Bis einer heult! • Löwenmäulchen in der Schubedition.
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12. Januar 2012 | Pia Drießen

Löwenmäulchen in der Schubedition.

Ein Wort das hier schon lange keine Verwendung mehr gefunden hat: Schub.

Ich hatte fast vergessen was das ist, so ein Schub, als das Löwenmäulchen dann plötzlich der Meinung war, a) meine Erinnerung auffrischen zu müssen und b) überhaupt den ersten für uns wirklich anstrengenden Schub zu schieben.

Dieser Löwenmäulchen-Schub hat, für uns als Eltern klar erkennbar, mit der Sprachentwicklung, dem Begreifen von Zusammenhängen und dem Erkennen von Handlung und Wirkung zu tun. Äußern tut sich dieser Entwicklungsschub durch diverse auffällige Verhaltensweisen und-muster, die der Quietschbeu in ganz ähnlicher Ausprägung in derselben Entwicklungsphase an den Tag legte.

  • Ständiges  Nölen, Nörgeln und Meckern auf Grund seiner noch sehr eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten. Zudem äußert er seinen Unmut durch kurzes, spitze Wutgebrüll und das Hauen in die Luft, was aussieht wie bei einer Katze, die eine Fliege jagt. Wir üben uns darin, das nicht zu niedlich zu finden.
    Seinen Unmut über
    • alle örtlichen, körperlichen Zustände, wie z.B. irgendwohin getragen werden, ins Bett gelegt werden – also alles, bei dem man ihn anfassen muss – äußert er durch ein lautet AUA!!!
    • alle falsch erfüllten Bedürfnisse und Wünsche, wie z.B. zu warmes Essen, falsches Getränk oder das Regulieren von Mengen, äußert er mit einem lauten NAAAAIN!!!
  • Nächtliches Erwachen und Weinen, bei dem das Löwenmäulchen nur sehr schwer wieder zu beruhigen ist, nicht angefasst werden möchte, aber die Anwesenheit von mindestens einem Elternteil fordert. Er findet dann auch nur sehr schwer wieder in den Schlaf, so dass wir aktuell gut und gerne immer mal wieder 30 Minuten im Stockdunklen nur neben seinem Bett sitzen und warten.
  • Er ist sehr Wankelmütig in seinen Entscheidungen und möchte z.B. während einer Mahlzeit abwechselnd gefüttert werden und selber essen. Da wir ihn eigentlich bis dato nie fütterten, ist das ziemlich komisch für uns (außerdem schrecklich unpraktisch, wenn man ja selber essen will. Wir verwöhnten Eltern!). natürlich wird jedes Umentscheiden mit einem lauten Wutgeheul angekündigt.
  • Ständiges Brabbeln, Singen von Melodien und Formen neuer Laute. Im Auto, beim Spielen, im Bett. Nur beim Essen hört man ihn lediglich Schmatzen und geräuschvoll Pusten.

Is‘ nur ne Phase. Geht wieder vorbei. Zum Glück.

Erstaunlich finde ich hingegen eine Veränderung, die ich an mir selber wahrgenommen habe. Hatte ich beim Quietschbeu noch echte Probleme mit diesem oder jenem Verhalten (ganz schlimm zum Beispiel dieses nächste Weinen und sich nicht beruhigen können. Was bin ich daran fast verzweifelt), so habe ich beim Löwenmäulchen einfach die Ruhe weg. Wenn er versucht mich zu hauen oder mich wegschupst, nehme ich das nicht einen Funken persönlich oder werde gar traurig. Wenn er weint und meckert, werde ich weder unruhig noch mache ich mir Sorgen. Allein die praktische Erfahrung (gelesen hatte ich vorher schon beim Quietschbeu viel) hat mir das Vertrauen in die Richtigkeit der Entwicklung meiner Kinder gegeben. Ein weinendes Kind leidet nicht automatisch Höllenqualen und ein hauendes Kind hat nicht automatisch die Absicht zu verletzen.

Eine Phase. Ein Schub. Am Ende wird das Löwenmäulchen mit seinem Bruder um die Wette schnattern und wir werden uns wieder nach der Zeit sehen, in der sie noch nicht sprechen konnte, wir uns das aber so sehr gewünscht haben.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Tine / Jan 12 2012

    Danke. Die Sätze machen Mut. Obwohl wir vom Sprechen lernen noch gefühlte Lichtjahre entfernt sind – ich weiß, am Ende geht es viel zu schnell.

    Ich glaube, hier schiebt auch einer. Mit herzzerreißendem Weinen, was nur durch die Erfüllung der Grundbedürfnisse und viel kuscheln beendet werden kann. Oder er genießt es in vollen Zügen, dass jetzt immer einer zum kuscheln da ist. ;) Es ist aber dennoch sehr ungewohnt, nicht genau zu wissen, was jetzt konkret das Problem ist. Aber jetzt sage ich mir einfach: „Ein weinendes Kind leidet nicht automatisch Höllenqualen…“ Danke.

  2. Mandy / Jan 12 2012

    Oh man, ich leide mit Ihnen. Verhält er sich während eines Schubes im Kindergarten auch so? Interessiert mich nur, weil mein Kleiner, 1 Jahr, auch in 2 Wochen in die Krippe kommt.

    LG

    • Mama Miez / Jan 12 2012

      Im Kindergarten ist er ja die meiste zeit abgelenkt, aber ja, auch dort ist aufgefallen, dass er nörgeliger ist. Allerdings nicht so ausgeprägt, wie das zuhause der Fall ist.

  3. Aniba / Jan 12 2012

    Ich wollte auch gerade schreiben: Willkommen im Club, aber du warst schneller bei mir ;-)…. Ich übe mich dann auch mal im entspannt mit der Situation umgehen. *g*

  4. Mrs.Felsenheimer / Jan 12 2012

    Es scheint gerade eine Schubseuche zu grassieren. Auch ich kann vermelden: Schub in process. Müssen wir das beste draus machen und erfreuen wir uns an den kommenden neuen Fähigkeiten :)

  5. Nike / Jan 12 2012

    Und wie immer ist unser Purzel da so ganz anders. Fast so, als würde er das alles mit links machen. Klar, er ist mal maulig, aber nie so dass es „anstrengend“ wird. Klar, wir merken auch dass er sich ärgert, weil wir ihn nicht (auf Anhieb) verstehen. Klar, aus unerfindlichen Gründen schmeisst er sich auf den Boden, wenn wir ihm einen Wunsch verwehren mûssen. Aber es ist alles so… erträglich. Und es ist nichts, wo wir sagen würden, er ist „anders“ als sonst. Und dann, eines Tages, überrascht er uns einfach mit etwas Neuem. Einzig an seinem Schlaf merkt man manchmal, dass in ihm etwas passiert.

    Ich hab aber die gleiche Erfahrung gemacht wie Du: auch ich bin so viel gelassener bei allem. Ich kann mich nicht erinnern, irgendetwas „ratgebermässiges“ gelesen zu haben, seit Felix auf der Welt ist. Was kommt, kommt. Ob das nun der [Beispiel] 37WochenSchub in der 38. Woche ist oder nicht… Egal, es passiert was – und es ist gut so. Ein wunderbarer Vorteil, den uns die Grossen da verschafft haben

    <3
    Nike

  6. Stefanie / Jan 13 2012

    Hallo,

    ich arbeite als Erzieherin in einer Krippengruppe und auch bei uns ist Schub-Zeit gerade deutlich zu merken :-)

    Aber ich finde es immer wieder schön wenn man diese Phase geschafft hat was das Kind alles gelernt hat…einfach wahnsinn diese kleinen Wesen….

    Euch einen schönen tag
    Lg stefanie

  7. Martina / Jan 13 2012

    das kann ich alles unterschreiben – und das mit dem „nicht-persönlich-nehmen“, hab ich dann bitte beim dritten raus. :-)

    (wir dachten immer, der kleine Sohn sagt nichts, weil er beim großen Sohn nicht zu Wort kommt – tja, und dann legte er los und übersprang einfach die Phase mit ein- und zwei-Wort-Sätzen; ein Wasserfall ist nichts dagegen – und nicht, dass der große Sohn irgendwelche Anstalten macht weniger zu reden…)

  8. Marc / Jan 14 2012

    Oh ja, diese Schübe kennen wir auch: Immer wenn unser Mädchen ein paar Tage mies drauf ist, kann sie hinterher irgendetwas Tolles, Bezauberndes, Spannendes… Neues.

  9. Q / Jan 16 2012

    Ha, hier auch gerade. Nur gehe ich damit total doof um, ich schäme mich da abends auch in Grund und Boden für. Irgendwie klappt es im Moment nicht mit dem Gelassen sein… sonst konnte ich das immer echt gut.

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