Bis einer heult! • "Mama, ich hab geträumt!"
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10. Februar 2014 | Pia Drießen

„Mama, ich hab geträumt!“

Meine Jungs haben seit einiger Zeit ganz bewusst Träume. In der ersten Zeit, mit den ersten Träumen, wachten sie beide noch verstört auf, weinten und konnten Traum von Realität nicht unterscheiden. Allein die Tatsache beschäftigte sie sehr. Gerade in der Anfangszeit, als der Miezmann nicht daheim war, träumten sie oft vom Papa. Dass er mit ihnen spielt oder kuschelt. Das verwirrte sie sehr, wenn sie dann wach wurden und schmerzlich feststellen mussten, dass der Papa doch nicht da war.

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Ich versuchte ihnen so gut es mir möglich war zu erklären, dass Träume Bilder in ihrem Kopf sind, die sie sehen, während ihre Augen geschlossen sind und sie schlafen. Manche Träume sind schön und zeigen uns das, was wir gerne erleben würden oder erlebt haben. Andere Träume sind überhaupt nicht schön und zeigen uns vor was wir Angst haben. Aber alle Träume können uns etwas darüber verraten, was wir tief in uns denken und empfinden. Das war natürlich erstmal ziemlich schwer zu verstehen. Aber das  immer und immer wieder drüber sprechen brachte den Jungs das ganze näher. Wir analysierten ihre Träume gemeinsam und überlegten, was dieser und jener Traum wohl bedeuten könnte.

Mit der Zeit kamen natürlich auch Albträume hinzu. Im Kindergarten haben sie aktuell das Thema „zauberhafte Märchenwelt“. Das Löwenmäulchen träumte fast jede Nacht von der bösen Hexe, die ihn fressen wollte. Wenn er aus dem Schlaf hochschreckte, machte ich ein kleines Licht an, gab ihm etwas zu trinken und erklärte ihm, dass das nur ein Traum war und dass dieser ihm sagen würde, dass er davor Angst hätte, dass es die böse Hexe aus Hänsel und Gretel wirklich geben würde. Aber nein, die gibt es nicht. Und das sagte ich ihm immer wieder und wieder, bis er zwar von seinen Träumen noch aufwachte, mich aber nur rief um mir zu sagen, dass er wieder von der bösen Hexe geträumt hätte. „Aba das is ga nich schlimm. Die is ja ga nich echt!“ Er trank einen Schluck und schlief weiter.

Der Quietschbeu weinte hingegen sehr schlimm, wenn er von seinem Papa träumte. Weil ihm genau dann sehr bewusst wurde, dass der Papa nicht hier ist und ihm schrecklich fehlt. Immerhin konnte er das dann ganz klar und deutlich sagen: „Mir fehlt der Papa so. Mir tut der ganze Bauch weg, so traurig bin ich!“

So sind die Träume der Kinder mit und mit wie kleine Haftnotizen geworden, die ihnen verraten, warum sie sich fühlen, wie sie sich fühlen. Und mit diesem Wissen und dem immer und immer wieder darüber reden, entwickelte sich dann auch sowas wie ein neues Ritual. Das erste, was die Jungs tun, wenn sie die Augen öffnen: sie erzählen mir von ihren Träumen.

Heute morgen erzählte das Löwenmäulchen ganz aufgebracht, dass es geträumt hätte, dass die Kinder für den Nikolaus hätten singen wollen. Und der hätte gar nicht zugehört und wäre einfach weggegangen. Das Löwenmaul war richtig empört: „Mama, die Kinds wan so draurig. Das macht man nich! Das was nich nett vom Nikolaus!“

Der Quietschbeu erzählte heute morgen, dass er geträumt hätte, er wäre an Karneval als Captain Hook gegangen. „Ich hatte soooo einen großen Säbel hatte. Und einen Haken!“ Das fand er super. Ein schöner Traum also.

Manchmal, wenn der Quietschbeu abends mit Bauchweh und Traurigkeit ins Bett geht, dann sage ich ihm, er solle sich was schönes vorstellen und dann würde er bestimmt davon träumen. Dann sagt er immer: „Mama, ich kann mir nicht aussuchen was ich träume. Das entscheidet mein Kopf ganz alleine.“ So ein schlaues Kind. Und doch glaube ich ganz feste, dass man sich seine Träume so ein bisschen wünschen kann. Zumindest, ob man was eher schönes oder etwas eher trauriges träumt. Wir testen das weiterhin.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: mit viel Geduld und der Bereitschaft, auch mitten in der Nacht über nicht-existente Hexen, Monster und Gespenster zu reden, konnte ich den Jungs das Mysterium „Träume“ immerhin so nahe bringen, dass sie sich nicht mehr davor fürchten. Natürlich gibt es dann und wann noch Träume, die sie überrumpeln und ihnen richtig Angst machen. Aber solche Träume haben wir ja selbst als Erwachsene noch. Solche, die uns den ganzen Tag nachhängen und so ein flaues Gefühl hinterlassen. Aber wir können auch darüber reden und verstehen, wenn der eine mal schlechtere Laune hat, als der andere.

Tja, nur die Mutti, die kann sich morgens an keinen ihrer Träume mehr erinnern. Nur ganz ganz selten und wenn ich wirklich mal länger als 6 Stunden schlafe. Manchmal, wenn ich den bunten und fantasievollen Träumen meiner Kinder lausche, macht mich das richtig traurig. Aber dafür darf ich ja an ihren teilhaben.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Claudia / Feb 11 2014

    Hallo Miez,
    meine Tochter hat mir als sie klein war erzählt, dass sie immer bestimmt was sie träumt. Sie konnte das wohl. Hat nicht immer geklappt, sie hatte hin und wieder auch mal ungeplante Träume, aber wohl selten. Ich hab aber den Eindruck das ist eine Typfrage oder eine Begabung. Ich kann das gar nicht. Ich muss nehmen was die Nacht mir bietet. Ich kann mich aber auch nicht oft dran erinnern.
    Aber meine Tochter fand schlafen auch so sinnlos, dann wollte sie glaube ich wenigstens noch Nutzen aus der sinnlosen Beschäftigung ziehen.

  2. Sophie / Feb 11 2014

    Haha. Ich habe heute auch übers Schlafen gebloggt. Aber darüber, dass mein Kind schlafwandelt… ;-)

    Ich finde es toll, wie du mit dem Thema Träumen umgehst. Ich kann dich aber beruhigen, ich träume heute noch extrem intensiv und nach so einer Nacht voller Träume fühle ich mich echt gerädert, weil ich sehr real Träume und mir manche Dinge oftmals noch den ganzen Tag nachhängen.

    Ich kann dir also sagen, schlaf lieber traumlos. Die Nächte sind bei mir zumindest viel erholsamer ;-)

  3. Mona / Feb 11 2014

    Boar, ja, das Thema Märchen hatten wir auch im Kiga, seitdem hat mein Großer Angst vorm Wald, wegen dem Bösen Wolf vom Rotkäppchen.
    Und als letztens im Radio kam, dass bei uns wieder Wölfe im Wald sind, wars völlig aus. Er ging nicht mal mehr allein in unseren Garten, da ist ne Hecke aussenrum, (kein Wald, nichtmal annähernd) weil da könnt ja was rausspringen…

    Ich hasse Märchen, und vor der 3. Klasse generell sowieso.

  4. Michelle / Feb 11 2014

    *klugscheissermodus* man kann bestimmen, was man träumt. Nennt sich luzides träumen/Klarträume und das kann man angeblich auch lernen. Mein Bruder beherrscht das, da bin ich sehr neidisch drauf…ich gehöre nämlich auch zu den nicht-Träumern – oder ich träum nur wirres Zeugs.
    Ich finds aber toll, wie du auf deine Jungs eingehst. So verlieren blöde träume bestimmt ganz schnell ihren Schrecken!

  5. Alltagsheldin / Feb 14 2014

    Liebe Miez, immer wenn ich bei Dir lese – grad die „Kinder-Dinge“ – merke ich, wie häufig ich mich mit dem ein oder anderen Thema gar nicht oder nur unzureichend auseinandergesetzt habe. Dieses zum Beispiel. Als die Tochter irgendwann von Alpträumen erzählte, sie natürlich aber nicht als solche benennen konnte, tröstete ich sie, nahm sie ggf. zu mir ins Bett oder erklärte, dass das nur ein Traum war. Versäumt habe ich hingegen, ihr zu erzählen, was genau ein Traum überhaupt ist. Krass.

    Du hast das so schön erklärt und so tolle „Ideen“ dazu, WOW! Ganz große Klasse, ehrlich! ?

    Liebe Grüße und einen schönen Start ins Wochenende,
    die Alltagsheldin

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