Bis einer heult! • 1 .. 2 .. 3 Brotdosen
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23. April 2013 | Pia Drießen

1 .. 2 .. 3 Brotdosen

Vor einiger Zeit wurde ich von einer Leserin gefragt, wie wir das denn nun mit dem Essen gestalten würden, wenn das Meedchen in den Kindergarten kommt. Immerhin ist sie dann ja erst 11 Monate alt und stillt noch dann und wann. Ich wollte daher ihre aktuellen Essgewohnheiten und unsere Planung bezüglich des Kindergartenstarts einmal festhalten.

In den letzten Wochen haben wir uns Schritt für Schritt vom Stillen gelöst. Das kam von ganz alleine und hängt in erster Linie davon ab, dass das Meedchen inzwischen wie ein Scheunendrescher futtert. Sie ist ein richtiger kleiner Fressneider. Wenn sich jemand etwas in den Mund steckt, fängt sie laut an zu schmatzen, wippt auf und ab und gibt unverkennbar zu verstehen, dass sie etwas abhaben möchte. Und wir lassen sie wirklich (fast) alles probieren. Vielleicht liegt es daran, dass sie mein drittes Kind ist, vielleicht aber auch einfach daran, dass sie schon so groß wirkt. Ob nun 11 Monate oder ein Jahr. Was macht das für einen Unterschied? Und mit einem Jahr sollen/können/dürfen Kinder ja am Familientisch mitessen. Worauf also warten?

Sie isst sich satt, wann immer sie die Gelegenheit dazu hat. Frühstück, Vormittagssnack, Mittagessen, Kaffeeklatsch, Abendbrot. Sie stopft begierig alles in sich, was man ihr anbietet. Manches kommt zermatscht wieder raus, aber die meisten Dinge kaut und schluckt sie mit großer Begeisterung.

Sie liebt Brezel, Fleischwurstbrot, Gemüsegurke, hartgekochte Eier, Hühnerfleisch (gekocht und angebraten), Brokkoli und Kartoffeln. Inzwischen hat sie auch schon mal Pommes und Fruchtzwerge probiert und natürlich für total lecker befunden. Das sind aber kleine, feine Ausnahmen, da es das bei uns ohnehin nur sehr selten gibt.

Sie sehen also: Essen ist nicht wirklich unser Problem. Gestillt wird hier definitiv nicht mehr zur Nahrungsaufnahme, sondern einfach als Befriedigung ihres Nähebedürfnisses oder zur Beruhigung. Sie trinkt dabei wirklich wenig, so dass ich kaum noch Milch habe, sondern nuckelt die meiste Zeit nur. Das ist okay für mich.

Ich gewähre ihr weiterhin zu stillen, wann sie das möchte. Manchmal, als Zahnungstagen, ist das häufiger. An anderen Tagen auch nur zum Einschlafen oder nachts, wenn sie aufwacht und nicht wieder alleine in de Schlaf findet.

Im Kindergarten planen wir daher gar nichts Besonderes. Vor zwei Wochen waren ihre Erzieherinnen bei uns zuhause zu Besuch und wir haben uns 2 Stunden über das Meedchen und seine Gewohnheiten unterhalten. Ich werde ihr eine Frühstücksdose mit den Dingen packen, die sie mag. Gemüsegurke in Scheiben geschnitten, Fleischwurstblumen, ein kleines Brot mit Butter bestrichen. Dinge, die sie eben auch zuhause frühstückt. Das Mittagessen im Kindergarten ist kindgerecht gewürzt, weshalb wir uns dazu entschieden haben, sie an der ganz normalen Mittagsmahlzeit teilnehmen zu lassen. Dinge, die sie noch nicht kauen kann, nehmen die Erzieher aus dem Essen heraus oder schneiden es ihr in Mundgerechte Happen. Sie darf mit den Händen essen, ganz wie zuhause und mit den anderen Kindern am Mittagstisch sitzen. Mir war sehr wichtig, dass sie das Meedchen nicht in einen Hochstuhl setzen. Ich möchte nämlich, dass sie von Anfang an integriert wird und nicht von den anderen Kindern als „anders“ oder „besonders“ angesehen wird. Sie ist nämlich in ihrer Gruppe mit Abstand von mehr als einem Jahr die Jüngste.

Wir haben in unserem Kindergarten so kleine Stühle mit Armlehnen und einem Holzstück vorne mittig auf der Sitzfläche. So kann sie nicht nach vorne vom Stuhl rutschen. Das Essen mit den Händen kennen die Erzieher schon vom Löwenmäulchen. Damals war es für sie gewöhnungsbedürftig, aber seit sie wissen und sehen, dass der kleine Herr Löwenmaul in einem rasanten Tempo das Essen mit Löffel, Gabel und inzwischen auch Messer gelernt hat, begrüßen sie das Konzept des „genussvollen“ Essens sogar. Die Herzerzieherin sagte bei ihrem Besuch erst zu mir, dass es so schön wäre zu erleben, wie die Kleinen ihr Essen mit Haut und Haaren (ja, auch das) entdecken und genießen würden.

Das Meedchen trinkt aus allen gängigen Trinklerntassen und -flaschen problemlos. Ich werde ihr eine NUK 123 Trinklerntasse der Stufe 2 mitgeben. Wenn man ihr eine normale Schnabeltasse anbietet trinkt sie zwar auch daraus, beginnt dann aber damit zu spielen und Pfützen auf dem Tisch zu bilden. Meist ist sie dann ratzfatz pitschnass. Da wir ihr zum Frühstück Kuhmilch und den restlichen Tag stilles Wasser zu trinken geben, sind auch in dem Bereich keine Schwierigkeiten zu erwarten.

Einzig das Schlafen im Kindergarten wird sich als spannend erweisen. Sie wird mit 10 anderen Kindern in einem Schlafraum im Gitterbett schlafen. Um sie schon mal daran zu gewöhnen haben wir von ein paar Tagen ein neues Gitterbett von Alvi angeschafft und im Schlafzimmer der Jungs aufgebaut. Sie schläft nun schon den vierten Abend in diesem Bett ein. Bisher meldete sie sich immer so gegen 23 Uhr. Wenn ich dann noch wach bin, streichle oder stille ich sie kurz und sie schläft weiter. Wenn ich schon im Bett bin, hole ich sie zu uns ins Bett, wo sie dann die restliche Nacht verbringt. Wir kuscheln halt immer noch sooo gerne miteinander. Aber allein die 2 bis 3 Stunden, die ich nun nachts alleine in meinem Bett liegen darf, verschaffen mir schon einen deutlich erholsameren Schlaf, als würde sie direkt neben mir liegen. Dann ist sie nämlich häufiger mal der Meinung, ein bisschen Nuckeln zu müssen, weil sie mich (und die Milch) riecht. Und nuckelnde Babys schlafen bekanntlich weniger tief, als Nicht-Nuckler. Wir schlafen also beide entspannter, wenn wir nicht die ganze Nacht nebeneinander liegen und können das nebeneinander liegen und Kuscheln dafür mehr und intensiver genießen. Ein Gewinn für beide Seiten.

Zum Einschlafen braucht sie in der Regel noch die Brust. Ich weiß aber, dass die Erzieherinnen im Kindergarten auch damit umgehen können und werden. Klar können sie ihr nicht die Brust geben, aber vermutlich wird sie das auch gar nicht einfordern, weil sie ja weiß, dass Mama nicht da ist. Bei einem Gruppenfreund vom Löwenmaul, der mit 9 Monaten in die Gruppe kam, fanden sie auch einen sanften Weg. Ich vertraue ihnen da völlig. Wir werden jedenfalls auf Milchersatz und Flaschenfütterung verzichten. Wie schon beim Löwenmäulchen soll sich das Stillen von ganz alleine erledigen. Er schlief kurz nach seinem ersten Geburtstag einfach durch – nachdem wir ihn zuvor ebenfalls für die erste Nachthälfte in sein Gitterbettchen umgebettet hatten – und das nächtlichte Stillen fand ein Ende.

Ein bisschen Wehmut ist immer dabei, aber dieser Weg hat sich schon mal für uns als Stressfrei erwiesen.

Um aber noch mal auf das Thema Kochen zurück zu kommen: wir kochen inzwischen wieder ganz normal. Mit Gewürzen, die für die Kinder eben geeignet sind. Seit wir Kinder haben nutzen wir Salz ohnehin reduziert und würzen dafür bei Tisch nochmal nach. Es ist also keine große Umstellung für uns, das Meedchen an unseren Mahlzeiten teilhaben zu lassen. Sie ist gut genährt, weder dick noch dürr, und ich mache mir inzwischen nur noch wenig extra Gedanken um ihre Ernährung.

So richtig hilfreich war dieser Artikel für die Fragestellerin vermutlich nun nicht. Aber Babys, Eltern, Kindergärten und Tagesmütter sind ohnehin alle von Grundauf verschieden und jeder muss für sich selber den Weg finden, den er – und in erster Linie sein Kind – gehen möchte.

Natürlich hätte ebenso die Möglichkeit bestanden, Breie und Gläschen mit in den Kindergarten zugeben. Die füttern sie dann auch. Eben so, wie es das Kind gewohnt ist und kennt. Wichtig ist der Dialog mit den Erziehern, damit sich Vertrauen und Verständnis auf beiden Seiten entwickeln kann. Ich würde mein Meedchen mit einem weitaus ungesünderen Gefühl so früh in die Obhut dieses Kindergartens geben, wenn die Erzieherinnen nicht mein vollstes Vertrauen hätten.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Nicole / Apr 23 2013

    Genau so habe ich es damals auch gemacht. Unsere Dame ist ganz normal in den Kindergarten gegangen, obwohl ich mit ihrem knappen Jahr auch noch nach Bedarf gestillt hatte und sie noch nicht an feste Nahrung gewöhnt war. Das hat sich alles im Kindergarten ergeben. Sie hat alles wie die Anderen bekommen, mal püriert, mal am Stück und es hat wunderbar funktioniert. Das mit den Händen essen wurde nicht so geduldet, also wurde sie gefüttert, aber mittlerweile isst sie auch ganz normal mit Besteck wie alle anderen Kinder auch. Sie saß übrigens auch nie in einem Hochstuhl :-) LG

  2. Frollein Stine / Apr 23 2013

    Doch! Sehr hilfreich und beruhigend. Für mich. Vielen Dank! :-)
    Ich finde es wunderbar, die Stillbeziehung so harmonisch ausklingen zu lassen und wünsche mir sehr,dass es hier auch so laufen wird. Da aber heute ein guter Fingerfood-Essenstag inkl. Wassertrinken-Tag war, bin ich heute eh optimistisch – ja fast schon euphorisiert ;-) „Das wird alles suuuper und totaaal easy!“ rief sie und machte sich los ins Bettchen. Denn: die 2. Nachthälfte kommt bestimmt und dann isses vorbei mitm ruhigen Schlaf ;-)
    In diesem Sinne : Gute Nacht und herzlichen Dank für Ihren Bericht! ;-) It helped a lot.

  3. isabella / Apr 23 2013

    toller post! klingt sehr gut! kennst du die betreuerinen auch privat oder ist es in eurem kindergarten gang und gebe, dass sie einen zur besprechung zu hause besuchen? oder war das ein nachkommen einer bitte, weil du abends als quasi alleinerzieherin ja eher schlecht mit drei kindern imkindergarten dinge besprechen kannst!?

    • Mama Miez / Apr 23 2013

      Das ist in unserem Kindergarten normal, wenn neue Kinder in die Gruppen kommen. So können die Erzieher einen besseren Einblick bekommen, wo das Kind herkommt und wie es lebt. Ich finde das super. Man kann das aber auch ablehnen.

      • Daniela / Apr 23 2013

        Hier bei uns gibt es das auch, dass die Erzieherinnen bei einer Neuaufnahme das erste Gespräch zu Hause bei dem Kind machen. Gerade Kinder fühlen sich zu Hause sicher und bauen so schneller eine Beziehung auf… Denn wenn man nach so einem Hausbesuch dann mit dem Kind zum Kindergarten fährt, dann merkt das Kind: „Hey, die kenn ich ja, die habe ich schon mal gesehen…!“

  4. Alltagsheldin / Apr 24 2013

    Dass die neuen Bezugspersonen der Kids nach Haus gucken kommen, finde ich total toll. Bei uns gab es diese Option damals zwar auch und ich stimmte auch zu, vorbeigekommen sind sie aber nicht. Naja…

    Den Umgang mit und um’s Essen, Schlafen, etc. des Meedchens finde ich klasse. Klingt alles sehr entspannt und stressfrei. So findet sie sich gewiss schnell in die Gruppe ein und ist da gar nicht mehr wegzudenken. ?

    Was mir so im Kopf schwirrt: Es ist doch sicherlich nicht leicht, die Kids so „früh“ in Fremdbetreuung zu geben, oder?
    Ich hab meine damals mit nicht ganz 2 Jahren zur Tagesmutter gegeben und das war… arg komisch. Persönlich bereue ich es bis heute, weil ich so irrsinnig viel verpasst hab (Betreuung war aber auch von 6.00 bis 18.30 Uhr). Würde ich heute wohl „anders“ machen, wenn es finanziell irgendwie einrichtbar wäre. Aber das ist ja auch immer so eine Sache…
    Schön allerdings, wenn man der künftigen Betreuung so gut vertrauen kann und sich sicher sein kann, dass auf das Kind entsprechend eingegangen wird. Das klingt in ihrem Kindergarten wirklich toll.
    Da hat man wohl eine Sorge weniger. ?

    Einen tollen Start in die KiTa wünsche ich dem Meedchen.

    Liebe Grüße zur Wochenmitte
    die Alltagsheldin

  5. Katja / Apr 24 2013

    Vielen Dank fuer diesen Artikel liebe Mama Miez!
    Unser Kleiner wird zwar schon 14 Monate sein wenn ich wieder arbeiten gehe, aber ich mache mir trotzdem sehr viele Gedanken. Zumal ich in meinem Beruf auch 2-3mal im Monat Nachtdienst habe und ich nicht weiss wie das mit dem Stillen klappen soll.
    Ich hoffe das es sich bis dahin auch von alleine geregelt hat. Wir schlafen auch noch gemeinsam in einem Bett. Wir muessen noch ein Bettchen besorgen und dann werde ich auch mal langsam anfangen ihn an sein Bettchen und Schlafsack zu gewoehnen.
    BWL klappt bei uns mittlerweile auch immer besser, ledliglich das Trinken klappt noch nicht so gut. Ich biete ihm immer wieder Wasser an, und zum Abendessen auch Milch, aber er hat noch kein wirkliches Interesse. Ich hoffe das aendert sich dann auch bald.

    Ach ja, unser Kleiner wird bei der Oma bleiben, deshalb hoffe ich das das mit dem Einschlafen ohne Brust auch gut klappen wird. Im Kinderwagen schlaeft er zumindest schonmal gut ein :-)

    Ich bin gespannt wie es weiter geht mit der kleinen Maus!
    LG, Katja

  6. Katrin / Apr 24 2013

    Hallo!
    Das hast Du sehr einfuehlsam beschrieben.
    Meine Kleine geht seitdem sie 7 Monate alt ist, 3 Tage in die Kita. Auch hier wurde sehr auf die Beduerfnisse eingegangen. Ich habe immer selbstgekochtes zu Mittag mitgegeben, da man hier ( NL ) mittags Brot isst und abends warm.
    Seitdem sie 1 ist, isst sie mit Begeisterung mittags Brot und abends bei uns ganz normal warm mit – mal mehr, mal weniger.
    Auch das Schlafen war von Anfang an kein Problem.
    Hier gibt es ein sogenanntes „buitenbedje“, so dass die Kinder – wenn das Wetter es zulaesst – auch draussen schlafen koennen.
    Meine liebt das ! Seit ein paar Wochen merke ich auch, dass sie richtig gerne dorthin geht. Momentan ( fast ) keine Traenen beim Abschied mehr, ein Glueck!
    Ich wuensche dem Meedchen einen guten Start im Kindergarten!

  7. Frau Bauchwohnung / Apr 24 2013

    Das klingt wirklich ganz toll und ich hoffe, dass auch das Schlafen dort keine größeren Probleme für’s Meedchen hervorrufen wird. Ach was…. sie wird das schon meistern!! :)

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