Kinderturnen.

Ich habe ein fremdes Kind mit zum Turnen genommen, glaube ich. Der an sich sehr introvertierte und in fremder Umgebung unglaublich schüchterne Quietschbeu ging an meiner Hand in die Turnhalle, nachdem wir vorher die Straßenschuhe gegen Schlappen getauscht hatten. Unsicher und misstrauisch blickte er sich immer wieder um, als ich das Löwenmäulchen im Maxi Cosi neben zwei weitere Maxi Cosis stellte, mich bei der Zwillings-Mutter kurz vorstellte, den Bondolio daneben auf die Bank legte und dann neben ihm in die Hocke ging.

„Na, was meinst Du?“ habe ich ihn gefragt und er sah mich an, mit großen glasigen Augen, deutlich ängstlich und der Griff um meine Hand verstärkte sich. Dann, plötzlich: Musik. Laute Musik. Alle Mütter fassen ihre Kinder an den Händen und rennen im Kreis. Ich auch. Ich muss ihn nur kurz ein bisschen ziehen, bis er sich schließlich in Bewegung setzt, seine kleine Füße neben mir immer schneller werden, ich sehe wie seine Augen anfangen zu leuchten und er ganz plötzlich und wirklich unerwartet vor Freude jauchzt. Dann hüpft er neben mir, rennt schneller und beginnt laut zu lachen und zu gackern. So ein bisschen muss ich kniepern, über seine unbändige Freude.

Den Rest der Stunde renne ich dann quasi hinter ihm her, der die Gefahren von geworfenen Medizinbällen, Trampolinen und Barrenstürzen noch nicht abschätzen kann. Er ist außer sich vor Freude und Tatendrang und ist ohne Witz 60 Minuten lang im Laufschritt unterwegs. Nur einmal sucht er mich kurz mit seinen Blicken, inspiziert das Motorikdings aber weiter, als er mich entdeckt.

Doch dann bleibt er plötzlich mitten im Spiel abrupt stehen, guckt sich um und rennt dann Schnurstraks auf das Löwenmäulchen zu, das immer noch neben der Bank im Maxi Cosi sitzt und zuguckt. Denke ich. Denn in Wahrheit weint es gar bitterlich und ich habe das durch den Lärm in der Halle nicht gehört. Aber der Quietschbeu. Er hat das Weinen seines Bruders sofort erkannt. Denn als die Zwillinge weinten, da hat er nicht mal einen Blick in die Richtung riskiert. Ohne Witz!

Als wir nach Hause kommen ist er deutlich erschöpft. Das Löwenmäulchen ebenfalls, da so viel Lärm und die vielen fremden Gesichter doch arg anstrengend sind. Ich schiebe es daher in der Wippe vor die Küchentür, damit ich es  beim Kochen gut sehen kann. Der Quietschbeu setzt sich daneben, wippt ein bisschen die Wippe, macht „Aiai“ am Köpfchen des Bruders und „Dutdut“ auf dessen Nase. Und das Löwenmäulchen lacht urplötzlich gackernd auf. So richtig laut!

Ich bin wirklich sprachlos, gehe zu beiden hin und kann beobachten, wie sie sich gegenseitig wirklich glucksend und gackernd anlachen. Der Quietschbeu macht „Dutdut“ und das Löwenmäulchen kringelt sich vor Lachen. Gute 10 Minuten geht das Spiel, dann ist das Essen fertig.

Kindeturnen ist toll. Kinderturnen lässt meinen Quietschbeu aus sich raus gehen. Kinderturnen ist furchtbar anstrengend und macht schrecklich müde.

Nun schlafen Beide. Tief und feste.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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13 Gedanken zu „Kinderturnen.

  1. Ohh, klingt wunderschön! Uns wurde auch gerade zugetragen, dass es hier in der Nähe irgendwo sowas geben soll. Leider werde nicht ich in den Genuß kommen, sondern der Mann, aber ich hoffe, es gefällt dem Knirps so gut wie dem QB!

  2. Einsame spitze! :-D Das war bei uns mit dem Kinderschwimmen auch immer so.
    Zwischen Geschwistern besteht so eine gewisse Verbindung… wie ein urinstinkt. Das merke ich auch schon zwischen meinem Sohn und seiner Schwester (1 Monat). Wenn er kommt und lustige Geräusche macht, lacht sie :-) Wirklich wunderbar!

  3. Wir haben hier auch schon mit dem Kinderturnen angefangen, obwohl die kleine Maus erst 10 Monate alt ist. Aber irgendwie haben wir gemerkt, dass sie ihre ganze Energie loswerden will/muss.
    So wie dem QB gefällt es ihr auch sehr gut und nach 1 Std ist sie (ich ebenfalls *g*) fix und alle. Allzuviel können wir noch nicht machen, aber es reicht wenn sie den Bällen hinterherkrabbelt, rauf und runter von diversen Spielgeräten, unzählige Runden laufend an Mamas Hand dreht, usw.

  4. Klingt super, das möchte ich mit unserem Kleinen später auch machen. Er hat jetzt schon mit 9 Monaten viel zu viel Energie…Ab welchem Alter geht das denn?

    Wenn man hier so die Einträge von Euch liest, dann wünscht man sich ja echt noch ein Geschwisterchen für den Ersten… aber das wird noch etwas warten müssen!!

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