Bis einer heult! • 11 Monate Löwenmäulchen
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1. Juni 2011 | Pia Drießen

11 Monate Löwenmäulchen

Du wunderbarer kleine Mensch,

heute bist Du 11 Monate alt. 47 Wochen und 6 Tage, um ganz genau zu sein.

Es ist der letzte Monatsbericht vor Deinem ersten Geburtstag! Und je näher dieser erste Geburtstag rückt, umso häufiger und deutlicher muss ich erkennen, dass Du kein Baby mehr bist. Du bist ebenso mobil wie Dein großer Bruder, auch wenn Du Dich weiterhin hauptsächlich krabbelnd oder an Gegenständen festhaltend fortbewegst. Du bist rasend schnell und man kann eben nicht mal mehr kurz in den Keller gehen und dabei die Tür offen lassen. Du bist unglaublich mutig und hast keine Scheu vor unbekanntem Terrain, solange Du Mama, Papa oder den Bruder im Blick hast. Es reicht Dir völlig aus, einen von uns in der Nähe zu wissen. Dann dürfen Dich auch gänzlich fremde Menschen auf den Arm nehmen, wenn Du zum Beispiel auf dem Spielplatz gefallen bist, und Dich trösten. Du bist ein Menschenfreund und über die Maße zutraulich (was mir in Hinblick auf die Zukunft schon Bauchschmerzen macht).

Du beginnst langsam damit Dich verbal zu artikulieren. Hast Du letzten Monat noch wirre Laute von Dir gegeben, so brabbelst Du inzwischen eine deutlich wiederkennbare Melodie, die sich verdächtig nach mir anhört, wenn ich Monologe führe. Auch sagst Du inzwischen sehr zielgerichtet Mamam und Papap.

Wenn man Dich fragt „Wo ist die/der Mama/Papa?“ beginnst Du den Kopf hin und her zu wenden und uns zu suchen. Hast Du uns dann entdeckt strahlst und lachst Du und krabbelst auf uns zu.

Du bist weiterhin sehr klein für Dein Alter. Größe 74 sitzt immer noch sehr locker und Deine Schuhgröße beträgt weiterhin Größe 19/20. Du bist ein leichtes Kerlchen mit gerade 9 Kilogramm, wobei das bei Deiner Größe auch völlig in Ordnung ist.

Inzwischen hast Du 7 Zähne und Nummer 8 ist bereits im Anmarsch. Überraschenderweise verweigerst Du die Einnahme von Osanit gänzlich und wirst schrill hysterisch, wenn ich versuche Dir die kleinen Kügelchen unterzujubeln. Daher gebe ich Dir in ganz schlimmen Nächten, in denen Du vor Schmerz nicht schlafen kannst, ein Viburcol Zäpfchen. Man erkennt Zahnungsschmerz bei Dir sehr treffsicher an den Geräuschen, die Du dann von Dir gibst (und an den schrecklich dicken Krokodiltränen, die Du dann weinst).

Stillen ist für Dich immer noch eine große Leidenschaft. Inzwischen stillen wir aber nur noch nachts und vor dem Mittagsschlaf. Tagsüber isst Du Obst, Brot, Müsli, Nudeln und vieles von den Dingen, die wir täglich kochen. Auch ist es kaum noch Matscherei Dir eine Banane oder anderes in die Hand zu geben. Das meiste davon landet definitiv im Mund. Inzwischen darfst Du auch schon selber mit einem Löffel in Deinem Müsli rühren und wenn ich Dir diesen befülle, bekommst Du ihn auch selber in den Mund geschoben. Tagsüber trinkst Du Wasser aus einem Trinklernbecher, aber Du kannst auch bereits ganz wunderbar aus einem offenen Becher trinken.

Deine Liebe gehört dem blauen BobbyCar des großen Bruders, das Du mit lautem Gebrüll eroberst, besteigst und dann wie ein König stundenlang einfach nur darauf sitzt, mit den großen Zehen den Boden berührst und dabei versuchst durch wildes Geschaukel das Auto vorwärts zu bewegen. Besonders begeistert es Dich, wenn der große Bruder Dich dann noch durchs Haus schiebt. Du hämmerst dann laut quietschend auf die Hupe und lachst Dich kringelig.

Du magst Rody, das gelbe Gummi-Hüpfpferd, das Dein Bruder bis heute absolut doof findet. Du schaukelst gerne sehr hoch und rutscht von den höchsten Rutschen. Zu meinem Leidwesen erkletterst Du diese auch ganz alleine, wenn man mal eine Sekunde nicht aufpasst. Auch hast Du Dich schon des Öfteren (eigentlich bei jeder Gelegenheit) unbemerkt in die erste Etage abgesetzt. Wenn ich Dich dann suche und das offene Treppengitter sehe, bleibt mir jedes Mal fast das Herz stehen, aber Du spielst meist nur im Spielzimmer versunken vor Dich.

Du verteilst an Papa und Mama gezielt Küsse auf den Mund, winkst, wenn wir uns verabschieden. Während des Stillens kneifst Du mich entweder ins Dekolleté oder Du streichelst meinen Arm. Letzteres ist mir sehr viel lieber!

Dein Bruder missbraucht oft Deine Babywippe als Wipp-Surfboard, indem er sich mit dem Bauch darauf legt und Schwung holt. Du musstest das nur ein-, zweimal sehen, um es ihm nachmachen zu können. Seitdem habt Ihr Euch schon heiße Kämpfe um die Wippe geliefert und es ist nur eine Frag der Zeit, bis der erste von Euch im hohen Bogen herunter katapultiert wird.

Inzwischen ist es völlig normal, dass Du mit Deinem Bruder in einem Zimmer schläfst. Eure Betten stehen sich gegenüber, so dass Ihr Euch sehen könnt. Nachdem ich Dich hingelegt habe meckerst Du manchmal noch ein Minütchen rum. Im Regelfall rollst Du Dich aber nur auf die Seite (immer die Rechte, mit dem Gesicht zum Bruder) und machst die Augen zu. Gegen Mitternacht legen wir einen Stillstop ein und gegen 3 Uhr kommst Du dann zu uns ins Bett, wo wir bis 6 Uhr schlafen und kuscheln. Dann beginnt meist unser regulärer Alltag. Nach wie vor muss ich Dich morgens allerdings wecken, da Du gerne noch weiter schlafen würdest. Je nachdem wie ausgeschlagen – oder eben nicht – Du bist, kannst Du ein ganz schöner Morgenmuffel sein!

Du bist so ein wundervoller, kleiner, reizender Mensch. Dein ganzes Wesen hat sich geöffnet, Du bist immer freundlich und lachst den ganzen Tag. Nur noch selten ziehst Du Dein kritisches Schnütchen, sondern flirtest viel lieber mit all den Menschen um Dich herum, die Dir tagtäglich begegnen. Dich im Arm halten zu dürfen, Deine braunen drahtigen Haare zu streicheln, Deine warme Haut zu spüren und Deinen Geruch ganz tief einzuatmen, ist ein wahnsinnig berauschendes Gefühl. Du bist so ein Herzmensch. Und so gar kein Baby mehr. Die erste Stufe des Loslassen Müssens hat uns also erreicht. Du bist ein kleiner Junge, der seine Welt auf eigene Faust entdecken will, der Unmengen an Sand und Gras verspeisen und jedes Hindernis erklimmen möchte. Ich dachte, ich sei dafür bereits, aber tief im Herzen fällt es mir schwer, Dich schon so groß zu wissen.

Ich liebe Dich von ganzem Herzen, mein kleiner großer Junge!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
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