Bis einer heult! • bei Weitem nicht ...
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5. August 2010 | Pia Drießen

bei Weitem nicht …

„Oh, die Beiden sind aber nicht weit auseinander?“
„14 Monate.“
„Oh Gott!“
„Ach, das ist alles bei Weitem nicht so schlimm, wie man denken könnte.“
„Das kommt noch!!!“
„…?“

Hört man in der Regel von Frauen, deren Kinder mindestens 2,5 Jahre auseinander liegen. Oder von Fahrstuhlbekanntschaften bei IKEA. (Der Miezmann sagt, ich solle das nicht so eng sehen. Was sollen die Leute auch sonst sagen? Die meinen das sicher nur nett …)

Es ist jetzt nicht so, dass zwei Kinder genau so anstrengend sind, wie eins. Natürlich ist es anstrengender! Natürlich muss man sich neu organisieren und auch mal einen von Beiden weinen lassen, weil der andere gerade Aufmerksamkeit beansprucht.

So muss das Löwenmäulchen schon mal weinen, wenn der Quietschbeu gestürzt ist und dicke Tränen heult. In diesem Moment ist es nämlich der Quietschbeu, der ein emotionales Erlebnis hat und Bestand braucht, während das Löwenmäulchen mit hoher Wahrscheinlich „nur“ Hunger oder die Windel voll hat. Das liest sich jetzt härter, als es ist, aber in diesem Moment muss ich eben entscheiden. Da gibt’s keine Zeit für langes abwägen, ob das Löwenmäulchen möglicherweise einen emotionalen Schaden davon trägt, wenn er jetzt fünf Minuten weinen muss, ohne dass einer kommt.

Es gab auch schon Tage, an denen Beide immer abwechselnd heulten. Der Quietschbeu zahnte und das Löwenmäulchen schubte. Passiert. Ist sehr anstrengend, aber vergeht auch wieder.

Wenn ich schreibe, dass das Löwenmäulchen ein pflegeleichtes Baby ist, dann heißt das nicht, dass er nie weint. Er weint halt nur bei den üblichen Bedürfnissen und auch dann nicht sonderlich laut oder schrill. Er ist leicht und umgehend zu befriedigen. Manchmal reicht das bloße hochnehmen, um noch mal 15 Minuten bis zu Mahlzeit weinfrei herauszuschinden.

Wenn wir das Haus verlassen ist das anstrengendste, das gleichzeitige Treppe herunter tragen der Kinder. Das Löwenmäulchen wiegt immerhin nun auch schon 5 Kilo + 3 Kilo Babyschale in der Linken, während der Quietschbeu mit ca. 11 Kilo auf der rechten Hüfte sitzt. Dazu dann noch mindestens eine Tasche, manchmal mehr. Natürlich habe ich in der rechten Hand als Rechtshänder mehr Kraft, aber aus einem unerklärlichen Grund hängt der Quietschbeu auf der linken Hüfte wie ein nasse Sack, während er auf der Rechten ordentlich Körperspannung hat. Und da 11 Kilo nasser Sack schwerer sind als 11 Kilo Körperspannung, muss ich den Maxi-Cosi also in der linken Hand tragen. Ist der Quietschbeu aber erst mal im Auto verstaut, ist der Rest völlig entspannt (es sei denn, es regnet in Strömen).

Was man im Übrigen tatsächlich mit einem Kind mehr hat: mehr Wäsche. Was daran liegen mag, dass das neue Kinde eben auch Kleidung trägt, die man waschen sollte. Ich finde diese Frage sehr merkwürdig und bekomme sie dennoch regelmäßig gestellt. „Hast Du jetzt auch mehr Wäsche?“ – „Nein, wir lassen das Löwenmäulchen nackt.“ Mehr ist sowas von Relativ. Die drei Bodys, Höschen und Socken mehr, die da in der Maschine landen, machen für mich zwar mehr Wäsche, aber noch nicht mehr Arbeit. Also auch nicht anstrengender als vor dem Löwenmäulchen.

Heute wollte der Quietschbeu einen Köpper über die Sofalehne machen, während ich das Löwenmäulchen stillte. Nur mit Engelszungen konnte ich ihn davon abhalten, nachdem mein „Nein!“-Rufen in diversen Tonlagen und Farbtiefen völlig ignoriert wurde und ich zwischenzeitlich mit dem Löwenmäulchen an der Brust einen Hechtbagger quer übers Sofa hinter mich gebracht hatte.

Es werden Zeiten kommen, in denen mein häufigstes Wort nicht mehr „Nein!“ sein wird, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Taktung vorher noch mal stark erhöhen wird. Nämlich genau dann, wenn das „Nein!“ nicht mehr nur den Quietschbeu, sondern auch dem Löwenmäulchen gelten wird.

Ich weiß, es werden anstrengendere Zeiten kommen, aber ich habe da keine Angst vor. Als der Quietschbeu noch so klein war, wie das Löwenmäulchen jetzt, da war ich nervlich sehr viel labiler, unsicherer und ausgelaugter, als ich es jetzt bin. Ich denke tatsächlich, dass man doch irgendwie mit den Aufgaben wächst.

Insofern bleibe ich bei meiner Antwort:

„Ach, das ist alles bei Weitem nicht so schlimm, wie man denken könnte.“Flattr this

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Pepita / Aug 5 2010

    Liebe Miezmama, das klingt echt gut und vor allem entspannt. Und ich meine, die Arbeit verdoppelt sich nicht, sondern die Prioritäten verschieben sich einfach. Einiges wird entspannter, anderes auch anstrengender. Irgendwann wird die NEIN-Quote geringer, dafür der Wäscheberg größer und der Familienwocheneinkauf erst recht. Und der Spaß, der wird auch immer größer. Das sagt hier eine Mutter, die ihr zweites Kind erst irgendwann kriegt, sich das aber genauso vorstellt. Und die sich durch Ihre Berichte ermutigt fühlt (obwohl sie zu den Müttern gehört, deren Kinder drei Jahre Altersunterschied haben). Herzliche Grüße, Pepita mit Julito

  2. sabrina / Aug 5 2010

    Hmmm, vielleicht liegt das wirklich an dem kurzen Abstand zwischen den beiden. Denn ich fand es jetzt mit 2 Kindern sehr anstrengend. Ich bin froh, wenn sich bald der Kindergarten eingespielt hat und ich mich wieder überwiegend auf ein Kind konzentrieren kann.Wahrscheinlich liegt es daran, das ein fast 3 Jähriger doch von einem mehr abverlangt als ein 1Jähriger. Wiederum gibt es sicherlich Dinge die wesentlich einfacher sind, zB das der 2.bereits sicher die Treppen gehen kann :-) Trotzdem komm ich mir ständig vor wie ein Packesel – Maxi Cosi mit mittlerweile über 8kg Kind, Wickeltasche die auch gefühlte 20KG wiegt, einkäufe und dann noch einen 3 Jährigen der in die entgegen gesetzte Richtung will. Zu packen ist das alles…

  3. eva / Aug 5 2010

    ich sehe, du hast viel energie, das ist toll. ja, wir wachsen mit unseren aufgaben. was m.e. sehr wichtig ist, und ich habe nun 8 jahre mit 3 geburten und somit 3 kleinkindern hinter mir, verliere dich selbst nicht aus dem blick. erlaube dir deine kindfreie zeit. habt auch eure paarzeit im auge. erstarrt nicht in euren rollen. ich bzw wir durchleben grad eine ziemliche krise aufgrund dieser probleme. ich habe mich jahrelang zu sehr in der mutterrolle, unbewußt, verloren. mein mann zu sehr in der versorgerrolle. in dem dauerlaufenden alltagsmuehle haben wir uns weit voneinander entfernt. es IST kein pappenstil, 2 und mehr kinder hintereinander zu gebaeren und gross zu ziehen. es erfordert dauernde aufmerksamkeit, 24std einsatz. es gab und gibt phasen, in denen ich dachte, dass ich keinmal das wort mama mehr hoeren kann ;)
    wir fuehlen uns oft ausgelaugt, abschalten ist schwierig mit 3 kids. man muss dauernd den alltag ofganisieren, kinder rumfahren.
    ich denke, DAS ist die wahrheit, die hinter diesen spruechen steckt. weil oft erst im rueckblick erkannt wird, wir anstrengend es oft sein kann und wird und bleibt, ne nach kindern.
    die art, ueber das thema zu kommunizieren, ist natuerlich beknackt. klar hat man mehr waesche. tonnen, und ja mir gehts echt an die substanz, jahrelang mind. 8-10 maschinen die woche zu waschen und weg zu falten. was wir alles an seelischen dingen bewaeltigen muessen, kann ich hier gar nicht beschreiben.
    es ist wahnsinnig viel arbeit, ja. aber eben nicht fuer die katz sondern fuer das liebste, was wir je produziert haben, unseren nachwuchs.
    lg eva

  4. Mama Miez / Aug 5 2010

    Ich bezog mich mit diesem Beitrag jetzt ganz speziell auf unseren kurzen Altersabstand, denn genau darauf beziehen sich die meisten Schwarzmaler um uns herum.

  5. eva / Aug 5 2010

    ach, weisst du, genauso hoeren wir es immer noch ca 1x die woche mit je 2 jahren abstand ;) wenn die 3 wie die orgelpfeiffen nebeneinanderstehen. dann bin ich stolz, aber die anderen sagen nur: da haste aber sicher ohne ende waesche!? die diskussion um den altersunterschied ist ja hinfaellig, da individuell, wie wir schlauen frauen ja bereits wissen ;)
    hier in brd sieht man ja oft nur die ganze arbeit, die hinter allem steckt, aber selten das vergnuegen, was wir auch mit unseren kindern haben, und dass manches durchaus so gewollt ist. und es fehlt an verstaendnis fuer individualität.
    sorry, wenn ich den inhalt deines beitrags verfehlt hab ;)
    lg eva

  6. Katrin / Aug 5 2010

    „Das kommt noch“ kann ich nicht bestätigen. Unsere Kinder sind zwar 20 Monate auseinander und keine 14, aber ich denke, das macht wenig Unterschied (mit unserem Abstand hatten wir im Gegenteil sogar noch viel mehr mit Eifersucht der Großen zu kämpfen …).
    Die ersten 8 Monate fand ich furchtbar, das lag aber vor allem daran, daß unser Sohn nachts nicht schlief und die Tochter tagsüber den Mittagsschlaf abschaffte.
    Die Zeit danach war anstrengend, aber ich denke, nicht anstrengender als mit größerem Abstand.
    Seit ungefähr einem Jahr habe ich kaum mehr etwas zu tun. Die Kinder sind zusammen im Kindergarten, sobald sie nach Hause kommen und gegessen haben verschwinden sie im Zimmer und ich sehe sie nur noch sporadisch über den Nachmittag verteilt :-)
    Sie sind wie Zwillinge, lieben sich heiß und innig, streiten zwar auch mal, aber insgesamt können sie nicht ohne einander (sie sind mittlerweile fast 4 und 5,5 Jahre).
    Bleiben Sie bei Ihrer Meinung und der positiven Einstellung, das macht sich bezahlt !

    P.s.: Könnte ich eventuell das Passwort haben ? Ich würde sooooo gerne mal die beiden Jungs „in natura“ sehen …

  7. Svenja / Aug 5 2010

    Ich finde es immer toll, was sich Andere (meist Fremde) für Gedanken machen.
    Das ist genauso lästig wie die Frage nach dem Durchschlafen. Das tut die Kleinste jetzt mit 18Monaten noch nicht. Na und? ICH muss ja nachts aufstehen und werde es überleben. Wird ja auch besser, gell?

    Als wir Kind #3 verkündeten kam auch von allen Seiten: „Na habt ihr euch das gut überlegt? Drei Kinder unter 6? Das wird anstrengend…“ Ist es auch, keine Frage. Und die angesprochenen Wäscheberge sind mittlerweile enorm. Aber es wird besser und es hat doch keinen zu interessieren. Wir haben den „Stress“ und die Arbeit. Aber auch die ganze Entschädigung in Form von drei wundervollen Kindern und dem Wissen, dass es genau SO richtig war – Für uns!

    Aber entweder ist der Altersabstand für Umstehende zu gering oder schon zu groß. Es ist alles irgendwie verkehrt. Für Andere. Nicht für einen selbst.

    In dem Sinne: Machen Sie weiter so. Im Moment strahlen Ihre Worte eine angenehme Entspanntheit aus :)

  8. Mairlynd / Aug 5 2010

    Ich kann es Dir so dermaßen gut nachfühlen… seit Monaten bekomme ich dieselben Kommentare. Bekomme Blicke als wäre ich nicht ganz bei Sinnen, so kurz hintereinander zwei Kinder zu bekommen. Bei Dir muss es noch schlimmer gewesen sein – da ist der Abstand noch ein wenig geringer.

    Meine Gedanken hier, und unheimlich liebe Kommentare, stehen hier, vielleicht magst Du nachlesen.

    Ansonsten: Da rein, da raus… ich versuche regelmäßig, mich daran zu halten. :-)

  9. Also als erstes vorweg: zwei Kinder sind mehr Arbeit als ein Kind, aber nicht doppelt so viel Arbeit.
    Aber ich glaube schon, dass ein sehr kurzer Abstand zwischen 2 Kindern tendentiell schwieriger ist, als ein etwas längerer Abstand. Bei einem längeren Abstand können die Älteren teilweise sogar etwas entlasten. Aber ich glaube auch, dass es im Laufe der Zeit nicht schwieriger wird, sondern einfacher. Oder anders schwierig. Eben so, wie auch bei Kindern, die weiter auseinander sind.

    Und mal ganz nebenbei, es gibt ja auch durchaus Mütter, die zwei oder drei Kinder in noch kürzeren Abständen zur Welt bringen. Teilweise liegen sogar nur Minuten zwischen den Geburten und auch die packen das. Werden übrigens erstaunlicherweise weniger „bemitleidet“ als die Mütter mit Abständen wie du. Bei Zwillingen sagen dann viele noch sowas wie „Dann habt ihr es in einem Aufwasch durch.“

  10. ToSiLuHa / Aug 5 2010

    Gute Einstellung!
    Unsere haben es immerhin auf 16 Monate Abstand „geschafft“.
    Es gibt solche und solche Phasen.
    So what?!

  11. Patricia / Aug 5 2010

    „Da rein, da raus“ trifft das Ganze gut! War auch meine Devise, wenn uns Leute darauf angesprochen haben, wie FÜRCHTERLICH anstrengend es doch sein muss, drei Kinder unter fünf zu haben. War es komischerweise auch gar nicht. Ich fand die Zeit mit einem Kind allein viel viel anstrengender (unser Großer hat ein ähnliches Organ wie der Quietschbeu) als die Zeit mit zwei bzw. drei Kindern. „Die Leute“ haben immer irgend etwas zu sagen, egal bei welchem Altersabstand, und bei jedem Kind werden die Kommentare ein Stück merkwürdiger, habe ich den Eindruck …

  12. FrSchnütchen / Aug 6 2010

    Ich finde es toll, wie du noch auf solche Kommentare freundliche Antworten geben kannst … überhaupt, ich kann den letzten Worte dir nur zustimmen: man wächst wohl mit seinen Aufgaben und bei Kind 2 sieht man vieles vllt auch gelassener und ist nicht mehr so verunsichert wie bei Kind 1 …

    Alles Liebe Euch Vieren :)

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