Bis einer heult! • Überraschender Löwenmaul-Meilenstein
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17. März 2014 | Pia Drießen

Überraschender Löwenmaul-Meilenstein

Heute haben wir ganz unerwartet einen neuen Meilenstein bestritten. Und das war … komisch. 

Als ich die Kinder vom Kindergarten abholte, um mit ihnen zum Turnen zu gehen, sprach mich ein kleines Mädchen aus der Löwenmaulgruppe an. Ob das Löwenmaul sie mal zuhause besuchen dürfte? Ich freute mich sehr, denn bisher hatte nur der Quietschbeu Nachmittagsverabredungen, was den kleinen Bruder immer ganz unglücklich stimmte. Er wollte dann bitte auch gerne mit dahin gehen, was ich ihm aber verwehrte, weil ich es für wichtig und richtig erachte, dass jedes meiner Kinder seine eigenen Freunde hat, die es nicht teilen muss. Außerdem tut es gerade den beiden Jungs mal gut, alleine, beziehungsweise nicht mit dem Bruder, zu spielen. Sie kleben sonst den ganzen Tag aufeinander und jeder für sich soll doch bitte seine eigenen Erfahrungen in Sachen Freundschaft und soziales Miteinander mit Gleichaltrigen machen.

Ich fragte also das Löwenmaul, ob er mit der kleinen L. nachmittags mal nach Hause gehen wollte. Der war sofort Feuer und Flamme und heulte anschließend Rotz und Wasser, weil es ausgerechnet heute dann zum Turnen und eben nicht zur Verabredung gehen sollte. Ich entschied also, dass das Spielen mit der Freundin heute wichtiger für ihn sei, als das Turnen. Zudem ist es für mich natürlich auch immer ein bisschen leichter mit nur zwei, statt direkt drei Kindern beim Turnen aufzulaufen. Und so zog mein Löwenmaul dann also von Dannen. Ganz ohne Trennungsgejammer oder Scheu vor der an sich fremden Familie. Da war er schon immer anders, als sein großer Bruder.

Womit ich aber nicht gerechnet hatte: mir fehlte plötzlich etwas ganz arg. Ich bin es inzwischen gewohnt, dass der Quietschbeu zu seiner Freundin Paulina geht. Das ist nichts ungewöhnliches, ich bin mit ihrer Mama befreundet und mache mir da gar keine Sorgen. Auch bei L.s Familie gibt es gar keinen Grund besorgt zu sein. Aber die Abwesenheit meines kleines Trotzmäulchen, das unentwegt plappert, ständig meine Hand halten will und wie ein kleiner Flummi um mich herum wuselt, riss echt ein großes Loch in mein Sein. Ständig hielt ich nach ihm Ausschau. Ständig dachte ich: irgendwas fehlt doch? Selbst das Meedchen weinte bitterlich, als wir den Kindergarten ohne das Löwenmaul verließen, weil sie natürlich nicht verstand, dass der mit seiner Freundin mitgegangen war. 

Auch wurde mir mal wieder bewusst, wie sehr der Quietschbeu und das Löwenmaul doch eine Einheit sind. Jede Interaktion, die sonst zwischen den Brüdern stattfindet, ging der Quietschbeu nun mit mir ein. Ich war zeitweise echt überfordert von seiner permanenten Ansprache beim Turnen und dem immer wiederkehrenden „Mama, komm hier her, mach das mit mir, guck mal hier!“. Auch beschäftigte und spielte er viel mehr mit dem Meedchen, als er es sonst tut. Was die kleine Schwester natürlich sichtlich genoss.

Kinderturnen

Wenn Sie mich heute morgen gefragt hätten, hätte ich vermutlich gesagt, dass Löwenmaul schwimmt so mit. Typisches Sandwichkind eben. Er tut Dinge, die sein Bruder schon vor ihm getan hat. Und er braucht eben nicht mehr die Aufmerksamkeit, die seine kleine Schwester benötigt. Aber das stimmt alles nicht. Das Löwenmaul ist ein sehr sehr starker Charakter, der eigentlich alles was wir gemeinsam tun durch seine Anwesenheit, sein Wesen und sein Handeln prägt. 

Jemand sagte mal zu mir, dass der Unterschied zwischen dem Quietschbeu und dem Löwenmaul der wäre, dass der Quietschbeu einen Raum betritt und nicht groß auffällt. Er ist wild und laut, aber seine Präsenz ist nicht so einnehmen, wie die des Löwenmauls. Wenn das Löwenmaul einen vollen Raum betritt, nimmt ihn direkt jeder wahr. Ohne dass er sich lautstark bemerkbar gemacht hätte. Er hat irgendwie so eine Aura, die die Aufmerksamkeit Anderer unwillkürlich auf sich zieht. Seine ganze Mimik und Gestik ist ist sehr einvernehmend. Wohl gleich er auch ein viel ruhigerer und beobachtender Geist ist, als der Quietschbeu.

So kam es dann, dass ich das Löwenmäulchen nach dem Turnen und einer kurzem Stippvisite daheim nach nur 2 Stunden wieder bei seiner Freundin abholte. Halten sie mich ruhig für albern, aber es machte mich ganz kirre, dass der kleine Kerl nicht um mich war. Und das, obwohl wir 2 tolle Stunden ohne Gemecker und Gezeter über dieses und jenes beim Turnen verbracht haben. Ich muss nun also lernen auch meinen Zweitgeborenen ziehen und ihn seine eigenen Erfahrungen, ganz ohne Mama, machen zu lassen. Wer hätte gedacht, dass mir das so schwer fallen würde. Ich jedenfalls nicht.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. MUDDIs / Mrz 17 2014

    *grusel* Du bist mir unheimlich… Führe ich ein Parallelleben und weiß nichts davon?!? Hier zwei Jungs (2008+2010 und ein Mädchen (2013) und SEHR viele Parallelen…

    Kurz: Ich versteh Dich. ;-)

    Liebe Grüße
    Sarah

  2. Carmen / Mrz 17 2014

    huhu :) ich schreib ja sonst in gar keine Blogs irgendwelche kommentare, aber ich wollte einfach mal loswerden, dass ich Deinen Blog, seitdem ich ihn gefunden habe, echt klasse finde! Ich freue mich auf jeden Post, und das obwohl meist nicht mal besonders viele bunte Bilder zu sehen sind, oder irgendwas mit Stoff (lese sonst nur in der Nähfraktion mit ;) ) Also ganz großes „daumenhoch“ von mir und weiter so!
    Du bist so herrlich normal :)
    Liebe Grüße,
    Carmen

  3. Jana Müller / Mrz 18 2014

    Wie fand denn das Löwenmaul den Aufenthalt bei seiner Freundin?

  4. Sarah / Mrz 18 2014

    Wer von euch hat da einen Meilenenstein gemacht? ;) Das ist soooo schön zu lesen.
    Schön, dass das Löwenmaul so präsent ist. Unser Mittel-Bub ist leider eher ruhig und ich habe oft ein bisschen Sorge, dass er eben etwas untergeht zwischen zwei so extrovertierten Geschwistern.

  5. Julia / Mrz 18 2014

    Ihren Blog zu lesen, ist einfach eine Freude… Gerade deshalb, weil Sie so frisch von der Leber weg (und stets von Herzen…) Ihre Texte verfassen! Danke für jeden Alltags-Schnipsel, Ihre Meinungsäußerungen und alle Herzmomente – Danke für alles, was Sie hier mit uns teilen! Es liest sich immer wieder interessant und abwechslungsreich, Ihr Blog, und v.a. macht es mir viel Freude zu lesen, wie sich Ihrer Kinder so individuell entwickelt, so wie Sie es hier im Bezug auf das Löwenmäulchen beschrieben haben :). Bleiben Sie so, wie Sie sind, und alles Gute für Sie und Ihre Familie! LG von einer noch Kinderlosen, der Sie sehr viel Mut machen und gemacht haben.

  6. Anne / Mrz 18 2014

    Ach Mamma Miez

    unser Sandwich Kind ist vor einem Jahr ausgezogen, Mamma nimmt aber oft noch 5 statt 4 Teller aus dem Geschirrschrank.

    Traurig aber: Letzten Freitag traf ich mittags die Tochter in Zürich zum Lunch. Wir arbeiten nur ein paar Busminuten auseinander, theoretisch, da ich im Moment oft in eine andere Stadt muss, aber egal, es war herrlich ubd wird jetzt monatlich wiederholt.
    Mama zahlte natürlich ;-)
    Und genoss das Gespräch mit der erwachsenen, flüggen Tochter!

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