Bis einer heult! • Erkenntnisse einer jungen Mutter (23)
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2. Dezember 2011 | Pia Drießen

Erkenntnisse einer jungen Mutter (23)

Freitags frühstücken wir in der Agentur gemeinsam. Jede Woche überlegen wir uns dafür eine Besonderheit, die wir dann meist frisch zubereiten. So waren da zum Beispiel schon Mettbrötchen (nein, das Schwein haben wir nicht frisch geschlachtet und gewolft), Rührei, Weißwürste und Brez’n, Lachs mit Honig-Dill-Senf-Soße, Leberkäs‘ und anderes. Langsam gehen uns ein wenig die Ideen aus, aber wir bemühen uns, weiterhin kreativ zu sein.

Heute soll es Pfannkuchen mit Nutella geben. Sie erinnern sich sicher an meinen Eintrag zum Thema Nuss-Nugat-Creme zum Frühstück. Daran hat sich bei uns zu hause nichts geändert. Nach der letzten Pleite und dem Ertappt werden durch den großen Beebie, war ich heute Morgen natürlich besonders vorsichtig, als ich das Nutella-Glas aus dem Schrank nahm, unter meiner Strickjacke versteckt durch die Küche, das Esszimmer und das Wohnzimmer in den Flur trug und es dort möglichst geschmeidig in meine Handtasche gleiten ließ.

Ein spitzer, sehr schriller Schrei ließ mich herum wirbeln. Der kleine Beebie stand rund einen Meter von mir entfernt zur Salzsäule gefroren und starrte mich völlig paralysiert an. Erneut ein spitzer schriller Schrei. Dann hob sich sein Arm und der kleine spitze Zeigefinger bohrte sich durch die Luft in Richtung Handtasche. „Dah!“ Sein Stimmchen überschlug sich. „DAH!“

Er kam auf mich zu gerannt (tapsig, da er noch nicht lange läuft), schob mich energisch bei Seite und vergrub gleich seinen ganzen Oberkörper in meiner Handtasche. Der kleine Beebie wühlte ein wenig darin herum, kam dann wieder zum Vorschein und hielt beidhändig, weil ordentlich schwer, das Nutella-Glas umklammert.

Mit strahlenden Augen sah er mich an und augenblicklich kam ich mir mies und schäbig vor. Dann sprach ich das sanfte Verbot aus und nahm ihm das Glas ab.

Das Strahlen verschwand und seine Augen füllten sich sofort mit riesen Krokodilstränen, er warf sich auf den Flurboden, drückte sein kleines Gesicht an die Fliesen und heulte wie ein Schlosshund (das sieht immer sehr sehr niedlich und süß aus und ich muss mir immer furchtbar ins Hemd grinsen, wenn er da so vor sich hin schimpft und tobt).

Letztendlich dauerte es geschlagene 5 Minuten, bis ich ihn wieder besänftigen konnte und das Nutella-Glas in einem geschickten Täuschungsmanöver für ihn offenbar wieder in den Schrank zurück geräumt hatte.

Und die Erkenntnis der Geschichte? Regeln sind auch von Eltern zu befolgen, sofern diese nicht in der Lage sind, ihre Kinder glaubhaft, mindestens aber geschickt, zu täuschen.

Ich glaube ja, die Beebies haben einen Sensor. Einen der sie Schokolade und Nuss-Nugat-Creme zehn Meter gegen den Wind im geschlossenen Glas erriechen lässt.

Die ersten Worte des großen Beebies, nachdem er heute Morgen die Augen geöffnet hatte, waren im Übrigen: „Mama, ich geh runter, Kladender auf machen, Schokolade essen!“ Ich habe heute schon vor dem 25.12. Angst!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. die_schottin / Dez 2 2011

    Herrlich. Ich glaube auch fest an den Sensor. Gestern kaufte ich ein gropßes Ü-Ei im Glauben ich könnte es ihm an Nikolaus in den Stiefel stecken. Frag nicht wie, aber er wusste, dass da Schokolade in der Einkaufstasche war und das Ei war leider gefunden. Ich habe es ihm gegeben und für Nikolaus muss ich ein neues kaufen- Samstag wenn er bei Oma und Opa ist und keine Witterung aufnehmen kann. Colin hat zudem auch sehr sensible Antennen für Gummibärchen. Er weiß immer, wenn ich ein kleines Päckchen bei mir trage oder nicht. Alleine für diese Cleverness könnte ich mein Kind bis zum Ende der Welt lieben.

  2. Marc / Dez 2 2011

    Klar, Karl Valentin soll mal gesagt haben: „Wir können Kinder nicht erziehen, die machen uns eh alles nach.“

    Das mit der Schokolade ist bei den Kindern jetzt zu spät, aber für andere ein Tipp: Mir erzählte mal eine Mutter, dass sie ihren Kindern anfangs weis machen konnte, dass Schokolade nicht für Kinder ist. So wie Kaffee halt. :-D

    Und zu: „Langsam gehen uns ein wenig die Ideen aus …“
    Macht Länderfrühstücke – russisches Frühstück, englisches Frühstück, Calvin-Frühstück (Zuckerbomben mit Schokoguss) …

  3. Ramona / Dez 2 2011

    Dazu fällt mir immer wieder diese Geschichte ein:

    http://anekdoten.rainbownet.ch/mahatma-gandhi.php

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