Bis einer heult! • Traumdeuterei.
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14. November 2013 | Pia Drießen

Traumdeuterei.

Heute Nacht träumte ich, ich sei mit meinen drei Miezkinder allein im Schwimmbad. Etwas, wovor ich wahnsinnige Angst habe und daher alleine eben nie tun würde.

Das Meedchen hatte ich auf dem Arm, das Löwenmäulchen trug Schwimmflügel und der Quietschbeu eine Schwimmweste. Während das Löwenmaul einfach neben mir her tapste, redete ich eindringlich auf den Quietschbeu ein, er solle nicht von meiner Seite weichen, nicht alleine ins Wasser gehen und immer daran denken, dass er ertrinken könnte!

Er drehte sich, noch während ich sprach, einfach um, riss sich die Schwimmweste runter und sprang ins Wasser. Mir stockte der Atmen, ich erstarrte und erkannte dann, dass er einfach schwamm. Nicht wie ein Profi, aber gut genug, um sich an den Rand zu paddeln. Mir schossen die Tränen in die Augen und in mir mischten sich Furcht, Angst und Stolz.

Als er aus dem Becken kletterte, lobte ich ihn und sagte immer wieder, wie stolz ich auf ihn sei, dass er mich überrascht habe, dass es mir leid täte.

Wofür ich mich entschuldigte weiß ich jetzt. Jetzt, im wachen Zustand.

Der Traum ist bezeichnend dafür, wie ich meine Kinder wahrnehme und mit ihnen umgehe. Das Löwenmaul, das nur Schwimmflügel trägt und auf den ich nicht einrede vorsichtig am Wasser zu sein, obwohl er viel unvernünftiger und weniger ängstlich ist, als der große Bruder. Daneben der Quietschbeu, mit Schwimmweste, auf den ich einrede und immer und immer wieder zur Vorsicht ermahne.

Muss ich mich wirklich wundern, dass er so angstbehaftet ist? Sorge ich mich nicht ständig um ihn, setze Vermutungen, sein Verhalten in Situation XY betreffend immer als Tatsache voraus, statt ihn einfach in die Situation zu schicken und zu gucken, was passiert. 

Er überraschte mich, als er von heute auf morgen aus dem gemeinschaftlichen Geschwisterschafzimmer auszog. Oder als er keine Kuscheltiere mehr brauchte. Oder als er das erste Mal und das direkt ohne Jammern und Klagen allein in einem fremden Haus bei einem Kindergartenfreund blieb. Oder als er das erste Mal mit Vollgas einen Berg auf seinem Laufrad hinunter jagte. 

Ich klammere. Ich habe Angst. Wahnsinnige Angst, ihm könne etwas passieren. Ich verstehe es nicht. Wieso bei ihm und bei den beiden Kleineren nicht?

Ich werde in mich gehen. Drüber nachdenken. Und wollte das hier nur kurz festhalten.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. FrauMuggel / Nov 14 2013

    Oh. Du beschreibst mal wieder meine Gedanken, meine Gefühle. Wie oft musste ich mir von meinem Mann schon anhören „Lass sie doch, sie macht das schon“ „Aber wenn was passiert?“ ….
    Dann muss sie selbst diese Erfahrung machen, dass es entweder schief geht oder sie etwas ganz alleine geschafft hat.
    Und letztere Erfahrung habe ich als Kind selten machen dürfen, weil mir vieles abgenommen wurde. Daher reagiere ich so.

  2. Q / Nov 14 2013

    Wow. Deine Psyche ist genial. So deutliche Träume hat man ja echt selten.

  3. Anna / Nov 14 2013

    Hallo Du Liebe,

    vielleicht leigt es daran, dass der Quietschbeu das Kind ist, auf welches Du am längsten gewartet hast (ich meine mich zu erinnern, dass Du vor Deinen Kindern relativ lange unerfüllten Kinderwunsch hattest)? Weil er einfach in Deinem Mutterleben der Erste ist. Derjenige, mit dem Du als Mutter alles als erstes erlebst…Ist bei mir nämlich ganz genauso…Alles Liebe

  4. Isa - menschenskinder / Nov 14 2013

    Hm, vielleicht hat das einfach damit zu tun, dass er dein erstes Kind ist? Mit den Kleineren hast du diese ganzen Sachen schon erlebt und bist daher in fürs akind neuen Situationen sicherer, weil sie eben für dich nicht neu sind. Wäre jetzt mal so meine Vermutung, geht mir nämlich jetzt mit dem Kleinen ganz ähnlich.

    Liebe Grüße
    Isa

  5. Nicola / Nov 14 2013

    Vielleicht liegt es daran, das er der Erste ist.. das da immer noch die Zeit alleine mit ihm drin steckt, wo man nur ihn betüdeln konnte und musste..

    LG Nicola

  6. Frau Wundertoll / Nov 14 2013

    Ich kenne das Gefühl sehr gut. Ich war auch lange sehr vorsichtig und habe oft gesagt: „Pass auf!“ „Mach langsam!“ „Sei vorsichtig!“… mein Sohn ist ein kleiner Wirbelwind und es dauerte, bis ich gelernt habe ihn einfach machen zu lassen. Das hat ihm und auch unserem Vertrauen zueinander unglaublich gut getan. Es ist wirklich schwierig, aber auch als Mama muss man da einfach mal an sich arbeiten und sich trauen, den Kindern etwas zuzutrauen.

  7. Frieda / Nov 14 2013

    Liebe Frau Miez,

    manchmal geben einem Träume doch die besten Einblicke ins eigene Unterbewusstsein!

    Mir stellte sich bei der ersten Erwähnung des Quietschbeu-Auszuges schon die Frage: wie findet das Löewnmäulchen das denn eigentlich?
    (Ich erinner mich, dass auch ich anfangs mein Zimmer mit meiner Schwester teilte. Nachdem dann jeder ein eigenes Zimmer bekam, brauchte ich immer eine Kassette zum einschlafen, weil es sonst zu still war.)

  8. Susann / Nov 14 2013

    Wenn ich mich korrekt zurückerinnere, dann war es bei meinem (5 Jahre jüngeren) Bruder und mir genau andersrum. Ich durfte meine Erfahrungen relativ frei machen, bei meinem Bruder hatte meine Mutter bedeutend mehr Zweifel. Es ging dabei allerdings weniger um physische Gefahren als vielmehr die Frage, wie gut wir unser Leben allgemein in den Griff bekommen. Ich denke, das liegt einfach daran, dass mein Bruder und ich eben auch sehr unterschiedlich sind und meine Mutter eben unterschiedlich auf uns reagiert.

    Ich vermute, dass auch Sie, aufgrund der unterschiedlichen Naturelle der beiden Jungs, die beiden eben auch unterschiedlich behandeln. Ich denke, das ist ganz normal (was nicht heißt, dass es sich nicht trotzdem lohnt, sein Verhalten zu hinterfragen.)

    Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Kraft für die verbleibenden Monate als Fern-Familie und insbesondere die Fähigkeit, die schönen Momente so gut zu genießen, wie es eben geht! Vielen Dank für diesen Blog!
    Susann

  9. Nico / Nov 14 2013

    Hallo!

    Ich habe für unseren Jungen ein Buch gekauft, dass ich uneingeschränkt empfehlen kann. Ich bin schon ganz aufgeregt, dass er endlich alt genug ist, um mit mir die ganzen „gefährlichen“ Sachen machen zu können.

    Ich dachte das passt ein bisschen in das Thema: http://www.amazon.de/dp/0451234197

    Viele Grüße

    Nico

  10. Eva / Nov 14 2013

    Vielleicht lässt sich Deine Angst am besten auf ihn projizieren, weil er, wie Du oft schon schriebst, Dir am ähnlichsten ist?
    Vielleicht auch, weil er sich am meisten abgrenzt bzw ganz klare Schritte zeigt?
    Und klar, er ist derjenige, der alles zuerst macht bei den 3en. Er ist das Feuertaufenkind sozusagen. Ist hier auch….bei 2 und 3 bin ich viel lockerer.
    Ich hatte auch oft in ganz entscheidenden Situationen in meinem Leben solche „Hinweisträume“. Das ist so toll von einem selbst. Hat mir immer sehr geholfen.
    Lg Eva

  11. die_schottin / Nov 14 2013

    Meine Ma sagt das selbe über mich und meine Schwester. Bei mir, der ersten Tochter, macht sie sich noch heute mehr Sorgen. Vielleicht ist das einfach so, wenn man generell gluckiig (und das meine ich jetzt nicht im schlechten Sinne) veranlagt ist. Ich habe ja noch keine Vergleiche, weil Colin noch Einzekind ist, aber ich bin leider auch sehr sehr vorsichtig und male mir immer schreckliche Situationen aus.

  12. alasKAgirl / Nov 14 2013

    Ich vermute, es ist immer am schwierigsten das Kind „loszulassen“ was einem selbst am ähnlichsten ist. Weil man weiß, was in ihm vorgeht und weiß, wie sich negative Erlebnisse für das Kind anfühlen. Weil man weiß, da steckt vielleicht mehr dahinter, als man sehen kann.

  13. Verena / Nov 14 2013

    Jaaaa, das ist irgendie oft so, dass man um die „Ersten“ die meiste Angst hat! Obwohl ich, glaube ich zumindest, dem Grossen echt viel zutraue und ihn auch allein losschicke, hab ich doch immer Angst um ihn. Gestern waren wir beim Zahnarzt und ich habe vorher ewig auf ihn eingequatscht, dass er trapfer sein soll, aber auch sagen wenns nicht geht, aber sich auch gut benehmen soll (ich arbeite seit kurzem bei diesem Zahnarzt) und keinen Blödsinn erzählen soll…ahhhh!!! Er setzte sich auf den Stuhl, ein Mini-Loch wurde festgestellt, Bohren und Füllen ohne Betäubung! Dann fiel ihm ein, dass man den doofen Wackelzahn ja auch eben noch ziehen könnte….also n bisschen Eisspray drauf und weg mit dem Zahn!!! Eiskalt mein Grosser und soooooo tapfer!!!! Ich war stolz wie Oskar, er auch!!! Auf dem Rückweg meinte nur:“Mama, ich kann mich gut benehmen, auch wenn Du das nicht vorher sagst!“
    Hmmmm….aus Kindern werden Leute!!!

    LG Verena

  14. MaxMama / Nov 14 2013

    Liebe Mama Miez!

    Ich habe auch 3 Kinder. Das Erste ist mein Besonderes. In jeder Hinsicht. Er ist besonders, weil er Autist ist und damit qua Definition behindert. Er ist besonders, weil ich mit ihm alles zum ersten Mal erlebe, die Geburt, der erste Tag im Kindergarten, die Einschulung. Und alle Ängste habe ich mit ihm zum ersten Mal, die z.T. auch bestätigt wurden, da er ja als Autist das ein oder
    Problem mitgebracht hat. Bei den jüngeren Kids bin ich da entspannter. Sie sind nicht autistisch. Und ich weiß, dass man auch als Mutter den ersten Kindergartentag und eine Einschulung überlebt. :)

    Ich wollte noch etwas zum vorletzten Post hinterlassen: Wie wäre eine Mutter- Kind- Kur?? Ich mache das auch mit den drei Kids und finde es sehr erholsam. Wir haben unsere Lieblingskur in Niendorf gefunden (Maria Meeresstern). Beim letzten Mal war eine Mutter dabei, deren Mann 6 Monate mit der BW weg war und die diese 3 Wochen mehr als gebraucht hat. Eine Kur steht jeder Mutter zu. Ich kann es nur empfehlen.

    Alles Liebe und viel Kraft und Durchhaltevermögen!! :)

  15. Frau Napalm / Nov 14 2013

    Du sprichst mir (wieder einmal) aus der Seele. Bei mir ist es ganz genauso.
    Ich liebe meine beiden Söhne über alles, bevorzuge keinen. Und trotzdem empfinde ich für beide so unterschiedlich.
    Mein erster Sohn leidet schon fast unter meinem klammern. Ich trau ihm viel zu wenig zu, weil er irgendwie gefühlt immer noch mein Baby ist, obwohl auch er inzwischen 4 ist. Um alles mach ich mir tierische Sorgen, vor allem in jeglicher Hinsicht um sein Seelenleben. Mag daran liegen, dass er ebenfalls hochsensibel ist wie der Quietschbeu.
    Mein zweiter Sohn ist irgendwie robuster, zumindest erscheint er mir so. Um ihn mach ich mir viel weniger Sorgen, denke immer der ist stark, der schafft das schon. Diese gefühlsmäßige Diskrepanz will ich eigentlich nicht, da ich Angst habe beiden damit zu schaden, da ich sie dadurch anders behandle, aber den Grund dafür habe ich auch noch nicht herausgefunden.
    Danke fürs teilen.

  16. Conny / Nov 14 2013

    Vielleicht das Schicksal des Erstgeborenen…ich kann Sie gut verstehen, Frau Miez

  17. Kristina / Nov 14 2013

    Hallo Frau Miez,
    ich kann dieses Verhalten gut nachvollziehen – zwar auf andere Art und Weise, dennoch bezogen auf mein großes Mausemädchen.
    Seitdem sie auf der Welt ist habe ich irrsinnige Angst sie zu verlieren. Dabei ist sie ein vorsichtiges, ruhiges und liebes Mädchen, neigt kaum zur Leichtsinnigkeit und ist immer furchtbar bemüht sich innerhalb der Regeln zu bewegen. Und doch habe ich vom ersten gemeinsamen Moment an schreckliche Angst um sie. Nicht nur die Angst, dass sie sich verletzen könnte, sondern die ganz tief verwurzelte Angst mein Mausemädchen zu verlieren.
    Bei der kleinen Schwester habe ich diese Angst überhaupt nicht, Sorge natürlich, aber eben keine Angst, dass sie mir genommen werden könnte.

    Das sind die unerklärlichen Phänomene aus dem Mamiversum…

    Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, Frau Miez! Und ruhige Träume. ;-)

    Liebe Grüße
    Kristina

  18. Ela / Nov 14 2013

    Weil er dir so ähnlich ist. Darum ;)

  19. womitour / Nov 14 2013

    Mit dem ersten Kind gehen wir scheinbar anders um. Ich bin nicht übervorsichtig, aber erkläre Tochterherz Gefahren und mahne zur Vorsicht. Manchmal vielleicht zu viel. Dinge, die sie von sich aus tun würde, überdenkt sie, da sie meine Vorsicht spürt. Und dann überrascht auch sie mich. Wie gestern. Sie setzt sich aufs Laufrad und rollt los. Vom Berg nach unten. Nimmt die Füße hoch. Wird schneller und schneller. Und macht es super.

    Vielleicht lernen wir ja von unseren großen Kindern. Sie meistern bestimmte Situationen so bravourös, dass wir bei den Kleineren etwaige Ängste einfach nicht mehr haben.

  20. Theresa / Nov 15 2013

    Ich habe auch zwei Jungs und ein Mädchen, der Große ist nun schon 12. Trotzdem merke auch ich, dass ich bei ihm immer etwas sensiblere Antennen habe, mich sorge, mir Gedanken machen, ihm zwar etwas zutraue, aber irgendwie immer bewusst und mit Überlegungen. Beim Kleineren läuft das alles automatisch, ich traue ihm von alleine viel zu, habe viel weniger schlechtes Gewissen, es fühlt sich natürlich an. Beim kleinen Mädchen sowieso.
    Ich möchte das nicht. Es ist da. Warum das so ist? Vielleicht hängt doch das erste Kind ganz besonders am Herzen. Nicht falsch verstehen, sie sind alle großartig und ich liebe sie alle drei so sehr. Aber ob doch vielleicht die emotionale Nabelschnur beim ersten Kind nicht so leicht gekappt wird?

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