trinkt Tee oder lutscht Schokolade!

 

Gestern haben wir erfahren, dass das Eltern-Kind-Turnen bis auf Weiteres nicht mehr stattfinden kann, da die Turnhalle für zugewiesene Flüchtlinge benötigt wird. Sorgen mache ich mir hier in erster Linie um die Flüchtlinge, da die Turnhalle nicht als Notunterkunft, sondern als langfristige Wohnlösung vorgesehen ist. Es sind ja zugewiesene Flüchtlinge. Bei dem Gedanken daran, dass sie in der Halle auf unbestimmte Zeit wohnen sollen, wird mir ganz anders. Kaum bis gar keine Privatsphäre, alles auf engstem Raum und das über längere Zeit. Da kommen mir Beschwerden, weil die Kinder jetzt nicht mehr Turnen können, dermaßen lächerlich vor.

Auch das Handballtrainig der Jungs findet in dieser Halle statt, da hat sich aber scheinbar schon eine Ausweichmöglichkeit ergeben. Und wenn dem nicht so wäre, so wäre das auch kein Weltuntergang. Dann geht man mal Schwimmen, Radfahren oder auf den Spielplatz. Bewegung finden die Kinder auch auf andere Art und Weise. Man muss sich halt nur selber dafür aufraffen.

In der Klasse von Alex sind die Läuse unterwegs. Scheinbar führt auch das bei manchen Leuten zu irrationaler Angst, dem Wunsch nach Ausschluss betroffener Kinder vom Unterricht und schon detektivischen Fertigkeiten beim Ermitteln der „Übeltäter“. Gleichzeitig haben Eltern unserer Kita Angst, dass ihre Kinder von den nebenan wohnenden Flüchtlingen verschleppt werden könnten, wenn sie alleine auf dem gesicherten Außengelände spielen.

Zum Schluss sind die Flüchtlinge noch an den Läusen schuld. Da warte ich ja nur drauf!

Ich übe mich daher gerade ganz enorm in Schumschei und Wuzaaaaaah, um nicht irgendwem an die Gurgel zu gehen. Ich verstehe ja, dass die Menschen in Sorge sind, aber muss man deshalb gleich seinen gesunden Menschenverstand ausschalten? Ommmmmm!

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Leute, ehrlich! Bleibt mal ruhig, trinkt Tee oder lutscht ein Stück Schokolade. Und dann denken wir nochmal über alles nach und merken, dass wir möglicherweise ein klitzekleines Bisschen übertreiben und es gerade aktuell TAUSENDEN Menschen schlechter geht als uns, mit unseren niedlichen Ersteweltproblemchen. Läuse. Pff. Dagegen gibt’s auch was von Dingsbumspharm. Gegen Krieg und Angst ums eigene Leben allerdings nicht.

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Pia Drießen, Kind der 80er, Mutter von 3 (Pre)Teens (*2009, *2010, *2012). Head of Content Experience bei SaphirSolution. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter und Instagram.
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14 Gedanken zu „trinkt Tee oder lutscht Schokolade!

  1. Du hast so was von recht!!!! Mir geht das geblubber auch so was von auf die Nerven. ….. Manchmal könnte ich laut los schreien über so viel Dummheit und Ignoranz. …lach hab es so was von satt… die Aluhut tragenden besorgten Bürgern. …und was für Ideen und Assoziationen die Leute manchmal kommen. ..da frag ich mich manchmal echt was bei denen wohl schief gegangen ist. ….. Danke für deine klaren Worte ?

  2. Meine Schwiegermutter hat das mit den Läusen schon verlauten lassen. Liegt ja an den ganzen Flüchtlingen in der Schule… (unser hatte seit den ferien nun 3mal…)

    Als wir sagten, dass eben KEIN Flüchtling in der Schule ist kam nur ein kleinlautes: dann von den ausländern.

    Die waren eh total dagegen und haben schon bei der einschulung scheiß braunegrütze von sich gegeben… weil unsere schule 70% Migranten hat. Richtig Multikulti aber wirklich aus überall der Welt. Es gibt eine Karte auf denen ein Schuljahr ihre Heimatländer mit Bildern angepinnt haben total toll.

    Naja…
    finds echt erschreckend das die nun da dauerhaft in der turnhalle leben müssen. wo verrichten sie ihre notdurft? duschen? so viele menschen wie dort sind, das reicht doch nie und nimmer. ach mensch =(

  3. Mir wurde auch ganz anders, als es hieß es sollen bei uns am Dorf auf einer Wiese Container für 100 zugewiesene Flüchtlinge aufgestellt werden. Nicht weil die unsere Kinder verschleppen und täglich in Horden durchs Dorf wandern würden Richtung Rathaus (ja klar da müssen die täglich hin… Kopfschüttel) was tatsächlich die Argumente einiger waren, sondern weil es einfach da nichts gibt als grüne Wiese. Einkaufsmöglichkeiten und öffentl. Nahverkehr viel zu weit entfernt, und dann 100 Flüchtlinge auf 200 (teils verbohrte) Dorfbewohner, wie soll das gutgehen. Die Flüchtlinge werden dem Landkreis zugeteilt, sie dann ausgerechnet ins kleinste Dorf zu „sperren“ nur weil es da genug grüne Wiese hat ist Wahnsinn für ALLE Beteiligten… Dank Bürgermeister und Unterschriftenaktion werden jetzt 4 Holzhäuser im Gemeindegebiet verteilt. Zwar immer noch an recht entlegenen Standorten aber besser gehts wohl nicht.

  4. Danke für die wahren Worte! Ich bin zwar keine Mama, kriege aber über meine Patenkinder einiges mit.
    Ich finde es auch sehr erschrenkend, wohin der Weg hier gerade geht im Land. Erst denken, dann reden ist bei vielen wohl nicht mehr so angesagt :-(

  5. Hahaaaaa! Sehr geil! Ja, man packt sich manchmal echt an den Kopp und fragt sich: HALLO!!!! KÖNNT IHR MAL BITTE ALLE WIEDER KLAR KOMMEN?!
    die Meinungen die da zum Teil rum geistern sind wirklich erschreckend!

  6. Kann Dich da grad echt gut verstehn !!! Hatte gestern ein Telefonat mit meiner Schwiegermutter grrrr Sie hat Angst wo ja jetzt so viele Flüchtlinge in Ihrem Heimatort sind, dass bald eine Familie bei ihr einziehen müsste, wo sie doch ganz allein in dem großen Haus lebt. Ich bin echt platt gewesen als ich das gehört habe, quasi sprachlos !! Und dann wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen soll !! Und im Endeffekt schäme ich mich jetzt für soviel DUMMHEIT !! Ja die Frau ist 80. aber dass ist keine Entschuldigung !!

    1. Mmh soweit ich weiß war es im bzw. nach dem zweiten Weltkrieg so, dass Soldaten oder Flüchtlinge einfach bei den Leuten einquartiert wurden. Je nachdem, wo Platz war. Von daher spricht deine Schwiegermutter vielleicht aus Erfahrung. Das es heute nicht mehr so ist und jeder natürlich selbst entscheiden kann, wen er oder sie in sein/ihr Haus lässt, muss man da vielleicht nochmal betonen. Bzw. die Angst davor, dass es auch heute soweit kommt, ist mit dem Hintergrund vielleicht verständlicher.

      1. Das hab ich auch gedacht, als ich den Kommentar las. Meine Oma hat erzählt, wie es war, als keiner die Flüchtlinge haben wollte, Leute mit großen Häusern plötzlich erzählt haben, wen sie schon alles aufgenommen hätten, nur, um keine Flüchtlinge zugewiesen zu bekommen – und wer dann in den Jahren nach dem Krieg alles so bei ihnen gewohnt hat. Insofern finde ich bei einer 80jährigen diese Überlegung nicht so weit hergeholt. Ich habe auch schon mal überlegt, wann die Regierung eigentlich darauf kommt, genau das wieder zu machen. Statt Familien mit Kindern in leeren Baumärkten und Zelten einzuquartieren oder wie hier in Berlin nachts einfach ohne Unterkunft zu lassen. Mein Kollege hat mittlerweile jede Nacht Leute in seinen leeren Zimmern, die einfach nicht mal ein Dach über dem Kopf hätten, wenn er sie nicht aus der Erstaufnahme mit nach Hause nehmen würde. Und jetzt wirds Winter…
        Und dass man als alter Mensch Angst davor hat, dass so etwas passiert, kann ich schon nachvollziehen.

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