Bis einer heult! • Arroganz der Unwissenheit
Skip to content
30. April 2012 | Pia Drießen

Arroganz der Unwissenheit

Bevor sich nun wieder irgendjemand persönlich angesprochen fühlt, ich schreibe hier von meiner höchst eigenen Arroganz und Unwissenheit, denn nur von dieser und den Dingen die ich daraus lernte, kann ich Ihnen berichten.

Bevor der Quietschbeu zur Welt kam litt ich an einer sehr ausgeprägten Form von „Unwissenheits-Arroganz“, welche von „allet jut“-Muttis, die nie Probleme mit ihren Babys oder der Umstellung zum Muttersein hatten und mir immer wieder einredeten, die Natur würde das schon alles regeln, ver- und bestärkt wurde.

Ratschläge von erfahrenen Müttern sah ich immer direkt als Bevormundung und Einmischung an. Glaubten die wirklich, sie wüssten alles besser? Glaubten die wirklich, ich sei so unbedarft und naiv? Natürlich weiß ich bis heute nicht, ob sie das glaubten oder ob sie mir nur hilfreiche Ratschläge in die richtige Richtung geben wollte, aber eins weiß ich heute genau: ich war unbedarft und naiv. Und arrogant halt. Unwissender Weise.

Ich komme aus verschiedenen Gründen auf das Thema. So führte ich vor wenigen Tagen eine Unterhaltung zum Thema Säuglingsschlaf und erst gestern Abend per Twitter eine zum Thema Informationen über Fläschchenernährung bei Stillwunsch. Beides sind Themen, die einem so erst mal total natürlich und selbstregelnd erscheinen mögen, die einem im Wochenbett aber auch zur sehr starken Belastung werden können. Ich erkläre Ihnen gerne warum.

Als Erstgebärende liest man sich in der Regel ja viel an. Man hört da und dort Erfahrungen anderer zu und bildet sich erste eigene Meinungen und Vorsätze. Und dennoch kann man einfach nicht die Ernsthaftigkeit der Lage einschätzen. Man ist und bleibt bis zum Kontakt mit der Realität in einer rosafarbenen Wattewolke, die einen glauben lässt, ist das Baby erst mal da, würde man sich vor Glückseligkeit nur noch überschlagen.

Weil: die wenigsten Mütter erzählen von den anfänglichen Beziehungsproblemen zum Partner, der sich natürlich in der Schwangerschaft genau so gefreut und mitgefiebert hat, wie man selber, der nun aber ebenso wie man selber nicht mehr nur Partner, sondern plötzlich Elternteil ist. Die wenigsten Mütter geben offen zu, wie fürchterlich erschöpft und überfordert sie anfänglich waren, wie sehr ihnen der Schlafmangel zusetzte und/oder die eigene körperliche Erschöpfung. Oder wie sich das anfühlt, wenn dieser Hormonumschwung über einen einbricht, man das Gefühl hat, dass hier alles gar nicht zu wollen, vom Partner nicht ausreichend Unterstützung zu bekommen und sein ganzes Leben für dieses neue Lebewesen da aufgegeben zu haben. Natürlich ist das alles Quatsch, insbesondere das Zeug, dass man unter der Hormonumstellung empfindet … aber darum ist es dennoch da und nimmt auf unser Gefühlleben starken Einfluss.

Und Sie müssen keine Wochenbett-Depression bekommen, um das zu empfinden. Das sind normale Hormonumstellungsnebenwirkungen, die in der Regel 2 bis 3 Tage nach der Entbindung einsetzten und 1 bis 2 Tage anhalten.

Sie fühlen sich nicht angesprochen? Herzlichen Glückwunsch! Aus unzähligen Gesprächen mit unzähligen Müttern jeglichen Alters, jeglicher Familienkombination und jeglichen sozialen Umfelds weiß ich: sie sind die goldene Ausnahme. Und darum beneide ich sie wirklich!

Seien Sie gewiss: die Mütter, die Ihnen raten alles auf sich zukommen zu lassen, die hatten Glück, dass sie keine Schwierigkeiten hatten. Oder taff und stark genug waren, diese mit links zu regeln. Vielleicht ist aber auch nur deren Erinnerung verblasst und/oder die Realität einer angenehmeren Erinnerung gewichen?

Wenn Ihnen also jemand mit Erfahrung rät, sich über dieses oder jenes Thema vielleicht im Vorfeld schon zu informieren, dann nehmen Sie den Rat vielleicht besser an. Informationen sind heutzutage in der Regel kostenlos und waren noch nie so leicht und schnell zu beziehen, wie in diesen Zeiten. Dem Internet sei Dank!

Sie müssen ganz sicher vorher keine Fläschchen kaufen, wenn Sie stillen wollen. Aber es wird Ihnen auch ganz sicher nicht schaden, vorher zu wissen, welche Flaschen- und Saugerformen oder welche Ersatznahrung es für welche Fälle gibt, um im Ernstfall (der schneller Eintritt als man heute noch glaubt) gewappnet zu sein und nicht Hormongeflutet und körperlich geschwächt in einem Babyfachmarkt – oder noch schlimmer, in einer Notfallapotheke – die falsche Auswahl zu treffen. Ja, das ist mir so ergangen und ist somit eine sehr subjektive Erfahrung. Aber alleine das vorher informiert sein hätte mir das harte Lehrgeld erspart, dass ich im Anschluss durch Koliken und Saugverwirrung beim Quietschbeu habe zahlen müssen.

Dasselbe betrifft meiner Meinung nach das Thema Säuglingsschlaf. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten einen Säugling richtig zu betten. Propagiert werden aber immer nur rücklings im eigenen Gitterbettchen ohne Nestchen, Kuscheltier oder Decke, dafür aber mit Schlafsack. Und Sie glauben, Ihr Baby fühlt sich so sicher und wohl und schläft ganz entspannt? Viel Glück!

Alle „habe ich auch nicht gemacht und nicht gebraucht“-Antworten zielen meiner Meinung nach übrigens auf eine völlig falsche Richtung der Hilfestellung ab. Wenn Sie diese Informationen nicht gebraucht haben ist es klar, dass es nicht schlimm ist, dass Sie diese vorher auch nicht hatten. Dazu gerne noch Mal: herzlichen Glückwunsch!

Aber darum ist es doch weiterhin nicht falsch sich vorab über etwas zu informieren! Gerne noch mal der Hinweis, das Informationen in der Regel erst mal kostenlos sind. Zudem geben sie einem ein gewisses Gefühl an Sicherheit, das man in einer so völlig neuen Situation, wie sie nach der Geburt des ersten eigenen Kindes eintritt, ganz sicher sehr gut gebrauchen kann. Und wenn Sie die Informationen nicht selber gebrauchen können freuen Sie sich … uns vergessen Sie.

Ich persönlich mache mir im Übrigen sogar bei Kind Nummer 3 wieder Gedanken darüber, welche Flaschen und Nahrung ich kaufen würde, müsste ich Zufüttern oder sollte das Stillen, aus welches Gründen auch immer, nicht klappen. Und das, obwohl ich den Quietschbeu ausschließlich mit der Flasche fütterte und das Löwenmäulchen über 1 Jahr sehr erfolgreich und ohne jegliche Probleme gestillt habe.

Manche Erfahrungen muss man selber machen, las ich gestern. 100%ige Zustimmung von meiner Seite. Erfahrungen sind in einer so anstrengenden Zeit, wie man sie in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt erlebt, aber deutlich leichter zu machen, wenn man ein entsprechendes Grundwissen im Hinterkopf hat.

In diesem Sinne: alles erdenklich Gute für den Start ins neue Familienleben :)

Print Friendly
Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Pjaupe / Apr 30 2012

    Wie immer sehr treffend gesagt, liebe Frau Miez!

  2. Sahanya / Apr 30 2012

    Schließe mich uneingeschränkt an!

  3. Nike / Apr 30 2012

    War DAS jetzt der angekündigte Klugscheisserpost!? Ich finde ihn kein bißchen klugscheisserisch, sondern ganz im Gegenteil, sehr gut und treffend geschrieben.

    Vielen Dank!

  4. FrauBHK / Apr 30 2012

    „Lieber haben als brauchen“ ist in vielerlei Hinsicht mein Motto. Und es hat
    mir geholfen ganz relaxed durch 2 Schwangerschaften zu kommen und 2 – gesunde und zugegeben problemlose Plüschpuffkinder – Kinder zu gebären und durch die Babyzeit zu kommen. Informationen sind so ein Schatz und wir können so glücklich sein alles einfach ergoogeln zu können: Fachwissen, Meinungen, Erfahrungsberichte. Die Generation unserer Mütter hatte nur die Ansage der vorherigen Generation, von 1 (!!) Sachbuch und der Mütterberatung. Wie schwer muss es da gewesen sein gegen den Strom zu schwimmen, auf seinen Instinkt zu vertrauen oder sich einfach nur zu informieren. Daran denke ich sehr oft und bin echt dankbar. Aber das war jetzt fast schon bisschen off-topic ;)

  5. Business Dad / Apr 30 2012

    Danke für den treffenden Artikel.
    Aus der Sicht des begleitenden Mannes kann ich hier vollends zustimmen, wenngleich ich noch eins zu bedenken geben möchte:
    Gerade aufgrund der überall und kostenlos verfügbaren Informationen, die unsere Gesellschaft heute so sehr prägen, wird der Grad zwischen der richtig dosierten & richtigen Information und zu viel der falschen Information immer schmaler.
    Man bzw. Frau sollte nicht uneingeschränkt jede Information aus dem Internet für bare Münze nehmen, sondern sich auf valide und anerkannte Quellen verlassen. Denn die Gefahr einer totalen Verunsicherung der „hormonbelasteten“ und dadurch aus dem Gleichgewicht gebrachten Schwangeren ist sehr groß.
    Wenn drei Quellen von vier Wegen berichten, ist eine Schwangere (so meine Beobachtung) schon sehr nah am Zweifeln über sich selbst, schon bevor das Kind da ist…

    Langer Rede, kurzer Sinn: Absolute Zustimmung zum oben Geschriebenen – mit der Ergänzung sich nicht von jedem und allem verrückt machen zu lassen.

  6. MaiMai / Apr 30 2012

    Liebe Mama Miez,

    Ja, sie haben da wohl Recht. Hat man erstmal ein paar Jahre mit dem/den Kindchen hinter sich, wünscht man sich manchmal, man habe Dinge anders gemacht…
    Ich sehe aber bei mir dennoch oft ein Muster, das typisch zu sein scheint, weil mir das in Gesprächen von Freundinnen genau so zugetragen wurde:
    Vor der Geburt war ich oft genervt, wenn Mamas mir Ratschläge erteilten, teils vehement ihre Einstellung vertraten und mir Dinge wie „Stillen – ja oder nein?“ schwarz-weiß ausmalten.
    Nun habe ich ein Kind (mittlerweile im kindergartenalter) und ertappe mich, wie ich frischen Erstlingsmamas Ratschläge ueber die Windelsorte erteile, vehement meine Meinung vertrete und die Stillfrage schwarz-weiß Male.
    Ich SEHE das, ich bin nicht gänzlich unreflektiert, aber mir fällt es schwer, das abzustellen, genauso wie es mir damals schwer fiel es anzunehmen…

    Und noch etwas anderes:
    Ich hatte eine ganz wunderbare Schwangerschaft, eine unglaublich schnelle 20-Minuten-Geburt, ein gesundes, viel schlafendes Baby, dass ich ohne irgendwelche Schmerzen stillen konnte und tatsächlich war das Wochenbett wirklich(!) die schönste Zeit meines Lebens.
    Ich weiß, dass ich wohl wirklich die goldene Ausnahme bin, durfte mir dafür aber genug Anfeindung an tun.
    Ich habe dieses „ekelhaft perfekte“ Dasein nicht geplant, es hat sich einfach gefügt… Schade finde ich dennoch, dass auch Sie genau solche Mamas immer mit einem zischenden Unterton erwähnen.

    Ich wünsche Ihnen und jeder Mama-to-be eben diese Erfahrungen, die ich machen durfte

    • Mama Miez / Apr 30 2012

      Den „zischenden“ Unterton lesen nur Sie, werte MaiMai. Denn faktisch kritisiere ich, dass „solche“ Mamas Ratschläge erteilen wie: „ich hab mich nicht informiert und hab’s das auch nie gebraucht“ denn diese Aussage allein suggeriert ein völlig falsches Bild von dem, was die werdende Mutter im Regelfall tatsächlich erwartet.

      Ich würde nie – und das betone ich ganz bewusst – jemanden kritisieren oder gar „ekelhaft perfekt“ nennen, nur weil er eine ganz beschwerdefreie Babyzeit hatten. Ganz im Gegenteil schreibe ich ja sogar, dass ich diese Frauen beneide.

      Mich stören im Übrigen Begrifflichkeiten wie „zischend“, „solche“ oder „ekelhaft perfekt“ – auch wenn sie in Anführungszeichen gesetzt sind – da sie meinem Beitrag einen missgünstigen Unterton verleihen, den er nicht hat!

  7. MaiMai / Apr 30 2012

    … Denn – und das moechte ich noch hinzufügen:
    Man muss auch jönne könne :)

  8. sommerelfe / Apr 30 2012

    Vielen Dank für diesen absolut nicht klugscheißereischen Artikel.
    Wie ich gestern schon ganz kurz bei Twitter zur Diskussion mit beigetragen habe, ist einer Freundin genau dieses passiert. Das Stillen hat nicht so geklappt, wie sie es sich gewünscht hat und sie hatte Angst, den kleinen Mann nicht satt zu bekommen. Den Höhepunkt erreichte das Chaos wohl an einem Sonntag und sie musste feststellen, dass dieses Milchpulver weder an der Tankstelle, noch in der Notfallapotheke vertrieben wird.
    Ich weiß allerdings nicht, ob sie zb. Fläschchen schon zu Hause hatte und ob abpumpen eine Lösung gewesen wäre.
    Sie hätte wahrscheinlich, wäre irgendwo Milchpulver angeboten worden, auch das erstbeste gegriffen, einfach um dem Leiden (ihrem vermutlich genauso, wie das Leiden ihres Sohnes) ein Ende zu machen.

    Deswegen habe ich mir vorgenommen, auch wenn ich vorhabe zu Stillen, für den Notfall doch etwas im Haus zu haben (meinetwegen kann der Liebste das auch erst verstecken, damit ich bei anfänglichen Schwierigkeiten nicht direkt die „einfache“ Lösung wähle, nur weil meine Nerven blank liegen).

    Es wurde aber bereits in einem Kommentar von dir erwähnt: Es ist garnicht so einfach aus der Vielzahl an Quellen, die man heutzutage zur Verfügung hat, etwas seriöses rauszufiltern. Wahrscheinlich erhalte ich auf einer Herstellerseite auch wieder andere Informationen (weil die ja was verkaufen wollen), als mir eine erfahrene Mutter etwas sagen würde.

    Deswegen meine ganz unerfahre Frage:
    Welche Quellen haltet ihr für seriös zum informieren? Habt ihr euch mit Hilfe von gedruckter Literatur mit dem Thema (und auch wenn ich jetzt hier gerade nur von Fläschchen geschrieben habe, gilt dies auch für die „Schlafensfrage“) vertraut gemacht? Könnt ihr da etwas empfehlen?
    Oder gibt es die ein oder andere seriöse Internetseite? (Forumplausch wäre sicherlich weniger sinnvoll denke ich ;) )

    Ich wäre nämlich gerne gewappnet.
    Und im besten Fall brauch ich es einfach nicht.
    Da kann ich auch mit leben.

    Kugelige Grüße,
    Marina

    • Ramona / Apr 30 2012

      Ich antworte da mal aus meiner Sicht: Ich habe Bücher gelesen, mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht und im Internet gelesen. irgendwann findet man für sich den richtigen Weg. Nicht von Anfang an, sondern als Entwicklung. Denn jedes Kind ist anders und kommt auch zu anderen Zeiten deines eignen Entwicklungsstandes zu dir. Höre dir ruhig die Geschichten der anderen Mütter (wertfrei) an und finde deinen eignen Weg.

    • Mama Miez / Apr 30 2012

      Ich stimme Ramona da zu. Wenn man alle verfügbaren Quellen wertfrei konsumiert, kann man sich am besten eine eigene Meinung bilden, die aufs eigene Kind auch „anwendbar“ ist.
      Ein Beispiel: der Quietschbeu schlief die ersten 4 Monate seines Lebens NUR im SwaddleMe. Ohne das Ding fand er keine Ruhe, schrie anhaltend und hatte arg mit Koliken und dem Moro-Reflex zu kämpfen. Das Löwenmäulchen hat den SwaddleMe gehasst und geweint, wenn ich ihn hinein legte. Darum hab ich das nach 3 Tagen auch sein lassen. Dennoch und trotzdem habe ich für das Maimiez wieder einen angeschafft. Weil vielleicht braucht und mag das Maimiez die Enge, um sich sicher zu fühlen.
      Was ich sagen will: ich bin und war schon glücklich zu wissen, dass es einen SwaddleMe gibt und wie der meinem Kind in welchen Fall helfen kann.
      Solche Informationen kann man leider aber nicht an einer bestimmten Stelle nachlesen. Das ist tatsächlich auch viel Zuhören und Zulesen(auch in Foren) bei anderen. Wertfrei!

  9. Spitfire / Apr 30 2012

    Lisa war ein recht unkompliziertes Baby, das keine Koliken, Schreiattacken oder Trinkprobleme hatte. Allerdings habe ich mich damals von meiner Hebamme, die den 3-Stunden-Rhythmus propagierte, etwas verrückt machen lassen und anfangs pro Sitzung zu lange gestillt, in dem Glauben, das halte dann länger vor *g*. Ich konnte aber auch nicht richtig einschätzen, wann das Fräulein nun genug hatte. Ergebnis: Ich war am neunten Tag blutig genuckelt und habe beim Stillen bitterlich geheult.
    Das nur so am Rande.
    Was vielleicht häufig in den Vorab-Gedanken werdender Mütter keinen Raum findet (und wohl auch nicht finden kann, weil man’s eben erst erleben muss), ist die Möglichkeit, dass man dann den ganzen Tag mit einem – egal wie gewünschten und geliebten – Minimenschlein dasitzt und eventuell überhaupt (noch) nichts Richtiges mit ihm und sich selber und der neuen Rolle anzufangen weiß. So erging es mir. Später kam dann noch eine postpartale Depression dazu.
    Darauf kann man sich vermutlich nicht vorbereiten. Ins Mutter-Sein (und für die Männer: Vater-Sein) muss man hineinwachsen – und ich persönlich stelle bis heute fest, dass der Wachstumsprozess noch nicht abgeschlossen und immer wieder eine große Herausforderung ist.

    Ich finde Ihren Beitrag sehr wichtig, Frau Miez. Denn hier lesen ja offenbar auch einige noch kinderlose und/oder gerade werdende Mütter mit.
    Liebe Grüße, Spitfire

  10. Spitfire / Apr 30 2012

    ‚Kinderlose Mütter‘. Ich bitte Frau Miez und die werte Leserschaft um Verzeihung für diese bekloppte Formulierung. Wieder schwanger, Bauch frisst Hirn und so.
    Ahem.

    • Pumucklchen / Mai 2 2012

      „Bauch frisst Hirn“

      .. das trifft’s so ziemlich passend. Muss ich mir merken wenn mein Männe wieder meckert weil wir zum 3. mal zurück müssen weil ich schonwieder was zuhause vergessen hab. xD

  11. Frau Muschel / Apr 30 2012

    Hm, ich bin zwar Dreifachmama in jeder Altersstufe, aber ich konnte mich nie beschweren, weil liebe Kinder.
    Klar gab und gibt es hier und da mal durchwachte Nächte, wenn ein Kind die Scheißerei hinter sich hat, fängt das Nächste an, und danach folgen alle der Familie wie die Lemminge, aber ich genieße das so sehr, und werde von Erstlingsmamas so oft um Rat gebeten. Ich hoffe natürlich, dass ich nicht Klugscheißerisch rüber komm ;) (hatte noch kein negatives feedback)

    Ich vertrete die Meinung, konstant auf sein Bauchgefühl, Urinstinkt und Mutterinstinkt zu hören. Die Gabe zu entwickeln eben dieses zu hören, und sich nicht wirr lesen durch alle hunderttausend möglichen Ratgeber,in denen ständig was anderes steht, da wird man ja Irre.
    Ach so, und eine Riesenportion Gelassenheit ist auch noch hilfreich, und ja diese hatte ich als verdammt junge Mutter schon beim ersten Kind, aber es liegt auch in meiner Natur ;)

    Liebgruß

  12. MaiMai / Apr 30 2012

    Liebe Mama Miez, so angriffig, wie Sie es (glaube ich) aufgegriffen haben, war es gar nicht gemeint.
    Tut mir leid, vielleicht hätte ich das differenzierter darstellen sollen.
    Ich glaube, mir hängt da ein bisschen ein Artikel nach, der einen Brief an eine andere Mutter beinhaltet, die in einer ähnlichen Situation wie ich war…
    Mir fällt der Titel nicht ein *grübel*
    Das war mir damals schon aufgestoßen, ich habe damals nicht kommentiert, weil ich die andere (also Ihre) Seite auch gut verstehen kann.
    Mir ist es einfach wiederholt aufgefallen und ich finde es nicht dramatisch.
    Ich teile ganz viele Meinungen und Sichtweisen mit Ihnen, manche eben nicht, manches empfindet man als Leser anders,- der getroffene Hund bellt (oder so ähnlich).
    Jedenfalls lese ich hier sehr gerne Und ganz besonders, dass nicht alles Mainstream, ober-PC, aalglatt ist, macht Sie, liebe Frau Miez, zu einer ganz interessanten und sehr sympathischen Person und erweckt jedenfalls den Eindruck :)
    Nun,- also virtuelle Blümchen!

    Um nicht nur offtopic zu bleiben:
    Ich habe viele Geschwister und lange Kinder betreut, leider weiß ich, dass die Neugeborenenrealität oft gar nicht rosig ist.
    Ich hab die Schwangerschaft genutzt um mich zu belesen, um mich auszutauschen mit ehrlichen Mamas, die mutig waren, auch unbequemes auszusprechen. Auch da hatte ich Glück.
    Ich konnte mir meine Erschöpfung an manchen Tagen verzeihen und auch wenn mal etwas lief, war das okay, weil ich wusste, dass es allen so geht.
    Ich würde es beim nächsten Kind wieder so machen und alles neu aufrollen, wer weiß, vielleicht habe ich als nächstes einen Kaiserschnitt, ein Kind mit Saugverwirrung und Koliken? Man weiß es einfach vorher nicht,- von daher:
    Lobpreiset das Internet :)

    • Mama Miez / Apr 30 2012

      Wissen Sie, mir wird ganz oft unterstellt, ich sei eine Supermama und hätte nie zu klagen oder zu jammern, eben weil ich auch der Typ bin, der eher runter schluckt oder sich sagt, dass es auch wieder einfacher wird, als dass ich jammere. Insofern verstehe ich schon, was Sie grundsätzlich meinen.

      Was mich halt wirklich stört ist die Tatsache, dass ichs immer falsch mache. Wenn ich sage: jammert nicht ständig!, dann wird mir gesagt, ich sei ne Übermutter und total unnatürlich. Wenn ich sage: seit mal realistisch, das wird echt hart!, dann bin ich zu pessimistisch … das wahre, echte Leben besteht aber nun mal den und den Fassetten. Aber das haben Sie ja selber schon festgestellt. :)

  13. neumama / Apr 30 2012

    Dieses Gefühl, sein eigenes Leben aufgegeben zu haben…ich erinnere mich gut! Es war schrecklich und dauerte 24 Std. (gott sei dank nur!). Aber in diesen 24 stunden war ich fassungslos. Darüber dass ich fortan für den Rest meines Lebens nach Muttermilch riechen, stundenlang stillen, wickeln und angeschrien werde. Und fassungslos darüber, dass ich darüber nicht glücklich war. Muss man doch sein, steht doch auf den Glückwunschkarten! Es ist schön, dass dieses Gefühl (meistens) wieder verschwindet. Danke auch für die Erwähnung des Problems, Frau Miez! Mein Sohn (im Mai 2) hat sich heute mit einer Topfpflanze unterhalten und sie gefragt, ob es ihr gut gehe. Ich hab mich kaputt gelacht! Aber das nur nebenbei ;) Alles Gute für den Mai, liebe Mamamiez! Körperlich, geistig, seelisch!

  14. ramiii / Apr 30 2012

    Sie sprechen mir aus der Seele…auf der anderen Seite kann man sich durch zu viele Meinungen und Infos wirklich verrueckt machen lassen. Ich hatte mir waehrend der SS so viel Panik angelesen, dass ich manchmal Nachts nicht schlafen konnte. Spater hatte ich dann ein ganz unproblematisches Baby und eine tolle relaxede Zeit – aber ich wusste wad alles auf mich zukommen konnte.

  15. Steffi / Mai 1 2012

    Informieren ist gut. Erfahrung machen auch. Und immer schön in sich reinhören, das halte ich für das wichtigste. Ich hab ein Jahr lang gebraucht um meinen jetzt 14 Monate alten Sohn mit einem GUTEN Gefühl in den Schlaf zu schaukeln. Weil der allgemeine Konsens immer noch dahin geht dass ein Kind ALLEIN in seinem Bett einschlafen können muss damit es durchschläft. Ich hab den Kleinen trotzdem getragen und geschaukelt, weil Bauch und Herz wussten, es ist falsch ihn weinen zu lassen. Und erst jetzt kann ich es ohne schlechtes Gewissen genießen, wenn er in meinen Armen selig und geborgen ohne Tränen einschläft. Informieren ist gut und wichtig. Aber passen muss es auch. Ich fürchte das nötige Selbstbewusstsein kommt einem als Erstlingsmutter vor lauter Ratschlägen und Informationen manchmal abhanden.

  16. eva / Mai 2 2012

    Hihi. Das einzige , was ich noch sage zu den Themen:
    1. Stillen : Machs Dir einfach. Finde heraus, was für dich einfach ist.
    2.Geburt: informiere dich und gib das Gehirn nicht an der KH-Pforte ab, denn Du gebirst dad Kind und kein anderer !
    3. Für jede Frau gibt es einen weg ! Informationen helfen, aber gut ist auch eine gute Begleitung …..
    LG Eva Maria

  17. Pumucklchen / Mai 2 2012

    Oh man, was hab ich da für ne Welle losgetreten. oO

    Ganz klar, ich hab mich eben wiedererkannt. Alle ratschläge die ich bekomme sind eher von der „Wozu brauchst du das? Früher gabs sowas auch nicht“ Generation bzw von „Nee sowas brauchte ich auch nicht, ist nur teuer“ – Mama’s.

    Da fühl ich mich dann auch verscheißert. Ich bin für alle formen von Ratschlägen erstmal offen aber ob ich die dann auch für so Sinnvoll erachte ist die andere Frage.

    Ich hab im übrigen doch eine Milchpumpe gekauft. Eine von Avent mit 2 weiteren Fläschchen, auch wenn ich, wie schon auf Twitter erwähnt, erstmal vorhabe zu Stillen. Nachdem ich mit meinem Gyn diskutiert hab & mir gesagt wurde „einfach so“ werden diese Pumpen nicht verschrieben, auch wenn mir gesagt wurde, dass Ärzte dies gerne tun. Er meinte, ohne Medizinischen Grund gibts die nich & die verschreibt dann auch der Kinderarzt, nicht er.

    Das mit dem Sterilisator werd ich sein lassen, die Flaschen bekommt man auch im Topf sauber, da hat die Twitteria schon recht.

    Ich sag doch, ich mach mir nen Kopf um ungelegte Eier, einfach weil ich schon zuviel gelesen hab & bin (lt meiner Hebamme) ne Anwärterin für eine Wochenbettdepression aber ich habe einen Mann, der mich immer wieder auffängt. Und das ist mein Glück sonst würd ich (wieder) nur heulen ohne zu wissen warum.

    Ich will damit sagen; es ist alles neuland, es gibt einfach so viel was man falsch machen kann & auch machen wird, und grade das macht mir Bauchschmerzen. Manche Fehler wird man nicht vermeiden können, aus den verschiedensten Gründen. Dessen bin ich mir bewusst aber deswegen versuch ich trotzdem erstmal alles um mein Horror – Kopfkino zu vermeiden auch wenn ich wahrscheinlich diejenige bin, die sich am wenigsten Sorgen zu machen braucht weil sie 0 Probleme hat bis dato.
    Ich hab jetz jedenfalls eine Pumpe bei eBay gekauft. Würde ich sie hinterher wirklich brauchen müsste ich entweder in nen Laden gehen & würde das doppelte bezahlen oder eben eine Woche warten bis die Pumpe da ist. Brauch ich sie nicht verkauf ich sie einfach wieder, so einfach ist das. ;)

    Ich hoffe, ich habe deine Person mit meiner eigenen Arroganz nicht beleidigt denn offensichtlich ließ dir das ganze zwischen deinen QB-Burzeltagsvorbereitungen auch keine ruhe.

    LG,

    Jenni

  18. McMaren / Feb 12 2013

    Dieser Beitrag spricht mir so aus der Seele. Ich hatte mich im Vorfeld nur rudimentär über Fläschchen informiert und dachte, ach, das machste, wenn du welche brauchst. Wir wohnen ja nicht auf dem Land, wo es keine Läden gibt und dann haste auch noch Amazon Prime, wo du am nächsten Tag schon alles bestellte bekommst.

    Ich hab das also in dem Fall ganz gelassen betrachtet. Mein Mann wollte aber unbedingt ein Fläschchen-Starter-Set von Avent kaufen, weil es das bei Amazon im Adventskalender spottbillig gab und sagte, der Tag, wo ich vielleicht mal abends alleine weg wollte und das brauche, kommt schneller, als wir denken.

    Tja, am zweiten Tag im Krankenhaus stellte sich dann heraus, dass ich meine Milch erstmal abpumpen muss und Flaschen brauche und da es mir im „so viel Blutverlust im Wochenfluss, ich kann gar nicht mehr klar denken“, „Oh Gott, warum kann ich nicht stillen, wie andere auch?“ und „Waaah, es ist eh alles so neu, was mache ich nur….???“. Kinder, was war ich froh, dass wir uns nicht in das Thema „Welche Flasche nehme ich nur?“ einlesen musste!

    Und auch das mit dem SwaddleMe und dem Bettchen spricht mir so aus der Seele! Ich hatte überall gelesen, was Sie auch beschrieben haben und dann sagte die Nachtschwester in der ersten Nacht (und eine Stunde nach der Geburt) zu mir, so, wir legen das Kind einfach mit zu Ihnen ins Bett. Was hab ich doof geguckt! Und so wunderschön diese Nähe war und so sehr ich es genossen habe, was hab ich mir Gedanken gemacht, ob das jetzt so richtig ist. Denn er liegt ja neben mir und meine Bettdecke ist in der Nähe und überhaupt, er will nicht richtig auf dem Rücken liegen und oh je, ist das alles so richtig?

    Ich wünschte, ich hätte diesen Beitrag vorher schon gelesen! :)

Trackbacks und Pingbacks

  1. Fräulein Wunder - von Keksen und Krümeln // fraeulein.patschpatsch.com
Leave a Comment

           

Rabatt Wochen bei Roompot