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15. Mai 2006 | Pia Drießen

Mein Raum

Teenager verhaftet nach Prahlerei auf MySpace
Mit 22 Anklagen wegen schwerer und minderschwerer Brandstiftung sehen sich derzeit zwei 17 Jahre junge Amerikaner konfrontiert. Geschnappt wurden sie, weil sie Fotos und „Erlebnisgeschichten“ über die Brandstiftungen bei MySpace veröffentlichten.

Heißt das, dass ich nun auch noch verhaftet werden kann, weil ich erst letztens über den Hausbrand gegenüber schrieb und wir ja alle wissen, dass psychisch gestörte Widerholungstäter immer an den Tatort zurück kehren, um ihr Werk zu bewundern.

Find ich nur logisch, dass ich das dann gewesen sein muss. Immerhin wohne ich direkt gegenüber und kehre somit jeden Tag an den Ort des Geschehens zurück.

Andererseits, vielleicht bin ich auch völlig normal und die Jungs wussten einfach nicht, was sie mit ihrem MySpace anfangen sollten. Sind wir mal ehrlich. An jeder Ecke wird einem inzwischen suggeriert, dass man ein Blog, Weblog, Diary, Onlinetagebuch, Space oder wie auch immer diese blöden Biester sich schimpfen, braucht. Unbedingt. Sonst ist man so was von nicht im Trend.

Also geht der brave Teenager hin und meldet sich irgendwo für irgendeinen Dienst an, der eine der oben genannten Formen von Online-Exhibitionismus unterstützt.

Und dann? Und dann? Ja, was ist dann? Leere. Schweigen. Keiner sieht Dich. Keiner kennt Dich. Du bist allein. Ungehört. Ungesehen. Ungeliebt.

Du brauchst Content!

Affengeilen, jeden vom Hocker reißenden Megacontent, den jeder verlinkt … nur dann wirst Du explosionsartig berühmt …

Moment – das ist es doch … Explosion … Feuer … Das ist der hammerheiße Content den wir brauchen.

Und zum Schluss wurden die beiden lieben Jungs von nebenan tatsächlich berühmt. Ihre Mütter sprachen noch Jahre später davon, dass Ihnen die Querstreifen einen blassen Teint und den Anschein von Hüftspeck bescherten.

Dabei rollt Ihnen eine Träne des Stolzes über das Gesicht.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Anne / Mai 15 2006

    Ich mach ja echt viel mit, blogge, podcaste, hab einen Friendster-Account, einen bei last.fm und librarything, packe meine Bilder auf Flickr und was weiß ich nicht noch, AAAAAABER… zu einer MySpace-Seite konnte mich bislang noch niemand bewegen. Ich weigere mich einfach, da was zu machen, solange die Seiten da so scheiße und unübersichtlich aussehen. Friendster ist wenigstens irgendwie ganz hübsch. :baeh:

  2. marcc / Mai 15 2006

    Tja, was nützt es dem Ego, wenn man ein ganz „Harter“ ist und es schwer drauf hat, aber es eigentlich keinem erzählen kann, weil es dann damit vorbei ist? Wie schon öfters gesagt, leben wir alle von der Wahrnehmung anderer. Aber die ist halt unvollständig, wenn Dir keinen – wie auch immer, beispielsweise auch mit einem Kommentar – auf die Schulter klopft.

  3. eco / Mai 15 2006

    Du hast da was missverstanden. Türlich wirst Du wegen dem Hausbrand nicht verdächtigt – ausser Du machst Fotos davon wie der Brand gelegt wird, und erzählst auf Deinem Blog „Erlebnisberichte“ wie es so ist, etwas anzuzünden.
    Ich finde MySpace übrigens auch net spannend.

  4. Pia / Mai 15 2006

    eco: ;)

  5. Holzauge666 / Mai 15 2006

    Naja, die Blöden sterben nie aus, aber MySpace naja.

  6. eco / Mai 15 2006

    Pia: :grin:

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