Bis einer heult! • Ganz großes Herzblubbern
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8. Januar 2014 | Pia Drießen

Ganz großes Herzblubbern

In den vergangenen Woche habe ich viel über meine Kinder und ihre sehr unterschiedlichen Charakter gelernt. Der Quietschbeu zum Beispiel ist ein wahres Naturtalent, was das Verbalisieren und Äußern von Gefühlen angeht.  Gut, das habe ich vorher gewusst, aber es ist dann doch überraschend das so klar und deutlich zu erleben. Er kann ganz klar sagen: „Ich vermisse den Papa. Ich möchte jetzt beim Papa sein. Ich möchte mit dem Papa kuscheln und toben. Der Papa fehlt mir so sehr!“ Mehrfach am Tag. Jeden Tag! Auch ist er viel Nähebedürftiger als früher. Ausgerechnet er will jetzt viel und oft kuscheln. Auch im Kindergarten sucht er diese körperliche Nähe zu seinen Erziehern verstärkt und bekommt sie auch.

Das Löwenmäulchen hingegen „leidet“ ganz anders. Die ersten Wochen litt er an richtigem Liebeskummer, aß so gut wie gar nicht, lag apathisch in dern Ecke rum und brauchte viel körperliche Zuwendung. Aber er sprach nicht über seine Sorgen. Mit der Zeit wurde es besser. Es folgte eine Phase, in der er völlig unvermittelt und plötzlich in Tränen ausbrach, richtigen Weltschmerz verspürte und nach Minutenlangem Schreien nur noch ein „Ich bin so draurig, dass der Papa weg gefliegt is‘!“ japsen konnte. Dazwischen war er tagelang völlig normal und fröhlich. Dann begannen die Albträume, aus denen er schreiend hoch schreckte und nach seinem Papa rief. Das „Gute“ an den Albträumen ist, dass man ihn recht schnell beruhigen kann und er sich morgens nicht mehr daran erinnert. Seit dieser Zeit schlafe ich nachts bei ihm oder er bei mir.

Das Meedchen ist 1 Jahr, 7 Monate, 2 Wochen und 1 Tag alt. Heute. Das sind genau 592 Tage. Ihr Papa ist seit 108 Tagen weg. Das sind 18,24% ihres Lebens und sieht bildlich so aus:

miezmeedchen_papa

Ich kann nicht sagen, dass ich eine richtige Traurigkeit bei ihr feststellen konnte. Sie kannte es ja bereits, dass der Papa weg fuhr und wiederkam. Ein Zeitgefühl hat sie auch noch nicht. Aber man fragt sich unlängst, ob sie ihren Papa wohl vergessen könnte? Oder diese starke Bindung, die sie zu ihm hat, verlieren würde? Wenn wir skypen ist sie definitiv das enthusiastischste Kind. Die kreischt vor Freude, klatscht in den Hände, ruft „Papa, PAPA!“, winkt und gibt dem Monitor unzählige kleine Küsse. Sie spielt auf diesem Wege mit dem Papa „Kuckuck“, zieht Grimassen, Bestaunt alles, was der Papa ihr zeigt. Sie ist da so viel offener als ihre Brüder, denen das skypen schwer fällt, weil es ihnen zeitgleich ganz deutlich vor Augen führt, dass der Papa eben nicht hier, nicht greifbar ist. 

Oft hatten wir die Szene, dass der Quietschbeu sich weigerte mit dem Papa zu sprechen. Kaum hatte ich aufgelegt bracht er in Tränen aus und weinte fürchterlich nach seinem Papa.

Es ist nicht leicht. Für niemanden.

Ich bin daher unfassbar gespannt, wie die Kinder auf den unangekündigten Heimaturlaub des Miezmannes reagieren werden. Ob sie ihn mit offenen Armen, lachend und vielleicht vor Glück weinend begrüßen werden, oder doch eher distanziert sein und ihn vielleicht sogar ignorieren werden? Wie geht man auf einen geliebten Menschen zu, den man lange nicht gesehen hat? Von dem man vielleicht verletzt und enttäuscht ist, weil er einen alleine gelassen hat? Das fällt ja schon den meisten Erwachsenen sehr schwer. Wie muss es da erst Kindern gehen, die kein Verständnis für die Situation haben? Wird das Meedchen möglicherweise sogar Fremdeln? Sie ist generell sehr misstrauisch und zögerlich Fremden gegenüber und weint, sobald jemand den Raum betritt oder nur an der Tür klingelt, der ihr nicht geheuer ist. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie sie ihre Sympathien verteilt. Nun hat sie ihren Papa regelmäßig via Skype gesehen. Aber wie sieht das aus, wenn er in voller Lebensgröße vor ihr stehen wird? Wird sie sich hinter mir verstecken und mein Bein umklammern. Oder wird sie lachend auf ihn zulaufen?

So viele Fragen. So viel Aufregung. Bei mir. Und beim Miezmann. Denn die Kinder wissen nichts und werden heute Abend vermutlich auch schon schlafen, wenn der Papa heimkehren wird.

Ganz großes Herzblubbern.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Nadine / Jan 8 2014

    Oh weh, ich kann deine Gedankengänge wirklich sehr gut nachvollziehen. Vielleicht ist die Situation aber dann auch etwas leichter, wenn man sich vorab mit den möglichen Reaktionsweisen auseinandergesetzt hat. Ich wünsche dir eine fröhliche Zeit mit deinem Mann :)

  2. Yvonne / Jan 8 2014

    Ich wünsche der kompletten Miezfamilie eine wunderschöne gemeinsame Zeit.

    Spielerisch bzw. beim Spielen den Papa wieder den Kindern nähern, wenn Sie alle ein wenig fremdeln hilft bestimmt.

    Ich drücke ganz fest die Daumen das alles Miezens diese komplette Familie genießen kann und wird.

  3. Christine / Jan 8 2014

    Meine Lütte ist 2 und sieht ihre Großeltern ja leider länger nicht. Anfangs fremdelt sie immer kurz, aber danach stellt sich schnell wieder eine sehr tiefe Vertrautheit ein. Sie ist zu ihnen vertrauter als zu den Kita-Erzieherinnen, die sie ja täglich sieht.

    Ich denke, dass das am Geruch liegt: Eine unterbewusste Komponente, die einem Vertrautheit signalisiert: Und so wird es deinen Kindern auch gehen: Zuerst ein bißchen fremdeln. Und wenn sie eine nasevoll Papa geschnuppert haben, wird alles wieder gut.

  4. julia / Jan 8 2014

    ich es verrückt, aber ich fiebere sowas von mit und freue mich so für euch vier.
    bin selber ein wenig hibbelig,obwohl ich euch ja nur online kenne….
    ich habe nur eine leise ahnung davon wie es sich anfühlen muss so lange von einem geliebten menschen getrennt zu sein.
    ich hoffe ihr habt tolle tage und bin gespannt was du nachher zu berichten hast.
    mit betonnung auf nachher,ich finde die zeit gehört ganz euch und da sollte der blog hier ruhi sein
    eine schöne zeit euch

  5. Nina / Jan 8 2014

    Liebe Familie Mietz,

    Ich wünsche ihnen ganz tolle gemeinsame Tage mit dem Papa und dass sie ganz viel Nähe auftanken können bis zum Einsatzende!!!
    Für die Kids wird es bestimmt eine Riesenüberraschung aber ganz sicher eine positive.
    Freue mich schon sehr zu lesen wie die Kids reagiert haben.

    Viele Grüße, nina

  6. Tine / Jan 8 2014

    ich weiß nicht, ob es auf Deine Kinder zutrifft. Aber ich kann Dir aus meiner Erfahrung berichten…..

    Mein Mann ist zur See gefahren. Als unser Sohn 6 Monate als war, ist mein Mann für 4 Monate weg gewesen.
    Beim Wiedersehen hat der Kleine hat nicht eine Sekunde gefremdelt, obwohl die beiden tatsächlich vier Monate gar keinen Kontakt hatten. Er ist direkt auf Papas Arm. Und heute haben die beiden eine innige Beziehung.
    Dein Meedchen ist schon so viel größer. Ich bin sicher, daß sie sich erinnern wird. Vielleicht ist sie einen Moment schüchtern, aber in dem Alter sind die Kleinen doch noch sooo begeisterungsfähig.
    Was es mit den großen Kleinen macht…? Ich glaube, sie tragen tatsächlich kleine „Seelenverletzungen“ davon. Aber zum einen gehören die zum Leben dazu und jeder erfährt sie – auf die eine oder andere Art. Der Start im Kindergarten, der erste Streit mit einem Freund – all das macht ja was mit den Kindern. Man kann die Kinder nicht vorm Leben beschützen. Nur für sie da sein, wenn die traurig sind, der Traurigkeit einen Platz bieten und Verständnis entgegenbringen.

    Lustigerweise habe ich immer am meisten gefremdelt :-D
    Ich brauchte immer eins, zwei Tage, bis ich Nähe wieder zulassen konnte und sich alles vertraut anfühlte…. ;-)

    Ich wünsche Euch ein wunderschönen Wiedersehen.

    Herzliche Grüße
    Tine

  7. Sandra / Jan 8 2014

    Ich wünsche Euch ein ganz wundervolles Wiedersehen.

  8. Marie / Jan 8 2014

    Jetzt musste ich ein Tränchen verdrücken! Ich lese hier sonst nur still mit, aber zur Zeit fiebere ich vor allem mit, wie der Besuch wird und wie die Kinder reagieren werden :) Das musste jetzt dann doch mal raus!

    • Pippi / Jan 8 2014

      Genau so geht es mir auch!
      Deine Worte berühren so sehr und ich freue mich von ganzem Herzen für euch! Genießt die Zeit und tankt viel Familienzeit!
      Alles Liebe,
      Pippi

    • Kleehne / Jan 9 2014

      Hallo,

      auch ich lese neuerdings seeeehr regelmäßig aber bisher still mit.

      Du beeindruckst mich!

      Ich habe solchen Respekt. Vor Dir, deinen Einstellungen, deinem Einfühlungsvermögen, deiner in jedem Wort mitschwingenden endlosen Liebe für deine Familie, deinen Stärken und deinen Schwächen.

      Und nun fiebere ich (und mein Mann, dem ich immer aus deinem Blog vorlese vor lauter Begeisterung, Mitgefühl und noch so viel mehr :) so mit Euch mit.

      Ich hoffe ihr habt Euch alle ganz schnell wieder aneinander gewöhnt und genießt die Zeit ausgiebig miteinander.

      Freue mich tierisch wieder von dir zu lesen.

      Bis dahin liebe Grüße von der Kleehnen

  9. Ramona / Jan 8 2014

    Oh ich wünsch dir so sehr, daß es ein wunderschönes, harmonisches Wiedersehen wird. Für alle.

  10. theresa / Jan 8 2014

    ich bin normalerweise stille mitleserin aber heute geht es irgendwie einfach nicht still zu bleiben. ich finde es wirklich bewundernswert, dass sie so offen berichten! ich wünsche euch allen zusammen wunderschöne tage und dass die verbleibende aufreibende zeit ruckzuck vergehen möge! alles liebe!

  11. Eva / Jan 8 2014

    Die Kinder werden wissen, dass er es nicht aus „böser Absicht“ tat, die Antennen, Du weißt ja.
    Und: Kinder sind viel robuster als wir denken,und außerdem verzeihen sie auch viel mehr und einfacher als wir Erwachsene.
    Bestes Beispiel: mein Ex. Kümmert sich kaum um die Kinder. Es gibt keine feste Regelung,nur, dass er die Kinder wochenweise will, wogegen ich aber den Riegel vorschiebe, denn diese Kinder brauchen EIN Zuhause mit Frieden. Ergo sagt er: Dann gar nicht.
    Sie leiden wie die Hunde. Dennoch, obwohl sie wissen, dass es nicht an mir liegt, sonderm am Papa, dass sie ihn so selten sehen dürfen, lieben sie ihn und freuen sich abgöttisch auf ihn.
    Und: Viel Spass mit der neuen Wäsche ;)
    LG Eva

  12. Chrissi / Jan 8 2014

    Ich freu mich so unglaublich für euch :) Vor allem aber hoffe ich, dass die Zeit, die ihr miteinander habt, nicht so schnell vergeht. Aber Zeit, nach der man sich sehnt, rast ja leider viel zu schnell :(
    Genießt es. Ich wünsch euch eine wunderbare Zeit zusammen

  13. Britta / Jan 8 2014

    Liebe Mama Miez,

    ich kann Deine Gedankengänge gut verstehen. Ich wünsche Euch eine wundervolle gemeinsame Zeit!!!! Bin sehr gespannt, wie die Kinder reagieren.

    LG

  14. Mamamulle / Jan 8 2014

    Hach… wie schön zu lesen, dass der Miezmann erstmal nach Hause kommt, um euch zu besuchen. Habt eine schöne Zeit! Ich weiß ihr werdet es alle genießen. Ich bin gespannt, wie die Kids auf den Besuch reagieren.

    Alles Liebe für euch =)

  15. Barbara / Jan 8 2014

    Ich wünsche euch eine wunder- wunderbare Zeit miteinander

  16. Q / Jan 8 2014

    ich les dich ja seit du bloggst und als ich grade das instagram bild gesehen habe, habe ich echt zum ersten mal hier angefangen zu weinen, das hätte ich ja nicht gedacht. ich freue mich richtig für euch mit.

  17. Franzi / Jan 8 2014

    Liebe Frau Miez,

    ich kenne die Situation nur aus der Perspektive, dass ich regelmäßig zu meiner Gastfamilie zurückkehre und mir jedes Mal die Frage stelle, wie „mein Kleiner“ auf mich reagieren wird.

    Ich habe ihn im Alter von drei Monaten kennengelernt und dann bei ihm gelebt, bis er fast 2.5 Jahre alt war. Ich war oft ein Mamaersatz, da diese sehr viel arbeiten war.

    Bei jedem Besuch merke ich ein anfängliches Zögern, was aber auch von Mal zu Mal kürzer wird und gleichzeitig merke ich aber auch, dass da eine Verbindung ist, die alles überwindet.
    Ich glaube er weiß vom Herzen her, wer ich bin und wieso ich ihm wichtig bin. Er fühlt einfach, dass es richtig ist, mich schnell zu umarmen und mir teilweise auch direkt zu sagen, dass er mich vermisst hat und mich liebt.

    Dieses Verhalten hat er auch seiner Schwester vorgelebt. Ich habe nie wirklich auf sie aufgepasst und lange mit ihr zusammengelebt, aber sie akzeptiert mich, umarmt mich und weicht mir ganz schnell nicht mehr von der Seite, da sie merkt, dass ich ihrem Bruder wichtig bin. Und wenn er ihr vorlebt, dass es ok ist, dann ist es auch für sie ok.

    Ich weiß nicht, ob ich Ihnen ein wenig die Angst vor dem Zusammentreffen nehmen kann, aber ich hoffe sehr, dass der Besuch eine schöne Familienzeit wird und die Kinder sich schnell wieder an den Papa gewöhnen!

    Liebe Grüße,
    Franzi

  18. Suse / Jan 9 2014

    Hallo Familie Miez!

    Ich freue mich so mit Euch, dass alles mit dem Wiedersehen geklappt hat und wünsche Euch eine wundervolle Zeit, von der Ihr die restliche Zeit des noch anstehenden Miezmanneinsatzes zehren könnt!

    GLG!

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