Bis einer heult! • Quietschbeu-Ängste
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14. September 2011 | Pia Drießen

Quietschbeu-Ängste

Ich habe schon Mal darüber berichtet, dass ich früh versucht habe, dem Quietschbeu Emotionen wie Liebe, Angst und Freude zu erklären. In Worten, mit Vergleichen und Gesten, die er versteht, wie ich glaubte. Sicher war ich mir nie.

Nun passiert es immer wieder, dass der Quietschbeu mir sagt, dass er Angst hat. Ganz klar und deutlich. Zum Beispiel gestern Nachmittag, als die Sirene vor der Feuerwache losheulte. Er kam direkt angelaufen und wollte auf meine Arm, woraufhin ich ihn fragte, was denn los sei. Ich versuche immer so ruhig und gelassen wie möglich zu reagieren, um seine Angst nicht zu verstärken. Daher auch mein nachfragen, obwohl ich ja schon wusste, was los war.

Er sagt also: „Ich hab Angst, Mama!“, woraufhin ich ihn hochhebe und frage, wovor er Angst hat. „Sirene! Feuer!“ Ich erkläre ihm also, dass die Sirene gut ist, weil sie wie ein Küchenwecker funktioniert. Wenn wir keinen Küchenwecker hätten, dann würde unser Essen anbrennen, es würde schlimm qualmen und vielleicht auch brennen. Und wir müssten alle mit großem Hunger ins Bett gehen. Das wäre ja ziemlich doof. So kann Mama das Essen aber noch rechtzeitig vom Herd nehmen. Und die Sirene ruft die Feuerwehr, damit die das Feuer löscht, bevor  sich jemand wehtut.

Der Quietschbeu hört mir dann immer ganz aufmerksam zu, nickt ab und zu, um zu zeigen, dass er versteht oder fragt trölfmal nach, wenn er etwas eben nicht versteht. Im Anschluss erzählt er mir dann hundert Mal, warum die Sirene gut ist und dass wir ja alle nicht mit Hunger ins Bett gehen wollen.

Was mich aber nun doch sehr berührte war, als er gestern am späten Abend – es mag so gegen 22 Uhr gewesen sein – ganz fürchterlich zu weinen begann und nach mir rief. Ich rannte also hoch, ging in das Zimmer und hob ihn aus seinem Bett.

„Was ist denn los, Männlein?“

„Ich hab Angst.“

„Wovor?“

„Mama weg geht. Mama nicht weggehe. Nein? Mama ist da, ja?“

„Ich gehe doch nicht einfach weg. Die Mama ist unten im Wohnzimmer, mit dem Papa zusammen und geht gleich auch ins Bett. Und wenn Du morgen früh wach wirst, dann stehe ich schon vor Deinem Bett und kitzel Dich am Ohr. Okay?“

„Ja. Mama nicht weg geht. Mama is im Wozimma! Papa is im Wonzimma. Papa auch da, ja?“

„Ja. Und Du machst jetzt weiter Heia. Guck, Du bist ja auch gar nicht allein, das Löwenmäulchen liegt in seinem Bett und schläft auch.“

„Löwenmäulchen da!“

„Ja.“

„Keine Angst habe, Quietschbeu.“

„Nein, Du musst keine Angst haben.“

Er hat sich dann anstandslos wieder hingelegt, wollte noch einen Kuss und ich durfte wieder gehen.

Dennoch, es treibt ihn einiges um, in den letzten Wochen. Klar, der Kindergartenalltag ist schrecklich aufregend und neu. Das muss so ein kleiner Geist auch erst mal verarbeiten.

Jedenfalls gehe ich am Wochenende auf mein 10jähriges Abi-Treffen und wollte die Jungs eigentlich so lange bei meiner Schwester lassen. Nun denke ich aber, dass das im Moment keine so gute Idee ist. Der Quietschbeu ist gerade sehr Mama und Papa fixiert und ich will ihn nicht zusätzlich irritieren. 

Ich werde also zu meinem Abi-Treffen fahren, die Kinder beim Miezmann , in ihrer vertrauten Umgebung, lassen, nichts alkoholisches trinken und nach der Veranstaltung wieder nach Hause fahren, um  nachts und morgens für meine Jungs wie gewohnt dazusein. Ursprünglich hatte ich nämlich geplant, mich anschließend sturztrunken bei meiner Schwester ins Gästezimmer zu legen, während sie meine Kinder hütet.

Gut, das fällt dann halt aus. Beim 20jährigen dann vielleicht …

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Frau Ährenwort / Sep 14 2011

    Komisch, dass Du das gerade heute bloggst. Gestern lagen Emily und ich aneinander gekuschelt auf unserem Kuschelteppich und erholten uns vom Spielplatz. Machten erste eine Teeparty und lasen dann Bücher. Unter anderem eins vom Sandmann. Ein ganz neues mit Szenen aus dem letzten Kinofilm und mit ein paar Geräuschbuttons. Da sind schöne Melodien mit bei und sie weiß auch teilweise wie die Figuren heißen. Plötzlich kuschelt sie sich ganz eng an mich und sagt mir ganz ernst ins Gesicht “ Emi Ang!“(Angst) Ich fragte ganz vorsichtig wovor sie denn Angst hat und sie sagte nur „Mann!“ Ich fragte, ob sie den Sandmann meine und sie bejahte. Ich fragte sie, ob er denn nicht zu ihr kommen solle mit dem Traumsand. Sie wollte den Sand aber haben. Da ich mir jetzt nicht sicher war, ob sie nicht doch ein wenig mehr Angst vor der Vorstellung hatte, dass der Sandmann vielleicht zu ihr kommen könne, habe ich ihr erstmal gesagt, dass er nicht kommt wenn sie Angst hat, denn er kommt nur zu Kindern die das auch wirklich wollen. Damit gab sie sich anscheinend zu Frieden.

    Ich habe nur kein Schimmer, ob ich richtig reagiert habe, denn sonst freut sie sich immer, wenn sie den Sandmann in den Büchern sieht und macht auch gerne die Geste fürs Sandstreuen. Scheisse, dass es für solche Situationen keine Gebrauchsanweisung gibt :-(

    (Ich glaube ich hatte als Kind auch irgendwie Angst vor dem Sandmann, obwohl meine Mutter meint, dass wir da nie etwas gesagt haben, aber sicher bin ich mir da nicht mehr)

  2. Frau Bruellen / Sep 14 2011

    Bei Little L. sind es im Moment die Geister, die von überall her kommen. Offensichtlich können sie auch durch geschlossene Fenster und Türen ins Haus…. Wir haben jetzt ein Geisterverscheucheritual, das hilft. Braverweise hilft Little Q. auch mit. Er lässt sich auch zeigen, wo gerade Geister sind und hilft dann vertreiben…

  3. moody / Sep 14 2011

    Wirklich sehr entzückend, deine Vergleiche und Erklärungen :) Ich freue mich riesig darauf, wenn meine P. mir noch mehr mitteilen kann, als im Moment…

    Und wegen der Abi-Feier: Schade, aber: Eine nächste Gelegenheit kommt sicher ;) und dann doppelt ;)

    Liebe Grüße!

  4. Schussel / Sep 14 2011

    Auch hier Ängste, erst seit kurzem. In unserem Fall ist es die ständige Frage, ob jemand aus der Dusche oder aus dem Klo kommen könnte, während er auf dem Topf sitzt (wo das wohl her kommt?), und dann noch Angst vor der Katze, die manchmal nachts an der Terassentür steht und so unheimlich durchs Glas starrt. Bisher beherrschbar, ich bin gespannt, was noch kommt…

  5. Andrea / Sep 15 2011

    Das klingt nach der magischen Phase ( http://www.kindergesundheit-info.de/fuer-eltern/kindlicheentwicklung/entwicklung/magischephase/ ). Das Kind entwickelt Phantasie, und damit leider auch Ängste.
    Unsere Ditte hatte eine ganze Weile Angst vor der Dunkelheit und nur noch mit Licht an und geöffneter Zimmertür geschlafen. Da haben wir uns auch mächtig Sorgen gemacht.
    Aber die Kleinen lernen damit umzugehen, und dann bleiben die erfreulicheren Aspekte übrig: der kleine Pirat, der sich vorstellt ein Schiff zu entern, der Mini-Ritter auf dem stolzen Besenstil-Roß oder der Zauberer, der der lieben Mama ein Stück Schokolade hext.

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