Bis einer heult! • Grenzgänger
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8. August 2010 | Pia Drießen

Grenzgänger

Der Quietschbeu ist aktuell in einer Phase, in der er jede Grenze bis aufs Letzte austesten muss. Er schlägt auf den Fernseher ein, bis der wackelt, zum Beispiel. Heute hat er mir mehrfach sehr unsanft an den Haaren gezogen und sowohl den Miezmann wie auch mich „gehauen“. Immer mit erwartungsvollem Blick, wie wir wohl reagieren würden. Außer „Nein!“ fiel mir ehrlich gesagt nicht viel ein. Ich hielt auch seine Hände fest, sah ihm tief in die Augen, „erklärte“ … es ist nicht einfach.

Wie um alles in der Welt zeige ich einem 15 Monate alten Kind, dass es eine Grenze überschritten hat? Wie oft muss man „Nein!“ sagen, um sagen zu können, dass ihn das „Nein!“ nicht die Bohne interessiert? Und was soll oder kann einem nicht erfolgreichem „Nein!“ folgen?

Wir haben ihn bisher dann aus der Situation genommen, z.B. in den Flur gebracht und ihn dort stehen lassen. Er sah das als Spaß an und kam laut johlend wieder hinter uns her geflitzt (worüber man dann sehr Lachen muss und das krampfhaft versucht zu verstecken, um ja glaubhaft böse zu bleiben).

Kann ein so kleines Kind schon Konsequenzen verstehen? Wie z.B. das umgehende ins Bett bringen, weil er sich nicht davon abbringen lässt, mit Essen zu werfen?

Ich weiß es nicht. Ich muss das jetzt erst herausfinde und hoffe, dass Sie mir von Ihnen Erfahrungen berichten. Was hilft bei Ihnen, was hilft nicht? Wie handeln Sie und was halten Sie für absolut falsch?

Meine größte Sorge ist, etwas falsch zu machen und dem Quietschbeu eben genau das falsche Verhalten zu vermitteln oder zu bestärken.Flattr this

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Dickbauchmarie / Aug 8 2010

    Also hier wurde auf beißen und hauen mit weggehen sanktioniert,d.h Mama wird gehauen,also geht Mama raus und lasset das Kind allein stehen.oder Mama will etwas wegnehmen,Kind beißt,Mama geht mit Objekt der Begierde.klappt ziemlich gut,so gut dass mir jetzt nach Aufforderung die Dinge sogar ausgehaendigt werden ;)

    Das mit dem essen allerdings hab ich noch nicht geloest,da bin ich ebenso ueber Tipps dankbar,essen wegnehmen bzw ohne essen ins Bett gehen ist hier keine Option,da warten die mir schon verhungert.

  2. Kat / Aug 8 2010

    In jedem Fall wird es wohl Zeit brauchen, bis er versteht worum es wirklich geht.

    Wir haben es meistens so gehandhabt, dass unsere Tochter in extremen Phasen in ihr Zimmer gehen musste und wir die Tür geschlossen haben. Das gefiel ihr mit der Zeit gar nicht. Wir haben ihr auch stets immer versucht zu erklären, warum sie in ihr Zimmer muss. Bei harmloseren Sachen haben wir ihr erklärt, dass wir traurig sind, weil es uns weh tut z.B. wenn sie gehauen hat. Wenn sie tritt, dann lasse ich sie meistens einfach in Ruhe und gehe wortlos.

    Mittlerweile versteht sie es zunehmend. Sie weiß auch, wenn wir sie fragen, ob sie lieber in ihr Zimmer möchte, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung war.

    Vieles ist halt auch situationsbedingt, aber ab einem bestimmten Punkt und mit etwas Konsequenz, verstehen die Kleinen schon, was der Punkt ist.

    Ach ja, und in manchen Situationen hilft auch einen Szenenwechsel, damit die Kleinen sich abreagieren können, den manchmal steckt hinter dem Verhalten auch einfach pure Langeweile.

  3. Minizickenmama / Aug 8 2010

    Wir warnen die Minizicke immer bevor eine Konsequenz folgt. Sagen ihr auch wie folgende Konsequenz aussehen wird z.b. „wenn du das noch einmal machst nehme ich dir den Teller weg“ o.ä. (situationsabhängig natürlich) – (oben genannter Satz in einer Situation wo sie am Tisch rumkasperte und meinte alles tun zu müssen außer essen). Wenn wir sie in ihr Zimmer schicken oder manchmal auch bringen lassen wir die Tür immer offen, damit sie sich nicht ausgesperrt fühlt. Wenn sie die Türe zu macht hat sie dann selbst entschieden das sie uns nicht sehen/hören will. Ob das nun allerdings in dem Alter umsetzbar ist weiß ich nicht, und ehrlich gesagt weiß ich auch kaum noch wie ich reagiert habe als die Phase vom Grenzen testen anfing.

    Ich hoffe aber ihr findet einen Weg dem QB verständlich zu machen was er darf und was nicht (wobei die kleinen das ja meist eh ganz genau wissen)

  4. Kpod's Keeper / Aug 8 2010

    Hmm, meine Idee wäre wohl, das Kind, wie ihr das auch gemacht habt, aus der Situation zu nehmen.
    Vielleicht auch das Kinderzimmer mit einem Türgitter zu sichern und dort das Kind für wenige Minuten abzusetzen.
    So dass es merkt, wenn es nicht nett zu seinem sozialem Umfeld ist, muss es alleine spielen.

  5. Schussel / Aug 8 2010

    Du hast gefragt, ja? ;-) Also nicht falsch verstehen.

    Nein, ich denke nicht, dass ein Kind in diesem Alter solche „Konsequenzen“ verstehen kann. Du sagst ja selbst bei Deinem Beispiel mit dem „auf den Flur stellen“ – er sieht das als Spaß an, obwohl der Zusammenhang noch relativ offensichtlich ist – wenn ich jemandem weh tue, muss ich weg von dem. Wie sollte er dann erst den Zusammenhang zwischen heruntergeworfenem Essen und wortkargem ins Bett bringen verstehen?

    Jedes Nein wird anfangs als Spaß gesehen, als Spiel, als unsere Reaktion. Um zu verstehen, dass wir gewisse Dinge nicht wollen, müssen die Kleinen erst ein gewisses Einfühlungsvermögen in andere Menschen entwickeln. Noch lösen sie sich ja gerade erst von uns ab, lernen, dass sie überhaupt eigenständige Wesen sind. Und es ist wohl gar nicht so leicht zu verstehen, dass Mama etwas weh tut, was Knirps oder QB doch so viel Spaß macht. Allein diese Einsicht, „mir tut das Hauen gar nicht weh, aber ihr trotzdem“, die dauert noch viel länger. Klingt für uns Erwachsene absurd, oder? Aber es ist wohl tatsächlich so, dass ein Kind in diesem Alter erst begreifen muss, dass andere Menschen Dinge *anders* wahrnehmen als sie selbst. Dass sie nicht der Nabel der Welt sind. Dabei müssen wir ihnen helfen, weil sie mit ihren Gefühlen, mit ihren Handlungen noch nicht so zielsicher umgehen können.

    Natürlich kann man trotzdem vorher solches Verhalten unterbinden zu versuchen. Soweit ich das sehe und kenne, aber nur mit einem Mittel: Angst. Man kann mit Varianten von Liebesentzug drohen (nicht mehr kuscheln, „böse“ sein, Kind alleine im Zimmer lassen), so dass ein gerade Einjähriger Angst hat, von den wichtigsten Personen der Welt verlassen zu werden – in freier Wildbahn sozusagen das Todesurteil – , und damit gewisse Dinge aus purer Furcht sein lässt. Oder auch nicht sein lässt. Man kann drohen und schimpfen und grob werden und damit direkt Angstgefühle auslösen. Alles funktioniert auf die gleiche Weise. Für mich definitiv keine Mittel. Ansonsten bleibt nur: warten, bis die entsprechenden Entwicklungsschritte vollzogen sind, bis Einfühlung da ist, Verständnis für Grenzen anderer (wo man doch die eigenen gerade erst findet), Geduld, Liebe.

    Falls Dich das ganze tiefer auf theoretischer/entwicklungspsychologischer Ebene interessiert: schau mal hier hin. http://www.rund-ums-baby.de/entwicklung/emotionales_bewusstsein_3.htm
    Das komplette Buch ist auch sehr spannend, aber auch langwierig und theoretisch, lohnt sich aber bei Interesse.

    Wie wir damit umgehen? Mit Geduld und Liebe. Ja, ich sage und zeige dem Knirps (auch mit nicht gespielten „Aua“-Schreien), dass es mir nicht gefällt, wenn er mich schlägt oder beisst. Notfalls halte ich ihn auch irgendwann fest, wenn es mir wirklich weh tut, oder lenke ihn ab, oder setze ihn zum Mann. Ich erkläre und weiss, dass die Erklärung erst in einigen Jahren endgültig ankommen wird. Wenn Dinge kaputt zu gehen drohen, nehmen wir diese Dinge ohne viel Kommentar aus dem Schussfeld, oder wir nehmen ihn mit (wohlgemerkt gemeinsam mit einem von uns) an einen anderen Ort. Wenn weder Menschen noch Dinge in Gefahr sind, dann ignorieren wir das ganze. Ja, auch fliegende Becher und ähnliches, oder auf den Boden werfen und auf dem Tisch hämmern. Er macht das nicht, um uns zu ärgern, sondern weil er noch nicht gelernt hat, sich zu beherrschen. Irgendwann wird er es lernen – weil er weiss, dass es uns stört, nicht, weil er Angst vor uns oder den Konsequenzen hat. Damit fahren wir ziemlich gut. Damit bin ich auch schon bei meinen AuPair-Kindern sehr gut gefahren.

    Und zweitens gehe ich immer davon aus, dass sein Verhalten einen Grund hat, und stelle viel lieber den ab, als irgendwelche „Konsequenzen“ auszudenken. Wenn er müde ist, muss er schnell genug zu essen bekommen und schlafen dürfen. Wenn er mehr Aufmerksamkeit benötigt, als wir ihm geben (oder gerade geben können), müssen wir auf irgendeine Weise dafür sorgen. Wenn er verunsichert ist, zahnt, was weiss ich, dann müssen wir mit ihm das aushalten, um ihm Gelegenheit zu geben, irgendwann mit seinen Gefühlen selbst umgehen zu können. Wir suchen das, was ihn aus der Balance bringt. In den meisten Fällen heißt das: wenn er mal wütet (was sich hier in Grenzen hält), kuscheln wir viel. Das mag paradox klingen, ist es aber gar nicht, wenn man sich mit der ganzen Entwicklung mal länger beschäftigt. Aber genug für heute, sonst schreibe ich noch ein Buch….

  6. Schussel / Aug 8 2010

    Ach, ich wollte noch verbessern: „in Gefahr“ ist falsch. Sagen wir: wenn unsere Grenzen (also nicht irgendwelche Benimmregeln, Höflichkeitsgrenzen oder sowas) überschritten sind, dann reagieren wir. Er kann das Essen auch 40 mal auf den Boden werfen, aber wenn wir beim 41. mal nicht mehr wollen oder schon beim 10. mal, weil unsere Nerven dünn sind, dann stellen wir das Essen weg und schauen, was los war – ablenken, fertig mit Essen, Windel, irgendein Grund ist immer da, wenn auch nicht immer sofort gefunden. An anderen Tagen sind unsere Nerven dicker und alles ist besser. Auch hier könnte ich einen ganzen Roman schreiben, von natürlichen Grenzen und von gesetzten, aber eigentlich wollte ich nur sagen: es muss nicht immer soweit gehen, dass irgendwas kaputt geht, damit wir eingreifen; manchmal greifen wir auch schon ein, wenn er einfach zum zehnten Mal grell kreischt, weil ich das nicht ab kann… ;-)

  7. giftzwerg / Aug 8 2010

    Hm, ich denke, das ist vor allem wirklich das Alter. Das war mit Emma ähnlich, und ich weiß noch, wie unfassbar genervt ich von dem Wort „Nein“ war, was irgendwie 50% meiner Unterhaltungen auszumachen schien, weil Emma immer wieder noch was fand oder aber einfach denselben Mist immer und immer wieder durchexerzierte -.-

    Ich denke nicht, dass Kinder in dem Alter richtige „Sanktionen“ verstehen, schon gar nicht, wenn sie mit der Sache an sich nichts zu tun haben (wie jetzt bspw das ins Bett stecken, wenn mit Essen geworfen wird (btw ist das Essen (runter)werfen in dem Alter auch so eine ganz normale Unart *seufz* – und, wenn ich das sagen darf, würde ich persönlich das Zubettgehen auch nie als Strafe einsetzen wollen, einfach, weil ich es nicht negativ belegen möchte, schlafen zu gehen). Ich denke, dass zumindest wir hier mit Emma wirklich immer einfach damit am Besten gefahren sind, sie einfach die ganz normalen Konsequenzen tragen zu lassen – Bsp „Essen runterwerfen“: beim ersten Mal sagen, dass das so nicht geht und beim zweiten Mal schlicht liegen lassen. Dann ist das Essen eben weg. Blöd, wenn man noch Hunger hat, aber Entscheidungen wünschen eben respektiert zu werden und wenn der Zwerg entscheidet, muss er das auch selbst respektieren.
    Jetzt, ein Jahr später kann ich sagen, dass es zumindest nicht ganz falsch gewesen sein kann, es so zu fahren, denn Emma ist wirklich sehr „artig“.

    Jetzt aktuell (dafür hat´s bei mir lange gebraucht) merke ich auch sehr, dass es lohnt, immer wieder die eigene Lautstärke zu kontrollieren und darauf zu achten, dass man die Dinge, die man sagt auch „endgültig“ sagt und nicht indirekt schon darauf lauert, ein Verbot eh wiederholen zu müssen bzw noch xfach nachkontrolliert. (Manchmal macht das Kind trotzdem Mist, was man durch „Kontrollieren“ zwar bemerken würde, natürlich, aber es ist gut, wenn die Botschaft ans Kind ist, dass man schlicht „erwartet“, dass die eigenen Worte akzeptiert und für voll genommen werden. Kinder erfüllen immer Erwartungen – positive wie negative.

    Das Austesten dauert noch ein paar Monate an und ihr werdet Euch noch etliche Male an den Kopf fassen und denken, dass Ihr echt ALLES falsch gemacht habt (bei mir war es jedenfalls so), aber das ist ganz normal.

    Möglicherweise braucht der QB jetzt zusätzlich aber eben auch dieses Extra an Zuwendung, weil ihn das LM ein bisschen aus der Bahn wirft (bei Emma war zumindest auch das anfangs sehr der Fall und so „öko“ es klingt, uns halfen da einfach neben viel Kuscheln diese „sei stark“-Bachblüten-Notfallbonbons aus der Apotheke. Die sind für Kinder (es gibt auch „Trotzköpfchen“, aber die haben wir noch nie geholt, drum kenn ich die nicht).

    (Uh, klang das jetzt oberlehrerhaft -.- sorry, so war es nicht gemeint…)

  8. giftzwerg / Aug 8 2010

    Ach ja, und in manchen Situationen hilft auch einen Szenenwechsel, damit die Kleinen sich abreagieren können, den manchmal steckt hinter dem Verhalten auch einfach pure Langeweile.“ (Kat, weiter oben)

    *unterschreib*

    Ich kann übrigens Jesper Juul wirklich sehr empfehlen, was das Thema angeht, hab ich noch vergessen zu erwähnen.
    Das hier habe ich geschrieben, als Emma ungefähr so alt war wie der QB und damals sagten viele indirekt „Warte mal ab, wenn es zwei sind bzw wenn Emma älter und in der Trotzphase ist“ – zu den allermeisten Punkten stehe ich nach wie vor und bin damit ja auch wirklich gut gefahren :)
    (Also nur, wenn Du mal ganz viel Zeit und Leselust hast, ich hab´s nich so mit dem Kurzfassen *räusper* 8-) )

  9. Patricia / Aug 8 2010

    Ich habe bei manchen Dingen das Gefühl, dass man ca. 100x energisch „nein“ sagen muss und dazu ernst schauen, bis das Kind begriffen hat, dass es dieses und jenes nicht darf. Bei ungefährlicheren Dingen belassen wir es beim „nein“ und tragen das Kind weg von der Gefahrenquelle, wenn es hingegen mit Gabel und Messer oder Tellern wirft, ist die Mahlzeit auch bei uns beendet … Für kleine Zornlinge und Zornröschen gabs aber auch schon mal ein paar Minuten Auszeit im Kinderzimmer (allerdings waren sie da schon älter, ich glaube so zwischen 3 und 4 …)

  10. Mama Miez / Aug 8 2010

    Bisher sind alle Beiträge super interessant. Insbesondere Frau Schussel und Frau Giftzwerg haben hier zum Nachdenken angeregt. Bitte mehr davon.
    Ihre Erfahrungen sind Gold wert!

    Ein Zwischendank, quasi :)

  11. Kassiopeia / Aug 8 2010

    Ich denke, nach wie vor, dass die Kinder das machen, weil sie es müssen. Das eine mehr, das andere weniger. Sie lernen anhand von unserem Verhalten, was gut und was weniger gut ist. Sie lernen, was gar nicht gut ankommt, in dem wir es ihnen zeigen oder sagen, wir reagieren auf ihr Verhalten. So funktioniert doch das soziale Leben. Kinder lernen so soziale Kompetenz- im Miteinander. Mama hat Bedürfnisse und Wünsche, ich auch. In der Mitte treffen wir uns. Wir lernen ja auch, wie man sieht. Durch Probieren und Gucken. Mir fiel eben ein, dass wir Zoe immer auf ihr Bett gesetzt haben, wenn sie wie am Spieß schrie. Macht sie heute kaum noch, bzw. gar nicht fällt mir gerade ein, war früher ganz schlimm, wenn was nicht war, wie sie es wollte. Tom testet im Moment wieder sehr. Alles mögliche vom Schimpfwort über Hauen/Schubsen. Zum einen ist das sicherlich Unmut und Eifersucht. Und negative Aufmerksamkeit ist immer noch Aufmerksamkeit, aber vor allem brauchen und suchen die Kinder eine Ansage, Reibung ist gut und wichtig. Lacht Mama jetzt oder wird sie böse? Was tut sie genau, wenn ich dieses oder jenes mache?!
    Ich denke, man darf ruhig sauer sein, wenn man getreten wird. Das schadet dem Kind mit Sicherheit nicht und ob man es raus setzt oder aufs Bett, sich entfernt, schimpft oder ignoriert ist Tagesform,- Kind- und Mutterabhängig.
    Eines finde ich nur wichtig, zu wissen, dass es wirklich eine Entwicklungsphase ist, die wieder aufhört, oder ein schlechter Tag ist. Und das die Kinder Zeit brauchen bis sie verstehen, was gut ist und was weniger. Nur weil man einmal schimpft und nein sagt, bleibt es nicht unbedingt beim Kind hängen. Wiederholung ist das Zauberwort. So lernen die Kinder doch alles.
    Meiner Erfahrung nach ist alles eine Frage des eigenen Empfindens. Zoe ging schon in ihrem Leben bestimmt 5 Mal ohne Essen ins Bett, das erschreckende ist, wenn man es angekündigt hat, verstehen die Kinder es sogar oder wollen es trotzdem. Werde nie vergessen wie das Tochterkind mit nicht mal 2 Jahren auf ihrem Bett saß und nicht aufstehen wollte, weil sie ihren Nuckel dafür hätte hergeben müssen. Sie saß da und verpasste Kuchen oder Kekse, weil sie lieber ihren Nuckel behalten wollte, aber es war Essenszeit. Unglaublich fand ich diesen Dickkopf damals. Es war keine richtige Bestrafung, uns beiden war nur der Nuckel wichtig, ihr so, mir so :)
    Oder in eurem Fall gestern (?) schlief er sogar ein. Er war einfach müde. Du hast doch genau das richtige getan. Intuitiv. Man fühlt sich nicht immer gut dabei, aber so ist das mit Kindern. Es ist nie ausnahmslos schön, wäre ja auch langweilig. Ich denke, es ist schwer solche Momente zu durchleben. Man fühlt sich mies und unsicher. Aber wenn man erklärt, egal wie alt das Kind ist und authentisch ist, kommt man doch erstaunlicher Weise zu ganz tollen Ergebnissen :) Zumindest erlebe ich das hier so nach fast 6 Jahren. Und hier gab es schon ganz viel Hilflosigkeit und Bauchgrummeln. In diesen Momenten ist das sicherlich ganz weit weg, aber tief drinnen und mit Blick in die Zukunft ist alles ganz wunderbar so! Wir sind ja Eltern und keine Kumpel. Manchmal sind wir einfach Spielverderber! :)

    Roman Off.

  12. Schussel / Aug 8 2010

    Und von mir wiederum in ganz kommentar-mißbrauchender Weise einen Dank an die Giftzwergin und den Kommentar mit der Lautstärke und dem Nachkontrollieren. Eines der Dinge, das ich schon oft gelesen und gesagt habe; aber gelegentlich hilft es, von jemandem nochmal darauf hingewiesen zu werden, damit es auch funktioniert.. Wird mein Arbeitspunkt für die nächsten Tage.

  13. ramona / Aug 8 2010

    Danke, Frau Schussel. Wunderbar ausgedrückt. So versuchen wir das auch zu handhaben.

  14. dickbauchmarie / Aug 8 2010

    @frau schussel mhm, das mit dem gewähren lassen und warten bis ein kind das gefühl entwicklt halte ich nur für bedingt geeignet. wenn ich diesen weg gegangen wäre, dann hätten meine kinder sich wohl schon mehr als einmal blau gehauen bzw blutig gebissen. die grenzen die ich setze dienen m.e. nicht nur dazu, dass die jungs nach regel xy leben, sondern vor allem dazu, dass sie miteinander leben. udn das fkt hier jetzt wesentlich besser. es gab hier phasen, da musste ich sie wirklich nahezu immer räumlich trennen, denn sie bissen / hauten vor allem EINANDER wenns ums spielzeug ging, was der bruder eben auch wollte, wenns um mamas/papas aufmerksamkeit ging,wenn sums kuscheln ging etc-immer taten sie einander weh. jetzt, und da bin ich sehr froh drum, nicht mehr

  15. sabrina / Aug 8 2010

    Hier auch, ab ins Zimmer, Tür zu und wenn er (und ich) mich beruhigt haben, dann hole ich ihn wieder raus. Ich denke schon, das die das sehr gut verstehen was Sache ist, man sollte die Zwerge nicht unterschätzen. Wenn Luke hier nur blödsinn mit dem Essen macht, dann ist das essen weg – dann wird kurz gejammert, er bekommt sein Essen 1xwieder – wenn er meint immer noch blödsinn zu machen, ist der Teller weg und wir schicken ihn auch vom Tisch weg (erklären ihm, das Mama und Papa in Ruhe essen wollen) Ich bin der Meinung, das eine Auszeit (im Zimmer) noch am Besten funktioniert – Fakt ist Konsequent sein, sag ich was, muss ich es durchziehen (klappt zugegebener maßen nicht immer) aber jetzt wo er älter ist, merke ich sehr deutlich, das ich es einfach durchziehen muss, da er mich sonst bald nicht mehr für voll nimmt.

  16. Schussel / Aug 8 2010

    @Dickbauchmarie
    Deshalb schrieb ich ja: wenn Personen oder Dinge in Gefahr sind, dann wird eingegriffen, auf jeden Fall! In dem Fall trennen, wie auch schon geschrieben, oder aus dem Raum gehen.
    Ich habe nur ein Problem damit, Kinder irgendwo alleine hinzusetzen oder wegzuschicken (zumindest dann, wenn es irgendwie anders geht, Zwillinge sind Level drüber, das weiss ich) – weil das gerade in dem Alter eben oft noch als „Mama mag mich nicht mehr“ ankommt, und ich diese Botschaft vermeiden will. Ich will kein soziales Verhalten auf Angst aufbauen. Das heißt nicht, dass ich nie eingreife. Jetzt klarer?

  17. jo / Aug 9 2010

    Ich denke es ist eine Mischung aus allem. Ich sage immer und immer wieder nein, ohne grosse Erklärung. Vielleicht noch ein kurzes Aua dazu. Wenn ich Erna auf dem Arm habe und sie hört nicht auf, stelle ich sie auf den Boden. Ich schaffe Abstand. Bei anderen „Taten“ nehme ich sie weg und sage auch nur nein. Es dauert, aber irgendwann begreifen sie es. So ein kleines Kind würde ich weder ins Zimmer sperren, noch in den Flur stellen und schon gar nicht ins Bett stecken als unmittelbare Konsequenz. Grössere Kinder eher auch nicht.
    Wirft Erna mit Essen, kommt der Teller weg. Wenn sie sich wieder beruhigt hat, probieren wir es nochmal. Will sie gar nicht mehr essen, dann darf sie aufstehen. Wirft sie mit Spielzeug, ist es meins ;-) Allerdings bei so Kleinen nur kurzzeitig, nur damit sie den Effekt spürt, mehr nicht. Nur bei gefährlichen Dingen, wie Steckdosen, Herd und Co. gibts keine Kompromisse, da heisst Nein nein und aus die Maus. Das wird mit der Zeit, ehrlich. ;-)

  18. Sabrina / Aug 9 2010

    finde ich richtig interessant alles hierzu lesen. Erst heute habe ich wieder mit meiner Mutter diskutiert. Weil Sam noch immer nicht (ja hallo er ist 10 Monate -.-) auf mein „Nein“ hört. Das müsse er ja schon und ich soll nach dreimal „Nein“ ihn bestrafen (zb wenn er was nicht anfassen soll auf die Finger hausen ect)

    Mir gefallen die ansichten von Schussel und Giftzwerg sehr, so mache ich es ja jetzt auch. Ich finde bestrafen nicht sooo gut. auch nicht das ins zimmer schicken. oder so. Abregen ja, aber das kann man auch anders.
    Irgendwann haben sie schon das Verständnis um uns zu verstehen, alles ganz ohne angst vor strafen zu haben

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