Bis einer heult! • Großer Junge, kleiner Körper.
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7. August 2013 | Pia Drießen

Großer Junge, kleiner Körper.

In wenigen Tagen beginnt das neue Kindergartenjahr und ich bin schrecklich aufgeregt. Albern, irgendwie. Aber am meisten sorgt mich aktuell, dass das Löwenmäulchen nach den Ferien in die Ü3-Gruppe wechseln wird. Mich quälen Fragen, wie:

  • Ist er wirklich schon bereit für einen Kindergartenalltag unter 24 Kindern?
  • Wird man darauf achten, dass er auf die Toilette geht und ihm Hilfestellung geben, um überhaupt erst drauf zu kommen? (Die Toiletten in den Ü3-Gruppen sind einem durchschnittlich großen 3-jährigen entsprechend groß. Das Löwenmaul ist … nun ja … klein.
  • Wie werden sie auf seine bockige Phase reagieren? Haben sie ebenso viel Geduld wie seine U3-Erzieher oder werden sie ihn möglicherweise maßregeln?
  • Wird er sich durchsetzen und Freunde finden?
  • Wird ihm seine geringe Körpergröße möglicherweise zum Verhängnis? Werden Sie ihn unterschätzen? Wie werden die anderen Kinder ihn annehmen?

Diese und andere Sorgen kreisen seit nun fast 3 Wochen in meinem Kopf. Ich kenne zwar die Erzieher der neuen Gruppe allein schon durch meine Arbeit im Elternrat, aber im täglichen Umgang mit einem meiner Kinder habe ich sie noch nicht erlebt. Ich bin unruhig. Ich vertraue ihnen das mir Wichtigste an. Eins meiner Kinder. Ich will wissen, dass es ihnen allen gut geht; Es nicht nur hoffen.

Er spricht so oft von seiner Lieblingserzieherin, die ihn die letzten 2 Jahre begleitet hat, die eine Engelsgeduld hat, die ihn mit Sicherheit auch mit geprägt hat. Wie wird er die „neuen“ Erzieher annehmen, auch wenn er sie natürlich durch den gemeinsamen Kindergartenalltag auf dem Außengelände schon kennt.

Auch fehlt es mir so ein kleines Bisschen, keine großen Vorbereitungen treffen zu können. Es gibt einen Beutel mit Wechselklamotten, den Rucksack mit Frühstück, wie gehabt, Gummistiefel, Matschklamotten, Hausschuhe. Das war‘s. Ich muss letztendlich nur mitnehmen, was wir am Ende des letzten Kindergartenjahrs hinaus getragen haben. Eigentlich sogar weniger.

Mir ist der Schnitt zu hart. Beim Quietschbeu war das vor einem Jahr ganz anders. Da waren keinerlei emotionale Bindungen zu den Erziehern seiner U3-Gruppe. Ganz im Gegenteil fühlte er sich dort unwohl und ich mich ebenfalls null aufgehoben. Da habe ich den Wechsel herbeigesehnt und wie sich nach nur wenigen Wochen herausstellte: es war das Beste, was dem Quietschbeu passieren konnte.

So ein Wenig hoffe ich, dass es dem Löwenmäulchen vielleicht auch helfen wird, unabhängiger, selbstbewusster und cooler zu werden. Vielleicht hilft ihm die neue Herausforderung und Situation, weniger bockig zu sein. Vielleicht blüht er richtig auf und kann so einen atemberaubenden Entwicklungssprung hinlegen, wie der Quietschbeu das in seinem ersten Ü3-Jahr machte.

Ich weiß es nicht. Und genau das macht mich wahnsinnig. Ich muss einfach in meine Kinder vertrauen –  was ich tue – , in die Erzieher –  was schwerer ist – und in mich selber, dass ich rechtzeitig erkennen werde, wenn etwas nicht stimmt.

Mein Löwenmaul wird groß. Kopf, Seele, Herz.
Er ist mein David, der es mit jedem Goliath dieser Welt aufnehmen kann.

Ein großer Junge in einem kleinen Körper. Geliebt. So sehr.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Claudia / Aug 7 2013

    Ich hatte ja ähnliche Gedanken, als wir den kleinen Sohn zur Tagesmutter-Betreuung gaben. Und er findet es wunderbar dort! Das wünsche ich dem Löwenmäulchen auch. Und Dir! Alles wird gut!

  2. Antje / Aug 7 2013

    Ich kann Dich so gut verstehen. Meine kleine Maus ist seit einer Woche bei den „Großen“ in der Ü3-Gruppe. Und das obwohl sie erst im Januar 3 wird. Sie ist momentan die Kleinste – vor allem körperlich. Wir haben den frühen Wechsel bisher nicht bereut, denn ihre Freundinnen (alle etwas älter, daher der Wechsel) sind bei ihr. Sie ist stolz ein großes Mädchen zu sein. Sprachlich und geistig (windelfrei ist sie seit 8 Monaten) kann sie locker mithalten. Und trotzdem ist sie mein kleines Mädchen und ich mache mir jeden Tag Gedanken. Aber sie WILL groß sein und das ist auch gut so. Ich schicke vor allem Dir eine Riesenportion Selbstvertrauen in Dein Löwenmäulchen. Trau ihm das zu, sei zuversichtlich und gelassen. Unsere Kinder brauchen solche Mütter. Liebe Grüße

  3. Katrin / Aug 7 2013

    Wir haben genau die gleiche Situation hier. Nächste Woche beginnt nach 3 Wochen Ferien für Lisa der Kindergarten in einer Ü3 Gruppe, mit neuen Erzieherinnen. Sie liebt ihre U3 Erzieherin ganz furchtbar und ich leide jetzt schon für sie, dass sie sie nächste Woche nicht mehr um sich hat. Dafür viele wilde große Kinder, eine ganz neue Erzieherin, die noch nicht einmal ich kenne. Ich kann deine Gefühle gut verstehen. Die gleichen Gedanken kreisen in meinem Kopf. Ich versuche einfach an mein Kind zu glauben, dass sie es mit ihrem Charm und Witz schafft, ihren Platz in der Gruppe zu finden. Jetzt habe ich noch 5 Tage, mein Vertrauen in sie zu stärken und am Montag schauen wir mal, wie es klappt. Ich hoffe sehr, dass es keine Tränen gibt, denn ich bin immer noch etwas empfindlich (Wochenbett) und breche dann garantiert auch in Tränen aus.

  4. einemama / Aug 7 2013

    Als Mama macht man sich häufig viel zu sehr Sorgen. Im Endeffekt klappt es doch irgendwie besser als erwartet. Meine Kleine ist seit 1 Woche jetzt in der großen Gruppe und nicht die Erzieher sind der springende Punkt, sondern die älteren Kinder helfen ihr ungemein sich dort wohl zu fühlen.

    Liebe Grüße
    einemama

  5. EvaEden / Aug 7 2013

    Auch hier die gleiche Situation in 3 Wochen. Ein sehr kleiner Dreijähriger (noch nicht windelfrei), der in die Ü3-Gruppe wechselt. Ich frage mich, ob in der Masse überhaupt mal jemand Zeit haben wird, mit ihm auf’s Klo zu gehen. Denn von selbst, wird er sich sicher keine Hilfe suchen, sondern Nachfragen eher verneinen. Wie oft wird er sich „Du bist ja noch ein Baby“ und ähnliche Sprüche von den Großen anhören dürfen? Wie wird er die längeren Buchungszeiten verkraften, da er bisher nur bis 12 in der Gruppe war? Wie wird es ohne Mittagsschlaf werden? Wird er es schaffen sich alleine alles anzuziehen und vorallem es auch tun, wenn es raus geht (und wird jemand darauf achten, dass da noch was fehlt, wenn er es nicht macht)? Und und und… Sehr schwierig für mich auch die Entscheidung, wie ich es zum Start handhabe. Er kennt das Haus und er kennt die Erzieherinnen vom Sehen. Ich weiß, dass meine Anwesenheit am Anfang ihm viel Sicherheit geben würde. Allerdings würde sie ihn auch enorm bremsen und zu einer gewissen Gewöhnung führen. Wie macht Ihr das?

  6. FrolleinStine / Aug 7 2013

    Klasse geschrieben!
    Ich kann deine Sorgen sehr gut nachvollziehen. Unsere MiniMe ist im Mai 3 Jahre alt geworden und 109 cm groß – also längenmäßig das genaue Gegenteil vom Löwenmaul. Bei ihr neigt man dazu sie zu ÜBERfordern. Sie wechselt jetzt noch einmal den Kindergarten und wir hörten von anderen Eltern beim Sommerfest schon: „Ah, die MiniMe ist aber auch schon ein älteres Kind. Vorschule?“ …Äh. Nein. …So rum ist es auch doof.

    Ach, wie gerne würde ich mein Mädchen im Kindergartenalltag erleben können. Wie sie mit anderen spielt, sich aber auch abgrenzt. Lernt, tobt, mit den Erzieherinnen kommuniziert. …Wenn man nachfragt, ist die Antwort sehr wischi-waschi. „Gut“ heißt es zumeist. Ich hoffe es sehr für meine Große.
    Hier ist auch noch häufig das Wutmonster, der Trotzkopf, die Meckerziege und wer sonst noch zur Familie „von und zu Bockig“ gehört am Start. Tja, Dreijährige halt. Mal schauen, ob MiniMe die auch mit in den neuen Kindergarten nimmt oder ob die schön hier zu Hause bleiben… Gnaaa…

    Aber ich hatte am Ende in der U3-Gruppe das Gefühl, dass es das einfach nicht mehr war. Langeweile kam auf. Nun gehört MiniMe wieder zu den Kleinen. Es gibt so viel zu entdecken, zu lernen, zu imitieren, zu spielen, Kinder kennenzulernen. Meine größte Sorge ist immer, dass sie sich sich ausgeschlossen fühlt, keine Freunde findet. Dabei hat das bislang immer problemlos geklappt.

    Wir haben den Kids bestimmt so viel (und viel mehr!!) mitgegeben, dass sie diesen nächsten Schritt meistern werden.

    …Oh wei! Wie wird das erst werden, wenn sie in die Schule kommen?! :-)))

    Dem LM einen prima Start!

  7. Barbara / Aug 7 2013

    Mir stehen die Tränen in den Augen und ich kann so vieles nachfühlen. Bei uns steht auch ein Wechsel an… Mein Kamikazekind muss die Gruppe wechseln weil sein kleiner Bruder kommt – in die Gruppe kommt, in der er war – in die Gruppe zu seiner Frau K…. Er kommt nun in die Gruppe, in der der Große war und dessen Erzieherinnen ganz auf meiner Wellenlänge liegen. Für mich ein Vorteil, den ich in dem Wechsel sehe, denn in der anderen Gruppe wäre er jetzt auch ein Großer gewesen – hätte den Kleinkindbonus abgeben müssen. Im Kopf ganz klar für mich, für die Erzieherin – aber nicht für unser Kamikazekind, das nicht mehr groß sein will und das seine Frau K. nicht an den Miniräuber abtreten will…Ich hoffe er wächst daran und „gönnt“ dem Miniräuber seine Frau K.
    Was das Kamikazekind nicht weiß ist, dass Frau K. lieber mit den Kleinen als mit den Großen arbeitet und es vielen ehemalig Kleinen schwer fällt, auf den Kleinkindbonus zu verzichten. In der anderen Gruppe passt das besser . Das weiß ich aber wie erkläre ich das dem Kind….

  8. blaudalam / Jun 17 2014

    Und? Wie war das erste Jahr? Gab es Probleme aufgrund seiner Körpergröße? Bei uns steht es auch ab August an mit Körpergröße XS.

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