Bis einer heult! • Abnabelungsübung für Anfänger
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22. Juli 2015 | Pia Drießen

Abnabelungsübung für Anfänger

Gestern Abend sagte der Große, er wolle seine Geschwister heute nicht mit in den Kindergarten bringen. Er wolle zuhause bleiben. Gestern war das noch kein Problem, da der Mann noch einen Tag Urlaub hatte und ohnehin daheim war. Heute sah das dann anders aus. Ich erklärte ihm, dass ich dann aber eine gute viertel Stunde weg sei. Das ist ungefähr so lang wie eine Folge Sendung mit dem Elefanten

Er überlegte kurz und ich spürte seine Unsicherheit. Aber da er ja generell in vielen Dingen sehr unsicher ist, wollte ich ihm die Möglichkeit, alleine zuhause zu bleiben, geben, sofern er selber dazu bereit ist. Also sagte ich, er solle noch eine Nacht darüber schlafen, fest davon überzeugt, dass er am nächsten Morgen doch mitfahren würde.

Aber es kam anders. Als er aus seinem Zimmer kam verkündete er direkt, er würde zuhause bleiben. Alleine. Ich nickte und gab ihm noch die Regel mit auf den Weg, die Haustür nicht zu öffnen, wenn es klingeln sollte. Ich habe ja einen Schlüssel dabei. Und so stand er winkend hinter dem Wohnzimmerfenster, als wir davon fuhren. Ich hatte ein leicht mulmiges Gefühl. Nicht weil ich mir Sorgen mache, dass er irgendeinen Unsinn anstellen könnte, sondern ob er nicht doch Angst und Panik bekommen würde. Immerhin ist er auch das Kind, das ungern alleine in seinem Zimmer spielt.

Auch erinnere ich mich an mehrere Stunden alleine zuhause, als ich so 6, 7, 8 Jahre alt war und in denen ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht habe. Damals habe ich immer mit der Freundin meines Papas telefoniert, damit ich zumindest das Gefühl hatte, nicht alleine zu sein. 

Ich beeilte mich also heute morgen etwas bei der Abgabe der Geschwister im Kindergarten, hielt keinen langen Smalltalk und fuhr zügig wieder nach Hause. Als ich in die Einfuhr bog erwartete ich ein kleines Gesicht hinter dem Wohnzimmerfenster, das auf mich wartete. Aber da war keins.

Ich schloss die Haustür auf und hörte es aus dem Wohnzimmer rufen: „Ich bin hier! Ich hab mir schon mal Frühstück gemacht!“

Und da saß er am Esstisch, hatte sich alles hübsch eingedeckt, knabberte Käsetaost und trank Milch. Da bin ich vor Stolz fast geplatzt. Groß isser geworden. Schulkindgroß eben!

Als ich später zum Einkaufen aufbrechen wollte, wollte er dann wieder nicht mit. Da habe ich ihn dann aber doch noch überredet. Für den Anfang sind 15 Minuten ja auch völlig okay. Aber gleich eine ganze Stunde oder sogar mehr? Vielleicht sollten wir die Zeiträume doch etwas langsamer steigern. 

Am Nachmittag wollte er dann aber doch seine Geschwister mit vom Kindergarten abholen und seinen Erziehern nochmal „Hallo!“ sagen. So eine richtige Verabschiedung gab es nun ja nicht. Da müssen wir uns noch eine Kleinigkeit ausdenken.

Wir fuhren zuerst Eis essen und danach in den nahe gelegenen Streichelzoo.

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Anschließend fuhren die Kinder noch draußen auf der Seitenstraße (Sackgasse mit wenig Anwohnern) Fahrrad, Roller, Laufrad. Weil: die beste Meedchenfreundin hat dem Meedchen letztes Wochenende das Laufradfahren beigebracht. Seitdem braust sie wie der Wind die Straße hoch und runter. Gut, dass wir einen großzügigen Fuhrpark mit Laufrädern in jeder Größe haben. Die Kinder auf der Straße fahren zu lassen, hat mich ganz schön Überwindung gekostet. Aber bisher haben alle 3 gezeigt und bewiesen, dass sie sich an unsere Regel halten. Wieso sollte ich ihnen die Möglichkeit also verwehren?

Morgen feiert der Mittlere seinen Geburtstag im Kindergarten nach, weshalb ich eben noch 60 Pancakes gebacken habe und morgen früh noch Melonen-Pizza zubereiten muss. Darum versuche ich heute mal was echt verrücktes und gehe früh ins Bett. Okay. Na gut. Ich hab’s mir zumindest vorgenommen. Vorher schlürfe ich noch einen kleinen Hugo und feiere so für mich einen weiteren großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit bei den Kindern und Abnabelung bei mir.

Wir werden so schnell groß.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. rage / Jul 22 2015

    hammer! wir haben unseren grossen mit vier mal anderthalb stunden auf seinen wunsch allein gelassen, auch weil er nicht die schwester abholen wollte. als wir zurückkamen, hatte er sich eine ananas! allein geschnitten und war dran, sie zu essen. vermissen? der doch nicht! :-))))

  2. Sayuri / Jul 22 2015

    Hui, sie werden so schnell groß. Unser bat uns letztens auch als wir einkaufen sind. wir wohnen ja gleich ind er stadt und einkauf dauert 30minuten. das erste mal war er allein als Papa pommes für sie holten (als ich nicht daheim war)
    Regel war auch: Nicht aufmachen beim schellen. Natürlich wurde das vom Papa getestet… naja er hat sofort auf gemacht. War kein schönes gefühl…

    beim 2. mal ist er dann nicht an die türe und jetzt beim 3. mal waren wir 40minuten weg, haben sturm geschellt und sogar an der wohnungs tür gekloppft. er hat sich NICHT gerührt. Wir waren sooo stolz das er das nun verinnerlicht hat und sogar in der situation wo einer wild klopft, nicht nachfragt oder so.

    Sie werden soooo schnell groß *hach*

  3. Sonja Schlein / Jul 23 2015

    Hab meine grosse auch letztens zum ersten mal allein gelassen (20 min, während ich ebenfalls den kleinen zum kiga gefahren hab). Hatte meine handynr ins Telefon gespeichert, so dass sie hätte anrufen können. Hat super geklappt. Aber bei aller freude war ich auch ein klitzekleinesbisschen traurig… wieder ein schritt weiter. Ohne mich. Kennt ihr das Gefühl?

    — via facebook.com

  4. Maike / Jul 23 2015

    Ja so fängt es an.
    Ich stelle dann die Klingel aus falls es doch klingeln sollte. ;-)

  5. Maxine / Jul 23 2015

    Gefühlt gestern habe ich mit Magendrücken die Große (13) als Vorschulkind eine halbe Stunde alleine zuhause gelassen. Heute geht sie mit Freundinnen ins Freibad und die Kleine shoppen…
    Einen Tipp habe ich, der evtl. nützlich sein kann:
    Wir haben eine Türgriff-Kette an der Eingangstür angebracht.Gibt’s im Baumarkt für um die 30,00 Euro. Die lässt sich von innen im Notfall leicht abstreifen, stellt aber von außen ein Hindernis dar. Der zum Durchtrennen nötige Bolzenschneider ist zu groß und auffällig, als dass Gelegenheits-Einbrecher ihn im Normallfall mit sich schleppen.
    Zwar sollen Kinder die Tür nicht öffnen, wenn geklingelt wird, andererseits klingeln Einbrecher häufig, bevor sie einsteigen, um sicherzugehen, dass niemand da ist.
    Später, wenn Kinder die Türen öffnen dürfen, können sie erst nachschauen, wer draußen steht, ohne Gefahr zu laufen, dass die Tür einfach aufgedrückt wird.

  6. eisscherben / Jul 23 2015

    Schön, wenn Eltern mitwachsen. :)

    Von der Melonen-Pizza musste ich mir auf der Stelle Bilder ansehen, weil ich nicht wusste, ob es eine „richtige“ Pizza ist oder nur „pizzaförmig“. Seit ich gehört habe, dass man Pizza grillen kann, kann ich mr fast alles vorstellen. Kannte ich noch gar nicht, aber sehr hübsche Idee.

  7. DaniUnd Mitsch / Jul 23 2015

    Meine Güte, der Große ist ja echt groß geworden 😱😱😱

    — via facebook.com

  8. Märta / Jul 23 2015

    Mein Großer (6) durfte auch vor kurzem 20 Minuten allein zu Hause bleiben. Aber länger kann ich das noch nicht weil ich wirklich Bedenken habe dass er Unsinn macht oder sogar die Tür öffnet…
    Ich werde über solche Ereignisse hoffentlich ganz bald auf meinem Blog berichten :)

  9. Cstim / Jul 24 2015

    Heutzutage liegen ja auch Telefone in rauhen Mengen herum. Als bei uns die jeweils kleinsten die ersten Male alleine zuhause waren, wurde halt vorher geübt, dass sie im Zweifelsfall anrufen könnten, wenn da ein Problem ist. Da sie dass dann auch hinbekommen, sprach dann auch wenig gegen mehr als nur 15 Minuten weg sein.

  10. Lorelai / Jul 24 2015

    Meiner war auch etwa 5 als er das erste mal nicht mit zur Kita wollte (mit der Kleinen). Ich war vlt 10min weg aber es wird einem schon mulmig dabei…

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