Bis einer heult! • "Schule ist ganz gut!"
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18. August 2015 | Pia Drießen

„Schule ist ganz gut!“

Seit 3 Tagen geht der Große nun in die Schule. Seit 3 Tagen trockne ich morgens Tränen, schlucke einen fetten Kloß runter und schicke den Sohn dann in seine Klasse. Es ist okay und wird jeden Tag ein kleines Stückchen besser. Er sagt, die Tränen kommen einfach. Weil er eigentlich viel lieber bei mir bleiben will. Aber die Schule mag er trotzdem und die OGS (Offene Ganztagsschule) findet er noch ein bisschen besser, weil man da mehr spielen kann. 

Wenn ich ihn nachmittags abhole, dann hat er ganz schrecklich viel zu erzählen. Und das Schöne ist, dass er jetzt auch zu Wort kommt, weil wir seine Geschwister erst später abholen  und er so noch 30 Minuten exklusive Zeit mit mir hat. In diesen 30 Minuten erfahre ich also alles – restlos alles – was er an diesem Tag gelernt hat. Das ist toll und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt. 

Jeden Tag kann er einen Namen eines Mitschülers mehr. Das sind aktuell also 4. Einen kannte er ja schon aus dem Kindergarten. Er mag seine Lehrerinnen sehr gerne und „Sport ist das beste Fach überhaupt!„. Warten wir aber erstmal die restliche Woche und die restliche Fächer ab.

Wenn ich ihn frage, ob er Hausaufgaben auf hat, dann hat er die immer bereits in der Schule gemacht. Wir schauen sie uns nochmal gemeinsam an und er erklärt mir, was er da hat machen müssen. Seit er verstanden hat, dass er für jede erledigte Hausaufgabe einen Smilie auf sein Arbeitsblatt bekommt, ist er total scharf auf diese Smilies und nimmt die Erledigung der Hausaufgabe sehr ernst. Auch hier wünsche ich mir inständig, dass das ein wenig anhält. Wenn ich mich an meine erste Hausaufgabe zurück erinnere, dann waren da nur Tränen und Verzweiflung. Ich musste ein komplettes Druckerpapier (dieses grün-weiße mit Lochstreifen an der Seite, erinnern Sie sich?) mit U-Bögen bzw. Dachziegeln vollmalen. Das hat gefühlte Stunden gedauert und mich schier verzweifel lassen. Die erste Hausaufgabe des Großen war hingegen auf ein Blatt mit Mengenabbildungen die dazugehörige Zahl daneben zu schreiben. Das hatte er in weniger als einer Minute erledigt. Da er aber ja schon lange auf Zahlen abfährt und auch mit großen Zahlen rechnet, war das jetzt keine echte Herausforderung. Die wahre Herausforderung wird für ihn nun sein, die korrekte Schreibweise der Zahlen zu lernen. Derzeit schreibt er sie nämlich alle von unten nach oben.

Desweiteren waren da Schwungübungen, sowohl gestern wie auch heute. Ich bin sehr froh, dass seine schulische Laufbahn nicht mit Frustration a la „Kann ich nicht!“ beginnen muss. Das hab ich nämlich jetzt schon mehrfach von anderen Erstklässlern gehört.

Bisher kam es mir jeden Tag, den ich ihn abgeholt habe (und das waren ja gerade Mal 3!) so vor, als sei er ein kleines Stückchen gewachsen. Und meine innere Anspannung am Vormittag wird auch von Tag zu Tag weniger. Es ist ein Loslassen. Auf beiden Seiten. Und vermutlich werden wir beide ein bis zwei Wochen brauchen, bis wir das reibungslos hinbekommen.

Ich bin nur froh, dass er so redselig ist und ich deshalb weiß, was er den ganzen Vormittag getrieben hat. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich freu mich über sein Quassel-Gen. Soll ja dann doch auch mal Vorteile haben.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Marc / Aug 18 2015

    „In diesen 30 Minuten erfahre ich also alles – restlos alles – was er an diesem Tag gelernt hat.“ – Waas? In nur einer halben Stunde? Wusst‘ ich’s doch, die Jugend von heute lernt nix mehr. Also bei uns damals … ;-)

    Ernsthaft, dass sich die Eltern so viele Gedanken um einen machen, nimmt man als Kind gar nicht wahr.

  2. Renate Widera / Aug 18 2015

    Hallo ich bin durch Zufall hier gelandet und musste sehr schmunzeln bei deinem bericht über die ersten Schultage und das lösen von beiden Seiten…..ja es wird jeden Tag leichter, ja der Tag kommt an dem du dich wunderst wo der Vormittag geblieben ist….und ja in vielen Jahren von heute wird es immer noch schwer sein ihn gehen zu lassen…..da bin ich heute, (54) mein Großer fast 21 verlässt in wenigen Tagen das Haus er geht zu Uni in eine andere Stadt……, und ja es tut immer noch vetdammt weh……ich muss die Tränen runter schlucken und lassen ihn fröhlich ziehen den ich liebe ihn…. ich wünsche dir mit deinen kindern das Glück dieser Erde geniesse jede Sekunde ……eine glücklich traurige Mutter

  3. Dani S. / Aug 18 2015

    Hachja,
    die i-Dötzchen müssen sich ganz schön umstellen, und das braucht seine Zeit ;)
    Ich selbst schule nun mein drittes und letztes Kind ein. Oft denke ich in diesenTagen an den Großen (der schon 20 wird), als ich auch Tränen getrocknet und Klöße runter geschluckt habe ;)
    Bei meinem Kleinen wird es bestimmt ähnlich, zumindest mit den Klößen ;)

    Alles Liebe

  4. Jenny / Aug 18 2015

    Hallo Pia, ich bin froh, das es dir ähnlich geht wie mir. Meine Tochter weint zwar morgens nicht, aber ihr verunsicherter Blick sagt alles und es wird auch von Tag zu Tag besser. Am Montag ging es mir schlecht ( ein heulkrampf nach dem anderen), es war der erste „richtige“ Unterrichtstag und ich konnte meine Gefühle nicht unter Kontrolle halten. Ich bin sonst überhaupt keine Klammer- Mama oder finde das mein Kind nicht selbständig genug ist für ihr Alter, aber am Montag war alles übern Haufen geschmissen!! Ich werde immer ruhiger & gelassener und es hilft mir, wenn ich sie aus der Betreuung hole und sie überschlägt sich beinahe beim erzählen von ihren Erlebnissen. Es gefällt ihr in der Schule und sie bekommt alles sehr selbstständig hin. Trotz allem bleibt die Rest Verunsicherung beim Kind und auch bei der Mama!! Danke das du uns an euren Gedanken und Ängsten teilhaben lässt!!!

  5. Corinna / Aug 19 2015

    Hallo, wenn ich das lese, wird mir besonders klar, dass da noch eine sehr aufregende Zeit auf uns wartet. Unser Großer kommt erst in zwei Jahren in die Schule, allerdings verlassen jetzt einige Schulanfänger seine Kindergartengruppe und so unterhielten auch wir uns über das Thema Schule. Die Aussage unseres Großen war folgende: „Ich geh da mal nicht hin! Ihr braucht mich gar nicht erst anmelden!“ Diesmal konnte ich herzhaft lachen, in zwei Jahren wohl nicht mehr.
    Euch viel Glück, dass sich alles gut weiterentwickelt!

  6. Lenja / Aug 19 2015

    Toll, dass er sich so wohl fühlt und die Schule (noch) spannend und lustig findet. Ich hoffe auch das bleibt lange :)
    Interessant finde ich, dass du dich so genau an deine ersten Schuljahre erinnern kannst. Ich weiß fast gar nichts mehr aus dieser Zeit. Wage Bilder und Erinnerungen, aber sicher nicht die erste Hausübung usw O.O Respekt! Hast du immer so ein gutes Langzeitgedächtnis?

  7. Sophie / Aug 19 2015

    Jetzt weine ich gerade ein bisschen, wo ich das mit dem los lassen lese. Bei uns sind es noch 2 oder 3 Jahre (Juli geboren) und ich bin jetzt schon sentimental weil es bis hier hin so schnell ging und man als Mama so oft los lassen und vertrauen muss.

  8. Angela / Aug 19 2015

    Bei uns ist dass Loslassen mehr einseitig…. Natürlich bin ich froh dass Lili die Schule nachwievor soviel Freude bereitet ! Jetzt ist sie schon in der 2. Klasse und verlässt das Haus morgens mit mir um mit ihrer Freundin zusammen zur Schule zu gehen. Ich ertappe mich oft dabei wie ich ihr noch lange hinterherschaue… Sie ruft mir dann immer zu: Mama Du kannst ruhig schon fahren… Sie wird mir einfach zu schnell groß !!

  9. Bianca / Aug 19 2015

    Ach, wie sehr ich Sie um das Quassel-Gen ihres Sohnes gerade beneide. Wir haben das erste Schuljahr bereits hinter uns und starten bald ins Zweite (Rheinland-Pfalz), aber mein Sohn erzählt nur wenig. Allerdings gehört er eh generell eher zu der ruhigen Sorte… :) dabei ist es doch so schön zu erfahren, was sie so erlebt haben.
    Drücke die Daumen, dass die Tränen bald nach lassen und auch die Freude an lernen bleibt.

  10. Ina / Aug 20 2015

    Wie bin ich froh zu lesen, dass es nicht nur uns so geht. Jeden Morgen weint das Töchterlein herzzerreißend wenn ich sie in der Frühbetreuung lasse. Leider bleibt mir als (gern) berufstätige Mama keine andere Wahl. Aber im Moment stelle ich mir jeden Morgen die Frage ob das auch alles so richtig ist was ich tue. Nachmittags erzählt daß Töchterlein auch wie ein Wasserfall was sie alles erlebt und Neues gelernt hat. Aber das mulmige Gefühl bleibt erst einmal.

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