„Nua Ainß!“

Heute Morgen waren der Quietschbeu und ich beim Bäcker, Brötchen kaufen. Das ist etwas, was ich auf keinen Fall ohne den Quietschbeu tun darf, weil unser Bäcker in der Ladentheke eine Schublade hat, die man durch Ziehen an einer Kordel (eine Mäuseschwanz) öffnen kann und die mit kleinen Gummibärchentüten gefüllt ist. Jedes Kind darf da selbstständig dran gehen und sich ein Tütchen herausnehmen. Ich habe mit dem Quietschbeu auch noch nie darüber diskutieren müssen, dass er wirklich nur eins herausnimmt. Er hält sich da einfach dran.

Heute Morgen, während ich unsere Bestellung aufgebe, wuselt der Quietschbeu also an die Schublade und pflückt ein Tütchen Gummibären heraus. Dann schaut er sich im Laden um und greift erneut in die Schublade. Als ich ihn gerade ermahnen will, steuert er kurzerhand auf die junge Frau, die neben mir steht zu, lächelt sie an, sagt „Da. Auch Gunnichen!“ und drückt ihr die kleine Tüte in die Hand. Völlig verdattert guckt die Dame erst mich und dann wieder den Quietschbeu an. Unter großen Bemühungen kann sie ihm schließlich erklären, dass das sehr nett ist, die aber gar nicht für sie, sondern nur für Kinder bestimmt sind. Ich denke noch so: na, das wird er jetzt sicher nicht verstehen, als hinter uns ein Mann mit seiner Enkelin die Bäckerei betritt. Kurzentschlossen nimmt der Quietschbeu also das Tütchen wieder entgegen, geht zu dem vielleicht dreijährigen Mädchen und drückt ihr die Gummibärchen in die Hand. „Da, Gunnichen. Aba nua Ainß!“

Der Mann ist zunächst auch völlig verdattern, dann sehr angenehm überrascht und dann beinahe schon gerührt. Er bedankt sich immer wieder beim Quietschbeu, der ganz selig über so viel Zuspruch und Lob grinst und betont mir gegenüber mehrmals, wie toll er das fände, wie nett und freundlich das doch vom Quietschbeu wäre. Ich bin verlegen.

Auf dem Weg zurück erklärt der Quietschbeu mit dann: „Gunnichen Meedchen gebe. Ainß Quietschbeu, Ains Meedchen.“ Und ich lobe ihn erneut dafür, dass er so selbstverständlich teilt (dass das ja eigentlich gar nicht seine Gummibärchen, sondern die der Bäckerei waren, lasse ich mal unter den Tisch fallen).

Dann stopft er die Gummibärchen in seine Hosentasche und sagt: „Ers Bötche esse. Dann Gunnichen!“ [da wäre ich dann fast vor Stolz und Liebe geplatzt!]

 

Print Friendly, PDF & Email
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
Beitrag erstellt 4480

17 Gedanken zu „„Nua Ainß!“

  1. Ich finds sooooo toll, dass der QB nun ist Quasselalter kommt (Abends Muskelkater in der Zunge das Kind ?) … und freue mich SOOOO sehr auf die Anekdoten, von denen du vielleicht dann erzählen magst.

    Der QB ist in toller Junge ? !

  2. sehr süß der qb. in solchen momenten schmilzt man wirklich. hier bekommt sohn¹ in der apotheke oft einen korb mit traubenzucker gereicht. er nimmt immer zwei oder drei (leicht peinlich) sagt dann aber zuckersüß zu den apothekerinnen: eins für meinen bruder und eins für papa. da schmelzen sie dann.

  3. Ich versteh auch überhaupt nicht, wie jemand sagen kann, das sei ein anstrengendes Alter. Solche Szenen wiegen ungefähr 500.000 anstrengende Szenen wieder auf!!

  4. Occh, was für ein großartiger Junge. :-)

    Mir wird oft erzählt, dass ich früher an der Wursttheke immer als Dankeschön für die Scheibe Wurst mit den Worten „Für mein Bruder au!“ noch eine verlangte. ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben