Quietschbeu, nach wie vor

Der Quietschbeu hat seinen Namen ja nicht umsonst bekommen. Der ein oder andere Leser wird sich vielleicht an meine frühe Berichterstattung erinnern, in der ich erzählte, der Quietschbeu habe ein unnatürlich schrilles, sehr hohes Organ. Inzwischen haben wir sogar von Kinderarzt die Bestätigung, dass der Quietschbeu das außergewöhnliche Talent besitzt, seine Stimmbänder stark zu straffen oder zu entspannen. Eigentlich eine Fähigkeit, die man erst sehr viel später erwirbt, manche Menschen sogar niemals in diesem Ausmaße.

So ist es für den Quietschbeu also normal, dass er sehr schrill und laut Quietschen kann. Es schmerzt in den Ohren, mir schießen manchmal sogar Tränen in die Augen und mein Hörvermögen verabschiedet sich für Minuten wie hinter Watte. Dann wiederum kann er so derart tiefe Basstöne erzeugen, dass einem ein kräftiger Schauer über den Rücken läuft. Dann ist seine Stimme tiefer noch als die des Miezmannes. Das Ganze erinnert dann ein bisschen an den Exorzisten.

Nun erhält der kleine Kerl ja auf seine ausgefallene Stimme immer irgendeine Reaktion. Die Leute sind erstaunt, betroffen, erschrocken … und so kommt es, dass er seine Stimme auch mal einsetzt, um eben Aufmerksamkeit zu erzielen. Sehr zu unserem Leidwesen.

Nach langem Suchen nach dem richtigen Umgang mit diesem Talent haben wir für uns nun beschlossen, dass wir seine Stimmübungen einfach ignorieren. Ist das Quietschen einmal besonders schlimm schließen wir auch mal z.B. die Küchentür und lassen ihn davor rum schreien, einfach damit er lernt, dass er so nicht an sein Ziel Aufmerksamkeit kommt.

Das ist hart und manchmal fürchterlich anstrengend. Aber wenn Sie nur einmal erlebt hätten, was ich hier versuche in Worte zu fassen … Sie würden verstehen.

Schwer ist es nur auch anderen Menschen begreiflich zu machen, dass sie seine Quietschanfälle ignorieren sollen. Das ist nämlich keineswegs lustig. Nicht auf Dauer und nicht, wenn Sie z.B. mit dem Quietschbeu in einem geschlossenen Auto oder kleinen Raum sind (oder ihn auf dem Arm haben).

Und ich bin gespannt, mit welchem Talent der Herr Minimiez uns überraschen wird (in meiner Horrorvorstellung hat er das selbe Talent und die Jungs versuchen sich gegenseitig zu übertrumpfen!)

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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9 Gedanken zu „Quietschbeu, nach wie vor

  1. Ich kanns gut nachvollziehen, Erna kreischt auch so furchtbar schrill… wenn ihr ein Pups quersitzt. Neuerdings auch, wenn ihr sonst irgendwas nicht passt. Wir haben schon komplette Abendessen mit dem Ignorieren einer ohrenbetäubend schreinden Erna verbracht.
    Ich wünsche Glück dass Minimiez etwas leiser ist ;-)

  2. oh ich kann mir das Geräusch sehhhhhhhhr gut vorstellen, der Kleine von meinem Chef fing mit 7-8 Monaten auch an in den höchsten Töne zu quietschen und dann war zwischenzeitlich mal 1 Monat Pause und dann ging es wieder los und war bis vor einem Monat (da fing dann mein Mutterschutz an) auch noch so. Da klingeln einem gewaltig die Ohren (Er ist jetzt knappe 18 Monate)…Also ich verstehe wie es dir geht und wünsch dir weiterhin gute Nerven und das es ganz schnell besser wird.

  3. Oh, Du hast mein VOLLSTES Verständnis fürs Türenschließen und auch fürs Ärgern, wenn andere nicht kapieren, dass sie es bitte ignorieren sollen! Ich kann das sooo gut, wenn auch bezüglich anderer (unerwünschter) Verhaltensweisen… ;-)
    Vor allem meine Schwiegereltern nerven mich komplett an, da sie z.B. beim letzten Besuch die „Hauversuche“ meines Kurzen durch Lachen, Mitmachen etc. so bestärkt haben, dass es deutlich schlimmer wurde seitdem. :( Obwohl ich ihnen sofort erklärt habe, dass sie ihm bitte umgehend und unmissverständlich klar machen sollen, dass Hauen nicht erwünscht ist. Das ist SO frustrierend!!!

    Also, wie gesagt: volles Verständnis! Lass dich bloß nicht davon abbringen, Ignorieren ist ein guter Ansatz und der Quietschbeu ist definitiv alt genug, um das zu lernen.

  4. ich kan mir vorstellen, dass das nciht lustig ist, vor allem wenn dieses schrille quietschen auch noch drohend wird…

    manchmal machen einem fremde leute tatsächlich einen strich durch die rechnung, weil sie entweder rumspaßen, bemitleiden/trösten, oder keppeln…und die kinder haben ihr ziel erreicht.

    positive oder negative aufmerksamkeit….

    unser hendrik fing erst recht spät damit an und vielleicht in eier midleren vorm als euer sohnemann..aber an vielen abenden gehe ich mit ohresausen ins bett..einfach weil ich permanent diesen trubel um die ohren hab..also ich verstehe, dass sie da mal gern die tür schließen!!!

  5. Ich muss ja leider sagen, dass die Kinder sich gegenseitig im Scheißelkram machen oft/ manchmal/ selten/ hin und wieder hochschaukeln, weil es halt so lustig ist, noch viel lauter als der Bruder/die Schwester zu sein… Also möge Gott ein Einsehen haben! :)

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