Bis einer heult! • auf sich selber hören
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14. Juli 2006 | Pia Drießen

auf sich selber hören

In Ermangelung eines Internet-Zugangs ziehe ich dann heute mal wieder BlogDesk zur Hilfe. Inzwischen sind wir, Bruce und meine Wenigkeit, seit 2 Stunden unterwegs und es liegen noch weitere 45 Minuten vor uns.

Die Zugstrecke, erst am Rhein und später an der Mosel entlang, ist wirklich traumhaft. 5 Gelegenheiten zum Aussteigen boten sich und 5 Mal habe ich überlegt diese zu nutzen und auf einen der unzähligen Weinberge zu rennen.

Weinberge haben einen ganz außergewöhnlichen Reiz auf mich. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich als kleines Mädchens Sonntags immer mit der Familie in eben diesen Weinbergen wandern war.

Ich erinnere mich an eine Wanderung bei Altenahr, jedenfalls bin ich der Meinung, es wäre Altenahr gewesen. Auf dem Rückweg kamen wir an einem großen Baum vorbei, an dem ein einziger roter Apfel hing. Er leuchtete so reif, dass ich augenblicklich diese Apfel haben wollte; nein musste.

Mein großer Bruder versuchte also mit einem Stock den Apfel vom Baum zu werfen. Schließlich standen alle außer mir unter dem großen Apfelbaum und warfen Stöcke zwischen die Äste.
Ich weiß nicht wie lange wir da standen und ich weiß auch nicht, wer zum Schluss derjenige war, der den Apfel zu Fall brachte. Meine Augen müssen geleuchtet haben, wie an Weihnachten.

Mein Bruder hob den Apfel auf, kam auf mich zu und sah mich traurig an. Ich weiß noch, dass er vor mir in die Hocke ging, das machte er äußerst selten, und meinte, dass es ihm Leid tät.
Der Apfel glänzte von vorne in leuchtendem Rot, jedoch war er auf der Rückseite völlig verfault.
Ich heulte laut auf, nicht jedoch, wie man wohl annehmen mag, weil der Apfel ungenießbar war, sondern weil meine Familie sich so abgemüht hatte, mir eine Freude zu machen. Und dies schließlich ganz umsonst.

Als Kind hat mich das vermeintliche Leid anderer meist mehr gequält, als meines eigenes. Oft habe ich auch Leid vermutet, wo keines war. Mein Leben lang versuche ich die Menschen um mich herum glücklich zu machen. Meine Stimmung und Laune ist von nichts so abhängig, wie vom Befinden meiner Mitmenschen.

Manchmal muss man daher alleine sein, um in sich rein zu horchen und um feststellen zu können, welche Stimmung eigentlich aus einem selber spricht.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. AndiBerlin / Jul 15 2006

    Evtl. war der Apfel auf einer Seite nicht verfault, und das hat der Bruder nur gesagt um Schwesterherz zu ärgern? Brüder sind so, ich als Bruder weiß das! :smile:

  2. Tobias K. / Jul 15 2006

    Lesen heißt Sinnentnahme… :pfeif:

  3. Observer / Jul 15 2006

    Lesen heißt mit einem anderen Kopf denken.

  4. Henning / Jul 16 2006

    Schöne Geschichte. Ich kann das nachvollziehen.

  5. Pia / Jul 16 2006

    AndiBerlin: Da er mir den Apfel zeigte, kann ich das ausschließen. „So ein“ Bruder war er – Gott sein Dank – nicht.

    Tobis + Observer: Jawohl die Herren. Keine Ahnung was Sie meinen. Vielleicht mal weniger philosophisch versuchen ;)

  6. Tobias K. / Jul 16 2006

    Wir meinten dasselbe, was Sie wohl auch zu meinen, meinten, meinten aber, unsere Meinung allgemeiner kundtun zu müssen… ;-)
    Jedenfalls weiß ers ja jetzt ;-)

  7. marcc / Jul 17 2006

    Pias Bruder ist deutlich älter als sie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so gemein zu seiner richtig kleinen Schwester gewesen wäre.

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