Bis einer heult! • In mir drin. Um mich herum.
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9. Dezember 2011 | Pia Drießen

In mir drin. Um mich herum.

Es weihnachtet sehr. In mir drin, seit Jahres das erste Mal wieder von ganzem Herzen. Ich bin sehr selig und zufrieden. Wir haben zwei meist zauberhafte Beebiejungs, warten auf den/die Dritte im Bunde, wohnen in einem hübschen Haus und haben einen tollen (ich) und einen krisensicheren (der Mann) Job. Sicherlich könnten wir jammern. Über anhaltend zu wenig Geld. Oder über eine leidliche Gesundheit, in den letzten Wochen. Irgendwas ist ja immer.

Aber nein, es weihnachtet nur sehr. In uns drinnen. Wir haben eine Art von Adventskranz (Beebiesicher), einen Hauch von nicht durch Beebihand abbaubare Adventsdekoration und knabbern Nüsse, Äpfel und Mandarinen. Wir trinken abends heißen Chocomel, manchmal mit Sahne und am Wochenende backe ich 5 oder sogar 6 verschiedene Sorten Plätzchen.

Wir erzählen dem großen Beebie vom Christkind und wieso wir überhaupt Weihnachten feiern.

Wir haben unser Weihnachtsfest umstrukturiert. Statt wie in den Jahren zuvor jeden Tag eine andere Familienbaustelle abzuklappern, haben wir diesmal einfach alle am 2. Weihnachtsfeiertag zum Brunch zu uns nach Hause eingeladen. Wer kommt, der kommt.

Ich grüble über die richtigen Weihnachtsgeschenke für unsere Beebies nach. Über die richtige Menge, die richtige Qualität, den richtigen pädagogischen Mehrwert und den richtigen Spaßfaktor, der die Augen meiner Beebies zum Leuchten bringt. Letztendlich werden sie von uns eine Küche bekommen und von der Familie die dazugehörigen Utensilien (Geschirr und Lebensmittel wie hier oder hier oder hier).

Wir werden einen Weihnachtsbaum haben und Bockwürstchen mit Kartoffelsalat an Heilig Abend essen. Der Mann und ich werden später „Ist das Leben nicht schön“ schauen. Ganz bestimmt sogar.

Ich fühle mich weihnachtlich. Ich genieße den Advent und sehne mich nach Schnee. Nur so ein bisschen.

Und dann kommt diese schreckliche M.edia M.arkt Werbung im Fernsehen oder im Radio, die uns Volldeppen suggeriert, dass Weihnachten unterm Baum entschieden wird und augenblicklich will ich keinen Baum mehr und keine Geschenke und überhaupt will ich nie wieder irgendwas mit Werbung, Medien und Marketing zu tun haben …

Und dann singt der große Beebie „Oh Tannebaum. OH TANNEBAUM!!!“, fordert, dass wir die Kerzen anzünden und die Lichterkette einschalten und alles andere ganz dunkel machen. Und er will warmen Kakao und Plätzchen essen. Und mir wird wieder ganz warm ums Herz. Und weihnachtlich.

Es ist ein bisschen so, als würden diese schreckliche Werbung, der Kommerz und die Übertrumpferei und Aufbauscherei von Geschenken mein Herz zum Vibrieren und meinen Körper ins Schwanken bringen. Und der Beebie hält mich kurz fest und lässt erst wieder lächelnd los, wenn ich fest mit den Füßen auf dem Boden und einem gleichmäßig pochenden Herzen in der Brust da stehe. Wie ein Tannenbaum.

„Komm, Mama. Singen! OH TANNEBAUM!“

Es weihnachtet sehr. In mir drin. Um mich herum.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Volker / Dez 9 2011

    *Hach* … danke!

  2. Sabrina / Dez 9 2011

    oh ja diese verdammte Werbung :/ Sie ist echt schlimm. Ich hasse sie.

    aber der rest ist toll geschrieben und schön das der große dich zurück holt in die weihnachtswelt ^^

  3. simetra / Dez 9 2011

    die m.edia m.arkt ist einfach nur grauenvoll, ich reg‘ mich auch jedesmal drüber auf, wenn ich sie sehe :-/ gut, wenn die beebies dir den zauber von advent und weihnachten zurückholen können!

  4. jd / Dez 9 2011

    hach …

    … also ich kann aus erfahrung sprechen, was diese küchen und das alles angeht. die hat einfach ein sensationelles preis leistungsverhältnis!
    bei uns kommt hinzu das sie genau ausschaut wie die küche der erwachsenen und auch noch daneben steht und deswegen eigentlich täglich bespielt wird … also als tip, wenn der platz da is, so aufstellen das es in der küche der erwachsenen ist.

    die werbung finde ich ebenfalls ziemlich schrecklich und ich frage mich wieviel koks man sich durch die nase gezogen haben muss um sowas durchzuwinken und produzieren zu lassen. ich kenne zwar nur die print version, aber die finde ich schon schlimm genug.

    was mir spaß macht, is einfach das morgendliche ritual des adventskalenders. es besteht aus zwei teilen: einmal darf ein kleines geschenk von einer schnur abgeschnitten werden (von pixiebuch, über früchteriegel und schokolade) und danach wird das krippen klebepuzzle um das teil für den tag ergänzt.

    … aber ich muss auch das wochenende abwarten, was jetzt alles an neuem vom kindergarten mitgebracht worden ist, die letzten tage war das thema nikolaus (war es der echte im kindergarten, oder hat da jemand geholfen, weil der ja nicht überall sein kann …. ) noch aktuell.

  5. Q / Dez 9 2011

    Das Schöne ist: ich versteh die Werbung gar nicht und ignoriere sie daher (und bitte erklärt sie mir jetzt nicht!!)

    Ich kenn nur die gedruckte Version, weil wir keinen Fernseher haben und ich wette, das ist auch besser so!

  6. Nike / Dez 9 2011

    *hachz*
    Das hast Du wunderschön geschrieben. Und Du hast so Recht. Der Kommerz rund um Weihnachten (und damit meine ich mehr als nur die MM-Werbung) ist schlimm, schlimm, schlimm… Alleine wenn ich sehe, wie die Kinder mit Werbung zugeballert werden, für allen möglichen Schrott (wenn ich das sehe, bin ich glatt froh, keine Mädchen zu haben!!)
    Und dann ist da der andere Teil, den man erleben darf, vor allem wenn man Kinder hat: das Staunen, die strahlenden Augen, das Dekorieren. Adventskalender. Den Zauber von Weihnachten, wenn man Geschichten von Nikolaus und Weihnachtsmann erzählt, Weihnachtslieder singt (oder den ganzen Tag CDs laufen)

    Dafür liebe ich Weihnachten

    <3<3

  7. Marc / Dez 10 2011

    Tja, wir reden über die Werbung, Ziel erreicht. :-)

    „Den richtigen pädagogischen Mehrwert“ hatte früher ja Holzspielzeug. Zwar hatten die Kinder dadurch keine Freunde, die zum Spielen kommen wollten, aber egal, das sind ja auch keine Freunde, wenn die nur aufs Spielzeug schielen. ;-)

    So, und jetzt mal schauen, ob der Weihnachtsfilmtipp irgendwo während der Feiertage läuft.

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