Bis einer heult! • Zeitzeuge
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7. Dezember 2010 | Pia Drießen

Zeitzeuge

Zeitzeuge

Mit diesem Flaschenöffner habe ich das öffnen von Malzbierflaschen im zarten Alter von 2 Jahren erlernt. Der Flaschenöffner gehörte meiner Oma, bei der ich in den Ferien immer ganz viel Süßkram essen und trinken durfte. Wie das mit Omas halt so ist. Als meine Oma starb und ich ein letztes Mal in ihrer inzwischen kalten Wohnung war, nahm ich den Öffner an mich. Seither gehört er in meinen Haushalt und wird gehütet, wie mein Augapfel. Jedes mal, wenn ich ihn in die Hand nehme, denke ich für einen Augenblick an meine Oma, an Malzbier und ein Lächeln huscht über mein Gesicht und streift mein Herz. Kein Wunder also, dass mir dieses Stück hölzernes Werbegeschenk so wahnsinnig viel bedeutet. Instant-Erinnerung, quasi.

Und Sie so? Welche Zeitzeugen in Ihrem Haushalt erinnern Sie?

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Oliver / Dez 7 2010

    Ich habe während der Schulzeit in Bonn Bad Godesberg in der legendären „Klang Station“ gekellnert. (Ist Dir doch sicherlich auch ein Begriff, oder) Dort gab es neben der eigentlichen Bar/Konzertstätte noch eine kleine Eckkneipe, das „Hades“. Dieser Teil des Ladens war stets ziemlich runter gekommen und hatte mit „schick und edel“ so gar nichts am Hut. Aber er hatte seinen ganz eigenen Charme und mit den Jahren wurde es für viele eine Art Wohnzimmer. Egal wann man kam, irgendjemand war immer da.

    Auch das Kellnern im Hades war anders als sonstwo. Wenn mir danach war habe ich mich mit an den Tisch der Gäste gesetzt und gequatscht. Wenn das dazu führte, dass andere Gäste warten mussten, dann war das so. Komischerweise haben das auch immer die ‚anderen‘ Gäste so gesehen.
    Hach, das waren noch Zeiten!

    Leider musste die Klangstation und damit auch das Hades vor einigen Jahren schliessen und die Deutsche Bahn – Eigentümer der Immobilie – verlangte von uns, dass wir den gesamten Laden leer machen. Inkl aller Möbel, Theken etc. Also haben wir den Laden in einer großen Gruppe aus Personal und Stammgästen mit diversen Vorschlaghammern und Flex’en zerlegt und damit für uns einen Strich unter die Ära ‚Klang‘ gezogen.

    Kurz vor Schluss habe ich bemerkt, dass die wundervolle Coca-Cola Uhr aus dem Hades noch in einer Ecke rumlag. Kurzerhand habe ich sie in meinen Kofferraum gepackt und heute hängt sie in meiner Küche und erinnert mich täglich an den wahrscheinlich geilsten Laden ever!

    Liebe Grüße, Oli

  2. spoonman / Dez 7 2010

    Vor ein paar Monaten ist mein Vater plötzlich gestorben, und interessanterweise haben sowohl mein Neffe als auch ich spontan jeweils einen Flaschenöffner beiseitegelegt.

    Das größte und wuchtigste Erinnerungsstück an meine Eltern ist aber eine 35 Jahre alte Hülsta-Schrankwand aus Teakholz, die jetzt mein Wohnzimmer ziert. ;) Zum Glück ist sie sehr schlicht und zeitlos, sonst hätte ich sie wohl auch nicht mitgenommen. Wahrscheinlich war es das „progressivste“ Möbelstück, das sich meine Eltern je gekauft haben…

  3. rebhuhn / Dez 7 2010

    lustigerweise ist es auch bei mir ein flaschenöffner – allerdings einer von coca cola… es ist eine miniatur-cola-flasche aus metall in ‚3d‘, rückseite hohl und dort, wo der deckel säße, sind nach hinten die krampen, mit denen man dann die flaschen aufhebelt. müßte aus den 5oern oder 6oern sein – ich liebe ihn :)! ich hab‘ auch backformen [napf- und kastenkuchen] von dr. oetker aus alu, die sind ebenfalls recht alt.. und ’natürlich‘ die drei affen ;). die gehörten meinem opa und standen _immer_ in der vitrine…

  4. Pia / Dez 7 2010

    Wie witzig ist das denn? Die gleiche Affenfigur (Material, Farbe) hatte meine Oma auch. Was wohl aus der geworden ist?

  5. oldschool / Dez 7 2010

    In meinem Wohnzimmer steht der Küchenstuhl meines Opas, der immer am Kopfende des Tisches stand und auf dem nur Opa sitzen durft. Nur echt mit diversen Sägespuren von (leicht) schiefgegangenen Heimwerkereien.
    Meine Nutellabrötchen esse ich nur von den Holzbrettchen meiner Oma. Und an der Wand in meinem Zimmer hängt Opas Meisterbrief!

  6. Tine / Dez 7 2010

    Bei mir isses ein Foto – schwarzweiß und mein Papa im Kinderwagen. Hängt am Kalender im Flur und ich sehe es immer, wenn ich gehe oder nach Hause kommen. Erst, wenn dieses Bild aufgehängt ist, ist es wirklich wie nach Hause kommen…

  7. die_schottin / Dez 7 2010

    Meine Schwester und ich haben von unserer Ur-Oma die typischen Oma-Taschentücher und ein paar von den schönen Nachthemden bekommen. Das hatten wir uns so gewünscht, weil es typisch für sie war. Als mein Opa in Schottland starb, bekamen wir seine Zigaretten-Dreh-Maschine, mit der wir schon im Krabbelalter die Zigaretten drehen durften. Samsons Tabak, der blaue! Als dann auch meine schottische Oma starb, nahm ich mir ihre Whisky-Karaffe nach Deutschland. Die ziert nun unsere Bar. Vieles von ihr steht noch im Haus meiner Eltern drüben. Mal schauen was ich mir beim nächsten Besuch als Andenken an sie und meinen Opa mitnehme.

  8. mt / Dez 7 2010

    Irgendwie scheint ja wirklich fast jeder so ein „Erbstück der guten Gefühle“ zu besitzen.

    Bei mir ist’s der Emaille-Brotkasten aus den 50er Jahren, den ich aus Omas Nachlass retten konnte. Authentisch ramponiert, mit den Wunden der Gebrauchsjahrzehnte.

    Hellblau. Mit Bakelit-Griff zum Aufklappen. Dabei denke ich dann an deftige Schmalzbrote mit Omas selbstgemachtem Griebenschmalz.

    Hmmmmmmmmmmmm.

  9. Kathrin / Dez 8 2010

    Eine Brotschneide’maschine‘ von meiner Uroma ist es. So eine, mit einer Kurbel an der Seite. Bei Omi gabs immer Brot (Brötchen machen ja nicht richtig satt) und das wurde auch immer ungeschnitten gekauft (das wird ja sonst trocken) und das frische Brot wurde noch mindestens einen Tag liegengelassen (weil man von frischem Broz Bauchschmerzen bekommt).
    Sie hat 2 Weltkriege miterlebt und überlebt, einmal die komplette Existenz verloren, 2 Kinder geboren, eins im Alter von 6 Jahren beerdigt, 10 Jahre ihren Mann vermisst gemeldet, aber sie war immer fröhlich – Jetzt geht es uns ja gut, da gibt es auch keinen Grund zu klagen, hat sie immer gesagt. Ich möchte später auch so sein, mit grauem Dutt, fröhlich und in mir ruhend, das wäre erstrebenswert.

  10. christine / Dez 8 2010

    Als meine Vater starb, übernahm ich auch seinen kleinen, Metall-Flaschenöffner, den er immer am Schlüsselbund hatte. Er begleitet mich immer, zaubert ein Lächeln und ist ab und zu unheimlich praktisch. Ein Zeuge, der bleibt, der errinert..

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