Mit Sahne!

Ich hab hier ja schon das ein oder andere Mal durchblicken lassen, wie sehr es mich traurig macht, dass mein großer Sohn deutlich weniger körperlich ist, als das Löwenmaul oder das Miezmeedchen. Er sucht oft und nachdrücklich Nähe, wobei diese aber dann nur sehr spärlich aussieht. Er sitzt gerne auf meinem Schoss, aber ich darf meine Arme nicht um ihn legen. Ich soll mich zu ihm ins Bett legen, zum Kuscheln, und darf ihn dann nur mit einer Hand am Oberarm berühren. Eine richtige feste Umarmung ist eher sehr selten. Eigentlich kann er diese sogar nur zulassen, wenn er sich weh getan oder verletzt hat. Ich akzeptiere das. Traurig machte es mich dennoch schon immer. Selbst als Baby, von dem Moment an, an dem er mobiler wurde, durfte man ihn nicht mehr Streicheln. Die einzige Nähe, die er zuließ, war die im Bondolino (Babytrage), weshalb ich ihn viel – sehr viel – darin trug.

Nun ergab sich eher durch Zufall eine neue Situation, die mich ganz sprachlos machte. Ich musste den Quietschbeu morgens wecken, da wir einen frühen Termin hatten. Um das Löwenmaul aber nicht ebenfalls zu wecken, hob ich den schlafenden Quietschbeu aus dem Bett – ächz – und trug ihn ins Badezimmer, wo ich mich auf den Toilettendeckel setzte und ihn im Arm hielt.

Und er schmiegte sich ganze feste an mich, schlang die Arme um meinen Hals, legte den Kopf in meine Halsbeuge und seufzte zufrieden. Ich sagte einfach gar nichts und streichelte ihm Minuten lang den Rücken. Irgendwann drängte die Zeit und ich flüsterte: „He, Männlein, aufwachen.“

„Ich bin doch schon wach, Mama. Ich will Dich nur noch ein bisschen Kuscheln!“

Für Sie ist das vielleicht albern, aber für mich war es einfach etwas absolut magisches. Sie ahnen nicht einmal, wie sehr mir das gefehlt und wie viel Energie mir das gibt.

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass sein Geist noch nicht wach genug ist, um die ganzen Reize wahrzunehmen, die ihn normalerweise überfluten. Vielleicht sind es genau diese 5 Minuten am Morgen, in denen das langsame Erwachen die Filter ersetzt, die ihm sonst fehlen. Egal was es ist: es ist toll!

Heute wiederholte sich die Szene. Während wir so kuschelnd auf dem Klodeckel saßen murmelte ich in sein Haar:

„Daran könnte ich mich gewöhnen.“
„Woran?“
„Daran, mit Dir so feste zu Kuscheln.“
„Hmm hmm. [Pause] Das ist fast so gut wie Schokoeis, stimmt‘s, Mama?“
„Oh ja. Mit Sahne!“

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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26 Gedanken zu „Mit Sahne!

  1. Unser Sohn kuschelt auch nicht gerne. Ich finde das auch irgendwie traurig, aber ich glaube und hoffe nicht, dass es was damit zu tun hat, dass er uns weniger mag. Er braucht auch nachts einfach seinen Freiraum in seinem eigenen Bett, bei uns funktioniert das nicht. Aber da ich nachts auch nicht gerne eng an jemandem liege, hat er das wohl von mir ;-)
    Lieben Gruß, Steffi

  2. pipi in den augen <3

    (meine mama erzählt immer, dass ich als kind auch nie kuscheln wollte. das hat sich so mit 12 auf einmal geändert. statt pubertätswahnsinn wollte ich da dann nähe ;))

  3. Dieser Dialog ist einfach perfekt!

    Hier kam das Kuscheln auch „erst“ nach dem 2. Geburtstag. Wenn, aber dann auch nur sehr bedacht und von ihrer Seite aus. Ich war am Anfang auch traurig, dass ich kein Kuschelbaby habe.

    Liebe Grüße
    einemama

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