Bis einer heult! • Die große Freiheit
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21. September 2015 | Pia Drießen

Die große Freiheit

Kaum war der große Sohne einmal alleine zum Bäcker und zurück gelaufen, hatte er sowas von Blut geleckt, was diese neue Freiheit betrifft. Unentwegt fragt er, ob wir noch was brauchen, ob er zum Bäcker oder zum Kindergarten laufen könnte.

Seinen vorläufigen Höhepunkt fand das ganze Freiheitsding vergangenen Samstag, als ich den ganzen Morgen bis in den Nachmittag hinein im Kindergarten war, wo wir den diesjährigen Handarbeitsbasar durchführten. Ich hatte zuhause angerufen, weil uns in der Cafeteria Sprühsahne fehlte, die ich just einen Tag zuvor für daheim gekauft hatte. Ich bat darum, dass der Große sie doch einfach schnell vorbei bringen sollte. Mir war schon klar, dass er sich nach dieser Frage keine Sekunde mehr daheim halten könnte. 15 Minuten später kam er also mit der Sprühsahne in der Hand durchs Tor geschlendert.

Er blieb eine Weile und spielte mit anderen Kindern auf dem Außengelände. Zwischendurch fragte er immer wieder, ob er zur Eisdiele, zu Aldi oder zum Bäcker gehen könnte. Ich verneinte. So ganz ohne Grund wollte ich ihn dann doch nicht durchs Dorf laufen lassen. Als er mich schließlich fragte, ob er denn wieder nach Hause gehen könnte, antwortete ich nichts ahnend mit „Ja, klar.“

20 Minuten später erhielt ich eine Textnachricht vom Mann.

„Der ist hier nur zum Händewaschen?????
Und geht dann wieder zurück???
Versteh ich nicht …“

Ich musste schrecklich laut lachen. Das ist so typisch für den großen Sohn. Er lief also die viertel Stunde Wegstrecke nach Hause, wusch sich dort die Hände und kam dann wieder zurück in den Kindergarten.

Und ja, natürlich gibt es im Kindergarten fließend Wasser. Sogar sehr viel davon!

Am Sonntag allerdings war er dann etwas überschwänglich und verließ voller Enthusiasmus das Haus gen Bäcker, nur um auf halber Strecke festzustellen, dass er das Geld zuhause vergessen hatte. Gut, möglich wäre auch, dass er es absichtlich vergessen hat, damit er die Strecke gleich zweimal laufen kann. Von der Schule geht er nun auch stolzgeschwellter Brust alleine nach Hause. Bringen muss ich ihn allerdings nach wie vor. Da braucht er morgens einfach noch ein bisschen Unterstützung.

Ansonsten müssen wir aktuell viele Brötchen essen. Sehr viele.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Marc / Sep 21 2015

    So wie ich mich erinnere, wollte ich von meiner Mutter zur Grundschule gebracht werden, weil auch andere Kinder von den Eltern gebracht wurden. Einige wurden sogar gefahren (naja, das war in den 70ern) und doch eher selten.

    Und was mir beim Einkaufen gehen nicht gefallen hatte, war die enge Vorgabe. Wenn es z.B. keine Rama-Margarine mehr gab, ja, was dann? Also brachte ich was anderes mit, und da war der Kommentar gerne „ja, das hättest Du aber auch dortlassen können“. :-(

    So killt man Eigeninitiative und wundert sich, dass das Kind nicht gerne einkaufen geht. ;-)

  2. Maike / Sep 23 2015

    Ich finde es ganz herrlich zu sehen wie die Kinder dabei wachsen. Meine große (7 J) schreibt für mich die Einkaufsliste und kauft dann auch ein. Immer nur so 2-4 Sachen die sie kennt, der Einkaufsladen ist mit dem Rad 2 Min entfernt. Meistens fährt die kleine (5j) auch noch mit.
    Sonntags holen beide die Brötchen wenns nicht regnet.
    Seit dem 1. Schultag läuft die große alleine zur Schule und zurück. (ca 15 Min.) Es gibt auch andere Kinder die immer noch gebracht werden, da sind die Eltern ängstlich und trauen den Kindern diesen Weg nicht zu. Ich finde es von den Eltern (meistens Mütter) sehr egoistisch das die Kinder nicht wachsen können.
    Also ich finde es super.

  3. gelberstrumpf / Sep 25 2015

    Diese wirklichen und mutigen Heldentaten von deinem Großen kann ich mehr als nachvollziehen ! Bei mir war es ganz genau so als ich so groß war wie er. Eine überaus große Schüchternheit würde mir damals auf meine Schultern geladen.Eine die sich nicht gehört oder nicht typisch ist für jemandem in meinem Alter. Heute weiß ich es besser. Als HSP`ler nehme ich diese Welt nun anders auf. Kann nun Dinge die als „unnatürlich,angstmachend oder Rätselhaft“ erscheinen aus mir rauslassen oder anwenden. Und das hat weiß Gott nichts mit Übersinnlichkeiten zu tun. Es fühlt sich gut an doch etwas zu sein.

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