Bis einer heult! • Elternwerden ist nicht schwer …
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4. November 2011 | Pia Drießen

Elternwerden ist nicht schwer …

… Elternsein hingegen sehr!

Gestern erhielt ich auf einer der bekannteren Mütter-Communities eine Nachricht. Man schrieb, dass man ungeplant schwanger geworden sei, das große Kind gerade 7 Monate alt. Man habe Angst und wolle nur mal fragen, ob das wirklich so schlimm sei, mit Zwei unter zwei, wie man es oft lesen würde.

Nein, ich kenne die Frau nicht aber ja, ich kenne ihre Angst. Eine Angst, die ich in der zweiten Schwangerschaft ganz genauso verspürt habe. Eine Angst, die ich in der ersten Schwangerschaft hingegen noch gar nicht kannte.

Es ist ja so, dass man in der ersten Schwangerschaft gerne denkt, dass das alles total toll und schön und super wird. Wird es auch, keine Frage, aber es ist einem kaum bis gar nicht bewusst, wie anstrengend so eine Umstellung zum Muttersein wirklich ist. Verantwortung ist unteilbar, pflegen wir hier zu sagen. Im optimalen Fall ist man zu zweit, Vater und Mutter. Aber auch genau das ist einem anfänglich nicht bewusst: Frau und Mann, das Paar, werden zu Mama und Papa, die Eltern. Es verändert sich die Beziehung zueinander und jede Person für sich. Eigene Bedürfnisse müssen zurück stehen, hinten den Grundbedürfnissen des Überlebens eines winzigen, neuen und zu Beginn auch noch fremden Menschen.

Nun kommt das natürlich auch alles auf das Baby an, das einen zu Eltern macht. Unser Quietschbeu war ein sehr lautes, forderndes Kind. Er wollte nur getragen werden, hatte durch die schwere und lange Geburt ein Geburtstrauma und zudem noch 3-Monats-Koliken.  Die ersten Wochen waren sehr hart für mich. Zumal ich schneller in meine neue Rolle fand, als der Mann, was mir zeitweise das Gefühl gab, völlig alleine zu sein.

Unterm Strich dauerte es nicht einmal drei Monate bis wir als Familie angekommen waren. Und kurz nach dem Ankommen entschieden wir uns für Baby Nummer 2.

Man erklärte uns natürlich anfänglich für verrückt. In vielerlei Hinsicht. Was ich mir und meinem Körper zumuten würde … Was wir unserem Erstgeborenen zumuten würden … Es waren Sorgen von Menschen, die mich in den ersten Wochen hatten leiden sehen.

Und in mir drin litt ich selber fürchterlich. Ich hatte solche Angst vor dieser neuen Herausforderung, obwohl ich sie zeitgleich so sehr wollte! Was, wenn auch das neue Baby so fordernd sein würde? Nie und nimmer würde ich zwei so kleinen Menschen gerecht werden können. Dachte ich.

Und es kam ganz anders. Rückblickend weiß ich, dass das Löwenmäulchen nicht viel weniger anstrengend war, als der große Bruder. Vielmehr war ich es, die sich verändert hatte. Ich war so viel gelassener, hatte ich inzwischen ja die Erkenntnis erlangt, dass man ganz viele Dinge im Leben eines Babys einfach nicht ändern kann. Manchmal weinen sie und es gibt nichts, was man dagegen tun könnte. Außer da zu sein. Mit zwei Kindern kommt man auch in Situationen, in denen man eines der Kinder weinen lassen muss, weil das andere ein dringenderes Bedürfnis hat, das befriedigt werden muss. Dann ist das halt so. Der Anspruch eine perfekte Mutter zu sein nimmt ab. An dessen Stelle tritt der Wunsch, eine konstant gute Mutter zu sein. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, ist das alles, was Kinder brauchen. Liebe. Wärme. Konstanten. Das einzige was Kinder nicht brauchen und ganz sicher auch nicht vermissen werden, ist Perfektionismus.

Nun bin ich ein drittes Mal schwanger. Man könnte meinen, die Angst wäre erneut zurück gekehrt. Ich würde erneut zweifeln, ob ich das alles schaffe und ob ich allen drei Kindern gleichermaßen gerecht werden kann. Doch es ist ganz anders.

Stattdessen sind da diese innere Ruhe und das Wissen, dass sich alles finden wird. Sicherlich wird der Anfang holprig, aber das ist doch jeder Anfang auf die ein oder andere Art und Weise. Es macht keinen Sinn sich dem Kopf über „ungelegte Eier“ zu zerbrechen. Wir können nur erraten, wie unser drittes Baby sein wird. Laut oder leise, fordernd oder genügsam, viel oder wenig-Schläfer. Und das was wir bekommen, werden wir mit ganz viel Liebe und Dankbarkeit entgegen nehmen und uns alle irgendwie Drumherum neu gruppieren, bis wir uns als neue Familie gefunden haben.

Aber um zum Ausgangsthema dieses Artikels zurück zu gelangen: nein, zwei Kinder unter zwei Jahren zu haben ist nicht zwanghaft anstrengender, als ein Kind zu haben. Tatsächlich kann es sogar dazu kommen, dass man die Situation mit zwei Kindern als einfacher empfindet. Das meiste ist Planung und Organisation. Wie geht man mit zwei Kleinindern einkaufen, wer steigt zuerst ins Auto ein, wer wird die Treppe zuerst runter getragen? Das sind Erfahrungswerte, die man im neuen Alltag ganz schnell selber sammelt. Und für offene Fragen steht einem das große weite Internet zur Verfügung. Fragen kostet nichts, wissen Sie?

Zudem möchte ich noch hinzufügen, dass es nicht nur solche und solche Kinder, sondern auch solche und solche Mütter gibt.

Mütter, die andere Mütter belächeln und lästern, weil diese offensichtlich mit der neuen Situation überfordert sind, kann ich ebenso wenig leiden und ausstehen, wie die, die immer behaupten eine Mutter, die ihre Alltag mit Kindern im Griff hat und wenig jammert, würde nur schauspielern und lügen.

Sowohl die Aussage „Ich habe mir das alles schwieriger vorgestellt“ wie auch die Aussage „Ich habe mir das leichter vorgestellt“ hängen erst mal davon ab, was man sich vorgestellt hat! Und das die meisten Mütter beim ersten Kind noch gutgläubiger und blauäugiger an die Sache heran gehen ist doch völlig normal. (Ich hatte zum Beispiel auch vor der zweiten Geburt deutlich mehr Angst, als vor der Ersten, was sich als absolut unbegründet erwies!). Darum lügt doch die Mutter nicht, die vielleicht im Voraus ein bisschen mehr Schwarzgemalt hat und nun total überrascht ist, dass es doch kein Hexenwerk ist, Mutter zu sein.

Ich hörte in der zweiten Schwangerschaft ganz oft den Satz: Das erste Jahr wird hart, aber danach ist es umso schöner. Ich habe das anders empfunden. Ich fand das erste Jahr mit Zwei unter zwei nicht bemerkenswert anstrengend. In erster Linie fand ich es ganz wundervoll meine Jungs so nah beieinander heranzuwachsen zu sehen. Der Quietschbeu begann zu Laufen -> das Löwenmäulchen begann zu Krabbeln -> der Quietschbeu begann zu Sprechen -> das Löwenmäulchen begann zu Laufen. Hier war immer was los. Das erste Jahr rannte nur so dahin.

Um nun aber mal zum abschließenden Fazit zu kommen:

Nein, Zwei unter zwei müssen  nicht furchtbar anstrengend sein. Vermutlich können sie das sein, aber diese Erfahrung habe ich nicht gemacht. Es gibt also keinen Grund vorher in Angst und Schrecken zu verfallen. Mit einer gesunden Portion Optimismus und Vorfreude wird sich auch dieses Abenteuer ganz wunderbar bestreiten lassen.

Ich wünsche alles Gute!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Ramona / Nov 4 2011

    Das hast du schön geschrieben. Ich empfand den kleinen Anfangs auch weniger anstrengend (da weniger mobil) als jetzt ;-)

  2. sabrina / Nov 4 2011

    Hmmm, es kommt wahrscheinlich wirklich einfach auf die Situation an – sind die Kinder gerade eher „schwierig“ oder doch sehr einfach zu handlen?
    Die Ängste hatte ich natürlich auch, das typische eben… schafft man das, wo man doch bei einem Kind hier und da schon mal überfordert ist. Am Schlimmsten aber empfand ich das Gefühl, meinem Großen ein Stück weit seine Exclusivität und seine Mama zu nehmen. Es war auch nicht so einfach für ihn, zumindest am Anfang – allerdings war er ja auch schon fast 3 als der 2. kam, vielleicht bekommen die Kinder das in dem Alter bewusster mit, als ein noch sehr kleines Kind. Jetzt ist es wirklich einfach, umso selbstständiger der Kleine wird umso mehr beschäftigen die beiden sich miteinander….
    Es ist also doch immer eine Frage, wie es laufen wird und das sieht man erst, wenn das 2., 3. oder 4. :-) da ist :-)
    Ein 3. Kind wäre für mich aber undenkbar :-)

  3. Stadtmoewe / Nov 4 2011

    Nur oberflächlich:

    Ich fand das erste Lebensjahr auch am anstrengendsten. Ganz präsent mir immer noch, das Zähne-kriegen. Diese Zeit war die Schlimmste. Körperlich und Seelisch. Sonst gab es nur mal Phasen, die sehr anstrengend waren. Das schönste Alter beginnt für mich gerade jetzt, wenngleich es auch anstrengend ist, aber es ist eine andere Anstrengung.

    Was ich mir leichter vorstellen, wenn man 2 Kinder unter 2 hat ist die Beschäftigung, die beiden haben sich, leben miteinander, lernen aneinander. So, wie das ein Elternteil niemals ersetzen kann.

    Wie schon 100x festgestellt: Alles hat seine Vor- und Nachteile.

    Ich drücke euch!!!

  4. tina / Nov 4 2011

    sehr schön geschrieben. unsere „großen“ haben auch einen recht kleinen abstand (1.5 jahre), aber das ging wirklich super, sowohl im ersten jahr als auch jetzt. sie beschäftigen sich schön zusammen und hängen wirklich sehr aneinander. und nun kommt mit 2 jahren abstand nummer drei, also bei uns ebenfalls 3 unter 4 :-)

    ich habe im umfeld auch die erfahrung gemacht, dass die gelassenheit mit jedem kind zunimmt. geht ja garnicht anders glaube ich.

  5. ida / Nov 4 2011

    ich bin zum ersten mal schwanger und dein blog macht mir unheimlich viel mut.
    alle querelen und auch alles, was man an kleinen oder großen stolpersteinen in den geschichten lesen darf.
    denn trotzdem schwingt immer eine sache mit:
    familie und kinder sind zwei der schönsten dinge, die man im leben haben kann.

    danke für diesen blog. :)
    LG,
    ida (9+4)

  6. San dra / Nov 4 2011

    der erste war pflegeleicht,doch kannte ich diese gedanken auch.

    der zweite ein schreibaby,doch hatte ich nie das gefühl den beiden nicht gerecht zu werden.manchmal muss man sich eben die zeit einteilen wenn das kleine schläft was mit dem grossem machen oder eben wenn der papa da ist.

    die dritte war sehr sehr pflegeleicht und auch mit dreien war das alles kein problem, aber als dann das vierte kam, hatte ich oft das gefühl dass ich nicht allen gerecht werden,dazu noch umzugsstress,da er ein sehr schreibaby war und nur rumgetragen wurde und immer dabei sein musste war das nicht so einfach,doch wir habens überlegt.
    bei dritten hatte ich keine solchen gedanken aber beim vierten panische angst dem nicht gerecht zu werden.

  7. Lydia / Nov 4 2011

    Hallo!

    Dein Text macht mich sehr nachdenklich. Wann der richtige Zeitpunkt für Nummer 2 und 3 (usw ;) ) ist, das weiß man sicher erst hinterher. Ich empfinde das Versorgen eines einzelnen häufig als anstrengend und Freunde, die gerade Baby Nummer 2 bekommen haben, bestätigen, dass es weniger an die Substanz gehe. Mmh, noch ein wenig arbeiten gehen und dann werden wir mal sehen, was draus wird :) Dein Blog gefällt mir jedenfalls gut, den werde ich mal im Auge behalten.

    Viele Grüße, Lydia

  8. Steffi / Nov 4 2011

    Sehr schöner Bericht. Darf ich fragen wieviel Monate deine zwei auseinander sind?

    Liebe Grüße
    Steffi

  9. RALV / Nov 4 2011

    Schönes Fazit! Ich denke, man sollte jeder Schwangeren Mut zusprechen, die Dinge optimistisch anzugehen. Eine Bekannte von mir hat den „ungekehrten Fall“, sie bekommt eben das zweite Kind mit 5 Jahren Altersabstand und sorgt sich ebenfalls, wie das sein wird… wie Kind Nr.1 es aufnimmt, ob es noch Gemeinsamkeiten geben wird etc. Aber einen „perfekten“ und „nicht anstrengenden“ Altersabstand gibt es nunmal nicht.
    Noch ein ganz banaler Gedanke zu der Frage, wie anstrengend kleine Kinder mit geringem Altersabstand sind: es kommt nicht nur auf die Kinder und die Einstellung der Mamas an, sondern auch auf das Umfeld: – habe ich einen Mann, der abends regelmäßig daheim ist, eine Großfamilie um die Ecke oder zumindest ein gutes Netzwerk? Und nicht zuletzt würde ich meinen, spielt auch das Alter der Mama eine Rolle. Wäre ich in Miezmamas Alter würde ich 1000% auch noch ein Baby bekommen. (Da kannte ich meinen liebsten Ehemann aber noch nicht). Aber leider stecke ich die schlafarmen Nächte inzwischen nicht mehr so gut weg. Und ich denke daher schon, dass Kind Nr. 3 mich leicht überfordern würde… :-))

  10. theresa / Nov 4 2011

    so schön geschrieben! ehrlich, man liest nicht nur, sondern man fühlt :)

  11. rage / Nov 5 2011

    es liegt doch immer im Auge des Betrachters, oder nicht? ich find drei Kinder einfacher als zwei. weil wenns stressig ist, ist es eh stressig. da kommt es auf eins mehr nicht an. aber das sehen nicht alle so, was völlig ok ist. :-) ich bin auch grundsätzlich keine jammerliese und hab einen ichmussmirallesgutredenzwang. :-)) so lässt es sich aber gut leben :-)

    aber den Satz: Mütter, die andere Mütter belächeln und lästern, weil diese offensichtlich mit der neuen Situation überfordert sind, kann ich ebenso wenig leiden und ausstehen, wie die, die immer behaupten eine Mutter, die ihre Alltag mit Kindern im Griff hat und wenig jammert, würde nur schauspielern und lügen, den werd ich mir zu herzen nehmen. vor allem teil zwei.

    • Mama Miez / Nov 5 2011

      Da ich ja immer Sorge habe, sie missziverstehen: inwiefern wollen sie den letzten Satz beherzigen?

      • rage / Nov 6 2011

        warum missverstehen? :-) ich stelle fest, dass es Frauen gibt, die finden, wenn man sich eine situation ausgesucht hat – also drei Kinder statt zwei oder einem – dann hat man damit das Anrecht auf jammern verloren, WEIL MAN WOLLTE ES SO. und darüber find ich, will ich nicht urteilen. machte ich auch vorher nicht. jedenfalls hab ich den zweiten teil des Satzes so verstanden, aber jetzt sehe ich, dass sie das anders gemeint haben. was aber auch ok ist. :-))

        wich geh ja gern mit dem Vorschlaghammer in Diskussionen hinein und ab und zu wag ich mich auch an Thesen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht überlegt habe. lästern tu ich auch gern, wobei ich kaum bösartig sein kann. jedenfalls: bei all diesen dingen hinterfrag ich mich auch immer selbst, wie ich das machen würde, warum ich das nicht so mache, usw… insofern ist lästern auch heil- und lehrsam, find ich.

  12. Ilka / Nov 5 2011

    Hallo!

    Meine beiden Jungs waren auch mal zwei unter Zwei.
    Jetzt sind sie 4 und 5 und danken es mir jeden Tag, dass ihr Altersunterschied so gering ist.
    Alle Mütter sind irgendwann einmal unsicher und auch überfordert, aber das sind auch meine Freundinnen, die den klassischen 3-Jahres-Abstand zwischen ihren Kindern gewahrt haben.
    Meine Jungs sind meistens eine Einheit. Sie gehören zusammen, ganz eng. Natürlich müssen sie deswegen auch manchmal streiten, aber mit niemandem versöhnen sie sich schneller, dringlicher und lieber als mit ihrem Bruder.

    Jederzeit würde ich wieder meine Kinder so kurz hintereinander bekommen wollen.
    Gruß
    Ilka

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