 11 2006

    Nehmen Sie es als Kompliment! Frl. Pia, die Überfliegerin.

  13. Anna / Mai 11 2006

    Haha…Hatte ein ähnliches Erlebnis: lag, mit einem Bein auf dem Boden stehend, im Bett. Bei Domian berichtete ein Mann, dass seine Freundin ihn heimlich, nachts wenn er schlief, in der Peristaltik rum grub. Gut, dass direkt vor meinem Klo das Waschbecken war.:shock:

  14. Toujours-Moi / Mai 11 2006

    Nullnull Sherlock berichtet dann mal: „Ich will Ihnen j nicht zu nahe treten und Ihren schreiberisch-recherchierenden Talenten auch nicht…aber Domian läuft immer von ein Uhr bis zwei Uhr nachts. Wenn Sie aber erst gegen vier Uhr aus dem Bett taumelten, waren auf einslive alle Messen bereits gelesen…“
    Danke Sherlock…

  15. Pia / Mai 11 2006

    Rechnen Sie mal ein paar Jahre zurück. Da lief Domian alle paar Wochen als Sondersendung länger … aber es kann natürlich auch sein, dass es 3 statt 4 Uhr waren … :)

  16. Adel / Mai 11 2006

    Den Tipp mit dem Fuß auf den Boden den merke ich mir!
    mal gucken ob dann der Rote Streifen an der Wand stillhält – diese Miststück!

  17. Letta / Mai 11 2006

    Sehr schön erzählt ein Plus für die Kandidatin :wink: Soooooooo lange ist meine Abiturszeit nich nicht her, daher kenne ich einige unschöne Erlebnisse der gleichen Art. Und ja, Domian habe selbst ich noch schrecklich gefunden :shock:

  18. DonJupp / Mai 11 2006

    (Klugscheißmodus [on]) Es heißt „Long Island IceD Tea“ :razz: (Klugscheißmodus [off]) Bei Wikipedia gibt es auch ein paar nette Anekdoten, wie das Kind zu seinem Namen gekommen ist.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Long_Island_Iced_Tea

  19. Pablo / Mai 11 2006

    Herrlich diese Schilderung :P

  20. Daniel / Mai 11 2006

    Respekt, Frau Pia.
    Mich kann man schon nach 2 Long Island Ice Tea in die Ecke stellen.

  21. Mar-Tina / Mai 12 2006

    So langsam bekomme ich den Eindruck, dass ich mit meiner alkoholfreien Jugend echt was verpasst habe. Zumindest solche Geschichten, die man so herrlich erzählen kann.

  22. Holger Ehrlich / Mai 12 2006

    @Mar-Tina – Da haben Sie nicht viel verpaßt, denn es sind höchstens die Geschichten herrlich, der Hergang selbst ist eher jämmerlich bis unappetitlich. Da ich von Natur aus eine hohe Alkoholtolleranz habe (hat vielleicht auch mit meiner Körpermasse > 100Kg zu tun), mußte ich bei Zechgelagen schon so manche Zechbrüder und -schwestern aus der Kneipentoilette ziehen. Vollgekotzt und vollgepinkel lagen sie mit dem Kopf in der Kloschüssel und wollten nur noch sterben. :kotz:
    Da kann man wirklich nicht von „verpaßt“ reden, wenn man das – ganz gleich von welcher Seite aus – noch nicht erlebt hat. :nein:

  23. Pia / Mai 12 2006

    Da stimme ich Holger voll und ganz zu!

  24. @Pia und Holger: Danke, dass ihr mich in dieser Haltung, nix verpasst zu haben bei den Saufgelagen, auch noch bestärkt. Ist gut für’s Ego ;) Damals trank ich wenig, heute nix mehr – wenn *ich* Alkohol im Blut hab‘, werd‘ ich eh nur depressiv.

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