Bis einer heult! • Der Maischreck
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9. Mai 2015 | Pia Drießen

Der Maischreck

Heute war das Maifest im Kindergarten, für das ich in den letzten Tagen zwei riesige Maikönigsvögel gebastelt habe. Das Fest sollte von den Kindern und Erziehern mit einem Maitanz eröffnet werden. Ich rief meine Kinder und schickte das Meedchen und den Quietschbeu zu ihren Erziehern. Es herrschte ein ziemliches Gewusel und ich ging davon aus, dass das Löwenmaul seine Erzieher selber gefunden hätte. 

Dann stellten sich alle zum Tanz auf. Ich hielt Ausschau nach dem Löwenmaul, sah ihn aber nirgends. Ich fragte den Mann und eine Freundin, ob sie ihn gesehen hätten. Dann verschiedene Erzieher. Alle verneinten. Ich begann das ganze Gelände abzusuchen, die Spielgeräte, die Einrichtung selber, auf den Toiletten, in den Gruppenräumen, am Buffet. Aber das Löwenmaul blieb verschwunden. Mein Mann feixte, dass er sich sicher versteckt habe. Er habe schon im Vorfeld gesagt, er wolle nicht mittanzen. Mich beruhigte das nur minimal, immerhin war er wirklich einfach nirgends zu finden. Ich rief seinen Namen. Nach 5 Minuten mit deutlich panischem Unterton. Immer mehr Leute halfen beim Suchen. Keiner wurde fündig. Schließlich verließen ein paar Väter das Gelände (das durch einen Riegel am Tor so gesichert ist, das Kinder eigentlich nicht selbstständig das Gelände verlassen können), um auf dem Parkplatz und der angrenzenden Kita zu suchen. 

Ich lief völlig kopflos und wirklich panisch über das Gelände, von einer Ecke zur anderen und schrie seinen Namen. Mein Kopfkino lief auf Hochtouren. Die schlimmsten Gedanken machten sich breit. Ich lief den Zaun von innen ab. Wirklich direkt am Zaun lag, um ja keinen Millimeter zu übersehen. Ich rief wieder seinen Namen und hörte es plötzlich schluchzen. In der hintersten Ecke steht ein großer Stein direkt vor dem Zaun. Ich lief hinüber und sah ihn auf den Knien kauend und weinend dahinter hocken. Mein „Ich hab ihn!„-Ruf schallte über das ganze Gelände. 

Ich riss ihn an mich, ließ mich auf den Stein sinken und heulte mit ihm um die Wette Rotz und Wasser. „Männlein, was ich passiert?“ Völlig aufgelöst weinte er, dass er nicht mittanzen wolle. „Aber das musst Du doch auch nicht, wenn Du nicht willst! Bitte, versteck Dich nie niemals wieder vor mir, sonder sag einfach, wenn Du etwas nicht machen willst! Ich hatte so eine Angst.

Später erklärte er mir, dass er erst angefangen habe zu weinen, als er mich rufen hörte. „Du hast Dich so angehört, als wenn Du Angst hast. Da hab ich auch Angst bekommen.

Danach hatten wir dennoch gemeinsam ein wunderschönes Maifest. Wir sahen dem Meedchen und dem Quietschbeu beim Tanzen zu, begrüßten den örtlichen Junggesellenverein, der unserer Kita einen Maibaum stellte, und veranstalteten das Maikönigsschießen auf unsere zwei Vögel. Geworfen wurde auf die Styroporvögel mit Bällen, die mit Sand gefüllt waren. Maikönig/in wurde, wer dem Vogel die Krone vom Kopf schoss. Den kleinen Vogel schoss eine kleine Maikönigin ab. Den großen Vogel, auf den die Eltern werfen durften, warf ein Vater ab, der somit Maikönig wurde.

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Es war auch nur ein bisschen traurig, als die Vögel in Einzelteile zerschossen am Boden lagen. Die Arbeit hat sich bei dem Spaß, den wir alle hatten, jedenfalls gelohnt.

Die Aufregung um das Löwenmaul hat mich heute um gefühlte 10 Jahre altern lassen. Das erinnerte mich doch alles sehr an den 23.07.2013. Was mich daran erinnert, dass ich für unseren Urlaub neue SOS-Armbänder bestellen muss. Kann ich Ihnen auch nur ans Herz legen!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. evilmichi / Mai 9 2015

    Das bleibt wohl keiner Mama erspart.
    Ich glaube, ich sterbe noch tausend Tode, bis meine Kinder groß sind. Und danach – fürchte ich – nochmal tausend.

  2. Markus Beckmann / Mai 10 2015

    @dailypia Oh ja, dieses Gefühl von gleichzeitigem Herzrasen und -stillstand ……

    — via twitter.com

  3. Mareike/MacchiatoMom / Mai 10 2015

    @dailypia Die Tradition des Maifestes war mir völlig neu. Aber find ich cool! Und ansonsten hab ich beim Lesen mitgeweint. So ein Schreck!

    — via twitter.com

  4. Stephanie / Mai 10 2015

    So ein Schreck. Danke für die Erinnerung, ich wollte schon immer mal diese Bänder bestellen.

  5. Mandy / Mai 10 2015

    Das kenne ich auch, wobei mir der Prinz einmal „nur“ im Kaufhaus abhanden gekommen ist und wir in seelig auf einem Bettvorleger mit dem Auto spielend fanden, ist mir dabei auch alles in die Hose gerutscht. Egal wie sehr man auch vorsorgt, wir werden noch zu viele solcher Momente durch machen müssen *seufz*

  6. Katharina / Mai 10 2015

    Oooooh nein, diese Angst. Ich habe beim Lesen mitgeweint! Arme Mama und armer kleiner Mann. Gut, dass es so schnell gut ausgegangen ist. Statt S.O.S Armbändern geht auch Edding auf dem blanken Arm. Hält je nach Waschpegel auch mehrere Ausflüge lang ;-p

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