Bis einer heult! • Die Kurzundkleine.
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8. September 2015 | Pia Drießen

Die Kurzundkleine.

Vor ziemlich genau einem Jahr schrieb ich bereits einen ähnlichen Beitrag. Nur dass ich heute mit Sicherheit sagen kann: die Kleine ist soviel rabaukiger und anstrengender als ihre Brüder es im selben Alter waren.

Wenn sie etwas nicht will, dann will sie das nicht. Dann können Sie ihr hundert Mal die Socken anziehen. Sie wird sie hundert Mal wieder ausziehen. Dasselbe gilt für Schuhe, Jacke, Hose … mir wäre es im Grunde egal, wäre da jetzt nicht dieses Dings namens Herbst, das eben keine Sandalen und Kleidchen mehr zulässt. Und ja, ich habe sie bereits barfuß, ohne Hose und ohne Jacke in den Kindergarten gebracht. Wer hier auf einen Lernerfolg a la „Oh, das ist kalt, da zieh ich morgen besser was an.“ setzt, wartet vergeblich.

Sie redet genau so gerne und viel wir ihr großer Bruder. Um dabei auch zu Wort zu kommen, beginnt sie laut „Lalalalala!“ zu kreischen, wenn der Große auch nur zu einem Satz ansetzt. Das frustriert ihn natürlich sehr und um ehrlich zu sein: mich auch.

Sie haut und kreischt ihre Brüder an, wenn die etwas tun, was ihr nicht passt. Und damit meine ich nicht, dass diese sie ärgern, sondern einfach irgendwas tun, was ihr gerade nicht gefällt. Überhaupt kreischt sie den ganzen Tag wegen Nichtigkeiten, liegt auf Fußböden herum und schreit noch lauter, wenn man versucht herauszufinden, was sie jetzt gerade überhaupt zum Schreien veranlasst. Ihre Brüder sind davon inzwischen so genervt, dass sie versuchen ihr alles Recht zu machen. Hat der Teller die falsche Farbe springen sie auf und holen die richtige (die dann auch wieder falsch ist). Wollen wir das Haus verlassen reden sie mit Engelszungen auf sie ein, dass sie doch bitte jetzt ihre Schuhe anziehen soll oder bieten ihr direkt an, das für sie zu übernehmen.

Mir gefällt das nicht. Darum halte ich die Jungs an, nicht auf jeden Pups der Kleinen anzuspringen. Aber das ist in der Praxis natürlich schwerer, als in der Theorie. Immerhin wollen auch sie ja ihre Ruhe, um spielen zu können. Da kommt der kleine Besen gerne mal ins Zimmer gestürmt, schreit wie Gozilla und reißt alles ein, was die Brüder gebaut haben.

Man kann die Kleine – die wir auch gerne die Kurzundkleine nennen – auch nicht wirklich im Zaum halten. Mit Engelszungen erklären, was ihr Verhalten bei den Brüder und auch uns Eltern anrichtet bzw. wie toll es doch wäre, sie würden sich verständlicher und weniger aufgebracht artikulieren, hat den selben Effekt, als würde man mit ihr auf Suaheli sprechen. Talk to the hand in Reinform. Auszeiten in ihrem Zimmer funktionieren gar nicht, weil sie immer und immer und immer und immer wieder raus kommt und weiter krakelt.

Ich weiß nicht, wie viele Stunde ich allein in der letzten Woche in der Hocke – auf Augenhöhe – verbracht habe, um mit ihr ruhig und verständnisvoll zu sprechen. Oft kassiere ich dann ein „Blöde Mama!“, manchmal versuch sie mich auch umzuschubsen. Das. Ist. Nicht. Schön.

Absoluter Höhepunkt dieser Phase ist aber, dass sie auch Protest gerne einfach mal in die Hose macht. Egal wo, egal wann. Und das hat nicht damit zu tun, dass sie das nicht kontrollieren kann. Sie guckt einen noch kackfrech dabei an und grinst: „Ich mach jetzt Pipi.“, wenn man ihr etwas verboten oder weggenommen hat. Das dritte Quetschobst zum Beispiel.

Es ist ein wenig zum resignieren. Meine ganzen kuschelpädagogischen Erfahrungen und Fähigkeiten, die ich bei den Jungs gesammelt und gelernt habe, laufen hier total in Leere. Selbst das Belohnungsprinzip fährt mit Karacho gegen die Wand.

Und dann liegt sie abends im Bett und streichelt mein Gesicht und sagt so bezaubernde Dinge wie „Ich hab Dich sooo liep!“ oder „Du bist meine allasüßeste Mama!“, dass man gar nicht glauben kann, dass sie dasselbe Kind ist, das vor 30 Minuten noch kreischend in der Küche auf der Erde lag.

Mein liebes Kind,

welches Ziel Du auch immer verfolgst oder welche Prüfung Du uns da auch immer auferlegst: wir lieben Dich. Auch wegen Deiner Starrköpfigkeit, Deinem starken Willen und Deiner Ausdauer, Dinge doof zu finden. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass diese Eigenschaften sich eines Tages ins Positive kehren werden und wir bei einem Stück Kuchen gemeinsam darüber lachen werden, wie viele Stunden Du mit Deiner Kleidung meinen Küchenfußboden geputzt hast.

Man sagt Dir nach, Du wärst wie ich. Als Kind. Damals. Und ich rutsche ja auch nicht mehr kreischend über Küchenfußböden (obwohl mir manchmal danach ist. Ganz ehrlich!).

Alles wird gut!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Conny Dä / Sep 8 2015

    Oh Pia,das ist hier das gleiche in grün. Nur ist sie mein erstes Kind und ich verzweifle wirklich manchmal richtig. Sie hustet gerne mal so extrem bis sie fast erbricht. Sie wütet,kreischt,weint von 0 auf 100. Auszeit? Neeeeeeeiiiiiiiin ich will nicht alleine in mein Zimmer.
    Was tust du wenn sie immer wieder rauskommt?
    Hilfe!!!
    Deine Conny

    • Lorelai / Sep 8 2015

      Ich erlaube mir mal zu antworten: nichts. Kinder in dem Alter soll man nicht allein ins Zimmer sperren (deshalb kommt sie natürlich auch wieder raus, die Tür bleibt offen ;) Am ehesten funktioniert es wenn man sich MIT dem Kind distanziert, in sein Zimmer z.B. Und dort mal herunterfahren lässt und einfach dabei bleibt.

      • Jo / Sep 8 2015

        Aber ganz ehrlich? Wenn mein Kind mich seit einer Stunde mit ohrenbetäubendem Geschrei über Dinge prüft, die ich leider nicht ändern kann, bin ich so sehr am Ende, dass ich eine Auszeit von ihr brauche. Und zwar nicht mit ihr in einem Zimmer, sondern ich allein in meinem Zimmer, mit Raum zum Durchatmen.

      • elaine / Sep 10 2015

        Danke Lorelai!!! Vllt. findest Du Pia und auch Andere hier Anregungen: http://www.peacefulparent.com/childs-feelings-and-needs-chart/

  2. Jennifer / Sep 8 2015

    Oh mein großer ist ganz genau so und ich finde es gerade so wahnsinnig anstrengend.
    Auch das absichtlich in die Hose machen wie sie es beschreiben und ich habe überhaupt keine Ahnung wie ich am besten damit umgehen kann. Es macht mich natürlich auch rasend weil er mich dann auch so angrinst und es ankündigt. Wie gehen sie damit um ? Ich weiß den ultimativen Tipp gibt es da nicht , aber ich suche nach Anregungen wie ich damit vielleicht besser umgehen kann.
    Ich lese heraus dass ihre Jungs nicht so waren. Das lässt mich hoffen dass meine Tochter nicht so theatralisch wird. Oder noch schlimmer.

    • Lis / Sep 20 2015

      Das mit dem Protestpinkeln hatte mein Großer auch – egal, ob er vor 5 min am WC war, zum Hose anpinkeln reichte es immer noch. Wenn ich mich richtig erinnere war das Ende der Pinkelei eine Kombination aus folgenden Maßnahmen:

      – Aufmerksamkeit entziehen. ICH habe mich geweigert, ihm das nasse Zeug auszuziehen. Er konnte das schließlich selbst. Er hat zwar durchaus ein bis zwei Stunden dramatisch getobt, dass er sein angepinkeltes Zeug nicht angreifen will weil eklig, ich hab ihm aber nur erklärt, dass ich nicht einsehe, warum ich das soll wenn er doch absichtlich reinpinkelt.

      – Ich habe aufgehört, für unterwegs Reservekleidung mitzunehmen (und ihn auch jedes Mal vor Verlassen des Hauses darauf hingewiesen). Wenn er unterwegs dann in die Hose gepinkelt hat, sind wir sofort wieder nachhause gegangen. Auch wenn wir gerade erst angekommen sind. Einmal war das ein 20minütiger Fußmarsch durch Minusgrade und 10cm Schnee. Zum Glück hat er ein robustes Immunsystem und wurde nicht krank.

      Bald danach hat er das dann aufgegeben. Dramatisch ist er aber mit fast sechs immer noch, und seine Ausdauer hat sich vergrößert. Erst kürzlich hat er vier Stunden pausenlos durchgekreischt, weil mein Mann einen Stecken zerbrochen hat, mit dem er seinen kleinen Bruder (bei weitem nicht so stur und dramatisch, obwohl mit knapp 3 im nämlichen Alter) verprügelt hat. Hier weiß ich auch nicht weiter. Ich habe Ohrstöpsel im Amazon-Abo.

  3. Chris / Sep 8 2015

    Wir haben keine zwei großen Brüder, aber das Verhalten kennen wir auch sehr gut. Und unsere ist ja ähnlich alt.

  4. Manuela / Sep 8 2015

    Oh jeee, der Tanz auf dem Vulkan. Das kenne ich nur zu gut. Ich wünsche dir viele gute Nerven. Liebe Grüße, Manuela

    • Märta / Sep 10 2015

      Liebe Pia,
      ich kann bzw. muss mich meinen Vorrednerinnen leider anschließen.
      Unser Mini wird in 3 Wochen 3 Jahre alt und ist auch äußerst begabt darin mich in den Wahnsinn zu treiben.
      Das Problem ist,dass sowohl die Großeltern als auch eine seiner Erzieherinnen und natürlich Außenstehende sofort auf dieses Geschrei reagieren und alles versuchen damit der arme Junge nicht so weinen muss.
      Und er versteht dann natürlich nicht warum die Mama soooo gemein ist und ihn heulen lässt und kein Mitleid hat.
      Ich wünsche uns allen eine riesige Portion gute Nerven und hoffe dass du irgendwann einen Beitrag verfasst in dem es darum geht wie viel einfacher alles geworden ist und wir hoffentlich auch dort unsere positiven Entwicklungen teilen zu können.
      Einen schönen Tag noch.
      Märta

  5. Anja / Sep 8 2015

    Das erinnert mich stark an unseren Sohnemann (im Nov 4) vor dem Sommerurlaub. Da war er auch so unausstehlich (und sehr anstrengend ;-) )

    Wir wissen nicht warum, aber nach unserem Urlaub war er wie ausgewechselt. Das ist sogar im Kiga sofort aufgefallen, dass er nicht mehr schreit oder haut, wenn ihm was nicht passt, sondern es nun verstärkt mit Worten versucht und das auch klappt.

    Ich drücke euch die Daumen, dass diese Phase bald vorbei ist!!!

    Ohmmmmmmmmm…..
    Es ist nur eine Phase!
    Es ist nur eine Phase!
    Es ist nur eine Phase!
    ;-)

  6. Simone / Sep 8 2015

    Oje, der Text könnte von mir stammen.
    Unsere Kleinste ist genauso gewesen, es war der blanke Horror!
    Ich habe ein langes Gespräch mit ihrer Erzieherin geführt, da sie im Kindergarten selbstverständlich das allerliebste Kind ist.
    Wir sind zu dem Schluss gekommen, das unsere größere Tochter, bedingt durch die hochsensibiltät einfach sehr viel mehr Aufmerksamkeit einfordert.
    Mittlerweile gibt es täglich feste Rituale, die ich nur mit der Kleinen mache, am Wochenende auch mal Ausflüge oder andere Kleinigkeiten….
    Ich weiß nicht, ob das der Grund war, es hat geholfen!
    Schreianfälle gibt es natürlich immer noch, aber es ist sehr viel weniger geworden, mittlerweile darf die Große sogar mal was erzählen, ohne das dazwischen gebrüllt wird.
    Ich wünsche euch, das ihr einen Weg findet!

    Gruß Simone

  7. Judith / Sep 8 2015

    Liebe Pia, ich habe grad gelacht und Tränchen rausgedrückt gleichzeitig, weil du so wunderbar und unverblümt beschreibst, wie man immer wieder an seine Grenzen getrieben wird und zwischen Verzweiflung und ganz grosser Liebe schwankt. Halte durch-das 5-Jahres-Update kommt auch irgendwann, du meisterst das sicherlich grossartig, auch wenn es sich für dich nicht immer so anfühlt.

  8. Andrea / Sep 8 2015

    Hallo Pia,
    ohje…ich kann sehr gut nachempfinden, wie sich das anfühlt. Hier war es ähnlich. Ein großer Bruder, relativ leicht zu handeln….man konnte schon früh Kompromisse mit ihm aushandeln. Beim Mädchen komplett anders. Erklärt man ihr, dass Sandalen nicht so angebracht sind, kommt sie auf die Idee und zieht 2 Pullover und Jacken an. Auch hier sprang der große Bruder oft umher, um es ihr recht zu machen, obwohl es ihn eigentlich nervte. Und auch wir haben und dabei gar nicht wohl gefühlt. Diese „Phase“ hat sehr!!! lange angehalten. Aber: sie geht jetzt stramm auf die 6 zu und man kann sagen, es ist besser geworden! Viel Geduld!
    Gruß Andrea

  9. Andrea / Sep 8 2015

    Spontan kommt einem natürlich „Sie will Aufmerksamkeit“ in den Sinn. Bei drei Kindern sicher normal. So Nesthäkchen, immer die Kleine und immer im Mittelpunkt und alle machen es ihr Recht.
    Und der Große redet viel (oder war es er Mittlere? ;) und sie will gehört werden. Madame tyrannisiert die Umwelt zu ihrem Vergnügen.
    Aber wenn ich die Kommentare lese scheint das wohl wirklich am Alter zu liegen. Hm.
    Ich werde schon beim lesen wütend, es ist bestimmt schwer nicht irgendwann auszuflippen.. Ich hoffe für euch sie findet ihre Balance und ihr einen Weg nicht den ganzen Tag nach ihr auszurichten (und sie sich nicht insgeheim manchmal wegzuwünschen). LG

  10. Christina / Sep 8 2015

    Oh nee, genau das Gleiche hier! Dagegen ist ihr Zwillingsbruder ein Lämmchen :-) Was mich echt auf die Palme bringt ist die Provokation incl. diesem süffisanten Gegrinse und absichtliches Kaputtmachen. Ohmmmmm….. ;-)

  11. Conny / Sep 8 2015

    Liebe Pia,
    abgesehen davon, dass es bei uns nur einen großen Bruder zu der kleinen Schwester gibt, beschreibst du eigentlich genau unseren Alltag. Da schenken unsere beiden Töchter sich echt nichts. Ich merke aber, dass es langsam besser wird. Sie ist jetzt ein (vorzeitiges) Vorschulkind und unglaublich stolz darauf. Alle Aktivitäten im Kindergarten macht sie aufmerksam mit und hat endlich einen Sport gefunden, der sie begeistert und wo sie 2x die Woche hingeht. Ich traue mich aber noch nicht so recht, wirklich aufzuatmen, denn Wut- oder Trotzanfälle wegen der falschen Gabel, oder weil man zwei Milliliter zu viel oder zu wenig Wasser ins Glas gegossen hat, gibt’s natürlich weiterhin. Ich hab aber auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es dafür dann bei uns in der Pubertät ganz einfach wird! ☺ Und wie du schon sagst: als Erwachsene werden sie sich nicht mehr auf dem Küchenfußboden wälzen, aber selbstbewusste Menschen sein, die wissen, was sie wollen. Das kann ja auch nicht schaden, oder? 😊

  12. Mamamulle / Sep 8 2015

    Ist das MEIN Kind? Na gut, in die Hose macht sie nicht mit Absicht, aber ansonsten ist Mulle auch so ne Krawallbürste!

  13. Andrea / Sep 8 2015

    Wenn ich was über deine Tochter lese ist es jedes mal so, als würde ich einen Text über meine Drittgeborene lesen.

    Gestern im Kindergarten erzählte mir ihr Erzieher, sie habe ihm gedroht.
    Wenn sie sich jetzt wieder mit den anderen Kindern an den Mittagstisch setzten muss, dann sagt sie das ihrem Papa, und der kommt ihn dann schimpfen. Sie ist in diesen Dingen auch so viel mutiger und kennt viel weniger Grenzen als ihre Brüder.

    Und dann kommt sie im anderen Moment, nimmt mein Gesicht in ihre Hände und küsst meine Nase so vorsichtig und zart, dass man nicht glauben kann, das es das gleiche Kind ist, dass gerade noch wütend auf dem Boden lag.

    Sie bringt mich an Grenzen, an die ich mit ihren beiden Brüdern nie gekommen bin und jeder Tag, der einigermaßen friedlich abläuft ist einer, den man sich im Kalender anstreichen muss.

    Meine Mama sagt, ich war genauso. Das mit dem in die Hose pinseln habe ich als Kind auch gemacht. Mit voller Absicht. Das kam bei uns zu Hause zwar noch nicht vor – aber bei der genetischen Vorbelastung sicher nur ne Frage der Zeit.

    Ich versuche die Dinge ja immer mit Humor zu sehen. Daher sage ich mir auch immer: „Sie kann gar nichts dafür – sie ist ja nur eine Geisel ihrer Gene!

    Manchmal hilft es und ich kann dann über die Situation Lachen. ;-)

  14. Bea / Sep 8 2015

    Liebe Pia,
    Ich leide mit. Hier ist es das selbe in grün. Bei uns ist die Mittlere genau wie deine Kleine. Es war vor kurzem so schrecklich, dass ich, als das ohrenbetäubende Gekreische nicht aufhörte, abwechselnd mir die Ohren und ihr den Mund zu hielt. Das war eine blöde als auch komische Situation, die mich bewog, es müsse sich etwas ändern.
    Ich habe lange nachgedacht, wo meinerseits der Bedienungsfehler liegt. Es war ein Konglomerat (in unserem Fall, lässt sich ja nicht alles auf andere beziehen) von mangelnder Aufmerksamkeit und einem Mangel an Selbsbestimmtheit. Sie möchte alles alleine machen und entscheiden. Das soll sie auch, aber gewisse Umstände zwingen einen ja nun manchmal zum vernünftigen eingreifen. Oder man hat halt noch 2andere Kinder, um die man sich auch kümmern muss.
    Wenn also dann wieder einer dieser Krisenmomente auftauchte, machte ich sehr konsequent und bestimmt zwei Vorschläge. Z.B. Stand sie eine Zeitlang, obwohl hundemüde, immer wieder aus dem Bett auf und machte ihre Geschwister wieder wach oder ähnliches. Da zitierte ich sie immer zu mir ins Schlafzimmer, da musste sie sich aufs Bett neben mich setzen. Sie hatte die Wahl zwischen, da sitzen bleiben oder wieder in ihr Bett schlafen zu gehen. Ich las derweil augenscheinlich vertieft in einer laaaaangweiligen Zeitschrift herum. Es dauerte meist keine 3Minuten, da entschied sie ins Bett zu gehen und tat das dann auch ohne weitere Aussetzer.
    Ich kann das auf alle anderen Situationen auch übertragen. Manche Dinge ahnt man im Vorraus und da stelle ich von vornherein zur ‚Auswahl‘, dies oder jenes. Aber wirklich nur 2 Dinge. und es funktioniert meistens gut. Unsere Zusammensein hat sich weitestgehend entspannt.
    Wenn man genau nachdenkt, kommt einem meist eine Ahnung was schief läuft und man kann die altersbedingten typischen Marotten etwas besänftigen.
    Viele gute Nerven wünscht eine Mama, die sich so durchprobiert. Mal mit mehr, mal mit weniger gutem Erfolg.

  15. Maxine / Sep 8 2015

    Oh man, einfach ist anders.
    Meine Lütte hatte auch mal so eine anstrengende Kreisch- und Zickphase. Nach dem gefühlt 789.436.342. Gespräch auf Augenhöhe hatte ich keine Lust und auch keine Kraft mehr. Ich wurde wütend, auf sie, auf mich, auf alle. Kurz vorm Austicken hat sich bei mir der Notfall-LMAA-Schalter umgelegt.

    Geschrei, weil die gelbe Schale nicht recht ist? Dann wurde die halt in die Küche getragen – allerdings wurde keine andere geholt und es gab zum Frühstück nicht das favorisierte Müsli sondern eine Scheibe Brot ohne Belag aus der Hand. Das Brot flog natürlich mehrfach unter lautem Geschrei und Geheule über den Esstisch oder an die Wand. War mir egal, gab ja nur ein paar Krümel mehr auf dem Boden.

    Sie hat sich geweigert, Socken anzuziehen? Okay, dann brauch sie keine – und alle Socken wurden aus der Schublade geräumt. Keine Schuhe? Hab ich die halt aus dem Schuhschrank geräumt, hatten wir anderen mehr Platz.
    Dem Gesichtsausdruck nach hat sie das Ausräumen der Sockenschublade und des Schuhregals ziemlich geschockt. Vermutlich muss ich in 25 Jahren deshalb bei ihrem Therapeuten Rede und Antwort stehen.

    Geschrei und Gekreische zwischendurch haben wir ignoriert. Beim Essen gab es eine Vorwarnung, wurde weitergekreischt oder dazwischengeschrieen, hat einer von uns mit ihr den Tisch verlassen, bis die anderen fertig waren.

    Es war anstrengend für alle Beteiligten und hat einige Zeit gedauert. Ob die Phase auch so abgeklungen wäre – ich weiß es nicht, kann schon sein. Aber ich konnte einfach nicht mehr.

    Mit Absicht in die Hose gemacht hat sie übrigens nur einmal und da hat sie sich ein Eigentor geschossen. Sie wollte nicht vom Spielplatz heim und hat aus Protest eingenässt. Wechselklamotten hatte ich nicht dabei. Also hätte sie entweder nackt in den Sandkasten gehen müssen (iiiih, Sand in der Poritze – fand sie schon immer blöde) oder in der nassen Hose weiterspielen – auch doof. Scheint lehrreich gewesen zu sein und kam nie wieder vor ;-).

  16. Biene / Sep 8 2015

    Hallo Pia,
    bei uns ist gerade das Gleiche Mode. allerdings ist sie das 1. Kind mit 2,5 J., versucht aber auch ständig ihren Willen durchzusetzen. Wir haben gerade diese „allein machen“ Phase. Und das Verständnis, dass es jetzt wieder kälter wird, fehlt ebenfalls gänzlich. Ich glaube ich könnte sie auch barfuß rausschicken und sie würde es noch toll finden…
    Es ist schon sehr anstrengend gerade, vorallem früh beim An- und abends beim Ausziehen.
    War das bei euch auch so?
    Vorallem dieses knatschen….
    Und dann Schupss nach 5 Minuten ist wieder Ruhe… bis das nächste „Ärgernis“ gefunden ist! wahhhhhhhhhhh!!!!!

  17. Ina / Sep 8 2015

    Bei uns ist es glücklicherweise nicht ganz so arg, aber meine Nichte scheint ein Abziehbild eurer Kleinen zu sein. Das treibt mich schon als Tante an die Grenzen. Darum lasse ich dir ein dickes, mitfühlendes „Du Ärmste“ hier und hoffe auf baldige Entspannung bei euch!!
    Liebe Grüße
    Ina

  18. Katrin S. / Sep 8 2015

    Hallo Pia,

    ich habe mich noch nie (glaub ich) hier zu Wort gemeldet, aber

    „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass diese Eigenschaften sich eines Tages ins Positive kehren werden…“

    Genau diese Worte sage ich mir auch so oft!

    Gruß
    Katrin

  19. Katharina / Sep 8 2015

    Du bist nicht allein! Hier auch. Nur noch mit Pampers. Zum Glück, vermute ich mal.

    Gerade kurze Pause, da Mittagsschlaf. Dafür dann heute Abend länger Zauber. Aber die halbe Stunde Ruhe gerade ist das wert.

  20. Anna / Sep 8 2015

    Ich könnte bei sowas einfach nicht ruhig bleiben. Echt tiefe Bewunderung meinerseits für alle Mamas die das durchhalten. Was sagt eigentlich jasper zu sowas? Wie kann man an sowas rangehen? Man ist ja auch nur ein mensch….

  21. Maufeline / Sep 8 2015

    Töchterlein hat sich in dem Alter des öfteren im Supermarkt kreischend auf dem Boden gewälzt, zum Beispiel weil sie eine Jacke anziehen sollte, weil draußen Schneegestöber war. Die anderen Supermarktkunden haben entweder Mitleid bekundet (mir) oder das Töchterlein angefeuert( Na, gehts noch lauter?)
    Dem großen Bruder, der zu dem Zeitpunkt fünf war und lange Haare hatte, hat sie, um meine Aufmerksamkeit zu erregen und ihn zu zanken (in der Reihenfolge) die Haare büschelweise ausgerissen. Mit der ganzen Faust reingegriffen und kräftig gerissen- er sah bald aus wie ein gerupftes Huhn.

    Jetzt wird sie bald acht und ist meistens echt süß, aber die kleine Berserkerin kommt hin und wieder doch noch mal zum Vorschein…

    Wird also alles besser, und sowieso alles anders =)

  22. Ulla / Sep 8 2015

    Und die Aussage, man selbst wäre als Kind auch so gewesen, hilft nicht gerade die Situation zu entspannen… Was bei uns auch am besten geholfen hat, leider schwer einzurichten, war tatsächlich die reine Mama- Tochter- Zeit. Sohn mit Papa beim Fußball, Tochter und ich 2 Stunden zur freien Verfügung, Kind darf bestimmen. ( Wollte meist nur spielen, kuscheln… Hat auch mir gutgetan, sie so ausgeglichen zu erleben)

  23. Saskia M. / Sep 8 2015

    Liebe Frau D.

    Ich hab vollstes Verständnis. Wir haben hier das gleiche in grün. „Madamchen“ hat die Familien im Griff. Und auch hier gibt’s zwei ältere Brüder, die viel zu oft nach Madamchens Pfeife tanzen einfach um ihre gefürchteten Trotzattacken zu vermeiden. Aber sie ist im letzten Monat 4 geworden und ich habe das Gefühl , dass es ein klitzekleines Bisschen besser wird.
    Vielleicht sind es auch einfach die kleinen Schwestern mit den grossen Brüdern. Unser Exemplar hier hat doch schon einen gewissen „Prinzessinnenstatus“ den sie auch gerne ausnutzt.
    Woanders weiss sie sich zum Glück manierlich zu benehmen. So wurde gerade im Kiga beim Entwicklungsgespräch „Madamchen’s“ große Kompromissbereitschaft gelobt. Die geht ihr zu Hause völlig ab 😯.

    Ihnen liebe Grüße und weiter starke Nerven
    S.M.

  24. Sarah / Sep 8 2015

    Hallo Pia,

    Ich glaube, du hast über meine Matilda geschrieben. Sie ist im Juni drei geworden und schwangt zwischen dem süßesten kleinen Mädchen und dem größten Terrorzwerg. Am schlimmsten ist es morgens, wenn es darum geht was sie anziehen soll… Jeden Tag ein Kleid, wenn ich glück hab bekomm ich sie noch ohne Terror in eine leggins, aber spätestens wenn ich sag sie muss eine Jacke mitnehmen… Nein, nicht anziehen, bloß in den kiga mitnehmen geht es rund im Hause! Ihr kleiner 8 Monate alter Bruder ist immer ganz fasziniert vom Wandel der Schwester…

  25. Frollein Stine / Sep 8 2015

    Könnte ich meine WildeHilde vorbeibringen?
    Minus und Minus ergibt doch Plus – so wird’s bestimmt ein totaaaal entspannter Tag für dich ;-)

    Ehrlich: es ist hier G:E:N:A:U:S:O:!!! Die große Schwester muss so oft einstecken. Man kann sich leider gar nicht auf die Kleine verlassen. „Talk to the hand“ trifft es! *sigh*

    Bitte lass es nur eine Phase sein. Bitte lass es nur eine Phase sein. Bitte lass es nur eine Phase sein. Bitte lass es nur….

  26. Angela / Sep 9 2015

    Lili hatte auch so eine schreckliche „Phase“. Sonst war sie immer so ruhig und vernünftig. Mit viel Geduld habe ich es anfangs versucht bis ich irgendwann auch fast ausgerastet bin aus lauter Verzweiflung. Was soll man da machen wenn das Kind partout nicht ins Bett gehen will mitten in der Woche und am nächsten Tag ist Schule ? Am Ende sind wir meistens beide vor Erschöpfung eingeschlafen und am nächsten morgen hundemüde aufgewacht. Wir waren schlichtweg mit unserem Latein am Ende so dass ich in Betracht zog psychologische Hilfe in Form von Familienberatung anzunehmen. Es kam uns aber komisch vor einer wildfremden Person so private Dinge anzuvertrauen. Wir haben uns einfach nicht wohl dabei gefühlt … Komischerweise wurde es ab dem Tag der ersten Beratung auch besser. Jetzt ist alles wieder wie immer und ich hoffe auch dass es so bleibt !!

  27. Christin / Sep 9 2015

    Hallo Pia,
    ich habe heute einen Artikel über Hochsensibilität auf welt.de gefunden. Da musste ich direkt an dich denken
    http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article146193345/Hochsensibilitaet-das-ewig-scharfgestellte-Gehirn.html
    Liebe Grüße Christin

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