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11 Heulsusen

  1. Zuerst mal finde ich es ganz normal, dass ein Kind sich zuhause in gewohnter Umgebung freier und ungebremster verhält als in der Fremde. Wie stark das dann ausgeprägt ist, ist meiner Meinung nach eine Frage des Temperaments und nichts, was man einem Kind beibringen könnte. Der Knirps ist ähnlich; in der Babygruppe hat er lange Zeit den kompletten Vormittag bei mir auf dem Arm verbracht, während die anderen Babys strampelnd auf der Decke lagen und spielten. Und genau wie beim Quietschbeu wurde das ganze extremer, wenn es sehr laut war oder sehr viele Kinder um ihn herum waren. Manchmal war es soviel Stress, dass wir vorzeitig gegangen sind.

    Und ich persönlich halte nichts davon, solche Kinder zu ihrem Glück zu zwingen oder sie an die Situationen zu gewöhnen. Ich habe den Knirps immer sofort herausgenommen, wenn ich sah, dass es ihm zu viel ist, und wie gesagt, er hing oft nur an mich geklammert da und hat die anderen beobachtet. Jetzt scheint sich das langsam zu lösen – inzwischen spielt er auch selbst, klaut den anderen schnell mal das Spielzeug und hat nichts dagegen, wenn ich zwei Meter weiter weg etwas zu trinken für mich besorge. Ganz von alleine. Das ist ganz allgemein meine Einstellung zu solchen Dingen: sie werden dann selbständiger, wenn sie dazu bereit sind, nicht wenn wir das wollen. Und ich glaube außerdem, dass Kinder leichter selbständig werden, wenn sie das eben ganz von alleine werden, wenn wir sie nicht dorthin schubsen – in jeder Beziehung. Dann, wenn sie sich die Zeit nehmen dürfen, die sie dazu brauchen und nicht noch zusätzlich verunsichert werden, indem sogar Mama sie in „unsichere“ Situationen schickt. Aber da könnte ich gerade schon einen ganz eigenen Blogpost dazu schreiben…

    • Dass Sie die selbe Erfahrung mit dem Knirps gemacht haben beruhigt mich ungemein. Dann kann ich guten Gewissens bei meiner Einstellung bleiben: wird es dem Quietschbeu zu viel nehme ich ihn zu mir. Danke schön :)

      • Naja, er ist ja immer noch nicht der mutigste in der Gruppe, da gibt es ganz andere ;-) aber es wird eben sichtbar besser. Wenn Sie das beruhigt, dann ist gut :)

  2. möglicherweise sagen alle ratgeber der welt was anderes. keine ahnung. aber vom gefühl her würde ich sagen:

    ich glaube nicht, dass du ihn zu seinem glück zwingen kannst. jetzt noch weniger (ich denke, jetzt ist er noch zu klein) als wenn er älter ist.
    ich glaube, er braucht die sicherheit, dass du da bist.

    ich habe zwei kinder und denke nicht, dass ich sie unterschiedlich behandelt habe, es war aber schon in den ersten wochen klar, dass die beiden verschieden sind. die große war von anfang an anderen menschen aufgeschlossen, hat sich nie beschwert wenn jemand fremdes da war, wenn sie von jemanden anderen gehalten wurde, ist mit einem jahr zu tagesmutter (beim ersten besuch dort bin ich schon kurz weggegangen – sie hat es nicht mal bemerkt), hatte bisher in keinem kindergarten/kindergruppe probleme sich innerhalb von tagen einzugewöhnen und wenn wir jetzt wo (z.b. restaurant) sind, übernimmt sie dort das kommando. sie ist absolut selbstbewusst.
    (von mir hat sie das nicht.)

    die kleine tochter kann sich zwar an anderen kindern begeistern (je lauter, desto besser), aber erwachsene können noch immer beängstigend sein. (wie ich sie mal an einen kindergarten oder etwas ähnliches gewöhnen werde, darauf bin ich jetzt schon gespannt. so leicht wie bei der großen tochter wird es sicher nicht. sie ist viel sensibler.)

  3. isabella

    sie schreiben immer so sensibel und sie machen sich soo viele gedanken, das rührt mich!

    meine tochter war genau das gegenteil und hendrik fremdelt nur ein bischen, aber ich denke dass sie sich keine sorgen machen müssen, ich kannte babys in der familie die waren auch sehr mama bezogen und vor allem lärmempfindlich. das ist halt so :-D seien sie nicht taurig, es muss ja auch nicht bedeuten, dass es immer so bleibt und selbst wenn, es ist eben nicht jeder unter fremden so extrovertiert.

    ihr kleiner bub ist so prima, so süß und quietschfidel aber eben auch empfindsam, er ist ja noch ein baby :)

    sie sind soo ein liebevolle mama, das lese ich immerwieder heraus :-D

  4. Sigrid

    Also ich kann mich den anderen Damen nur anschließen. Lassen Sie ihm seine Zeit. Mit fünf Monaten kann man Babys nicht zu ihrem Glück zwingen.
    Man kann es ab dem Kindergartenalter vielleicht probieren. Aber ich glaube Schüchternheit kann man nicht abtrainieren.
    Meine kinder sind da zwar „pflegeleichter“, aber manchmal ist mir die Forschheit meiner Tochter auch unheimlich. Angst vor fremden Leuten kennt sie nämlich gar nicht. Da wird mit fast sechs Jahren alles und jeder angequatscht.

    Sigrid

  5. Den ganzen Post finde ich WUN.DER.BAR

    Nur beim letzten Satz schüttels mich ein wenig. Was ist denn schon normal?
    Ich muss sagen, ich finde es viel „normaler“ das ein kleiner Zwerg sich wundert, wenn auf einmal viel um ihn herum los ist? „Normal“ ist doch mit Mama alleine zu sein und nicht so vielen Reizen ausgesetzt zu sein.

    Lassen sie ihm doch die Zeit in der es schafft die Ruhe zu genießen, es gibt viel zu wenig Menschen die das können.

    Kla, ist definitv die anstrengendere Variante. Aber, ich denke es gibt viele Situationen in denen Sie sich freuen, einen kleinen ruhigen Vertreter zu haben. Seien Sie (zu Recht) stolz auf seinen „Charakter“

    Liebe Grüße!

  6. ach, er ist doch noch so klein. mit fünf monaten braucht er halt noch siene mama. die babys spielen in dem alter sowieso noch nicht miteinander. auch nicht mit einem oder anderthalb Jahren. das geht erst viel später ab dem zweiten geburtstag irgendwann los. wenn dem QB das alles zuviel ist, dann ist das sein gutes recht. er wird dadurch kein am-bein-kleber. eher im gegenteil.

  7. Lass‘ ihn sein, wie er ist. Ich finde, dass unsere Aufgabe nicht die ist, unsere Kinder zu ihrem Glück zu zwingen, sondern die, sie anzunehmen, wie sie sind und ihnen Hilfestellung zu geben, wenn sie nicht wissen, wie.

    So wenig, wie ich das Koljakind bremsen kann, und sagen kann: nun guck‘ doch erst mal, warte doch mal ab!, so wenig kannst Du Deinen kleinen Knopf dazu zwingen, mehr drauflos zu leben.

    Aber ich kann meinem Kind erklären, dass es vielleicht besser ist, erst hallo zu sagen und dann mit zu machen, jemanden zu irgendetwas zu dirigieren – oder zu knutschen. Du wirst Deine Hilfestellung finden. Wenn es zeit ist.

  8. Erstens kann man niemand zu seinem Glück zwingen… nicht mal Erwachsene.
    Zweitens braucht jeder Mensch das Gefühl, ernstgenommen zu werden, und das gerade in seinen Ängsten: Angst haben wir vor dem, was uns existentiell bedroht. Ob das nun „objektiv“ so ist oder nicht, sieht der Ängstliche nicht, für ihn ist es real.
    Außerdem scheint dein Sohn nicht gerade ein Spätentwickler zu sein, es würde mich nicht wundern, wenn er das Siebenmonatsfremdeln ein wenig vorzieht (hab ich auch in dem Alter gemacht. ;)), und dann solltest du ihm einfach nur Rückzugs- und Zufluchtsperson sein und ihn bestimmt nicht „von dir wegstoßen“, wie er es empfinden würde, wenn du ihn zwängest, „sein Glück“ im Kontakt mit dem zu finden, was ihm Angst macht.

    Eine starke Rückversicherung ist es meiner Erfahrung nach, die auch schüchternen Menschen die Freiheit gibt, sich anderen, Unbekannten, zuzuwenden.

  9. Die Frage ist doch, wenn man den Kindern erst gar nicht das Gefühl gibt, dass sie etwas verpassen oder mutiger sein könnten, ob sie selbst überhaupt darunter leiden würden?!

    Zoe ist auch sehr schüchtern und mit ihren fast 5 Jahren geht sie erst langsam allein zu anderen Kindern nach Hause. Erst jetzt zu einem Geburtstag und nur weil sie die Mami da kannte und schon mit mir da war. Das finden manche KiGa Mütter komisch, weil sie ja schon so groß ist. Soll sie machen! Ich unterstütz sie da und steh hinter ihr. Ich zwinge sie auch zu nichts.

    Aber ich gab ihr schon mit zwei Jahren Geld, weil sie Süßigkeiten wollte als wir beim Einkaufen raus waren. Da ging sie allein hinein und kaufte sich ihre erste Süßigkeit allein…

    Du machst das goldrichtig würde ich sagen!

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