Bis einer heult! • Si oder 'mein dritter Freund©'
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11. Oktober 2006 | Pia Drießen

Si oder ‚mein dritter Freund©‘

Eigentlich hatte ich gestern Abend einen langen Artikel über die Edelmann-Technorati-Topliste erstellt, bin dann aber doch ins Bett gegangen, weil nach und nach die Beiträge zu diese Thema wie Pilze aus den Blogs schossen. Einen groben Einblick/Überblick/Ausblick bietet Ix.

Themenwechsel:

Am Montag traf ich Si (sprich: ßai) in der Mittagspause. Wir sehen uns etwa alle sechs Monate kurz in der Stadt, wenn er etwas zu besorgen hat oder, wie es neuerdings der Fall ist, in Köln zur Uni muss. Wir sitzen nebeneinander auf einer Mauer und schlürfen Kaffee, den Si großzügigerweise ausgegeben hat, obwohl ich dran gewesen wäre. Ich beobachte ihn von der Seite und frage mich, wie das wohl ist, wenn man mit 25 ganz von vorne anfängt, so, als hätte man gestern erst das Abi gemacht? Si hat lange Volkswirtschaft in Hamburg studiert, ist aber mit dem Fach nie warm geworden. Nun ist er wieder hier in Köln und studiert seit Montag Jura. Das ist etwas, was irgendwie nicht zu Si passt, wie ich finde, aber er versucht mich davon zu überzeugen, dass das genau das richtige für ihn ist. Wir wissen beide, dass es mir egal sei kann und, dass er mich nicht überzeugen muss. Ich denke, mit seinen Worten versucht er eher sich selber von seinem Vorhaben zu überzeugen. Ich schmunzle unter mich und wünsche ihm Erfolg.

Wir erzählen uns den neusten Klatsch und Tratsch unserer Familien. Im Gegensatz zu mir ist Si Einzelkind und dennoch sehr an meinen Geschwistergeschichten interessiert, während ich nach Cousinen und Omas frage. Erneut stellen wir nach kurzer Zeit fest, dass unsere Familien beide irgendwie nicht normal sind. Aber das sind wir auch nicht.

Er ist gerade mit seiner Freundin zusammen gezogen und ich muss sagen, ich mag seine Freundin sehr. Die, die er vorher hatte, war ein junges, naives Huhn. Hübsch anzusehen, aber ohne wirkliche Konsistenz. Sie hatte Angst vor mir, erzählte er mir mal lachend und ich frage mich heute noch, was er ihr um alles in Welt über mich erzählt haben muss.

Seine jetzige Freundin ist intelligent, gutaussehend, lustig und freundlich und wenn er von ihr spricht sehe ich in seinen Augen, dass er glücklich ist. Das ist unheimlich schön. Ich mag sie und ich hoffe ernsthaft, dass er das nicht versaubeutelt.

Der Mann und Si sind sich hingegen nicht wirklich grün. Mag daran liegen, dass die beiden ein paar deutliche Jahre an Lebenserfahrung trennen, vielleicht aber auch daran, dass sie sich im Kern recht ähnlich sind, was keiner von Beiden zugeben würde.

Wenn mich jemand fragen würde, was Si besonders macht, dann würde ich antworten, dass ich ihm immer, aber wirklich immer klar auf den Kopf zusagen kann, was ich denke, ohne Angst haben zu müssen, dass er mir das übel nimmt. Wir sind halt zusammen erwachsen geworden, haben gemeinsam viel gewonnen und verloren bis sich schließlich unsere gemeinsamen Wege trennten. Das ist nun sechs Jahre her.

Eine Zeit, die ich nicht missen, aber auch nicht zurück haben möchte.

Wenn mich nun wiederum jemand fragen würde, wieso sich unsere Wege damals trennten, würde ich antworten:

Für jeden Topf gibt es einen Deckel, heißt es.
Si und ich, wir waren und sind beide definitiv Deckel.
Und mit zwei Deckeln kann man keine Suppe kochen.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Tine / Okt 11 2006

    Mit zwei Deckeln kann man aber schön Krach machen und das ist doch schon mal was. ;)

    Schön geschrieben. Wirklich toll.

  2. nomy / Okt 11 2006

    2 Deckel verstehn sich aber vielleicht im übertragenen sinne, aber ergänzen sich nicht :)

  3. Holgi / Okt 11 2006

    Aber wenn man den Knauf abmontiert kann man auf jedem Lagerfeuer noch lecker ein Ei oder ein Steak braten. :-)

    Schöner Text, erinnert mich an die Deckelin aus meiner Jugendzeit.

  4. Holgi / Okt 11 2006

    Und ja, aus zwei Deckeln kann man in Ermangelung anderer Alternativen sehr erfolgreich die gemeinsam eingebrockte Suppe auslöffeln.

  5. Gebotsbote / Okt 11 2006

    Sehr genialer Artikel, sehr schön geschrieben…
    Mehr braucht und kann ich nicht sagen!
    Danke!

  6. conhead / Okt 11 2006

    Zum einen sehr schöner Text!

    Zum andern braucht glaube ich jeder seinen Deckel in den Anfängen des Beziehungschaos. Gibt doch nichts schöneres als an seine Jugendliebe zurückzudenken, an der man sich die Zähne ausbiss, hin und her gerissen wurde von Liebe und Hass usw. und so fort. Soll heissen, dass aus diesem hin und hergerissen sein, immernoch die stärksten Gefühle hervorgerufen werden. Eben weil man nicht passt und sich aneckt. Und die Erfahrung wie sich das knistern zweier sich abstoßender Magneten anfühlt und wie laut der ohrenbeuteubende Knall ist, wenn diese gegeneinander Prallen ist eine Erfahrung die ich auch nicht missen will und bei deren Erinnerung ich schon wieder sentimental werde …

    Güßle ;)

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