Ich freu mich. Nicht.

Wenn Dinge so geschehen, wie man sie erhofft, aber nicht damit gerechnet hat. Und man sich trotzdem irgendwie nicht freuen kann. Obwohl man sich freut. Das geht so:

Kurz nach der Geburt des Miezmeedchens habe ich sie in unserem Kindergarten angemeldet. Natürlich erst ab ihrem 1. Geburtstag, denn aller Voraussicht nach, muss ich mit Enden der Elterngeldzahlung ja wieder arbeiten gehen. Man machte mir da schon wenig Hoffnung, da es so gut wie ausgeschlossen sei, dass man mitten im Kindergartenjahr und dann auch noch zum Ende hin, einen freien Platz in einer U3-Gruppe bekommen würde. Ich solle es aber ruhig mal versuchen und im Zweifel käme das Miezmeedchen eben zum neuen Kindergartenjahr 2013/2014 in den Kindergarten.

Letzterer Fall würde bedeuten, dass ich mir für das Miezmeedchen eine Tagesmutter von Ende Mai bis Anfang September 2013 hätte suchen müssen. Was wieder enorme zusätzliche Kosten verursachen würde. Davon mal ganz abgesehen, dass das Miezmeedchen sehr temporär eine neue Bezugsperson haben würde, die kurze Zeit später wieder wechselt und sich ihr neuer Tagesablauf für meinen Geschmack auch auf einem zu knapp bemessenem Zeitraum zu oft geändert hätte. Aber irgendwie muss man die Gegebenheiten halt lösen.

Dann kam die Chance mit der Leitung diverser Eltern-Kind-Kurse und das in Angriff Nehmen meines Fortbildungsziels. Im idealsten Fall könnte ich nach Ablauf der Elterngeldzahlungen noch 3 bis 4 Monate überbrücken und erst zum Start des neuen Kindergartenjahrs wieder arbeiten gehen, meine Elternzeit also verlängern. Das ist tatsächlich wohl aber eher Wunschdenken, denn so richtig loslegen könnte ich ja auch erst, wenn das Meedchen vormittags untergebracht und versorgt wäre, so wie ihre Brüder. Die Miez beißt sich also irgendwie selber in den Schwanz und kommt nicht vom Fleck.

Doch gestern sprach mich dann die Kindergartenleiterin an, ob ich den Platz ab Mai 2013 noch haben wolle? Ich war ganz überrumpelt und sagte natürlich direkt „Ja!“, weil, mit so viel Glück hatte ich nicht gerechnet. Natürlich sicherte sie mir nichts zu, meinte aber, sie würde der zuständigen Jugendamtstante das so melden. Gut. Ich freute mich ein bisschen.

Dann kam die erste Ernüchterung. Wenn das Miezmeedchen vor dem Beginn des neuen Kindergartenjahrs in diese Kita käme, und dieser seinen Fahrplan – dass Geschwisterkinder nicht in ein und dieselbe Gruppen gehen sollen – beibehalten würden, dann würde mein kleines Miezmeedchen in die ehemalige Gruppe des Quietschbeu gehen müssen. Und ich sag Ihnen ganz ehrlich: da wär ich lieber verschuldet und pleite zu Hause, als ihr und mir das anzutun.

Der nächste Dämpfer kam, als mich bei längerem drüber Nachdenken und Rechnen von Wochen, Monaten und Zeiten, die Erkenntnis traf, dass ich den Platz ohnehin nur bekomme, wenn ich von meinem Arbeitgeber einen Nachweise bringe, dass ich ab Mai wieder arbeiten gehe. Was ich sicherlich auch tun würde. Aber dann kann ich mir meinen ganzen Traum von der Schwangeren und Eltern-Kind-Betreuung von der Backe putzen. Meine Kurse müsste ich allesamt dran geben und mein Vortragskonzept „Bauch Herz Kopf“ könnte ich in die Tonne kloppen und nicht mehr etablieren. Welcher Arbeitgeber lässt sich schon auf ein: „Ich kann Dienstag und Donnerstagvormittag. Die anderen Tage habe ich Kurse!“ ein. Ja, eben. Und für zwei Tage die Woche bekomme ich auch keinen Kita-Platz. Da beißt sich die Miez selber in den Schwanz und kommt nicht vom Fleck.

Und so war ich halt minimal erfreut und maximal desillusioniert, als ich die Jungs heute Morgen in den Kindergarten brachte und ich mit der Herzerzieherin des Löwenmäulchens ins Plaudern kam. Das Meedchen hatte ich beim Miezmann daheim gelassen und wir stellten beide fest, dass das Löwenmäulchen wesentlich ruhiger und untrotziger im Kindergarten ankommt, wenn das Miezmeedchen nicht dabei ist. Das haben wir beide unabhängig voneinander schon mehrfach festgestellt. Und dann sagt sie zu mir: „Tja, das muss er aber wohl oder übel noch lernen. Immerhin muss er noch ein paar Monate gemeinsam mit seiner Schwester in einer Gruppe verbringen!“ Da tanzten die Herzchen in meinen Augen und ich strahlte so ein bisschen debil vor mich hin. Mein Miezmeedchen in der absoluten herzlichsten Gruppe mit der weltbesten Erzieherin. Der Kita-Himmel!

Und dann wieder diese doofe Erkenntnis, dass mein Traum damit Seifenblasenartig platzt, meine Kurse – die ich inzwischen so sehr liebe – Vergangenheit wären und mein Ziel der Wochenbettbegleitung damit unerreichbar wird. Aus oben genannten Gründen.

Diese wirtschaftliche Inflexibilität, gemeinsam mit der Abhängigkeit eines Kita-Platzes von einer festen Arbeitsstelle mit nachweislich x Stunden. Das macht mich ziemlich unglücklich im Moment.

Wenn Dinge so geschehen, wie man sie erhofft, aber nicht damit gerechnet hat. Und man sich trotzdem irgendwie nicht freuen kann. Obwohl man sich freut. So geht das. Ja.

Hmpf.

 

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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36 Gedanken zu „Ich freu mich. Nicht.

    1. Nein. Ich möchte nicht fremde Kinder am Vormittag betreuen und meine dafür in Fremdbetreuung geben. Das macht für mich keinen Sinn. Davon abgesehen, dass wir dafür auch räumlich nicht aufgestellt sind, ich die Ausbildung dazu nicht habe und und und.

  1. gibt es den rechtsanspruch für krippe nicht jetzt für alle? den nachweis vom arbeitgeber braucht man doch nur für eine längere betreuung. das wird dir dein arbeitgeber doch sicher auch jetzt schon ausstellen. und dann mal schauen…

  2. Dinge kommen wie sie kommen und dann muss man sie lösen. Ich lese erst seit kurzem in dem tollen Mamamiez-Blog und weiß daher nicht genau, wie diese Kurse, die Vorträge und die Wochenbettbegleitung organisiert sind. Aber ganz für lau kann man das ja auch nicht machen… und wenn man Selbständig ist, hat man doch auch einen Anspruch auf einen Kitaplatz. Vielleicht ist das ja eine Option? Selbständig machen?

    1. Die Selbstständigkeit müsste dann aber auch sofort unsere wirtschaftlichen Anforderungen abdecken. In erster Linie bringt Selbstständigkeit erstmal nur weitere Kosten für z.B. Versicherungen (Haftpflicht, private Krankenversicherung, etc.). Sooo einfach isses halt nicht.

    1. Ja, natürlich. Das eine bedingt das andere. Beziehungsweise hatte ich (weil nicht aktuell bzw. akut) das ganze „was ist wenn“-Ding noch nicht komplett durchdacht. Es sind ja verschiedene Baustellen, die hier aufeinander treffen.

  3. Nach dem Kinderförderungsgesetz besteht bundesweit ab 1. Juli 2013 ein Rechtsanspruch für alle unter Dreijährigen auf einen Krippenplatz.
    Hilft aber wahrscheinlich auch nicht weiter :o(

      1. Ääähm, steh auf dem Schlauch. Was hat das mit dem Geburtstag zu tun? Es geht ja um unter Dreijährige.

        Außerdem wärst Du ja berufstätig.
        Wie läuft das denn bei euch? Prüft irgendwer was du wie lange „arbeitest“?

        Das ganze System ist total bescheuert…. Was sollen denn arbeitslose Eltern machen? Wenn sie keinen Kitaplatz haben, können sie nicht arbeiten und wenn sie nicht arbeiten, bekommen sie keinen Kitaplatz.

        Dazu kommt dann, dass sich ein Teilzeitjob für Mütter fast nicht lohnt weil die Gebühren für den Kindergarten das Gehalt auffressen…

  4. Soweit ich weiß gilt ab 2013 der Rechtsanspruch ab dem vollendeten 1. Lebensjahr,also wenn der 1. Gbeurtstag gefeiert wird.
    Nichts desto trotz verstehe ich die Bedenken und Ängste.
    *Däumchen drück*

  5. Das klingt in der Tat ziemlich vertrackt. Ich bin ja auch freiberuflich selbstständig und musste, als ich mich beim Jugendamt um eine Tagesmutter für das Schneeflöckchen gekümmert habe, keinerlei Nachweis erbringen, dass ich tatsächlich schon Einkünfte aus der Selbstständigkeit habe. Was natürlich auch nicht der Fall war, da ich ja zunächst mal einen Betreuungsplatz brauchte, um meine freiberufliche Tätigkeit überhaupt wieder aufnehmen zu können. Auch war es kein Thema, wieviele Stunden ich arbeite würde…
    Ich weiß nicht, wie das mit der Betreuungsplatzvergabe bei Euch in der Gemeinde geregelt ist. Aber: Wäre es nicht möglich, die Monate bis zum Start des neuen Kindergartenjahres als „Gründungsphase“ (Vorbereitung einer selbstständigen Tätigkeit) zu deklarieren und damit auch einen Anspruch auf den Betreuungsplatz ab Mai zu erlangen? Ob Du das dann später haupt- oder nebenberuflich weitermachst, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht lässt sich Dein Arbeitgeber ja auch darauf ein, dass Du Deine Leistungen für die Übergangszeit stundenweise auf freiberuflicher Basis erbringst, so dass Du zumindest ein paar Einkünfte erwirtschaftest, um die Kosten der Selbstständigkeit und einen Teil Eures Lebensunterhalt abzudecken…

  6. Die Idee von WollibosWelt finde ich gut. Selbständig machen, um den Kitaplatz voll zu bekommen. Teilzeit oder freiberuflich arbeiten um den Geldmangel zunächst zu überbrücken…

  7. Lässt dein Arbeitgeber das zu, dass du evtl. nicht zum vereinbarten Zeitpunkt wiederkommst? Eine Elternzeit kann man doch nur mit Zustimmung des AG verlängern. Ich würde mir das nochmal überlegen, denn mit drei Kindern wird es sicher nicht einfach, etwas ganz Neues zu finden, denn auch die Kurse sind doch bald vorbei?

    Soll nur als Denkanregung gelten, nicht als Kritik :)

    LG

  8. Hmm ist ja echt eine schwierige Situation. Allerdings schade für die die für deine Wochenbettbegleitung schon was gespendet haben und du es dann gar nicht machen kannst.

    1. Das verstehe ich jetzt nicht. Die Unterstützungen sind von mir ja auch in eben meine Weiterbildung investiert worden. Da wären bisher viel Fachliteratur, Anschaffungen & Werbung für die Kurse sowie Kursgebühren für z.B. Babymassagekurse. Das Nächste was ich machen möchte, ist eine Trageberatungsschulung. Inwiefern ist das jetzt schade für die, die schon unterstütz haben?!

      1. oh sorry, ich wusste nicht das die Kurse jetzt da auch schon mit reinfließen in das Projekt. Ich dachte irgendwie das sind 2 Paar Schuh. Sorry, da will ich gar nix gesagt haben. =)

        1. Na klar, genau da treffe ich die Frauen und ihre Babys, kann mit ihnen sprechen, mein Wissen und meine Erfahrungen teilen und ein Gefühl für den Umgang mit verschiedenen Menschentypen „üben“.

  9. Hm…..
    Ich finde das persönlich ja gar nicht gut die Kleinen schon so früh abzugeben.
    Mein Mäusle kommt definitiv erst im Herbst nächstes Jahr in die Kita, dann wird sie im DEZ 3.
    Vorher möchte ich nur Mama oder Papa als Bezugs/Betreuungsperson, ab und an natürlich auch mal eine der Omas.
    Klar, Finanziell ist das so eine Sache.
    Doch kein(e) Geld(knappheit) der Welt könnte mich davon abhalten, die ersten 3 Jahre meinem Mädchen zu widmen!!!! Dann geht es eh dahin, KITA, Schule, Vereine usw.
    Natürlich ist das Geld momentan knapp, aber das ist eben meine (unsere) Priorität.
    Mir fehlt ein wenig das Verständnis dafür, immer so rasch wieder in diese Arbeits/Hektik/Geld/Stresswelt zu rutschen.
    Zeit & Liebe ist für Kinder doch das Größte Geschenk das man Ihnen machen kann.
    Aber klar, ich hab (nur) ein Kind. Das macht schon noch einen Unterschied.
    Bitte gib aber Deinen Traum nicht so schnell auf, kämpfe für ihn!
    Es klingt so toll was Du machst udn wie Dein Herz dahintersteckt!
    Finde einen Weg, er ist wichtiger als eine (natürlich Einkommenssichernde – das kann ich schon verstehen!) andere Arbeit. wirklich.
    Es gibt nur diesen besonderen Herzenswunsch und Du hast erstmal nur diese Leben, also gehe den besten Weg um ihn Dir erfüllen zu können.
    Vertraue darauf das sich ein passender Weg auftun wird.
    Ich drücke dir sooo sehr die Daumen dafür udn wünsche Dir/Euch alles gute.
    (Sorry, ist eine sehr persönliche Meinung geworden diesmal ^^)
    GLG, MamaMia

      1. Bei uns in Österreich gibts ja für die längste Karenz das wenigste Geld – wie schön ^^ – Irgendwie geht es sich immer halbswegs aus, auch wenns oft sehr sehr knapp ist. Kleidung für die Kleine bekommen wir oft gebraucht, dennoch schöne Sachen, da wir im Bekanntenkreis einige wenig ältere Kinder haben. Oder Oma kauft mal was Schönes Neues. Oder eben der Papa. ^^ Ich hab jetzt für 10 Std. die Woche zu arbeiten angefangen, da passt der Papa aber auf die Kleine auf. Ich denke ja, ALLES geht wenn man nur WILL. Ist leicht gesagt, ich weiß, aber es geht. Sogar BIO ist drin. Heuer habe ich viiiiel im Garten selbst angebaut, fast alles an Gemüse (ich bin Veggie), auch Obst.
        Also ohne Mann mit Einkommen gings nicht, aber viel bekommt er auch nicht. Wir haben trotzdem weitgehend getrennte Kassa – also Halbe/Halbe.
        GLG, MamaMia

    1. mir fehlt das verständnis für solche beiträge. das ist doch einfach nur daneben. warum müssen hausmütter immer auf berufstätige mütter mit dem finger zeigen mit einem angekeltem igitt „MEIN kind muss sowas nicht durchmachen“. das ist einfach nur ekelhaft.

  10. Hallo Mama Miez,
    wenn ich nicht die unfreundlichen Behörden (in meinem Fall Bonn, vor allem aber unser gemeinsames Landesjugendamt!) kennen würde, würde ich auch glauben, dass es doch nicht von dem Erfolg der eigenen Firma/des Gewinnes abhängen kann, ob Du einen Kitaplatz bekommst oder nicht.
    Reichen die Einnahmen daraus nicht, wenn Du nur 3 Monate überbrücken musst? (musst Du nicht hier beantworten).
    und schließlich: das mit dem Alles-Wollen, und dann von der Realität eingeholt werden, kenne ich. Aber definitv besser als es nie zu versuchen und seine Träume und Visionen nicht zu leben! Oft findet sich doch ein Weg.
    Das auch das Miezmeedchen in die tolle Gruppe kommt, freut mich sehr, es steht eben alles mit den Erziehern und der Gruppe, wir sind da auch sehr wählerisch.

    @MamaMia: Beeindruckend wenn es Mütter gibt, die so fantastisch sind, dass sie in den ersten drei Jahren das Beste für das Kind sind.
    Ich bin das nicht, und ich habe ein begeistertes Kita-Kind, das dort gerne hingeht, manchmal gar nicht wieder mitwill (obwohl wir zu Hause viel Spaß haben und gute Eltern sind, aber es geht allen Kindern dort so), und in den letzten 2 Jahren dort so viele tolle Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen Kindern hatte, die ich ihm so nicht hätte bieten können und damit meine ich nicht finanziell.
    Und im Gegenzug hat das Berufsleben eine mehr, die einen Job, in dem Personal fehlt, gut ausübt. Und einen Sohn, der wahnsinnig stolz auf seine Mama ist und von dem Beruf profitiert.

    @MamaMiez, jetzt weiß ich was Du mit einem deiner letzten Post meintest *grins*

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