Bis einer heult! • Lieber Gott ...
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2. September 2009 | Pia Drießen

Lieber Gott …

Seit das Baby bei uns eingezogen ist, nein, seit etwa acht Wochen nachdem das Baby bei uns einzog, haben wir hier das Abendgebet wieder eingeführt. Das hat verschiedene Gründe.

Zunächst einmal beten das Baby und ich abends, wenn es schon in seiner Wiege liegt, den Schnuller angesaugt und das Schnuffeltuch im Arm hat. Dann halte ich seine Hand und wir danken dem lieben Gott für den schönen Tag und dieses und jenes, was an diesem Tag passiert ist. Im Anschluss bitten wir den lieben Gott uns am folgenden Tag schönes Wetter, gute Laune und Gesundheit zu beschweren. Dem Babypapa, dem Baby und mir.

Am Ende jedes Gebetes bitte ich dann den lieben Gott einen Engel zu schicken, der in der Nacht auf das Baby aufpasst, dafür sorgt, dass es keine bösen Albträume hat und dass es am kommenden Morgen gesund und munter wieder erwacht. Die Angst vor dem plötzlichen Kindstod ist nämlich jeden Abend, bei jedem Gute-Nacht-Kuss, sehr präsent. Als Mutter kann man das einfach nicht ausschalten (und tun Sie mir den Gefallen und referieren Sie jetzt nicht über Statistiken, Verhütungsmethoden etc. Ich kann lesen und habe das in ausreichender Form getan.).

Ursprünglich habe ich das Gebet wieder eingeführt, weil ich dem Baby auf diese Art und Weise zeigen wollte: „jetzt ist Abend. Jetzt wird geschlafen!“ Das Gebet macht quasi den Unterschied zum Mittagsschlaf aus, auch wenn das Ritual ohnehin vorher schon anders ist.

Doch nach ein paar Wochen wurde mir bewusst, dass ich ganz und gar nicht nur für das Baby bete. Ich bete für uns als Familie, für Bekannte, die mir am Herzen liegen und die schlimmste Schicksalsschläge ertragen müssen. Für Babyoma, Babyopa, Babytanten und -onkels … wenn ich weiß, der und der braucht morgen Zuspruch und einen gedrückten Daumen, dann packe ich das mit in unser Gebet. Kann ja nicht schaden.

Was ich aber nicht bedacht hatte war, dass man Beten auch irgendwie wieder lernen muss. Die ersten Gebete waren sehr holprig, stockend … doch jetzt geht mir das sehr leicht von den Lippen. Ich spreche einfach laut aus, was mein Herz bewegt und das fühlt sich gut an. Ich hab das Gefühl, so ein bisschen Zuspruch von oben tut uns allen ganz gut, auch wenn ich jahrelang an alles andere gedacht und geglaubt habe, nur nicht an etwas Gott ähnliches. So ein Baby, das kann einen ganz schön bewegen.

Ich glaube im Übrigen nicht an einen vorgefertigten oder vorgegebenen Gott. Mein Gott ist genau so, wie ich ihn brauche. Darum ist das hier auch keine Diskussionsgrundlage für Glauben ja oder nein. Es ist die Geschichte, wie ich wieder zum Beten kam. Mit immerhin 28 Jahren.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. kaanu / Sep 2 2009

    Wie kann man schöner zum Beten kommen als auf diesem Wege? :)

    Mir geht es ähnlich – das allabendliche Gebet mit guten Gedanken und Wünschen für alle nahestehenden gibt es in konstanter Form, seit ich Mutter bin und es mit meinem großen Kind spreche.

  2. Mo / Sep 2 2009

    Glauben ist eine gute Sache.

  3. Herr Trotzdem / Sep 2 2009

    Und es ist auch eine schöne Geschichte. Ich kenn das Gefühl echt gut. So ähnlich geht mir das mit meinem 2jährigen auch. Und nach 2 Jahren gehört das immer noch mit dazu.

  4. studentenleben / Sep 2 2009

    Das man als Mutter nicht einfach ausschalten kann ist klar.
    Ich hab in dem Alter damals öfters aufgehört zu atmen, weswegen ich dann auch so einen Monitor bekommen hab. War für meine Eltern nicht toll.
    Aber der liebe Gott wird Sie und Ihr Baby und den Babypapa sicher beschützen!

  5. Sayuri / Sep 2 2009

    Das erinnert mich an meine Kindheit ^^ Wir haben auch jeden Abend gebetet vorm Schlafen gehen, das war uns sogar so wichtig, das Mama uns mit NICHT-Beten strafen konnte. Ich werds auch einführen, auch wenn ich jetzt nciht soo gläubig bin. Ich denk da wie du, mein Gott ist so wie ich es brauche und nciht wie mir jemand das vorschreibt.

  6. phaniste / Sep 2 2009

    Meine Oma sagt immer (und das hat sie von namhaften Theologen), dass Gott eine Chiffre ist. Genau wie du sagst, „so wie man ihn braucht“. Ich finde das sehr schön!

  7. Frau_Mahlzahn / Sep 2 2009

    Das hast Du sehr schön formuliert.

    Ich denke ein bißchen ähnlich, was das angeht.

    So long,
    Corinna

  8. Chikatze / Sep 2 2009

    Finde ich schön.
    Ich bete überhaupt nicht, hab ich auch noch nie. Denke eher drüber nach, aus der Kirche auszutreten.
    Aber ich kann mir vorstellen, daß es schön ist, abends auszusprechen, was einen bewegt.
    Ich frage mich nur, ob ich Gott dafür brauche….

  9. cstim / Sep 3 2009

    Ob zum Ritual auch ein Schlaflied gehört, hat Pia zwar bisher nicht verraten. Aber falls dort auch mal „Guten Abend, gut‘ Nacht“ vorkommt http://www.volksliederarchiv.de/text504.html , so habe ich für meine Kleinen eine Textänderung eingeführt aus dem gleichen Grund, den Pia erklärt hat: Der Refrain passt doch viel besser mit dem Text „Morgen früh, weil Gott will, wirst du wieder geweckt“. In diesem Sinne: Behütete Nächte!

  10. Pia / Sep 3 2009

    @ Chikatze: das hat mit Kirche nichts zu tun. Gar nichts.

    @cstim: ich hasse „Guten Abend, gute Nacht“, was aber daran liegt, dass es wohl das auf häufigsten verwendete Gute Nacht Lied ist, das ich kenne! Wir singen hier „Müde bin ich geh zur Ruh“.

  11. Miss Tiffy / Sep 3 2009

    Is nicht war! Liebe Pia, Sie kennen mich nicht, aber ich war vor recht langer Zeit ein fleißiger Leser. Bis ich Internet, Blogs, Feeds und alles weggepackt habe (Zeitfresser, andere Dinge etc.). Und jetzt bin ich wieder da, erkunde mit Freude alte Seiten, Blogger – und siehe da: Frau Pia ist verheiratet und Mutter. Das freut mich wirklich sehr – ich bin eigentlich seit Sommer auch nicht mehr Miss sondern Mrs. Und am Kind arbeiten wir.
    Glückwunsch, von ganzem Herzen! Und das mit dem Beten finde ich so, wie Sie es erzählen, wunderschön. Punkt.

  12. SBee / Sep 3 2009

    wenn man von Beten spricht wird man sofort als Kirchgänger und Gläubiger abgestemmpelt.
    Ich stehe der Institution Kirche auch durchaus kritisch gegenüber, arbeite andererseitz in einer ev.Einrichtung.
    aber auch ich trenne meinen Glauben durchaus von der Institution Kirche.

    Was solls. Ich finde auf jeden Fall schön das du dazu stehst und es laut Aussprichst!

  13. michael / Sep 3 2009

    hm, also beten gehört auch bei uns zum ritual (oder zu dem, was ritual sein sollte, wenn herr sohn sich drum scheren würde *dumdiedum). warum? erstmal weil man eigene werte weitergeben möchte – unabhängig von der institution, wie SBee schön geschrieben hat. aber auch weil man natürlich damit genau diese wünsche verbindet, die pia so ehrlich ausgedeutscht hat. zu seinen ängsten um den nachwuchs stehen find ich klasse. man bin ich froh das jahr 1 rum zu haben… :)

  14. Jakuba / Sep 3 2009

    Irgendwie macht dieser Eintrag Sie sehr sympatisch, ob Sie nun wollen oder nicht.

    Ich denke Gott kann in den Augen jeder Person anders sein, niemand hat das Recht darüber zu sagen wie er nun wirklich aussieht, oder ob es ihn gibt.
    Solange niemandem eine Meinung aufgedrängt wird, kann doch jeder (fast) alles glauben, was er oder sie möchte.

    Liebe Grüße ?

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