Bis einer heult! • Jahresendzeitstimmung.
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30. Dezember 2013 | Pia Drießen

Jahresendzeitstimmung.

In den letzten Tagen, ach was, Wochen, war es hier wirklich still. Also hier, in meinem Blog. In meinem Leben war es so unglaublich laut, wild und Nervenzehrend, dass ich nicht mal mehr Lust zum Bloggen hatte. Und das soll was heißen.

Ich könnte jetzt bei Adam und Eva anfangen. Vermutlich würde dieser Eintrag 10 Seiten lang werden. Mindestens. Ich beschränke mich stattdessen auf die Kernsituationen.

Es gab noch keine Situation in meinem Leben, die so Kräftezehrend war, wie diese letzten Wochen und Monate. Nicht mal, als ich am Ende der Miezmeedchen-Schwangerschaft mit zwei Kleinkindern und einer Symphysenruptur da lag. NICHT MAL DA! Damals hatte ich Unterstützung von meinem Mann. Und wenn es nur abends zwei Stunden waren, meist aber darüber hinaus ging. Die fehlt momentan natürlich gänzlich. Und nach 3 Monaten und ein paar Tagen ohne Auszeit für mich selber, blinken die Akkus halt schön häufiger mal im roten Bereich.

Normalerweise wäre ich dann losgezogen und hätte den Wocheneinkauf ganz alleine erledigt. Das kleine Wellness-Erlebnis einer Mutter. Stattdessen hetze ich vom der Arbeit in den Supermarkt, schmeiße Teile in den Einkaufswagen, renne zur Kasse und hole anschließend die Kinder vom Kindergarten ab. An guten Tagen haben 2 von 3 Kindern gute Laune. An schlechten Tagen habe alle 3 miese Laune. Dass alle 3 gut drauf sind, kam eigentlich noch nicht vor. Zumindest erinnere ich mich da nicht mehr dran.

Ständig kommen irgendwelche Wünsche und Erwartungen Dritter hinzu. Kannst Du mal das? Wäre lieb wenn Du jenes … ich fass mir derweil an den Kopf und muss wirklich hart daran arbeiten, entgegen meiner Natur, einfach mal laut „NEIN!“ zu sagen. Hab ich auch ein oder zweimal geschafft. Führte dann zu beleidigt Sein auf der anderen Seite. ES NERVT MICH! Menschen nerven mich zunehmend. Egal wie viel gesprochenes Verständnis und Zuspruch da ist, das meiste ist nur Blabla. Und auch wenn ich genau weiß, wie lieb und aufbauend die Durchhaltepostkarten, die hier laufend ankommen, gemeint sind: ich kann mich nicht mehr drüber freuen, weil sie mir zeitgleich Druck bedeuten, mich bedanken zu müssen und meist habe ich das dann wieder bis zum Abend, wenn ich mein Handy in der Hand habe, vergessen und es ist wieder jemand beleidigt und enttäuscht.

Ich hab die Wichtelpakete zu spät abgeschickt. Weil ich nicht mal eben mit drei Kindern zur Post komme. Aber immerhin kamen sie rechtzeitig an. Da bin ich schon son bisschen stolz auf mich. Ja, sehen Sie mal, DAS sind meine Alltagshighlights. Wenn ich nicht vollständig verkacke.

Es gab Menschen, die mich wirklich immer um einen Gefallen bitten konnten. Ich hab nie Nein gesagt. Nachdem der Miezmann bereits 10 Wochen weg war und nicht eine Nachfrage  a la „Wie geht’s Dir denn?“ kam, dafür aber eine erneute Bitte dieses und jenes zu tun, hab ich meine Bereitschaft zum freundschaftlichem Umgang komplett eingestellt. Muss manchmal auch sein.

Ich fasse mal zusammen: ich habe seit 4,5 Jahren vielleicht 3 x richtig und echt durchgeschlafen.  Ich hab Endzeitschwangerschaft und Wochenbett mit 1 bzw. 2 Kleinkindern überlebt. Inklusive aller erdenklichen Schwangerschaftswehwehchen wie eingeklemmten Ischias, starker Ödemen am ganzen Körper, Symphysenruptur, usw.  Und rückblickend glaube ich nicht, über die Maße gejammert zu haben. Weil ich eigentlich kein Typ zum Jammern bin. Was nützt mir das aufreiben an Dingen, die ich nicht ändern kann? Zwanghaft optimistisch. Das bin ich. Immer noch.

Und dennoch steckt der Quietschbeu in einer ausgesprochenen Sendephase. Er redet ununterbrochen und den ganzen Tag, erwartet zudem auch immer Feedback und wird wütend, wenn er das nicht bekommt. Da momentan nur das Löwenmaul und ich seine Gesprächspartner sein können, bekommen wir dann also seinen Unmut ab. Da wird geschrien, gestampft und Dinge geworfen. Das Löwenmaul hingegen löst jeden Konflikt mit lautem Gekreische. Fühlt er sich bedrängt oder ungerecht behandelt, kreischt er so dermaßen schrill, dass mir das Trommelfell klingelt. Außerdem bekommt das Meedchen gerade die beiden oberen Eckzähne. Die heult und schreit dann gerne auch mal ne Stunde am Stück, ohne dass man sie anfassen oder weggehen darf. Voll super.

So gibt es Tage, an denen ich abends völlig überreizt bin. Dann reicht mir schon nen gut gemeinter Rat oder ein witziger Spruch, um mich völlig aus der Fassung zu bringen. Manchmal ist sogar „Verständnis“ zu viel, weil eigentlich kaum einer da draußen wirklich verstehen kann, was um mich und in mir vorgeht.

Die Kinder vermissen ihren Papa von Tag zu Tag mehr. Der Quietschbeu ist derweil auch gerne mal wütend auf mich, weil ich eben da bin, zum wütend sein. Das Löwenmaul weinte ein paar Wochen nachts so viel, dass ich inzwischen jede Nacht bei ihm schlafe.

Und dann bekamen wir an Weihnachten alle vier Magen-Darm. Natürlich fielen damit auch Weihnachtsbesuche aus. Natürlich hatte keiner Zeit oder Lust, sich zu kümmern und dabei anzustecken. NATÜRLICH. Das verstehe ich wirklich nur zu gut. Dennoch fühlte ich mich an diesem Punkt total einsam und verlassen. Ich bin an dieser Stelle sehr dankbar für die beiden Freundinnen, die immer da sind, auch wenn eine von ihnen in derselben Situation steckt, wie ich. So kamen wir wenigstens zu Zwieback, Salzstangen und Küchenpapier.

Meine Nerven sind dünn. Noch dünner seit Ferien sind und wir alle 24 Stunden aufeinander hocken. Lagerkoller ohne Verschnaufpause. Das ist schon fies. Und dann bieten sich noch Leute an uns zu besuchen. Ich muss da mal kurz und hart hysterisch lachen. Geht weg, ey! Ladet uns doch lieber mal zu Euch ein. Damit wir hier raus kommen und was andres sehen. Ach, drei Kinder zusätzlich sind viel Lärm, Trara und Unordnung? Ja! JA! Und wisst Ihr wie oft ich den Spruch höre: „Ein oder zwei Kinder mehr fallen bei Dir ja gar nicht auf!“  [insert sehr unmissverständlichen bösen Fluch here].

Ja ja, ich hab mir das so ausgesucht und jammern darf ich auch nicht, weil MEIN Mann kommt ja wieder. Gibt ja genug alleinerziehende die IMMER alleine sind. Was ich mich über solche Aussagen immer freue. Danke!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+