Bis einer heult! • Special-Skill
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11. Oktober 2006 | Pia Drießen

Special-Skill

Irgendwann, und das meist früher als gedacht, ist man zu alt, um zum Beispiel mit einer Sportart wie Volleyball anzufangen und diese dann professionell zu betreiben. Oder Rennfahrer zu werden. Über ein Hobby wird das Ganze mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht hinaus wachsen, wenn man nebenbei noch ein unscheinbares, arbeitsames und Miete zahlendes Leben führt.

Was wollte ich als Kind nicht alles werden. Balletttänzerin zum Beispiel, aber den einzigen Erfolg, den ich im Ballet wirklich feierte, war der, dass ich einen Malwettbewerb gewann. Mein Kunst-Lehrer bescheinigte mir im Abitur hingegen einen fulminanten analytischen Verstand, allerdings auch, dass ich künstlerisch selber eine Niete bin.

Im zarten Alter von acht Jahren bekam ich von der Musikschule einen schriftlichen Nachweis, dass ich über das „absolute Gehör“ verfüge. Leider waren meine Arme aber zu kurz, als dass ich mein Lieblingsinstrument, Querflöte, wirklich hätte spielen können. Ich landete in einem Tambourcorps, spielte mehrere Jahre Piccoloflöte
und erhielt zum Schluss per Schulterschlag die Bescheinung, dass ich wirklich unglaublich viel Alkohol vertrage.

In der zweiten Klasse hatte ich Förderunterricht in Rechtschreibung, was man auch heute noch dann und wann merkt oder vielmehr nicht merkt. Im Abitur wählte ich trotzdem Deutsch als Leistungskurs und war am Boden zerstört, als wir in unserer Alles-oder-Nichts-Klausur das Buch „Jakob der Lügner“ analysieren mussten, welches in der Regel in der 9.Klasse gelesen wird.

Ich kann freihändig Fahrradfahren, sogar um Kurven, aber lege mich mit Rollerblades alle 1,3 m auf die Schnauze.

Irgendwann beschlich mich dann das Gefühl, in den entscheidenden Momenten entweder nicht ausreichend herausgefordert worden zu sein, oder dass ich einfach entscheidende Fertigkeiten nicht mitbrachte, um aus meinen vermeintlichen Talenten eine nennenswerte Fähigkeit zu entwickeln.

Mit solchen Gedanken wird man dann wieder konfrontiert, wenn einem ein potentieller Auftraggeber der verlegenden Zunft fragt, ob es denn ein Themengebiet gäbe, welches einem besonders liegt? Ob man einen so genannten Special-Skill hat?

Ja, äh, puh. Nein.

Aber mit sechs Jahren, da habe ich mal einen Malwettbewerb gewonnen.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. vierlagig / Okt 11 2006

    ich kenn eins *meld* *schnips* hier… ich kenn ein thema, das frau pia als steckenpferd begreifen könnte… soll ich´s sagen? ja? soll ich?

    und zwar: die irrungen und wirrungen zwischenmenschlicher beziehungen beleuchten, untersuchen und in den schönsten worten beschreiben…

    vgl. dazu Si oder ‘Besuch aus der Vergangenheit’ “ „fürs Leben

    …und das sind nicht die einzigsten beiden!

  2. nomy / Okt 11 2006

    das kenn ich auch entweder kann ich etwas sehr gut…. oder ich kann etwas überhaupt nicht, und das was ich überhaupt nicht kann lerne ich meistens auch nur schwer bis garnicht.
    Aber wenn ich etwas gut kann dann liegt es mir irgendwie immer :)

  3. Malte / Okt 11 2006

    Sei froh, dass Du nie Lokführerin werden wolltest.

  4. marie / Okt 12 2006

    hilfe, ich habe fast das Gefühl du beschreibst da mein Leben, zumindest wenn man andere Tätigkeiten/Hobbys einsetzten würde.

    ich kann das auf jeden Fall sehr gut nachvollziehen

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