Bis einer heult! • Das mit dem Schmerzempfinden ...
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29. Oktober 2010 | Pia Drießen

Das mit dem Schmerzempfinden …

Ich weiß nicht ob ich schon mal erwähnte, dass der Quietschbeu nahezu nie aus Schmerz weint. Und das meine ich nicht so allgemein, im Sinne von: er ist kein weinerliches Kind, sondern so wie es da steht. Er weint bei 95% seiner Stürze und Unfälle nicht eine Träne. Dieses Phänomen ist so auffällig und beunruhigend, dass ich ihn tatsächlich bereits von Kinderarzt auf vermindertes Schmerzempfinden hin testen ließ.

Er stößt sich unzählige Male am Tag irgendwo. Am Tisch den Kopf, am Sofa den Fuß, am Wohnzimmertisch den Rücken. Man kann das wirklich nicht zählen. So oft hat der Quietschbeu morgens beim anziehen plötzlich wieder irgendwo einen blauen Fleck und ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, woher er den her hat. Eben weil er sich hier frei bewegen darf, stürzt oder sich stößt, sich wieder aufrappelt und weiter macht. Ich bemerke die meisten Unfälle daher nicht einmal!

Gestern Morgen entdeckte ich mehrere kleine blaue Flecken an den Schienenbeinen. An Beiden. Weiß der Geier was er da wieder getrieben hat.

Derzeit prangt ein dicker blauer Bluterguss auf seiner linken Wange. Das war ein Unfall, bei dem er ausnahmsweise mal „Mama!“ gerufen hatte und „Awa!“ (aua) geweint hatte, bis ich ihn auf den Arm genommen hatte. Da war‘s dann schlagartig wieder gut. Er hatte so einen fünf Euro Ikea-Hocker umgedreht, die Beine nach oben zeigend. Dann hatte er den Hocker mit der Sitzfläche auf dem Boden durch die Wohnung geschoben, weil das so ein tolles Lärmgeräusch macht. An der Badezimmerschwelle ist er dann wohl hängen geblieben und gefallen. Das ist meine Rekonstruktion des Unfallhergangs. Jedenfalls passte die „Wunde“ zum vorgefundenen Unfallort.

Ich gab ihm halbstündlich Arnica. Kühlen ließ er mich nicht. Heute, an Tag 3, sieht das ganze schon nur noch halb so schlimm aus.

Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte: es macht mich wahnsinnig, dass er so gut wie nie weint, wenn er sich etwas tut. Auf der einen Seite habe ich Sorge, dass er tatsächlich ein vermindertes Schmerzempfinden hat (was der Arzt aber widerlegte), auf der anderen Seite habe ich Angst, dass er so niemals echte Gefahren erkennen und sich entsprechend verhalten wird.

Er fasste fünf Mal hintereinander an eine länger eingeschaltete Glühbirne, zuckte zurück, sagte „Hei!“, pustete seine Finger und fasste wieder dran. Jedes Mal länger. Ich schwöre, ich hätte vor Schmerz geheult. Mein „Nein!“ interessiert ihn in solchen Fällen gar nicht.

Meine Schwägerin warf mir mal vor, ich würde zu wenig darauf eingehen, wenn er hinfiele. Dass er nicht weinen würde sei ein Zeichen dafür und Kinder müssen doch weinen dürfen, egal ob Junge oder Mädchen. Dass der Quietschbeu aber noch nie wirklich geweint hat, wenn er hingefallen war, und ich deshalb nicht gesteigert darauf eingehe, nahm sie nicht an. Ich meine, warum soll ich ein großes Hallo veranstalten, wenn das Kind sich einfach wieder aufrappelt und weiter läuft?

Wie ich gerade heute auf das Thema komme? In Frau Bauchherzklopfens Blog schrieb sie vom Mamaherzschmerz. Den empfinde ich nämlich auch, trotz nicht geweinter Quietschbeutränen. Jedesmal. Mein Herz rast, ich schwitze, habe dieses beklemmende Gefühl und muss tief durchatmen, um nicht selber mit dem Weinen anzufangen. Manchmal schaffe ich es nicht und heule vor Schreck und Sorge, auch wenn der Quietschbeu sich längst wieder anderen Dingen widmet.

Das mein Kind bei Stürzen und Unfällen nie heult ist, auf eine ganz bizarre Art und Weise, echt hart für mich.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. antje / Okt 29 2010

    Jap, kenne und verstehe ich! Und dann erlebe ich auf dem Spielplatz die vielen „Showheuler“ (oft Mädels, tja) und ertrage mein Schicksal wieder etwas leichter.

  2. Mo* / Okt 29 2010

    Ich glaube ja das es enorm wichtig ist aus einem Sturz oder einem Stolpern und Hinfallen kein großes Ding zu machen. Einfach deshalb weil der Schreck & Schmerz fürs Kind schon schlimm genug ist, da braucht es nicht noch ne völlig geschockte Mutter. Klar erschreck ich kurz mit, check dann blitzschnell die Lage und wenn er nicht grade blutet wie ne Wutz tu ich einfach so als wär nix gewesen. Ich animier ihn dann immer mit „schnell schnell Schatz, aufstehen, alles okay..“ und dann grinst er schon wieder. :)

  3. sabrina / Okt 29 2010

    Du, aber selbst wenn sie weinen, wenn sie sich weh tun, das heißt noch lange nicht, das sie deswegen weniger übermütig sind. Meiner kann vom Stuhl fallen, schreien wie am Spieß und 3min. später wieder den selbigen besteigen.

  4. Stadtmoewe / Okt 29 2010

    Mein Bruder war auch so …

    Ich erinnere mich an seinen Sturz von einem Klettergerüst – allerdings war er da älter als der QB, höchstens jedoch 3 – wegen dem meine Eltern mit ihm, zum NÄHEN der Platzwunde über dem Auge fahren, ins Krankenhaus fahren mussten. Während dem hat das Kind hat nicht eine Träne vergossen … später wohl schon, aber bis zum Krankenhaus war ihm nicht klar, was eigentlich passiert ist.

    ICH hätte geheult. Gebrüllt.

  5. Mia / Okt 29 2010

    Ich war so ein Kind. Ich würde nicht sagen, dass ich messbar vermindertes Schmerzempfinden habe, aber ich sehe doch, dass ich mich bei Schmerzen anders verhalte und verhalten habe als mein Freundeskreis .
    Ich habe mir mit 8 Jahren mal einen Ast in die Achselhöhle gerammt. Da ist jetzt eine große Narbe. Ich wurde an dem Tag von den Lehrerinnen gelobt, weil ich nicht rumgeheult habe. Ich habe aber echt kaum etwas gespürt und war überrascht, dass da so eine große Wunde war. Ich habe nicht geschrien, wenn mich jemand an den Haaren gezogen hat. Auch heute noch gehe ich kommentarlos zum Wasserhahn, wenn ich mir einen Finger gequetscht habe,
    Ich verstehe, dass Sie sich Sorgen machen, Frau Miez, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich ein vorsichtiges Kind war und immer noch vorsichtig bin.

  6. aleXXblume / Okt 29 2010

    Unser Kleiner hat auch in dem Alter so gut wie nie geweint. Ich bin im übrigen auch absolut NICHT dafür, um einen Sturz mehr Aufhebens zu machen als nötig, sprich, immer die Reaktion des Kindes abzuwarten, dann entsprechend zu handeln.
    Und übrigens, inzwischen weint auch er öfters mal. Wer weiß, vielleicht ändert sich das auch beim QB – ansonsten würd ich es nicht so schwer nehmen, und blaue Flecken, die unklare Gründe haben, hat und hatte jedes meiner Kinder zuhauf! :)

  7. Daniela / Okt 29 2010

    Hört sich gruselig an… irgendwie.
    Also ich bin schon froh, wenn Amélie aus Leibeskräften schreit oder eben nur so ein bisschen ‚heult‘, wenn sie sich weh tut, dann kann ich ungefähr abschätzen wie heftig das war. Aber so ganz ohne weinen… hui.
    Allerdings denke ich auch, dass wenn es *wirklich* schlimm wäre der QB sich verständlich machen würde, bzw. als Mama hat man das ja im Gefühl, irgendwie :-)
    Was kam denn beim KiArzt raus, wegen der Schmerzempfindlichkeit?

    • Mama Miez / Okt 29 2010

      Daniela:
      der Kinderarzt teste die üblichen Reflexe (alle normal) und pikte den Quietschbeu mit einer Nadel unbemerkt an diversen Körperstellen. Der Quietschbeu reagierte jedesmal im „normalen“ Rahmen, was soviel bedeutet wie: er zuckte zusammen, rieb sich die Stelle oder zog das betroffene Körperteil zurück. Aber geweint hat er nicht. Nicht mal „Awa“ (aua) gesagt. Der Kinderarzt sagt, seine Reaktionen seien normal und er wäre eben ein leidensfähiges Kerlchen. Nun ja.

  8. Ninette / Okt 29 2010

    Mir machen eher solche Bemerkungen seitens Ihrer Schwägerin Wut… sollte nicht jeder sein Kind so erziehen wie er möchte? Offensichtlich ist der QB hart im Nehmen, das muss ja nicht gleich heißen, dass er emotional irgendwas verpasst hat. Ich finde es in jedem Fall besser, als wenn Sie ihn bei jedem kleinen Aua verhätscheln und tüteln würden, wenn es ihn offensichtlich gar nicht stört. Wenn er seine Mama braucht, ruft er nach ihr, dann kommen Sie und das reicht doch völlig.

  9. summi / Okt 29 2010

    hallo,

    das was sie schreiben kenne ich und mein mamaherz nur zu gut. mein tigga stößt sich auch den ganzen tag an irgendwelchen sachen und verzieht dabei noch nicht mal die schnutte. meistens merke ich erst abends das er wieder gefallen ist oder so, wenn ich neue blaue flecken entdecke. das mein tigga weint, ist sehr sehr selten und wenn dann auch nur sehr kurz, wirklich nur sehr kurz. vondaher verstehe ich sie total.
    mein tigga zb hat schon an die ofentür gepackt, ( die die oma sehr heiß fand) sagte nur hei (heiß) und packte wieder dran, auch etwas länger…so wie ihr quietschbeu bei der glühbirne.
    auf der anderen seite bin ich selbst aber auch nicht gerade schmerzempfindlich, es dauert schon etwas bis mir was weh tut oder so, klar habe auch ich schmerzen, aber irgendwie anders, wenn andere „jammern“ geht es mir immer noch gut, evtl hat mein tigga das dann von mir??
    jedenfalls sind sie nicht die einzige mit diesen „problem“

    liebe grüsse summi

    p.s was ist denn arnica???

    • Mama Miez / Okt 29 2010

      summi:
      Arnika ist eine homöopathische Heilpflanze, die entzündungshemmend und antiseptisch wirkt. Unter anderem hilft sie bei Stößen und Prellungen und verringert oder verhindert sogar die Bildung von Blutergüssen. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht und haben das Fläschchen mit den Arnika-Kügelchen immer in der Notfalltasche dabei.

  10. die_schottin / Okt 29 2010

    Hier ist es ähnlich. Colin weint nur wenn er sich richtig dolle wehtut. Als er beispielsweise beim Trapezherumschieben (als er noch laufen lernte) hängenblieb, und er über das Trapez voll mit der Stirn gegen die Heizung geknallt ist. Diese dicke Beule, naja, es war eher ein großes blaues Horn, brauchte fast 3 Wochen bis sie endgültig weg war. Da muss ich zugeben, habe ich auch richtig mitgeheult. Auch beim Zahnen heult er so gut wie gar nicht. Ich finde das klasse, denn mit einem Mimöschen könnt ich nix anfangen. Ich selber bin auch wenig schmerzempfindlich.

  11. summi / Okt 29 2010

    hallo,

    vielen lieben dank für ihre erklärung. dann weiß ich ja was ich die tage in der apotheke besorgen werden. denn das kann meinen tigga auf jedenfall nicht schaden.

  12. engelswelt / Okt 29 2010

    Huhu,
    das Mäuschen ist auch hart im Nehmen. Tränen gibt es eigentlich nur, wenn sie müde ist oder es wirklich richtig richtig weh getan hat. Wie sie laufen lernte, gab es öfters Stürze, wo es beim Zusehen weh tat. Aber was machte sie? Sie stand auf und weiter ging es.

    Ich muss gestehen, dass ich mir darüber bisher nicht allzu viele Gedanken gemacht habe.

    Viele Grüße

  13. Frau Ährenwort / Okt 30 2010

    Der OB ist nunmal cool :-) Ein kleiner Indianer halt!

  14. bauchherzklopfen / Okt 30 2010

    Vielleicht sind Jungs da härter im Nehmen?! Aber ich stell mir das auch sehr bizarr vor, wenn man den Kleinen trösten will, er aber keinen Anlass dafür sieht. Und dann steht man mit seinem Mamaherzschmerz ganz alleine da.

  15. jo / Okt 31 2010

    Dein Schwager hat nen Knall ;-)
    Mein Sohn ist genauso, er hat auch nie geweint, auch ich habe den Kinderarzt darauf angesprochen. Er hat auch noch nicht einmal in seinem Leben bei einer Impfung geweint und in Portugal wird bis 18M fast monatlich geimpft. Ich hatte die gleichen Sorgen wie Du (wird er vielleicht Gefahren schlecht einschätzen können…?) und tatsächlich habe ich bis zum 2.Geburtstag eigentlich täglich gedacht, der Bengel bricht sich den Hals.
    Aber dann wurde es besser, irgendwie hat er zum schlechten Schmerzempfinden proportional viel Körperbeherrschung. Jetzt ist er 4 und hatte noch nicht einen einzigen bösen Sturz, kein schlimm aufgeschlagenes Knie, noch nie einen Gips… und da bin ich bei der grossen Schwester (Dramaqueen) viel schlimmeres gewohnt (erster Armgips mit 3). Vielleicht sind Jungs wirklich unempfindlicher?
    Mach Dir keine Sorgen.

  16. Barbara / Okt 31 2010

    Unser Großer weint auch nur, wenn es ihn richtig beutelt. Ansonsten steht er auf und macht einfach weiter – das war bei ihm schon immer so – zumindest bei uns zu Hause.
    Bei seiner Oma verhält er sich 100 % umgekehrt – da fällt er halbherzig hin und bleibt heulend liegen – selbst wenn es wirklich nicht schlimm war. Dort wird aber auch aus allem ein Riesendrama gemacht.
    Wir kümmern uns auch um unsere Kinder, wenn sie fallen, trösten, pusten usw. aber machen eben kein Drama daraus. Ich weiß dass unser Großer sehr hart im Nehmen ist, wenn es um Schmerzen geht und wenn er wirkich mal schreit, dann ist bei uns Eile geboten.

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