Näh, Mutti, näh!

Ich habe zuletzt vor zehn Jahren genäht. Damals auf einer uralten Privileg Nähmaschine aus Gusseisen, die so schwer war, dass man sie nur zu zweit bewegen konnte. So eine von der Sorte, die noch richtig Krach gemacht hat und mit der man nicht nach 20 Uhr und schon gar nicht neben dem Kinderzimmer nähen konnte. Irgendwann verreckte der Motor und auf Grund des hohen Alters der Maschine, machte eine Reparatur keinen Sinn.

Das letzte Projekt, das diese Maschine erlebte, war ein barockeres Hochzeitskleid, das meine Mutter und ich aus schwarzem Satin nähten. Ich trug es an Karneval als Vampirbraut.

Eigentlich hatten wir – meine Mutter und ich – damals vor, uns eine neue Maschine zu kaufen. Warum wir es letztendlich nicht taten weiß ich gar nicht mehr. Irgendwann zog ich ja auch aus und die Nähmaschine, die nach mir einzog, lernte ich persönlich nie kennen. Meine Mutter erzählt nur immer wieder, dass sie an unser altes Schätzchen nicht heran käme.

Und mit der Möglichkeit ging über die Jahre auch das Interesse am Nähen verloren. Als ich dann mit dem Quietschbeu schwanger war, erwachte dieser Drang Nähen zu wollen wieder. Überall im Mama-Blogs-Universum nähte und strickte es. Der Quietschbeu bekam wirklich wunderbare selbstgenähte und gestrickte Geschenke zur Geburt … und ich war immer die, die nix handwerkliches kann. Ich war der felsenfesten Überzeugung, dass man das Nähen verlernen kann und war mir sicher, vor einer Nähmaschine sitzend wäre ich auf ewig verloren!

Irgendwann jammerte ich am Telefon meiner Schwiegermutter mein Leid vor. Bei unserem nächsten Besuch schleppte sie während der Verabschiedung dann einen großen beigen Kasten herbei und stellte ihn wortlos in den Kofferraum. Auf meinen fragenden Blick und die großen Augen antwortete sie, dass das die Maschine meiner Schwägerin sei. Die hätte jetzt seit 5 Jahren unberührt in der Ecke gestanden und wenn ich denn wolle, könne ich sie erst mal haben. Ich war erst mal baff!
Erst recht, als ich dann sah, dass es noch dazu eine wirklich gute PFAFF-Maschine ist.

Bisher scheiterten alle in meinem Kopf zurechtgelegten und geschnittenen Projekte daran, dass mir noch die übliche Grundausstattung fehlte. Schere, Nadeln, Garn, Kreide … all das habe ich vergangenen Woche besorgt. Gestern dann bin ich den letzten Schritt gegangen und habe bei IKEA zwei Stoffe gekauft, mit denen man halt irgendwas Hübsches nähen kann.

Und dann saß ich gestern Nachmittag also mit dem Stoff und Pipapo bewaffnet vor der Maschine und wusste nicht, was ich damit jetzt anfangen soll.

Ich habe dann ewig im Internet rumgeklickt, nach Anregungen respektive Schnittmuster gesucht. Fündig wurde ich nicht. Als ich schon völlig entnervt alles wieder ins Arbeitszimmer räumen wollte, stolperte ich über den alten Schlafsack meines Neffen, den mir meine Schwester mit den Worten in die Hand gedrückt hatte, dass sie den von einer Freundin jetzt wiederbekommen hätte, weil die es wohl schön fand, wenn er in der Familie bleiben würde. Das Ding ist ziemlich abgenutzt und immerhin schon 11 Jahre alt. Aber wegwerfen konnten wir es beide nicht.

Und so hatte ich dann plötzlich ein Projekt. Einen alten Schlafsack in genau der Größe, die der Quietschbeu bald brauchen wird, zwei schöne Stoffe und eine Nähmaschine. Den Rest des Abends verbrachte ich mit ausmessen, zuschneiden und planen, was ich wie machen wollte. Die ersten Nähte haben gestern auch bereits Brust-/Rücken- und Sackteil miteinander verbunden. Heute werde ich dann alles besorgen, was noch so fehlt. Einen Reißverschluss, eventuell Schrägband, Druckknöpfe, vielleicht ein paar nette Knöpfe, wenn ich welch finde …

Ich war gestern Abend jedenfalls sehr erstaunt über die Tatsachen

  • wie leise so eine moderne Nähmaschine näht (ich nähte im Wohnzimmer während der Mann fernsah.)
  • wie leicht mir immer noch das Erstellen eines eigenen Schnittmusters fällt.
  • wie schnell man sich auf einer neuen Maschine und nach zehn Jahren Abstinenz wieder zurecht finden kann.

Wenn ich das Projekt Schlafsack beendet habe, werde ich Ihnen diesen sicher gerne hier präsentieren. Und dann geh ich auf Jagd nach neuen Ideen und Näh-Projekten. Vorschläge und Tipps sind willkommen :)

(Nähende Hausfrau und Mutter mit Putzfimmel … mein Klischee-Portfolio erweitert sich beinahe täglich.)

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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14 Gedanken zu „Näh, Mutti, näh!

  1. Tja, auch mein Talent in Handwerken tendiert gegen Null. :( Das einzige, was ich kann, sind rechte Maschen stricken. Was im besten Fall einen simplen Schal ergibt. Mehr aber auch nicht. ;)

  2. Das klingt toll!
    Ich bin leider absolut Talentfrei, was sowas angeht. Ich kann nicht Häkeln (Dabei würd ich so gerne. Es gibt so niedliche kleine Häkelsachen für Mädchen ?), Stricken oder Nähen. Bzw ich könnte es vielleicht, wenn ich mich anstrenge, aber mir fehlt die Geduld dafür.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin gutes Gelingen und bin gespannt auf das Ergebnis :)

  3. *G*
    ioch hab die gute Pfaff meiner Mom vor einigen Jahren gehimmelt … mit der anderen naeh ich mehr als ungern …
    ich bin schon ganz gespannt auf dein Foto :)
    Ideen Vorschlaege im Blog oder per Mail?

    LG :D

  4. ich bitte auch: die Vörschläge und Ideen!

    (obwohl relativ talentfrei bin ich gerade hochmotiviert das Nähen zu lernen, jawohl – allerdings erst ein mal mit ner günstigen Maschine. Für meine „Ansprüche“ reichts noch ;))

  5. also mir habens ja die überschriften angetan!
    und bei dieser hier dachte ich auch als erstes an den letzten satz ;-)
    und was das nähen und co angeht, da bin ich völlig talentfrei, nichtmal sowas simples wie vorhänge umnähen gelingt. aber egal, dafür kann ich andere dinge, frau muß ja nicht alles können.
    ich warte gespannt auf die ersten fotos der genähten werke.

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