Bis einer heult! • Nachtschreck (kein Monster unterm Bett)
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3. August 2010 | Pia Drießen

Nachtschreck (kein Monster unterm Bett)

Vor einiger Zeit machte ich des Nachts die unliebsame Bekanntschaft mit dem sogenannten Nachtschreck. Dabei handelt es sich nicht um ein Monster, das im Kleiderschrank oder unter dem Bett sitzt, sondern um eine Schlafstörung bei Kleinkindern.

Die Symptome sind bei Wikipedia gut zusammen gefasst (die Hervorhebungen sind von mir):

Während der ersten Non-REM-Schlafphase (typischerweise 15 Minuten bis eine Stunde nach dem Einschlafen) schreckt das Kind mit einem Schrei aus dem Tiefschlaf und ist vegetativ zunächst so aktiviert, dass es für bis zu fünfzehn Minuten nicht ansprechbar sein kann. Das Kind verspürt in dieser Zeit eine große Angst, welche man am Vegetativum messen kann. Als Zeichen dieser vegetativen Erregung kommen kalter Schweiß, schneller Puls und beschleunigte Atmung vor. Das Kind erkennt seine Eltern nicht und ist nur sehr schwer erweckbar. Am Ende des Anfalls erwacht es und schläft meist wieder ruhig ein. Meist kann es sich daraufhin nicht an den Vorfall erinnern.

Wenn man das liest kann man sicher erahnen, wie schlimm so ein Erlebnis für die Eltern ist, wenn man vorher noch nie etwas von Nachtschreck gehört oder gelesen hat. Der Quietschbeu, völlig außer sich, in Panik, schlägt um sich und schreit so hysterisch, als ginge es um sein Leben. Natürlich habe ich versuch ihn zu wecken, ihn zu trösten, zu halten. Ich bekam einige fiese Schläge ab, wurde gekratzt und hatte große Mühe mein Kind überhaupt zu halten und nicht fallen zu lassen.

Später erfuhr ich dann beim Kinderarzt, was genau es mit dem Nachtschreck auf sich hat und dass man alles tun soll, nur das Kind bitte nicht wecken. Meist sind die Kinder dann nämlich noch verwirrter, ängstlicher und noch schlechter wieder zum Schlafen zu bewegen. Wie oben geschrieben erinnert sich das Kind an einen nächtlichen Nachtschreck nicht, wenn man diesen einfach vorübergehen lässt.

Ich habe mir daher angewöhnt den Quietschbeu daher einfach zu streicheln und neben ihm zu sein. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das auf den Arm nehmen den Schreck nur verstärkt und der Quietschbeu dann versucht sich hysterisch und mit aller Gewalt aus der Umarmung bzw. dem Griff zu lösen.

Diese Anfälle hatte der Quietschbeu bisher vier oder fünfmal. Immer kurz bevor er eine neue Fähigkeit erwarb. Der Kinderarzt geht daher von einer Überreizung des Nebensystems während des Schlafens aus. Kinder lernen ja bekanntlich im Schlaf am schnellsten und besten. Da der Miezmann als Kleinkind stark Geschlafwandelt ist, schließt unser Kinderarzt aber auch eine genetische Ursache beim Quietschbeu nicht aus.

Wenn man weiß, was Nachtschreck ist, wie man damit umgeht und dass dies nichts Schlimmes bedeutet, dann kann man recht gut damit umgehen. Auch während des Anfalls, wenn man seinem Kind in seiner Verzweiflung nicht helfen, sondern nur beistehen kann.

Wie ich heute darauf komme? Gestern via Twitter erfahren, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder während des Nachtschrecks filmen und das dann bei YouTube einstellen. Mit denen würde ich gerne mal weniger zärtlichen Körperkontakt pflegen … wenn Sie verstehen.

Außerdem möchte ich mit diesem Beitrag einfach informieren, dass es dieses Phänomen Nachtschreck gibt, damit niemand von Ihnen diese panische Angst empfinden muss, die ich empfand, als mein Kind das erste Mal einen Nachtschreckanfall erlitt und ich völlig unwissend und hilflos war.Flattr this

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Mairlynd / Aug 3 2010

    Der jüngste Sohn meiner Freundin hat regelmäßig den Nachtschreck. Es dauert etwa fünfzehn Minuten und meine Freundin sitzt, genau wie Du, einfach daneben, spricht leise, streichelt ihn und hält ihn, wenn er es zulässt. Irgendwann ist der Spuk dann einfach vorbei. Sehr erschreckend, wenn man nicht weiß, was das ist!

    Bei uns selbst bin ich nicht sicher, ob unsere Tochter dies auch schon einmal hatte. Sie wacht ab und zu auf und ist sehr außer sich, kratzt, schlägt und ruft laut „Nein!“, aber zum Glück hielt das bislang nicht länger als drei Minuten an. Irgendwann verstand sie, dass ich es war und liess sich halten und trösten, schlummerte dann wieder weg.

    Erschreckend finde ich auch, dass es scheinbar einige Kinderärzte gibt, die das Phänomen überhaupt nicht kennen und die ratlosen Eltern mit einem Schulterzucken stehenlassen…

  2. Mama Miez / Aug 3 2010

    @Mairlynd
    Hört sich auch bei Euch nach Nachtschreck an. Die wenigsten Nachtschrecker haben laut unserem Kinderarzt so lange Anfälle. Im Regelfall daure so ein Anfall wohl 5 Minuten.
    Schlimm finde ich auch, wenn Eltern mit „Das wird wohl’n Albtraum gewesen sein“ abgespeist werden. Man spürt ja doch, dass es „mehr“ gewesen sein muss.

  3. Piraat / Aug 3 2010

    Bei uns gabs diesen Nachtschreck vor ein paar Wochen das erste Mal. Allerdings wußte ich bis eben nicht, was die Ursache für das panische Weinen war. Ich hab natürlich den Fehler gemacht und den Kleinen gleich auf den Arm genommen um ihn zu trösten. Natürlich gelang es mir nur sehr schwer und es hat auch außergewöhnlich lange gedauert. Bis dann wieder an Schlafen zu denken war, ist eine ganze Stunde vergangen. Danke für diesen hilfreichen Beitrag, der mir vielleicht in Zukunft ein bischen mehr Ruhe gibt in solch einer Situation!

  4. Sabrina / Aug 3 2010

    Endlich weiß ich was Sam immer hat. Also immer ist übertrieben, bei uns taucht es bei fast jeden Schub auf. Aber meist so gegen morgen hin. Ich hab immer versucht ihn zu wecken, aber nun weiß ich wie ich damit umgehen muss. Irgendwie beruhigend zu lesen das das „normal“ ist und einige haben. aber die Videos sind echt unterste Schublade -.-

  5. Mo* / Aug 3 2010

    Wie jetzt?
    Es gibt Eltern die das filmen und es bei Youtube einstellen?

    Manche Blogger machen sich einen Kopf wie weit sie gehen wenn sie über ihre Kinder bloggen und mal ein Bild posten, und andere stellen ihre Kinder auf Youtube bloß..
    Ihren dazugehörigen Tweet habe ich gelesen. Und habe dem nichts hinzuzufügen.
    Jawohl.

  6. Tatti / Aug 3 2010

    Ohjeh…ich hab jetzt nicht den ganzen Text gelesen,aber bei der Überschrift kommen Erinnerungen hoch. Wir hatten das auch ne ganz lange Zeit nachts,wenns ganz schlimm war 3-4h lang. Mitlerweile gibts das hier und da nur noch ein mal in der Nacht und kann meist mit ner Flasche und schhhhhhh-lauten „behandelt“ werden. Ich habe auch damals über Yout.ube filme gesehen und habe mich gefragt,wie man das Filmen kann. Ich selbst habe überlegt (als ich noch nicht wusste,was es war und niemand irgeneine Idee hatte)das Ganze zu Filmen und dem Arzt zu zeigen,aber ich heule schon mit,wenn der kleine Mann,abends überhaupt nicht in den Schlaf kommt und so muss ich solche Situationen nicht als „Erinnerung“ festhalten und schon gar nie nie nie nicht ins Net stellen. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Manchmal überlege ich was der kleine Mann später darüber sagt,das ich Bilder und Videos von Ihm online stelle und versuche abzuwägen,ob das bild nun peinlich ist oder einfach nur süß…Manchmal ist das gar nicht so einfach. Tzä ich schweife aus….Solche Videos über Yout.ube oder Blogs öffentlich?! Nein geht gar nicht!
    Liebe Grüße Tatti

  7. Toschka / Aug 3 2010

    Solche Videos kann man doch bei YouTube melden, ich hab grad mal nachgeschaut, da gibts diesen Button „Als unangemessen melden.“ Keine Ahnung allerdings, ob das dann auch wirklich rausgenommen würde, ich bin nicht bei YouTube und kenne deren Kriterien nicht (und diese Videos zum Glück auch nicht).

  8. einfachich / Aug 3 2010

    oh ja, das haben wir auch erlebt. meine tochter war damals eineinhalb und in manchen nächten/abenden schrie sie einige minuten wie von der tarantel gestochen. auch sie schulg um sich, verweigerte jeglichen körperkontakt usw. ich dachte erst mal sie hätte schmerzen.. bis mich mal eine (ältere) mutter auf eben diesen nachtschreck hinwies und ich es dann beim damaligen kinderazt ansprach. ich war auch oft am verzweifeln und irgendwie wütend auf mich, weil ich mein eigenes kind nciht beruhigen konnte.

  9. aleXXblume / Aug 3 2010

    Kennen wir auch! Unser Großer hatte das jahrelang immer wieder. Mit der Zeit gewöhnt man sich als Eltern daran, es verliert – zumindest für einen selbst – etwas den Schrecken. Und „in Ruhe lassen“ hilft echt am meisten, finde ich. Dann geht es am schnellsten vorbei. Einfach still dabei bleiben und begleiten.

  10. 123Moni / Aug 3 2010

    Oh, ja, das hatte unser Sohn auch, sogar recht lange, noch bis weit in das Kindergartenalter hinein. Uns wurde auch erklärt, dass es eben ein „Unreifeprozess“ in der Hirnentwicklung ist, das „unfallfreie“ Wechseln zwischen den verschiedenen Schlafphasen, insbes. eben das für uns selbstverständliche kurze, unvollständige Erwachen, wo wir uns dann eben leicht benommen einfach umdrehen und weiter schlafen, funktioniert eben noch nicht. Unser Sohn hat, sehr schön in einem hellhörigen Mehrfamilienhaus, immer laut und schrill „Neiiiiin, geeeeeh weg, weeeeeg, neiiiin…!“ gebrüllt – ich musste die Nachbarn die nachfragten erstmal aufklären, dass wir ihm da in der Nacht NICHTS antun… macht schon irgendwie Angst. Unser Sohn ist auch einfach losgekrabbelt, volle Kanne gegen die geschlossenen Kinderzimmertür, Kopf voran, ist trotzdem eben erst dann erwacht, als der Anfall vorbei war. Er konnte sich nie an was erinnern, war dann meist etwas schwitzig, wollte was trinken und ist dann wieder eingeschlafen. Ich vergesse allerdings niemals diese „irren“ aufgerissenen Augen, das hat mir echt Angst gemacht, der schaute total durch uns hindurch, das Problem ist eben auch, dass Berührungen, da die Kids ja eben nicht „erkennen“, da im Schlaf, als Bedrohung empfunden werden. Aber der Kinderarzt sagte, es verwächst sich SPÄTESTENS rechtzeitig zur Schulzeit, bei uns war es auch so, in gaaanz wenigen Fällen bleiben so verwandte Störungen nach, was dann die „Fitness“ des Kindes echt beeinträchtigt, da es eben dann recht unerholt ist am Morgen, DANN muss man da behandeln. Bei uns war es immer, wenn der Tag besonders „aus dem Rhythmus“ war, insbes. wenn der Mittagsschlaf flach fiel, da konnte man die Uhr nach stellen… (sagte der KiArzt dann auch, auf Regelmäßigkeit im Schlaf/Wach-Rhythmus achten, nie stark übermüdet ins Bett)

    Wünsche Ihnen, dass es nicht zu oft wieder kommt…!! (WIR waren danach immer lange wach, das Kind schlief wie ein Stein !)

    Moni

  11. 123Moni / Aug 3 2010

    …im Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ steht ein ganz guter Artikel dazu drin – auch mit Abgrenzung zu Alptraum u.a., und den Schlafmustern!! (…sonst finde ich das Buch ja eher….naja, nech…) ;)

    Moni

  12. ANNA / Jul 29 2012

    HALLO; VOR EINIGEN WOCHEN IST MIR GENAU DAS GLEICHE MIT MEINEM 22MON ALTEN SOHN PASSIERT. ES PASSIERTE SOGAR BEREITS 3-4 MAL. NUN CA 2 WOCHEN HER WO RUHE IST. EINMAL GESCHAH ES SOGAR ZUM MITTAGSSCHLAF. DAS SCHLIMMTE WAR ABER NACHTS; GEGEN MITTERNACHT SCHRIE ER LAUT UND LIESS SICH NICHT BERUHIGEN. ER SCHLUG NUR UM SICH ALS ICH IHN HOCHHEBEN WOLLTE UND STIESS MICH WEG. ES WAR FUERCHTERLICH. DAS GANZE DAUERTE CA. 30 MINUTEN UND MIR GING ES EINFACH NUR ELLEND. ALS ALLEINERZIEHENDE MUTTER NIMMT MAN SICH DAS WOHL EIN BISCHEN MEHR ZU HERZEN WENN DER SOHNEMANN EINEN WEGSTOSST UND SICH NICHT TROESTEN LAESST. SCHLIESSLICH KONNTE AUCH ICH MEINE TRAENEN NICHT MEHR HALTEN UND WIR WEINTEN GEMEINSAM BIS ER ENDLICH WIEDER ZU SICH KAM UND MICH DANN TROESTETE. NUN WEIS ICH DARUEBER BESCHEID ABER ICH KANN NICHT SAGEN DASS ICH BEIM NAECHSTEN MAL NICHT WIEDER MIT IHM HEULEN WERDE…..MICH NIMMT ES EINFACH ZU SEHR MIT.

  13. Tina J. / Jun 8 2014

    Ihr Blog ist sehr tröstlich, amüsant und verpasst grausamen Alltagssituationen eine gehörige Portion Leichtigkeit und Humor. Danke! Ich bin seit 5 Monaten zum ersten Mal Mutter und ich werde gerne Ihren Blog weiter lesen. Er ist motivierender als jedes Buch das ich bisher in den Händen hielt.

  14. Mirijam Rausch / Jun 10 2014

    Hab das jetzt hier auch das erste mal gelesen nachtschreck.
    können das auch noch sehr kleine bekommen?
    Mein Sohn neun Monate hatte so ein ähnliches Erlebnis vor 2 tagen.

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