Bis einer heult! • "Hände hoch, oder ich schieße!"
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23. Juni 2014 | Pia Drießen

„Hände hoch, oder ich schieße!“

Es gibt da ein Phänomen, das ich schon viele Jahre beobachte. Zuerst bei meinem Neffen, als er so 3 oder 4 Jahre alt war. Danach bei meinen eigenen Söhnen und eigentlich bei jedem anderen Jungen in diesem Alter. Verallgemeinerungen schließe ich mal prophylaktisch aus, aber ich behaupte: da gibt’s ein Muster und das will ich heute mal beleuchten.

Irgendwann, so zwischen 3, 4, 5 Jahren, erhebt nahezu jeder Junger seinen Finger, einen Stock oder sonst einen Gegenstand und sagt „Piehupiehu!“ Die Handfeuerwaffe wird entdeckt.

Ich behaupte weiterhin, dass dies ohne Einflussnahme der Eltern geschieht. Ohne dass man ihnen Western zeigte, sie Zeugen von Banküberfällen wurden oder man ihnen eine Pistole zum Geburtstag schenkte. Natürlich wird es dennoch irgendeinen Einfluss geben. Mir fallen da auf Anhieb die komplette Playmobil-Polizeieinheit, Polizisten auf der Straße und natürlich andere Kinder auf dem Spielplatz ein, die einem das Phänomen „Pistole“ im Alltag zugänglich machen. 

Meine liebste Geschichte dazu ist folgende: meine Schwester hält absolut nichts von Waffen und ist, ebenso wie ihr Mann, Pazifist. Für sie war die Vorstellung, dass ihr Sohn mit einer Pistole herum rennt oder so tut, als würde er auf Menschen schießen, ganz schrecklich. Ich erinnere mich noch wie heute an ihren Gesichtsausdruck, als er auf einer Familienfeier mit weiteren Kindern einer anderen Familie das erste Mal mit „Piehupiehu!“ in Berührung kam, sich das ganze ansah, aber nicht mitmachte. Er muss wohl so 3 gewesen sein. Am folgenden Tag, nachdem gemeinsamen Frühstück, spielten die Kinder draußen, als er ein Stöckchen vom Boden aufhob, hoch hielt und „Piehupiehu!“ rief. Von da an war er sehr fasziniert von diesem Pistolending und versuchte mit allem möglichen zu schießen, was auch nur annähernd wie eine Pistole bzw. ein Stock aussah. Meine Schwester tat mir richtig leid. Als Eltern steht man einfach daneben und muss erkennen, dass man nicht viel tun kann. Einem 3-Jährigen zu erklären, wie gefährlich Handfeuerwaffen sind und dass damit Menschen zu Tode kommen, ist ebenso effektiv, wie die Erklärung, von übermäßigem Zuckerkonsum bekäme man Löchern in den Zähnen. Interessiert so ein Kleinkind eher peripher bis gar nicht. Bis heute ist meine Lieblingsszene in dieser Geschichte aber die, in der mein Neffe aus dem Puzzleteppich seiner kleinen Schwester die 7 popelte, um sie als Pistole zu benutzen. 

Und dann kamen meine Jungs. Ja, wir sind (allein aus beruflichen Gründen) deutlich weniger pazifistisch eingestellt, aber auch wir glorifizieren den Einsatz von Handfeuerwaffen nicht. Bei uns zog die erste Pistole mit dem ersten Playmobil-Polizeimännchen ein. Sie war kleiner als ein Fingernagel. Da hatten die Jungs das Zeigefingerschießen schon lange für sich entdeckt. Als der Quietschbeu das erste Jahr als Polizist zu Karneval ging, kaufte ich ihm eine Winkerkelle, statt einer Pistole, die er im Holster tragen konnte. Das reichte ihm vollkommen aus. Dennoch mokierte er die Tatsache, dass ein richtiger Polizist auch eine richtige Pistole hätte.

Irgendwann waren wir dann auf einer Kirmes und die Jungs durften Enten angeln. Der Quietschbeu angelte sich ordentlich Punkte zusammen und entschied sich als Gewinn für ein Set bestehend aus Handschließen, einem Funkgerät und eben einer Pistole. Aller übelste Qualität. Wir gingen nicht davon aus, dass auch nur ein Teil länger als 2 Tage überleben würde. Nun ja, das ist 2 Jahre her. Das Funkgerät überlebte nicht mal den ersten Tag, die Handschließen und die Pistole gibt es immer noch. Inzwischen zwar mit Panzertape geklebt, aber nach wie vor oft im Einsatz. Es wird geschossen. Es wird gedroht. „Hände hoch, oder ich schieße!“ und hat man nicht eine Millisekunde später die Arme oben, ertönt eben ein lautet „PIEHUPIEHU!“

Das Löwenmaul hält bis heute jedes Toastbrot, in das er einmal rein gebissen hat, hoch und ruft: „Guck ma‘, Mama! Ich hab eine Pistole gebissen!“ So ist das. 

Manchmal nervt es. Manchmal will man das doofe Ding einfach nur in die Mülltonne werfen. Aber dann fallen einem die hunderte gesammelten Stöcke ein, die ebenfalls Pistolen, Gewehre, aber auch Kettensägen, Bohrer, Schwerter etc. sind. 

Wenn Sie jetzt auf eine Antwort auf die Frage „warum ist das so?“ gehofft haben, muss ich Sie leider enttäuschen. Vielleicht weil Verbote reizen? Vielleicht weil dieses „Kämpfen“ irgendwie doch in den Genen steckt? Ebenso könnte man fragen: Wieso will nahezu jeder kleiner Junge Polizist, Feuerwehrmann oder Müllmann werden? Wegen den Sirenen und dem Blaulicht? Oder des großen Autos? Ich weiß es nicht. Aber scheinbar üben diese Dinge eine so starke Faszination aus, dass sie irgendwie dazu gehören, zum groß werden.

Vor Kurzem hatte ich eine Unterhaltung darüber, ob man Kindern Dinge verbieten soll, die man selber nicht mag und ablehnt. Aus tiefster Überzeugung. Und ob das was bringt. Ich hab das versucht. Zuletzt, als ich dem Quietschbeu deutlich machen wollte, dass ich nicht mit ihm in den Zirkus gehen möchte, weil ich das Leben und die Haltung von Zirkustieren nicht unterstützen möchte. Auch da fand ich sehr klare Worte darüber, wie es so einem Tier in einem Zirkus ergeht und welche Mittel eingesetzt werden, um ihnen Kunststücke beizubringen. Es waren ein paar Tage voll Diskussionen und Tränen. Letztendlich entschieden der Miezmann und ich gemeinsam, dass wir den Jungs dieses Erlebnis dennoch nicht vorenthalten möchten. Ausschlaggebend war eine Kommentar des Miezmannes, der sich noch heute darüber ärgert, dass seine Eltern – aus anderen Motiven – nie mit ihm im nahe gelegenen Safaripark waren. Es endete darin, dass der Quietschbeu völlig entsetzt darüber war, dass der Zirkusdirektor mit einer Peitsche schlug. Zwar nur kurz hinter den Pferden auf die Erde, aber das machte für ihn keinen Unterschied.

Für mich lautet das Fazit: Eltern müssen für sich den Umgang mit Dingen, die sie selber ablehnen, gegenüber ihren Kindern selber entscheiden. Welches Verständnis kann das Kind in welchem Alter abverlangt werden bzw. aufbringen? Für mich ist ganz klar, dass Verbote erstmal reizen und Dinge noch interessanter machen. Zudem möchte ich gerne, dass meine Kinder irgendwann selber entscheiden, wie sie leben möchten, was sie gut finden und was sie ablehnen. Vielleicht möchte eines meiner Kinder irgendwann Vegetarier sein. Dann ist das so. Oder Polizist/Soldat werden. Das ist dann auch so (auch wenn mich das innerlich vermutlich zerreißen würde vor Angst). Ich selber habe viele Dinge in meinem Leben getan, die meine Eltern ganz und gar nicht gut fanden. Wenige habe ich bereut. Das meiste hat mich etwas lernen lassen und weiter gebracht. Und so lange vom Spiel „Pistole schießen“, einem Zirkus-Besuch oder dem Verzicht von Fleisch keine Gefahr für mein Kind ausgeht, sollen sie die Möglichkeit bekommen, zu erleben, lernen und selber zu urteilen.

Im Übrigen unterstelle ich mit diesem Text nicht, dass es keine Mädchen gibt, die dem „Piehupiehu„-Phänomen erliegen. Mir ist nur eben keins persönlich bekannt. Geben wird es das ganz sicher aber auch.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. maikind / Jun 23 2014

    Ja, diese Mädchen gibt es. *räusper* Bisher allerdings nur mit Bananen. Und was soll ich sagen, ich bekenne mich schuldig. ;)

    • maikind / Jun 23 2014

      Bei ihr ist es allerdings mehr ein „pim pim“. ;)

  2. frauzwitscher / Jun 23 2014

    interessant. genau die gleiche Frage stellte ich mir vor kurzem auch erst. wann wohl mein kleiner (30 Monate) damit anfangen wird und vor allem warum?
    wieso Kinder, die piehupiehu spielen, also schießen bzw tot schießen spielen, eigentlich was sie da spielen? bestimmt nicht oder?

    • Mama Miez / Jun 23 2014

      Ich denke nicht, dass ein 3/4/5-jähriges Kind „Tod“ überhaupt faktisch greifen kann.

      • rage / Jun 23 2014

        ich möchte dem sanft widersprechen, jedenfalls was fünfjährige anbelangt. als die urgrossmutter starb, die sie oft gesehen hatten, stellten wir es den grossen frei, sie im sarg noch ansehen zu können. sie wollten beide. es war sehr ergreifend und ich glaube, dass es ihnen sehr wichtig war, zu sehen, wie ihre urgrossmutter tot aussah. sie durften sie streicheln, ihre hände berühren, und es war sehr, sehr ergreifend. ich glaube auch, dass ihnen damit bewusst wurde, wie tot aussieht und was es bedeutet.

        • Mama Miez / Jun 25 2014

          Mit solch einem Erlebnis ist das schon etwas anderes. Aber welcher 5jährige hat die Möglichkeit Tod so hautnah zu „erleben“?

  3. Myriam / Jun 23 2014

    Ich mag Verallgemeinerungen überhaupt nicht, aber „Jungs sind so“, zumindest der überwiegende Teil. Da kann man lange keine Waffen kaufen, aus den Duplosteinen wird eine Wumme gebaut, man kommt also nicht dran vorbei.
    Die Playmobilpistole macht bei uns übrigens nur „Pfft, pfft“, weil die ist ja klein.

  4. nicola / Jun 23 2014

    Ich hab so ein Mädchen :) wir im Harz wandern, kind trottelt langsam hinterher („damals“ 20 monate), hebt erst nen stock auf, dann piehupiehu, ein paar schritte weiter dann als laserschwert durch die luft gefuchtelt.. einfluss vom 5 jährigen cousin, der alles von starwars inhaliert und auch gerne mal ballernd durch die gegend rennt.. ich find es gehört dazu und bewirkt nicht zwingend den nächsten Amokläufer-nachwuchs, um es mal ganz krass zu sagen

  5. Sandra / Jun 23 2014

    Ich bin auch überhaupt kein Freund von Waffen etc, aber ich denke, je mehr man den Kindern verbietet, desto interessanter werden die Sachen.
    Ein Beispiel aus meiner Kindheit: Unsere Nachbarskinder durften zu Hause kein TV schauen und Süßigkeiten gab es auch eher in der Vollkornversion. Und was haben sie gemacht, sobald sie bei uns zum Spielen waren? Genau, sie wollten auch bei schönstem Wetter vor der Glotze sitzen und „fraßen“ uns die Süßigkeiten weg… Weiß gar nicht, was aus denen mittlerweile geworden ist :-)
    Allerdings haben wir die geschenkte Wasserpistole auch erst einmal aus dem Verkehr gezogen, nachdem der kleine Mann (gerade 2 Jahre alt geworden) sie dem Papa als allererstes an die Stirn gehalten hat.

  6. Gnomenhexe / Jun 23 2014

    im Übrigen stellt sich mir die Frage, wie man eigentlich erwarten kann, dass Kinder dieses Pistolen-Schießen / Schwert schwingen „erschießen spielen“ nicht spannend finden sollen, wo doch nahezu hunderte Hunde noch immer und immer wieder den „Trick“ erlernen sollen, sich von ihren Besitzern erschießen zu lassen ( tot zu stellen). Es ist nach wie vor überall beliebt, weil der unterworfene Hund ja durchaus auch die Machtposition der Besitzer festigen soll.
    Was ich damit sagen will, wenn doch die Erwachsenen (immer noch) erschießen „spielen“, hier dann eben das Haustier, woher sollen die Kinder dann begreifen, dass es „schlimmer“ ist, wenn sie dies ebenfalls ausüben?

    Sehe ich das (als nicht-Mutter, aber große Schwester) so verbissen? Ist das eine Vorbild-Sache? Ich habe da keine Erklärung, kann aber ob der o.g. Parrallele nur schwer nachempfinden, warum Eltern so entsetzt reagieren, wenn ihre Kinder mit (imaginären / plastik) Pistolen (Waffen) spielen, aber gleichzeitig soll es witzig sein, wenn der Hund „erschossen“ wird…

    • Mama Miez / Jun 23 2014

      Ich persönlich finde diesen Erklärungsversuch eher weniger realistisch. Wir haben schon mal keinen Hund auch auch andere Hundebesizter, die wir kennen, lassen ihre Tiere nicht „Tod spielen“. Ist mir ehrlich gesagt „live“ noch nie untergekommen ;)

      • WieDieBlume / Jun 26 2014

        Mich wiederum hat dieser Erklärungsversuch besonders angesprochen, denn ich könnte gleich mehrere Besitzer (die untereinander nicht bekannt oder verwandt sind) aufzählen, die ihren Hunden dieses Kommando beigebracht haben.
        Und auch bei Pferdebesitzern ist das Kunststück des Ablegens sehr hoch anerkannt. Das Kommando lautet zwar meist nicht „tot“ oder „peng“, es ist eher ein schon sachorientierteres „down“ oder „ab“ und symbolisiert vor allem Vertrauen, da Pferde sich nur hinlegen, wenn sie sich sicher fühlen. Aber letztendlich fühlen sie sich als Fluchttiere dann sicher genug, wenn der Mensch ranghöher ist und die Position des Leittieres einnimmt. Also eigentlich doch wieder wie beim Hund.
        Ich wollte damit nur sagen: ich kenne in der Tierwelt doch mehrere Beispiele, und die Vorführung dieser Kunststücke erfolgt auch mit einem gewissen Stolz.

  7. Dini / Jun 23 2014

    ich war ein mädchen-exemplar, dass damals im kiga ein cowboy zu fasching war & damals durften sogar noch knallpistolen mitgenommen werden ;-)

    meine kleine tochter hingegen mit ihren 18 monate fuchtelt bisher nur mit stöckchen “paaatsh‘ …

    ich selber finde es nicht schlimm, wenn kleine jungs mit spielzeugpistolen spielen…für mich gehört es eigentlich sogar dazu.

  8. ReShera / Jun 23 2014

    Ich habe mir die gleiche Frage gespielt, als mein Sohn im Alter von 4 Jahren das erste mal ein Sturmgewehr (ja wirklich) aus seinem Lego Duplo baute, und damit lauthals den Katzen hinterher rannte. Ich persönlich habe immer versucht, darauf zu achten, dass er eben nicht allzusehr mit Waffen in Berührung kommt. Sei es im Fernseh (über manche „Kindersendungen“ muss ich mich da schwer wundern), oder auch bei anderen Kindern. Da war ich schon froh, dass er an Karneval nicht als Polizist gehen wollte, sondern als Spiderman. Ich weiß nicht, wo er das her hat, dass er aus allem, was er sieht, eine Pistole oder ein Gewehr bauen muss, aber es ist eben so. Verhindern kann ich es leider nicht, und die anderen Kinder im Kindergarten leben es ihm eben vor. Ich habe ihm nur zu verstehen gegeben, dass ich es partout nicht möchte, dass er mit diesen Waffen auf andere Menschen zeigt. Und habe ihm auch erklärt, dass es eben einen Unterschied zwischen Spiel und Realität gibt. Das hat er mit seinen mittlerweile 5 Jahren meiner Meinung nach gut verstanden.

    • Mama Miez / Jun 23 2014

      „[…] und die anderen Kinder im Kindergarten leben es ihm eben vor.“
      Nun ja, da bleibt eben die Frage, woher die das wiederum kennen. Denn ich glaube nicht, dass andere Eltern ihren Kindern zuhause beibringen, wie man ordentlich mit einer Spielzeugpistole auf andere Leute schießt.
      Außerdem ist es nur ein schmaler Grad von „abgucken“ zu „vormachen“. Der Wechsel ist ja quasi fließend.

      • ReShera / Jun 23 2014

        Irgendwo ists ein „Rattenschwanz“. Wo der dann irgendwann mal angefangen hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Ich war halt nicht begeistert, als das erste Gewehr gebaut wurde, mittlerweile lass ich ihn machen, zumal er einen riesen Spass hat, das Gewehr dann mit zwei Handgriffen in ein Laserschwert, und danach in eine Rakete, oder einen Kran zu verwandeln. Wenn ich ihm die Pistolen vollständig verbiete, ist der Anreiz umso größer, zumal er jedes zweite Wochenende bei seinem Vater ist, und dort die „Pistolenregeln“ nicht ganz so streng sind. Und wer hat nicht in seiner Kindheit gerne mit Wasserpistolen gespielt.

  9. sabrina / Jun 23 2014

    ich wollte auch nie das mein Kind mit einer Pistole spielt… Die erste bekam er dann von Papa mit 3… begeistert war ich nicht. Aber ich glaube er hätte eh spätestens im Kiga damit angefangen, die spielen gerne Räuber und Gendarm.
    Jetzt war Kirmes, auch er angelte Enten und auch er suchte sich die einzige Waffe aus, ein Maschinengewehr das auch noch OHNE batterien ein Lärm macht ohne ende. meine Nerven.
    Ich hoffe das das Teil bald kaputt ist bei meinen Tollpatsch. Puh. Ich will ein Mädchen *g* Wir haben nur mit Pfeil und Bogen gewütet :P

  10. Katharina / Jun 23 2014

    „Piehupiehu“
    Super Lautmalerei

  11. Franziska / Jun 23 2014

    Du beruhigst mich, denn auch ich fühle mich jedes Mal irgendwie doof, wenn der Sohn wieder einmal mit einem Stock/Toastbrot/wasihmsonstsoindieFingergerät um sich schießt. Auch ich würde gerne verstehen, was so faszinierend daran ist und ich würde auch behaupten, dass diese Waffen ohne unser Zutun bei uns eingezogen sind.

    Da war mir diese Baustellenphase einen Tick lieber, aber kann man offenbar nix machen. :)

  12. asty / Jun 23 2014

    Es genügt ja ein einziges Kind in der Kindergartengruppe (und so eins gibt es eigentlich fast immer!), bei dem z.B. den ganzen Tag der Fernseher läuft. Und dieses Kind sieht dann all diese CSI und weiss nicht was für Sendungen, die es eigentlich gar nicht sehen sollte und auch nicht versteht.
    Wenn dieses Kind dann im Kindergarten „piuh-piuh“ macht, dann machen es die anderen nach und schon geht es rum.

    Woher kennen die Kinder denn die Fluchwörter, die wir zuhause niemals benutzen würden? Auch aus dem Kindergarten oder der Schule. Und auch hier gibt es immer ein Kind, dass vielleicht auch grosse Geschwister hat, die so reden (oder auch die Eltern natürlich :-) ) und dann reden alle so.

    Ich denke, solange wir unseren Kindern versuchen zu erklären, dass wir so bei uns im Haus nicht reden und dass Waffen eigentlich kein Spielzeug sondern gefährlich und möglicherweise tödlich sind, dann ist das das beste, was wir machen können. Sie werden trotzdem fluchen und trotzdem „Räuber und Polizist“ spielen, aber vielleicht ist ihnen bewusst, dass es nur ein Spiel ist.

    Liebe Grüsse
    asty

  13. Julia Böhm / Jun 23 2014

    Ein wirklich toller Post! Ich mag deine Schreibe!!! Danke für viele Grübler, Denkanstöße und jede Menge Schmunzler :-)

  14. rage / Jun 23 2014

    ich frag mich ja, warum man das überhaupt erklären muss, weil für kinder osts eh nur ein spiel. eines, dass sie übrigens mit 8 nicht mehr zwingend mit waffen spielen und die kleineren dann auch nicht.

    meines erachtens ist das eine erwachsenensache, die ausschliesslich in unseren köpfen kino macht. der schwager mit freundin in den usa bringt uns seit jahren immer krassere spielzeugwaffen, weil wir mal sagten, wir wollen das nicht. seither läuft es so: götti kommt, bringt plastewaffe in xxl, peinliche berührtheit allenthalben, kiz spielen krasses räuber und pizei und nach einem tag ward sie never ever angerührt. keinem hat es geschadet, kiz hatten spass, und dass sie amokläufer werden, wage ich zu bezweifeln.

    mittlerweile spielen sie lieber dday mit plastesoldaten umd streiten sich darum, wer churchill spielen darf.

    ps: mein mann ist geschichtslehrer. kiz sind sehr intensiv über krieg und tod etc. aufgeklärt.

  15. Katharina / Jun 23 2014

    Irgendwie ist mein halber Kommentar stecken geblieben, ebenso wie die begeisterten Smilies. Piehupiehu. Immer noch tollfind.
    Egal.
    Jetzt, abends, kann ich noch einen passenden Nachtrag liefern:
    Das hiesige Pendant zu Deinem Miezmeedchen schnappt sich heute einen dicken Stock, hält ihn in die Luft, zielt breit grinsend und sagt…leider nicht „piehupiehu“…und gibt eigene angemessene Geräusche von sich.
    Die ist aber auch genau so ein Kaliber. Hihi, eindeutig doppeldeutig

  16. blaudalam / Jun 23 2014

    Na dann bin ich mal gespannt. Mein Sohn ist fast 3 und er weiß nicht, was eine Pistole ist. Habe ihn erst letztens gefragt. Wenn es nach mir geht, könnte es so bleiben. Aber ab Sommer kommt der Kindergarten und dann hab ich kaum noch Einfluss drauf.

  17. fräuleinanna / Jun 24 2014

    Hier werden auch aus allem möglichen stets und ständig schiessgeräte geformt, gebissen oder einfach dazu benannt! ;-)

  18. Doro / Jun 24 2014

    Da kommen Erinnerungen hoch … Wie peinlich mir das war, als mein noch nicht mal Zweijähriger sich plötzlich mit einem Stöckchen vor einer wildfremden Frau aufbaute und drohend rief: „Pistole!“ Es war das erste Kind, mittlerweile sehe ich es etwas entspannter. ;-) Woher er das hatte, ist mir schleierhaft, denn er ging noch nicht mal in den Kindergarten und große Geschwister hatte er ja auch nicht.
    Das erste, was er sich dann kürzlich als Schulanfänger vom Taschengeld kaufte, war ein kleiner Panzer …
    Also ja, es kommt und man kommt auch nicht dagegen an. Ich sehe es nicht verbissen, erkläre aber schon immer wieder, was Waffen bewirken und wie die Be- und Getroffenen sich dabei fühlen. Ich denke, irgendwann wird etwas davon ankommen. Es gehört ja auch ein tieferes Verständnis für Dinge dazu, die selbst für Erwachsene manchmal schwer zu begreifen sind.
    Die Mädels machen das Pistolenspiel hier wohl mal mit dem Bruder mit. Dass sie selbst damit anfangen, habe ich aber tatsächlich noch nicht beobachtet.
    Ich meine auch, dass die Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen müssen. Deswegen wurde der Panzer auch nicht verboten. Aber wir Eltern liefern die nötigen Grundlagen, und die bauen sich über die Jahre auf.

    LG Doro

  19. Anne / Jun 24 2014

    Spätestens im Vorschulalter kommt Star Wars dazu und dann werden sich alle nach pihupihu zurücksehnen. Sage ich jetzt mit 2 Söhnen, 5 und 6. Als sie kleiner waren, habe ich ihnen Wasserspritzen statt Wasserpumpguns gekauft, hab ihnen eingebläut, dass „wir uns mit Worten wehren“ und hatte voll den Stress, als sie eine Ritterbug bekamen.
    Jungs sind keine Mädchen und unsere Aufgabe als Mama ist es, offen zu sein für ihre Welt, was wir als kleine Mädchen meist nicht waren.

  20. Kenny / Jun 24 2014

    Ich hab mal im Kindergarten gearbeitet. Dort konnte ich beobachten das es nur ein Kind gebraucht hat, dessen eltern nicht auf TV konsum geachtet haben um sämtliche Jungs mit Starwars, Ninja und anderen Waffengedöns anzustecken.
    Es gab Elternabende bei denen Die eltern der „lieben“ kinder darum gebeten haben zu unterbinden das das eigene Kind mit dem Waffenkind ständig zusammenhängt! Das fand ich dann auch bescheuert…

    Es gibt also immer so einen Initiator und es gibt Mitläufer. In der Gesellschaft is es drinnen… Und wenn auch nur in form von Star wars figuren in ü-eiern. Kan man ja schlecht ausmerzen sowas.

    Und ich glaub es kommt so gut „an“ bei den kerlen, weil ich doch irgendwie denke, ein kleiner Krieger mit Steinbeil steckt noch in den ganzen Genen.
    Nur weil wir jetzt Zivilisation haben merken das die Gene nicht gleich *zwinker*

  21. Anita / Jun 24 2014

    Ich lese deinen Blog jede Woche und bin immer wieder fasziniert, mit welcher Weitsicht, Klarheit und Stringenz du die Dinge von allen Seiten durchdringst. Reflexartig hätte ich bei den ersten Schießambitionen unseres Sprosses vermutlich auch gleich mal hektisch und ablehnend reagiert – darum danke ich für diese (wie auch jede andere) Horizonterweiterung. Gut gemauzt, Mamamiez.

  22. Kutti76 / Jun 24 2014

    Ein schwieriges Thema, interessant beleuchtet und humorvoll beschrieben. Ohne Anspruch auf eine logische, überzeugende Erklärung dieses Phänomens. Manche Dinge lassen sich nicht erklären, aber man kann es ja auch einfach mal so stehen lassen.
    In jedem Fall wie immer gut beobachtet:-)

  23. frau siebensachen / Jun 25 2014

    ich hab jetzt nicht alle kommentare gelesen. ich bin aber sicher, daß das kleine jungs nicht von sich aus tun. (nicht in dem alter, später mag da hormonell initiert kämpferisches verhalten aufkommen.) sie sehen es ‚überall‘ (machen wir uns nichts vor, die welt ist voller schrott), spätestens im kindergarten. und es ist halt spannend, weil erwachsene auf jeden fall drauf reagieren – entweder betroffen/reglementierend oder sie finden es toll, „daß ihr junge schon so ein kämpfer ist“.

    meine mädchen habe alle drei im kindergartenalter damit angefangen. wir haben dann „piupiu“ oder „peng du bist tot“ zuhause untersagt mit dem argument, daß hier waffenfreie zone ist. weil waffen gefährlich sind und weh tun. weil wir das so wollen, weil es unser zuhause ist und wir uns wohl und sicher fühlen wollen. punkt. und das geht gut. (das ein oder andere piupiu kann ich gut überhören ;-) )

    und natürlich hört ein mädchen eher damit auf und/oder macht das nicht so exzessiv, weil die peergroup kämpfen nicht so betont.

    in pazifistischen gesellschaften gibts sowas nicht (ich weiß jetzt leider nicht in welcher, habe aber schon davon gelesen.) als o kommt es von uns erwachsenene, wenn auch nicht unbedingt von uns persönlich.

  24. rage / Jun 25 2014

    fassen wir also zusammen: es ist in der regel nur eine phase, in der der jagdtrieb stärker ist als der sammeltrieb. es ist keine genderfrage, es spielen alle. man kann bei kleinen schwestern von grossen brüdern eine leichte gehäuftheit feststellen, die aber nicht signifikant ist. und dann gibt es wie immer den bösewicht: das eine kind, das den ganzen tag tv gucken darf. ich behaupte: dieses kind gibt es nicht. und wenn, dann ist sein einfluss sehr niederschwellig.

    was ich mich jetzt frage, und zwar auch mich selbst, ist: warum müssen wir es unseren kindern so penetrant erklären, dass waffen töten können? das wissen sie offenbar schon, woher auch immer, und wenns auch nur vom nichtexistierenden kind mit tv-flatrate ist. ich glaube wie mamamiez es beschreibt, die wenigsten kinder können mit 3/4/5 schon erfassen, was tot bedeutet. es ist ein faszinosum! und mit pistolen und piehupiehu kommen sie diesem näher! und freuen sich diebisch an unseren erschreckten gesichtern.

    ich glaube weiter, dass die wenigsten kinder mit echten waffen in berührung kommen. vielleicht die miezkinder, weil es das arbeitsgerät ihres vaters ist. der tötet aber in der regel auch nicht, denke ich mir. der cousin vom mann marschierte hier mal in voller montur auf, er ist polizist. so sahen die kinder einmal eine waffe. dem ältesten, den das piehupiehu nur noch am rande interessiert, war das schnuppe wurst. mit den plastepistolen vom götti und dem tod hatte das rein nichts zu tun in seinem kopf.

    ich muss hier aber einfügen, dass schweizer kinder sehr wohl echte waffen sehen könnten – hier ist es üblich, dass die waffe nach dem militärdienst in einem schrank gelagert wird. das passiert auch in der regel. einfach irgendwo, wo die kinder keinen zugriff haben. schreckensmeldungen von mordenden kindern habe ich seit 25 jahren keine gelesen oder sie vergessen, weil es zu wenige waren. klingt zynisch, soll aber nur einen medienspiegel darstellen. wenn, dann löschen väter ihre familien aus oder laufen sonst amok. (was ihnen durch das heimbringen der armeewaffe garantiert leichter gemacht wird, aber das ist ein anderes thema.) der grossvater meines neffen ist jäger. der hat ein ganzes zimmer voller waffen, alle abgeschlossen hinter glas. man kann sie sehen, aber nicht gebrauchen.

    als das ist unser kino im kopf und hat mit dem kopf unserer kinder nix zu tun.

    (dieser post enthält keinen hämischen unterton und keine klugscheisser-komponente.)

  25. rage / Jun 25 2014

    noch ein nachsatz: ich habe kürzlich einen artikel gelesen, in dem es darum ging, dass man den buben heute jegliches bubsein abspricht und dass das viel schlimmer ist als ein piehupiehu, das sie in dem alter, in dem das interessant ist, eh nicht nachvollziehen können. eben: sie müssen stillsitzen, sie müssen wie mädchen sein, und wenn sie schlägereien anzetteln oder es einfach tun aus spass, sind sie grad problemkinder. ich glaube nicht, dass es das ist, was wir unseren kindern beibringen wollen, denn jedem pazifist ging diese piehupiehuphase voraus. aggressionen müssen raus, energien auch. lassen wir die jungs wieder jungs sein und die mädchen mit pistolen spielen, soviel sie wollen. :-D

  26. elle / Jun 25 2014

    Ich bin auch absolut gegen Waffen und letztens hat auch der King beim Schützenfest eine Soft Air Pistole ergattert weil er mit Oma unterwegs war. Diese gab mir die Waffe und sagte ich solle sie verschwinden lassen. Äh toll. Mini fragte mich nach der Pistole, ich sagte ihm das er weiß wie ich zu Waffen stehe und das er diese Pistole nicht bekommen wird. Für ihn wars ok. Ich weiß nicht woher diese Abneigung kommt. Der kleen wird wahrscheinlich niemals als Cowboy zu Karneval gehen wollen, weil er keine Lust auf Diskussionen mit Mutter hat. :-D

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