Bis einer heult! • Großmäulchen.
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30. Oktober 2012 | Pia Drießen

Großmäulchen.

Letzte Nacht wurde mir bewusst, wie groß mein Meedchen eigentlich schon ist. Sie wippt im Vierfüßler unaufhörlich vor und zurück und zog nun schon mehrfach die Beine an und setzte die Hände nach vorne. Lange wird das mit dem Krabbeln wohl nicht mehr dauern. Und dann kann ich mich bald nicht mehr daran erinnern wie das mal war, als sie noch nicht laufen konnte. So, wie das Löwenmäulchen noch vor einem Jahr. Als es aufstand, um die Welt zu entdecken.

Heute Mittag hatte ich das halbjährliche Elterngespräch in der U3-Gruppe des Löwenmäulchens. Eigentlich ist dieser Termin mehr so ein pro Forma Ding, denn die Erzieher und ich stehen in so engem Kontakt, dass es kaum Dinge gibt, die einem intensiveren Gespräch bedürfen. Dennoch freue ich mich immer auf diese Gespräche. Es ist so ein bisschen wie ein Erfahrungsabgleich. Haben die Erzieher dieselben Beobachtungen in Sachen Spracheentwicklung, Verhaltensmuster, Sozialkompetenzen gemacht, wie ich und gibt es Dinge, die mir vielleicht bisher noch nicht aufgefallen sind?

„Das Löwenmäulchen bereitet uns momentan ganz viel Freude!“ Den Einleitungssatz hatte ich vergangenes Jahr auch schon gehört. Ich wertete das mal als gutes Zeichen. Zunächst sprachen wir über seine wirklich rasante Sprachentwicklung. Er redet nahezu ohne Punkt und Komma, holt in einem Satz drei Mal Luft und baut gleich mehrere Nebensätze in seine Erzählungen ein. Man versteht ihn sehr gut und seine kleine putzige Logik wird immer greifbarer. So erkannte er jüngst, dass die Erzieherin wohl während seines Mittagsschlafs auf der Leiter gestanden haben musste, weil seine Laterne plötzlich an der Decke hing. 3 Wochen zuvor hatte er sie dabei beobachten können, wie sie, auf einer Leiter stehend, gebasteltes Obst aufgehangen hatte.

Das Löwenmäulchen ist unglaublich sozial und tröstet seine Kindergartenfreunde liebevoll, wenn diese weinen. Erstaunlich ist seine Fähigkeit und Bereitschaft mit nur 27 Monaten bereits Kompromisse selbstständig zu finden und einzugehen. Nimmt ihm ein Kind zum Beispiel ein Spielzeug weg und er bekommt es nach dem „Das hatte ich zuerst!“-Prinzip zurück, dann bietet er ganz oft von sich aus dem Kind an, sich das Spielzeug zu „deilen“ oder „mid spielan“. Im Gegensatz zum Quietschbeu kann er ganz wunderbar und mit vollen Händen teilen. Ganz oft hat er sogar mehr Freude daran, anderen etwas zu geben, als es selber zu behalten. Das ist eine Eigenart, die ich von mir selber kenne.

Er freut sich diebisch, wenn er jemanden zum Lachen oder Strahlen bringt. Sei es mit einem Kwatsch-Gesicht, einem Spiel oder eben einem kleinen Geschenk. Dann strahlt er wie ein Honigkuchenpferd, klatscht in die Hände und giggelt.

Was sowohl den Erziehern, wie auch mir, schon aufgefallen ist: er kann nicht springen. Also mit beiden Füßen gleichzeitig. Er drückt die Beine durch und macht sich ganz steif, so dass er eigentlich immer hinfällt, wenn er versucht irgendwo runter zu springen. Auch traut er sich immer noch nicht so wirklich zu, Stufen im Stehen zu bewältigen. Lieber geht er auf die Knie und krabbelt sie hoch, auch wenn es nur eine einzige ist, wie bei uns vor der Haustür. Ich glaube, dass dies an seiner geringen Körpergröße liegt. Wenn man ihn mal mit seinen Altersgenossen vergleicht, dann hat er einfach wahnsinnig kurze Beine, dafür aber einen recht langen Oberkörper und einen dicken Schädel, genauso groß wie der seines 3-jährigen Bruders.

Und wenn man dann mal bedenkt, dass der Kopf das meiste an Gewicht bei einem Kleinkind ausmacht, dann ist das mit dem Gleichgewicht gar nicht mehr zu einfach. Hinzu kommt, dass er immer noch Schuhgröße 23 hat und nach wie vor die Lauflernschuhe des Quietschbeus trägt. Aber dafür spricht er halt sehr gut. Es entwickelt sich ja meistens entweder die Sprache oder die Motorik zuerst. Das andere folgt dann nach und nach.

Gemeinsam mit seiner Herzerzieherin haben wir dann mal das vergangene Kindergartenjahr und seine Entwicklung Revue passieren lassen. Nein, daran, dass er nur krabbelte und nicht laufen konnte, können wir uns kaum erinnern. Auch dass er mal nicht gesprochen haben soll ist nahezu unvorstellbar.

Sie werden groß. So rasend schnell, dass ich manchmal einfach nach ihnen greifen, sie an mich drücken und ganz fest halten will. „Bleibt kurz stehen!“, möchte ich ihnen zuraunen. „Lasst uns ein Erinnerungsbild in unseren Köpfen machen, für später“, möchte ich flüstern. Aber ich veratme nur die langsam aufsteigenden Emotionen wie Wehmut und Sehnsucht, drücke sie noch einmal und lasse sie dann weiter rennen. Ins nächste Abenteuer.

Ich schließe, wie schon vor einem Jahr, mit den nach wie vor wahrsten Worten über unser Löwenmäulchen:

Sein Lächeln ist entwaffnend. Immer. Leider.

((( ? )))

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Frau Bauchwohnung / Okt 31 2012

    Wenn ich bedenke, dass mein Neffe am 26.12. auch bereits 2 Jahre alt wird, wird mir auch ganz anders. Wahnsinn, wie schnell die Zeit doch vergeht!

  2. Luna / Okt 31 2012

    Das ist das dritte mal das ich heute einen Blogeintrag lese & weinen muss.

    Den ersten vom Hummelchen, die heute/morgen wahrscheinlich ihr erstes Beeby bekommt.

    Den zweiten als ich las, dass ein HeldenElchBaby geplant ist

    Und das dritte mal hast du jetzt zu verantworten.

    Muddi’s, ihr schafft mich immerwieder.
    Bitte schreib(t) weiter so .. <3

  3. Barbara / Okt 31 2012

    Einfach nur schön zu lesen.
    Wir haben ein motorisch sehr fittes Kind, das zwar ohne Punkt und Komma babbelt, aber nur selten zu verstehen ist – für Außenstehnde.

  4. Smoew / Okt 31 2012

    Mein kleines-großes Herzmäulchen ?!!

    Der Mupf ist motorisch absolut auf der Höhe, kann hüpfen und steigt Treppen ohne sich festzuhalten und benutzt für jede Stufe nur einen Fuss. Dafür ist er sprachlich wirklich noch nicht weit, nicht zurück, zum Glück, aber eben eher so mittel. Wir Eltern wissen was er meint, aber für Außenstehende ist es schwer. So unterschiedlich kann das sein, finde ich fürchterlich interessant.

    Dicken Kuss fürs Süßmäulchen!!

  5. MamaMelle / Okt 31 2012

    „Sie werden groß. So rasend schnell, dass ich manchmal einfach nach ihnen greifen, sie an mich drücken und ganz fest halten will. „Bleibt kurz stehen!“, möchte ich ihnen zuraunen. „Lasst uns ein Erinnerungsbild in unseren Köpfen machen, für später“, möchte ich flüstern.“

    Hach! Soo schön!
    Ich mache das tatsächlich auch oft so mit den Worten von Astrid Lindgren:

    „Hier sitzen wir zwei und habens schön!“ <3

  6. Eva / Nov 1 2012

    Ach ja, das Springen… Hier klappt es jetzt seit zwei Wochen und das Kind ist mittlerweile 33 Monate alt – ich dachte, er lernt es nie… ;-) M. hatte übrigens auch bis vor kurzem einen langen Oberkörper und im Verhältnis dazu kurze Beine. Die haben jetzt aber einen Wachstumsschub gemacht (Bodies passen nachwievor, aber die Hosen sind zu kurz) und jetzt klappt es eben auch mit dem Hüpfen. Gut Ding will Weile haben… ;-)

    Lieben Gruß,
    eva

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