Bis einer heult! • "... er ist doch noch ein Kind!"
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14. Dezember 2011 | Pia Drießen

„… er ist doch noch ein Kind!“

Ich bin kein Freund von antiautoritärer laissez-fairer Erziehung, was allerdings auch nicht bedeutet, dass ich den autoritären Erziehungsstil mag. Wenn ich meinen eigenen Erziehungsstil beschreiben müsste, dann ist das der gesunde Mittelweg, wie man so schön sagt. In vielen Situationen verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl, in anderen, immer wiederkehrenden Szenarien, bleibe ich konsequent bei einer Linie. Es ist auch ganz stark vom Kind abhängig, was und wie „Erziehung“ Sinn macht.

Viele Dinge geben wir dem Quietschbeu und dem Löwenmäulchen einfach von vorne herein mit. Danke und Bitte sagen beide von sich aus. Das Löwenmäulchen noch in einer sehr putzigen Lautsprache, aber deutlich zu erkennen. Das ahmen sie uns zum Beispiel einfach nur nach, ohne dass wir daran erzogen hätten. Andere Dinge, dass man sich zum Beispiel beim Niesen oder Husten eine Hand vor den Mund hält, sagen wir Ihnen freundlich. Zwei-, dreimal daran erinnert und auch das war als selbstverständlich angenommen.

Aktuell üben wir mit dem Quietschbeu das Warten, wenn wir uns unterhalten. Das bedeutet, dass er warten soll, bis Mama und Papa fertig gesprochen haben, bevor er auf uns einquasselt. Wir erwarten von einem zweieinhalbjährigen nicht, dass er nun 5 Minuten still und leise neben uns steht und abwartet. Das wäre wohl auch etwas utopisch. Wenn er uns anspricht geben wir ihm zu verstehen, dass er kurz warten soll, dann beendet derjenige der spricht seinen Satz und dann hören wir erstmal den Quietschbeu und seinem Anliegen zu. Das ist also ein Zeitrahmen von bis zu 20 Sekunden. Und ja, das kann man einem Zweieinhalbjährigen durchaus zutrauen.

Nun trug es sich zu, dass wir auf dem Geburtstag meiner Schwägerin waren. Meine Nichten sind 3 ½  und 1 ½ Jahre alt und befinden sich etwa im selben Entwicklungsstadium wie unsere Jungs. Wir unterhielten uns über Erziehung und Benehmen und vertraten beide die Meinung, dass man das meiste durch Vorleben beeinflussen kann. Ein harmloses Gespräch. Meine Schwägerin sagte, dass die große Tochter das mit dem Warten bis man fertig gesprochen hatte schon ganz toll umsetzen würde. Eine weitere Mutter eines fünfjährigen Jungen (der von der ersten Sekunde an nur negativ auffiel und mich schier wahnsinnig machte) mischte sich daraufhin ein und meinte: „Also, sowas muss Tim nicht können. Er ist ja noch ein Kind!“

Tim ist 5 Jahre alt. Tim kennt kein Bitte, kein Danke. Tim brüllt und schreit ständig dazwischen, schubst einen bei Seite wenn er vorbei möchte, klugscheißt was das Zeug hält und schlägt und tritt auf seine Mutter ein, wenn sie ihm die dritte Fassbrause verweigert. Worauf die Mutter im Übrigen mit einem sanften „Timmi, hör bitte auf, sonst gehen wir nach Hause …“ (wo das Kind eindeutig wegen akuter Überforderung hingehörte) reagierte. Unnötig zu erwähnen, dass Tim nicht aufhörte und sie dennoch nicht mit ihm nach Hause ging. Ganz im Gegenteil war es schließlich mein Bruder, der nach geschlagenen 5 Minuten Gebrüll und Geschrei mit dem Kleinen in einen ruhigen Raum ging und nach weiteren 5 Minuten mit einem einigermaßen ruhigen Kind wieder raus kam.

Ich frage mich ernsthaft, wann Kinder denn alt genug sind, die Alltagsregeln für ein freundliches und höfliches Miteinander in unserer Gesellschaft zu lernen. Wartet man einfach bis sie 12 sind und schenkt Ihnen dann einen Knigge? Oder macht man das so in der Pubertät, zwischendurch, in einem „Kind, wir müssen mal reden“-Gespräch?

Erziehung hat nichts mit Verformung zu tun. Keiner erwartet von einem Kind, dass er sich nahtlos und perfekt in unsere gesellschaftlichen Gepflogenheiten eingliedert, aber die richtigen Weichen kann und sollte man durchaus von vorne herein stellen. Es ist für ein Kind doch viel einfacher Dinge von Anfang an „richtig“ zu lernen, als es erst jahrelang so und so durchgehen zu lassen und dann plötzlich eine 180 Grad Wendung und Anpassung zu verlangen.

Hier auf dem Mama Miez‘ Blog gab es mal eine Diskussion zum Thema in den Kommentaren, in dem eine Mutter schrieb, IHR Kind wäre ganz unkompliziert und wunderbar und Sie hätte als Mutter wohl alles richtig gemacht. Woraufhin eine andere Leserin kommentierte, woher sie die Sicherheit nähme, dass das ihr gutes Vorbild und nicht das Wesen des Kindes sei?

Und ganz klar: das Wesen des Kindes spielt natürlich gerade bei diesem Thema eine große Rolle. Wäre dem nicht so würde das pure Vorleben völlig ausreichen. Jedes Kind versucht doch einmal seine Eltern zu hauen, kneifen oder zu beißen. Das haben wir ihnen auch nicht vorgemacht. Auch kann ich mich nicht erinnern, mich je irgendwo in Gegenwart meiner Kinder auf die Erde geworfen zu haben, um mit Händen und Füßen auf den Boden zu trommeln.

Worauf ich hinaus wollte: dieser Besuch bei der Schwägerin bestätigte mir mal wieder meine Abneigung gegenüber antiautoritärer  laissez-fairer Erziehung.

Mein Vater sagt zum Thema „Erziehung“ immer:

„Man kann einem Kind nur beibringe, sich nicht die Nase im Tischtuch zu schnäuzen. Der Rest ist ordentlich Gießen und immer schön in die Sonne halten. Dann wachsen sie von alleine.“

Und da hat er Recht!

PS in eigener Sache: ich habe mich dazu entschieden wieder weniger auf „Kuschelkurs“ zu bloggen, sondern das aufzuschreiben, was ich denke, ohne mir im Voraus darüber Gedanken zu machen, was Ihr davon halten könntet. So fing das hier an und so soll es wieder werden.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Kiki / Dez 14 2011

    I Like! :-) Ganz meine Meinung! Und damit meine ich sowohl den Inhalt deines Beitrages als auch deine „Anti-Kuschelkurs-Einstellung“. Ich find deinen Blog super, weil du nämlich genau das machst: deine Meinung kommunizieren. Ist ja schließlich auch dein Blog! warum solltest du dich da irgendwelchen Zwängen unterwerfen! Mach weiter so!

  2. sabrina / Dez 14 2011

    Ja, da gebe ich dir Recht – vieles kann man schon durch´s Vorleben beeinflussen, Kleinigkeiten eben, Bitte und Danke sagen etc.
    Sicher hängt auch einiges vom Wesen der Kinder ab, meinem Großen ist hauen, treten und beißen fremd – solange er nicht gehauen wird – er wehrt sich und das darf er auch. Ansonsten möchte ich mit meinen Kindern einfach überall hingehen können, ohne Angst zu haben, das er sich jeden Moment daneben benehmen könnte.
    Viel Schlimmer allerdings finde ich die Mütter, die in bestimmten Situationen nicht eingreifen und ihr Kind nicht zurechtweisen – zB überall dran gehen, andere Kinder hauen etc.

  3. elbkind / Dez 14 2011

    So isses. Das Kind hier braucht möglicherweise etwas mehr Nachdruck als Deine Beiden, aber dann bekommt es den eben. Einen winzigen Fehler, eine kleine Unaufmerksamkeit und ich brauche Wochen, um das wieder auszubügeln. Und ich möchte einfach, dass er bestimmte Dinge kann (Im Grunde das, was Du erwähnst, die Basics), weil ich denke, dass ihm das den Weg auch leichter macht. Was für ein armes Kind, das keiner mag und das andauernd aneckt, weil Muddi Ansagen macht, die sie nicht umsetzt oder weil sie ganz und gar schleifen lässt. Kinder möchten gefallen, das steckt in ihnen, wenn ich meinem Kind das verweigere, weil ich ihm keine Regeln für das Zusammenleben mit anderen mitgebe, dann nehme ich ihnen etwas ganz Wesentliches.

    Tatsächlich glaube ich, dass ganz viel mit der Grundstruktur von Kindern zusammenhängt, der Rest ist das, was wir ihnen mitgeben, das, was wir vorleben und das, was wir an Arbeit und Aufmerksamkeit investieren.

    Meine zehn Cent für heute. Ach ja – danke für das End-of-Kuschelkurs!

  4. Nike / Dez 14 2011

    Wie immer ist nichts (oder kaum etwas) hinzuzufügen.

    Unser Grosser ist auch fünf. Es fällt ihm manchmal schwer, zu warten bis wir fertig gesprochen haben (vor allem, wenn es etwas, in seinen Augen, sehr wichtiges ist) Trotzdem halten wir ihn dazu an. Jetzt! Natürlich ist er noch ein Kind, aber nichtsdestotrotz muss (!) er die Regeln des Miteinanders kennen. Und da gehört Rücksichtnahme für mich einfach dazu. Und Du hast Recht! Wann will „sie“ anfangen? Ich kann nicht jetzt alles durchgehen lassen und mit Schlag zehnter (oder zwölfter) Geburtstag fange ich an, genau das alles zu bekittrln, was vorher noch ging… Das macht mich meinem Kind gegenüber unglaubwürdig.

    Den Spruch Deines Vaters finde ich übrigens ganz wunderbar <3

  5. Frau Ährenwort / Dez 14 2011

    Es ist doch bei allem immer eine gesunde Mischung aus beiden Seiten, aus schwarz und weiß. Wir machen es hier genauso und ernten überall Lob wie toll Emily sich schon mit 2 Jahren benehmen kann und wie höflich sie ist. Das heisst aber auch nicht, dass sie mich nicht trotzdem mal beißen will oder einen Heulanfall bekommt. Das ist alles normal und gehört dazu. Sonst würde ich mich fragen, ob ich da einen Menschen zur Welt gebracht habe oder eine Puppe.

  6. Ilsa / Dez 14 2011

    Mit seinem Verhalten schreit dieses Kind doch förmlich um Hilfe, weil grenzenlos zu leben in diesem Alter ziemlich Angst machen kann.
    Danke für diesen Beitrag.

  7. Sabrina / Dez 14 2011

    Da stimmt ich dir zu, ich gehe auch den Mittelweg, aber Benehmen sollte schon sein, Bitte und danke sowie Hand vor den Mund muss schon sein, ausreden lassen auch.
    Ganz ohne Regeln, da würde ich als Mutter durchdrehen

  8. Mama06 / Dez 14 2011

    Das ist ähnlich zu dem was ich die Tage gebloggt habe. http://mama06.wordpress.com/2011/12/07/in-der-bucherei-hab-ich/
    Da fragte ich mich auch was das alles noch werden soll und warum man es den Kindern so schwer macht. Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.
    Übrigens finde ich es toll wieder mehr von deinen eigenen Gedanken zu erfahren. Kommentare die dir nicht passen, kannst du löschen. ;-)
    Liebe Grüße
    Stephanie

  9. fraubruellen / Dez 14 2011

    So isses. Die milde lächelnden Mütter, die zusehen, wie ihr Kind grade mal die MuKi-Turnstunde total zerstört, habe ich eh gefressen…. (Bei uns wird übrigens (Schweinegrippengeschult) in die Elbogenbeuge geniest ;-))

  10. dierotefee / Dez 14 2011

    Ich sehe es genau so. Man muss nicht den Rohrstock in der Hand halten, aber immer alles durchgehen lassen führt niemals zum „gewünschten“ Ergebnins. Wir handhaben es hier genau wie Sie und auch wenn unsere kleine Fee erst 17 Monate alt ist- sie sagt immerhin schon hallo und tschüß. Der Rest kommt sicher auch noch und ja, ich werde meinem Kind sicher immer wieder Grenzen zeigen, denn das braucht es einfach. Aber liebevoll und verständnisvoll, das sollte man immer sein.

    Im übrigen blogge ich auch das, was mir in den Sinn kommt und ich finde, jeder der einen Blog schreibt, sollte genau das tun und sicher nicht das bloggen, was andere vielleicht gerne hören. Ihre Meinung ist eben Ihre Meinung. Klar kann man manches anders sehen, das ist ja auch ok. Aber dann sollte man das auch so stehen lassen und nicht herumkritisieren, weil man selbst meint, die Weisheit mit Löffeln gefuttert zu haben und der eigene Weg sei der einzig richtige. :) So.

  11. Mummy 1000Sunny / Dez 14 2011

    Die Frage ist doch, welche Mischung man nimmt. Es ist ganz deutlich, dass die Negativ-Beispiel Mama etwas nicht verstanden hat, weil ihr Sohn ihre Grenzen und die anderer Menschen deutlich übertritt.
    Aber es doch auch den Fall, das die Gesellschaft irgendein Verhalten „vorschreibt“, dass vielleicht wirklich etwas überflüssig ist. Zum Beispiel als Kind Erwachsene zu Siezen. Oder alles auf dem Teller auf zu essen. Je nach Kulturkreis der Eltern sind diese Verhaltensweisen nötig, um sich in der Gesellschaft gut zurecht zu finden.
    Mein Schwager zwingt z.B seine Kinder ihre Teller leer zu essen, nachdem er ihnen viel zu viel drauf getan hat, weil er glaubt, dass alles andere unhöflich wäre. Er übertritt ganz deutlich die Grenzen seiner Kinder, im Namen der Höflichkeit.

    Genauso habe ich immer ein ganz schlechtes Gefühl, oder das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen, wenn ich in „Ökokreisen“ erwähne dass ich meine Kinder nicht mehr an meine Brust lasse, auch nicht, wenn sie gerne würden… oder erwähne, dass ich nach 8 Monaten gut laufendem Windelfrei mein Baby doch in Pampers packte, weil es dann eben nicht mehr so gut lief. Andere finden das furchtbar – ich hätte die Phase aushalten müssen.

    Mir geht es darum, dass diese „Regeln“ nicht ganz so fest sind, wie sie auf dem ersten Blick scheinen. Ich persönlich löse das so, dass ich meinen Kindern meine Grenzen klar mache (die tagweise auch schwanken können), und versuche die Kinder auf die Grenzen Anderer (die ich auch nur erraten kann) aufmerksam zu machen. Eine meiner Grenzen ist, dass ich nicht blöd angeredet werden will („Mama, mach mir jetzt sofort ein Gurken-Brot“, zB.). Das ist etwas, dass ich auch den meisten anderen Menschen unterstelle, es hat etwas mit einem Basis-Level von Respekt zu tun.
    Was ich allerdings ganz doof finde sind Leute die z.B. im Supermarkt gerne vorbei möchten, und einfach nur dastehen, nichts sagen, und erwarten dass ich das sehe, ihre Absicht errate, und meine Kinder aus ihrem Weg bugsiere. Meist warte ich dann einfach die Schmerzsekunden ab, dann sage ich den Kindern in hörbarer Lautstärke „Die Frau hinter euch sagt zwar nichts, aber ich denke, vielleicht möchte sie gerade an euch vorbei.“ Oder ich weise die betreffende Person darauf hin, dass sie mit meinen Kinder reden darf, wenn sie vorbei möchte.

    Ich denke, das wichtigste ist, seine eigenen Grenzen wirklich gut zu kennen und auch keine Hemmungen zu haben, sie auch fremden Menschen mitzuteilen (Ja, ich weiß, das macht nicht immer beliebt. Aber wenn das jeder machen würde, würden wir uns alle viel besser verstehen ;) )
    Ich sage allerdings meinen Kindern auch zehntausend mal am Tag dass sie miteinander Reden sollen, damit beide Seiten wissen, was der andere will und eine Lösung gefunden werden kann. Es ist zwar einfacher, zu hauen oder als Erwachsener empört über die Unhöflichkeit des Gegenübers zu sein, aber es hilft.

  12. Spitfire / Dez 14 2011

    Kann Ihren Post uneingeschränkt so rautieren, Frau Miez.
    LG, Spitfire

  13. Herzmama / Dez 14 2011

    Was ich mich immer wieder frage: wie geht es in diesen Familien zu Hause zu? Ich lege doch nicht nur in der Öffentlichkeit Wert darauf, ein „sozial kompetentes“ Kind zu haben, sondern möchte ja auch in den eigenen vier Wänden entspannt zusammenleben. Meiner Meinung nach ist das nur möglich, wenn alle Familienmitglieder (dem Alter angemessen) die Grundregeln der Höflichkeit und des menschlichen Zusammenlebens beherrschen. Und wieviel „Freude“ man mit Kindern haben kann, deren Eltern nicht Willens oder (oft) auch nicht in der Lage sind, ihren Kindern gewisse Umgangsformen und Regeln zu zeigen, durfte ich jeden Tag in meinem Job feststellen…

  14. AnJu / Dez 14 2011

    Wir haben ein Exemplar mit einem eher stark ausgeprägtem Willen, wo es schon sehr nervenaufreibend sein kann, weil man Dinge eher 30 Mal statt 3 Mal sagen muss. Meistens geht es um rumhampeln am Tisch (inkl. umgeworfener Gläser), aufstehen während der Mahlzeiten, Katzen ärgern. Andererseits denke ich immer, wenn wir nicht jetzt konsequent sind, ändert sich ja nie was. Da gibt’s dann eben manchmal Tränen, wenn das Essen weggeräumt ist, weil er vom Tisch aufgestanden ist und verkündet hat, er wäre satt.
    Beeindruckt bin ich dann immer, wenn ich sehe, dass irgendwas doch ankommt, z.B. wenn er bemerkt, dass andere Kinder Dinge tun, die er nicht tun darf und dann sehr empört ist, dass die das einfach machen.

  15. Q / Dez 14 2011

    Liebe Mama Miez,

    ich danke die für diesen Beitrag.

    Heute hatten der kleine Mann und ich Streit, weil er mich gehauen hat.
    Ich habe (weil er mich gestern auch schon gehauen hatte und es sehr weh getan hatte) ganz blöd reagiert. Genau genommen habe ich wie meine Mutter früher reagiert, und das habe ich immer gehaßt.

    Dein Beitrag gibt mir irgendwie gerade ganz viel Kraft zurück. (Ist nicht das erste Mal, dass ein Beitrag hier das tut, aber diesmal sage ich es.)

    DANKE!

  16. die_schottin / Dez 14 2011

    Du selber erziehst antiautoritär, wenn ich Dich korrigieren darf. Du meinst Laissez-faire-Erziehung. Viele denken Kindern freien Raum zu lassen sei antiautoritär, ist es aber nicht. Mehr dazu bei Wiki. Wir haben das gleiche Problem leider auch im Freundeskreis und dann auch noch bei den 2 besten Freundespaaren! Deshalb ist unser WeihnachtsBrunch auch total im Chaos versunken. Keiner außer mir guckte nach den Kindern während sie Colins Zimmer verwüsten, es wird nichts gesagt, wenn sie andere Kinder mit Bauklötzen bewerfen etc pp. Und da wird erwartet, dass der Kindergarten es richtet. Furchtbar. Kinder brauchen Regeln zur Orientierung und das von klein auf.

  17. Tine / Dez 14 2011

    Sie haben ja so recht. Ich kenne ein Kind, dass sich aufs Autodach setzte ubd seine Mutter aufforderte, los zu fahren. Mama versuche ihn daraufhin antiautoritär vom Dach zu labern. Dieses Kind war mein Hauptargument, kein eigenes zu wollen…

    Ich weiß, der kleine Prinz und ich sind noch weit von solchen Situationen entfernt. Aber so will ich niemals werden. Ich denke, am Anfang haben es diese Kinder sicher leichter, schließlich müssen sie erstmal kein „Nein“ ertragen. Später kann sie aber keiner mehr leiden…

  18. Frau Zeitlos / Dez 14 2011

    In meinen Augen, liegt das Problem häufig nicht darin, dass sich Kinder wie Kinder benehmen, sondern dass sich Eltern nicht wie Eltern benehmen.
    Erst heute im Stoffgeschäft waren zwei kleine Geschwister, denen natüüüüürlich langweilig war und die sich natüüürlich gegenseitig tatkräftig unterstützt haben, eine Unsinnsmöglichkeit nach der anderen zu finden. Mal ehrlich: Das ist ja auch öde da für Kinder. Die Mutter reagierte allerdings gar nicht (als die Lütten versuchten, die Finger in den Ventilator zu stecken, schritt die Verkäuferin ein), die Oma nur ganz zögerlich.
    Ich habe jetzt natürlich gut reden; mein Kind kann ja noch gar nichts anstellen, oder irgendwelche sozialen Kompetenzen haben. Aber ich würde mir wünschen, dass mein Bauchgefühl mir demnächst den richtigen Weg weist, wann „aktive“ Erziehung nötig ist und wann nicht…

  19. Frische Brise / Dez 14 2011

    Ich habe bei der Erziehung meines großen Sohnes immer versucht, mein Bestes zu geben. Natürlich kannte er im Alter von 2 Jahren „Bitte“ und „Danke“ und war ein wahrer Sonnenschein.

    Trotzdem hat er im Alter von 5 Jahren andere Kinder getreten und war „auffällig“. Es wurde geurteilt und nach Gründen gefahndet. Fehlender Vater, berufstätige Mutter, Vollmond, Sommer, Winter etc.
    Ich war selber hilflos und irgendwann auch genervt.
    Das Verhalten war aber genauso schnell vorbei, wie es gekommen war.

    Ich hätte mir damals Menschen wie Deinen Bruder gewünscht, die mir vielleicht mal für 5 Minuten die Sorge um mein „auffälliges“ Kind genommen hätten und nicht über mein Kind und mich urteilen.

    (Übrigens haben Jungen im Alter von 5 Jahren einen richtigen Testosteronschub und werden zu wahren „Rüpeln“. Also alles relativ normal. Habe ich damals aber noch nicht gewusst.)

    • Mama Miez / Dez 15 2011

      Ich antworte speziell Ihnen, werte Frau Frische Brise, weil ich nicht möchte, dass Sie etwas auf sich beziehen oder auf Ihre Situation, was nicht auf Sie oder ihre Situation passt!

      Ich urteile über diese Mutter, weil sie ihren Erziehungsstil ganz klar und unmissverständlich definierte, Tim schon lange bekannt ist und man weiß, dass es nicht nur eine Phase ist. Dieses Kind ist frei von Erziehung und gutem Benehmen. Zudem war der Junge völlig überfordert von den vielen Menschen, dem Lärm und der Enge. Er gehörte nicht auf die Feier, jedenfalls nicht mehr in den Abendstunden. Sie hätte mit ihm – zu seinem Wohl – früher nach Hause gehen sollen. Und ja, dieses Kind nervte mich – und alle übrigen Gäste – an diesem Abend enorm. Das ist keine einseitige Aburteilung des Kindes, sondern eine ganz subjektive Empfindung.
      Die Feier wurde erst sehr schön und entspannt, als Tim und seine Mutter gingen und dennoch vier Kleinkinder zurück blieben.

      Ich zähle nicht zu den Menschen, die sich nach einmaliger Begegnung ein Urteil über Familie, Umfeld und Erziehungsstil herausnehmen. Das könnten Sie sich aber auch denken ;)

  20. Chrizzo / Dez 14 2011

    Ganz so einfach ist es je nach Wesen des Kindes nicht… Unser Sohn hat als Zweieinhalbjähriger auch alles brav „nachgemacht“, ist jetzt mit fünfeinhab Jahren aber grad in einer „Sturm-und-Drang-Zeit“ oder so und weder höflich noch geduldig noch gewaltlos… Aber ich bin mir sicher, dass er zu den guten Wurzeln mit viel Unterstützung und der ein oder anderen drastischen Konsequenz (wie von einer Veranstaltung eben vorzeitig nach Hause fahren o.ä.) wieder zurückfindet. Das doofe an den Konsequenzen ist ja oft nur, dass sie einem selber ebenfalls irgendwie schaden. Elternsein macht halt leider nicht allen Tagen gleich viel Spaß. So wie das Bloggen. ;-)

  21. Frau Schlüpfer / Dez 14 2011

    schön dass du auf kuschelkurs verzichtest! ich finde kontroversen toll. wobei, ich stimme deinen beiträgen ja sowieso immer zu :-)

  22. Feuervogel / Dez 14 2011

    Chapeau, Frau Miez!! Wie immer bewundere ich Ihre Fähigkeit, Dinge so direkt auf den Punkt zu bringen.

    Ich habe ja mal (noch im alten Kindergarten) gesagt, mein Ziel sei es, mein Kind zu einem gesellschaftlich kompatiblen Menschen zu erziehen. Einem Menschen mit eigenem Willen, der trotzdem in der Lage ist, die wesentlichen Regeln einzuhalten und ein erfülltes Leben zu führen ohne ständig über andere hinweg zu trampeln.

    Das ist für mich nämlich der Kern des Ganzen: Respekt. Anderen gegenüber, denen man deshalb dankt, die man nicht anhustet oder niest, denen man die Tür aufhält, die man ausreden lässt und die man auch siezt, wenn sie erwachsen sind und sich nicht mit ihrem Vornamen vorgestellt haben. Die Liste lässt sich noch eine ganze Weile fortsetzen und irgendwie hat jeder seine eignen Prioritäten. Wichtig ist nur, sich klar zu machen, dass da nichts von selbst kommt. Man muss es im Kind verankern. Vorleben, Erklären, Ermahnen, Durchsetzen … je nach dem.

    (Mein Lieblingssatz aus diesem Thread ist übrigens: Eltern die sich nicht wie Eltern benehmen. Das ist so wahr, das werde ich wohl noch oft zitiren.)

  23. aleXXblume / Dez 14 2011

    Auch ich würde unterschreiben, dass ich einen autoritativen (das ist m.E. das Fachwort für das, was du meinst, Mama Miez) Erziehungsstil anstrebe. Und das fällt manchmal leichter, manchmal schwerer. Es ist von meiner und der Tagesform meiner Kinder abhängig, ob wir es so durch den Tag schaffen oder nicht.
    Ich plädiere trotzdem für ein wenig Vorsicht im (Vor-)Verurteilen von Müttern und Kindern, die sich „daneben benehmen“. In vielen Fällen weiß die Mutter sehr wohl, dass es so nicht richtig läuft. Und trotzdem geht die Situation schief. Das kann viel Gründe haben, es ist jedoch nur selten Gleichgültigkeit gegenüber dem Kind. Eher liegt es am Charakter des Kindes, an Überforderung und/oder Übermüdung der Mutter, an einer gewissen „Pädagogik-Müdigkeit“, wenn man Kinder hat, bei denen derlei Dinge eben nicht nach 3 Mal ankommen, egal wie man sich selber verhält und egal, wie oft man seine Vorstellungen schon gebetsmühlenartig heruntergebetet hat…
    Ich will damit nicht grundsätzlich alle in Schutz nehmen, die wilde, ungezügelte Kinder haben und ihnen kaum oder keinen Einhalt gebieten. Ich will nur ein wenig zum Innehalten anregen. Und vielleicht dazu, der entsprechenden Mutter womöglich seine Unterstützung anzubieten, anstatt nur in sich hinein den Kopf zu schütteln. Sollte sie die ablehnen, bzw. gar nicht verstehen, was gemeint ist, kann man den Fall ja dann ruhig unter „fehlgeschlagene Erziehung“ einsortieren…

  24. Chris / Dez 15 2011

    Ein wahnsinnig polarisierendes Thema. Ich muss ehrlich gestehen in einigen Punkte überein zu stimmen. Wie ist es denn in der Tierwelt, da wird auch mal kurz gezwickt, statt immer wieder nur zu besänftigen. Manche Dinge (die Herdplatte ist heiß) wird leider leider leider nicht gelernt, indem man es wiederholt ausspricht. Die Fehler muss jeder Mensch selbst machen. Ich habe zB die Herdplatte kurze Zeit nach Benutzung (als ich die Hand gerade so drauf lege konnte) „unbeaufsichtigt“ gelassen – siehe da – es war heiß und der Schreck viel größer als der Schmerz. Es ist immer schwierig, denn wer will schon gern wehtun? Meist ist die Trickkiste ganz gut.

  25. Frische Brise / Dez 15 2011

    Alles klar ;-)

  26. Ilka / Dez 15 2011

    Hallo liebe Mama Miez,

    erst diese Woche musste ich bei einem Elterngespräch (über einen 11-Jährigen) den Eltern wieder erklären, dass ein Kind ohne Regeln und Grenzen ganz und gar überfordert, hilflos und allein ist. Es schreit dann förmlich nach Konsequenzen (4 Schulverweise an einem Tag…).
    Mein Bild, was ich dann immer anbringe: Ihr Kind fühlt sich wie auf einem schneebedeckten, riesigen Gelände, wo weder Straßen, Wege, Zäune, Hecken usw. zu erkennen sind. Das macht Angst und orientierungslos. Jetzt sind Sie wieder dran, Wegweiser aufzustellen, Straßen freizuschaufeln, das Kind an die Hand zu nehmen. Das brauchen 5-Jährige genauso wie 11-Jährige. Erst sicheren Kindern kann man Freiheit zumuten!
    Arme Kinder, deren Eltern entweder schon resigniert haben oder noch auf rosa Wolken leben!

    Ilka

  27. rage / Dez 15 2011

    war ich das, die gesagt hat, es sei auch das wesen? :-))) wie auch immer: ich stimme ihnen zu. es braucht aber auch einen lernprozess der eltern. wie soll ich sagen? mein ältester passte früher genau auf die beschreibung von tim, wir haben das wirklich lernen müssen, dass er mit vielen leuten überfordert ist. das hatte auch nix mit der erziehung zu tun, weil eben, wir sagen ihm das, wenn er stört oder sonst was blödes macht. mittlerweile kann er sich benehmen und wenn nicht, dann ziehen wir konsequenzen. was wir auch lernen mussten: dass kinder lernen müssen, sich im restaurant zu benehmen. also dass man ihnen dieses lernfeld schaffen muss. dann geht es nämlich irgendwann. heute ists kein problem mehr. aber eine zeitlang – mon dieu. aber das kind immer davor bewahren? nein.

    und, wie sag ich immer: hauptsache, sie funktionieren alleine. auf besuch bei freundein. im kindi, im hort, auf besuch.

  28. Frau Zausel / Dez 15 2011

    Ich stimme dir soweit zu, wobei man das Alter nochmal mitberücksichtigen muss. Ab einem bestimmten Alter vergessen sie sehr gerne die Umgangsformen für eine Zeitlang.
    Bei uns war es übrigens immer so, dass das Zauselkind ausserhalb der eigenen Vier-Wände ein Musterkind war und zu Hause ließ es die „Sau“ raus. Bei gleichen Eltern und gleichem Verhalten. ;-) Es ist zwar mittlerweile tendenziell immer noch so, aber jetzt mit fast 8 Jahren testet sie auch schon mal gerne ausserhalb der Vier-Wände. Hält sich zum Glück im Rahmen. Zu Hause bin ich schon über jedes kleinste Bitte Danke froh und man hat nicht immer die Kraft 100% konsequent durchzugreifen. LG Frau Zausel

  29. Frau Mena / Dez 15 2011

    Ich stimme dem Grenzen-setzen von „Mummy 1000Sunny“ vollkommenzu, die durchaus aber auch nach Tagesform bei mir selber schwanken dürfen. Die Grundregeln sind klar und sollten eingehalten werden, erst recht, wenn es andere Menschen betrifft !

    Was gar nicht geht, sind Mütter, die im Kindergarten, wenn ihr fünfjähriger Sohn zu einem etwa gleichaltrigen Mädchen „Larissa-Pisser“ beziehungsweise „Larissa-Schisser“ sagt, lediglich insofern reagieren, dass „die Kinder das unter sich ausmachen sollen“ … ohne weiteren Kommentar.

    Viele Grüße,
    Frau Mena.

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