Bis einer heult! • Eine gute Entscheidung
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15. März 2016 | Pia Drießen

Eine gute Entscheidung

Wir haben Alex vom Handball abgemeldet. Bereits letzte Woche. Bei den Trainingseinheiten war er immer voll dabei, aber sobald es ans Spiel ging, man sich anbieten, einen Ball umkämpfen oder abgeben musste war es vorbei mit Handball. Er setzte sich dann lieber auf die Bank und sah zu. Zu viele zwischenmenschliche Interaktionen auf einmal, zu viele Entscheidungen, die in rascher Folge getroffen werden müssen. Mannschaftssport ist nicht sein Ding und wird es vermutlich auch nie werden. Aber wir haben ja noch reichlich Optionen. Leichtathletik wollen wir uns mal ansehen gehen und Klettern in der Kletterhalle ausprobieren. In der OGS spielt er Hallenhockey und Tennis. Beides mag er. Beim Hockey findet er gut, dass man so gut wie keinen Körperkontakt hat und der Ball über eine Verlängerung aka Hockeyschläger gespielt wird. Tennis liegt ihm auch und vielleicht kann das tatsächlich etwas werden, was er noch intensiver ausübt. Mir ist wichtig, dass er Spaß daran hat und ja, einen körperlichen Ausgleich für mein kopflastiges Kind finde ich auch nicht unwichtig.

Meine Sorge war nun, dass Max auch nicht mehr zum Handball will, nur weil sein Bruder nicht mehr dahin geht. Anders als Alex hat Max nämlich viel Spaß am Handball, rennt inzwischen von Anfang bis Ende mit, nimmt die Manndeckung sehr ernst und bietet sich selbstbewusst an. Letzte Woche maulte er noch, aber diese Woche schient die Tatsache, dass er nun etwas für sich ganz alleine hat, das er eben nicht mit seinem großen Bruder teilen muss, zu beflügeln.

Wir haben den Deal, dass er sich dienstags nach dem Training etwas vom Bäcker aussuchen darf, wenn er zuvor ohne Meckern und Murren zum Training geht, nach dem er mir dann doch immer wieder strahlend berichte, wie toll es war. Aber Max war noch nie einer, der sich bestechen lässt.

Jedenfalls rannte er heute freudestrahlend in die Halle, zog sich um und war direkt auf dem Feld zum Aufwärmen. Mimi und ich winkten kurz und konnten dann gehen. Wir trafen uns vor der Halle mit Alex, der von der Schule herüber gekommen war und fuhren anschließend zu Bäcker, wo wir Max‘ Wunschessen, Croissantstangen (gefüllte Blätterteig-Schinken-Käse-Stangen), besorgten.

Und weil wir ja noch etwas Zeit zu überbrücken hatten gab ich Alex‘ Wunsch nach und fuhr mit ihm und Mimi in den örtlichen Spielwarenladen.

Herrje! Meine Nerven. Wir hatten im Vorfeld vereinbart, dass sich jeder etwas für 10 Euro aussuchen durfte, da ich jüngst Mimis alten Kinderwagen (TFK Joggster X II) verkauft hatte. Natürlich schoss sich Alex dann aber auf die Lego und Playmobil Wand ein, wo so gut wie nichts unter 20 Euro kostete. Außer den Microfightern von Lego, die wir bereits alle haben oder die einzelnen Playmobilfiguren, mit denen wir ebenfalls vermutlich unsere 80l Hausmülltonne im Rhein versenken könnten. Alex nörgelte und jammerte herum, während Mimi ein Spiel nach dem anderen anschleppte und immer wieder „Kostet das 10 Euro?“ fragte.

Während Alex also so nölend vor dem Regal stand begutachtete ich die Auslage näher und stieß in der hinteren Ecke auf dieses kleine Lego Hulk Set. Max liebt Hulk. Keiner weiß so genau woher diese Liebe kommt, aber wo auch immer er den hässlichen grünen Riesen entdeckt ist er völlig aus dem Häuschen. Also packte ich Hulk ein. Nachdem Alex immer noch nicht weiter gekommen war, bot er mir dann den Deal an, sich an seinem Geschenk finanziell aus seiner Spardose zu beteiligen. Er ist leider überhaupt kein Kind, das sparen kann, ganz im Gegensatz zu seinem Bruder, der auf seiner Kohle sitzt wie ne Henne beim Brüten. Ich erklärte ihm also nochmal die Spielregeln. Egal was er sich aussucht: ich gebe ihm nur 10 Euro dazu und den Rest muss er aus seiner Spardose zahlen. Deal!

Er entschied sich dann für den kleinen Lego Feuerwehr Hubschrauber, weil „ich hab ja noch gar nichts von der Feuerwehr!“ Nun gut. Immerhin hatten wir einen Deal.

Mimi hatte inzwischen die Puzzle entdeckt und saß schockverliebt in ein Lilifee Puzzle auf der Erde und streichelte den Karton. Das war ja einfach!

Nach unserem erfolgreichen Shoppingausflug in den Spielzeugladen holten wir Max vom Training ab und fuhren nach Hause, wo ich dutzende kleine Schmetterlinge faltete (ich hatte ja angekündigt, dass wir noch basteln würden), die in den kommenden Tagen das Haus schmücken und den Frühling locken bzw. begrüßen sollen. Ich bin einfach so verliebt in die kleinen Papierscheißerchen. Hachz. (Youtube-Tutorial)

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Derweil bauten die Jungs ihr Lego auf und Mimi spielte mit den ersten Schmetterlingen neben mir am Tisch. Nachdem ich an die 20 Schmetterlinge fertig hatte, half ich Mimi beim ersten puzzeln ihres Puzzles, das nämlich nicht rechteckig sondern rund ist und dementsprechend erstmal etwas umdenken erforderte. Aber Mimi hatte das Prinzip schneller verstanden als erwartet und so durfte ich dann doch nur noch zugucken.

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Ein wirklich, wirklich schönes Puzzle, das mal ein wenig Abwechslung in den rechteckigen Einheitsbrei bringt.

Die Jungs waren dann auch mit dem Aufbau ihres Legos fertig, spielten damit am Esstisch und futterten nebenher einen Apfel nach dem anderen.

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Die Croissantstangen hatten bereits so gut gesättigt, dass sie gar kein Abendbrot mehr wollten. So konnten wir schließlich pünktlich sehr zufriedene und müde Kinder ins Bett verfrachten.

Und Handball war heute super, sagt Max. „Ich freue mich schon sooo auf nächste Woche!“ Blöd nur, dass da Ferien sind und das Training leider ausfällt. Aber immerhin glüht er dafür und ich habe ein gutes Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Claudia / Mrz 15 2016

    Klingt gut.
    Hattet ihr schon Karate ausprobiert? Kommt meinem sehr kopflastigen Kind sehr entgegen und fördert auch noch das Selbstbewusstsein. Und es gibt da wohl laut unserem Trainer wohl kaum noch Dojos die es als Kontaktsportart ausüben.

    • Pia Drießen / Mrz 15 2016

      Er lehnt Kampfsport ab. Wir haben uns Aikido angeschaut und sowas kommt für ihn gar nicht in Frage.

      • Macros / Mrz 16 2016

        Hi,

        schaut es euch dennoch einmal an :-) Gerade Karate (oder Tai Chi) sind Sportarten, die auch komplett ohne Kampf auskommen können.

        Meiner hatte am Anfang auch seine Probleme damit, inzwischen ist er jede Woche 2 mal am Kata (Formen …) lernen und sich konzentrieren… Dazu kommen seine freiwilligen Sporteinheiten…

        Gruss
        J

      • Thomas / Mrz 16 2016

        Ich wollte gerade Fechten vorschlagen, machen meine Mädels seit der Grundschule. Ist aber auch Kampfspocht. Sehr elegante Sportart, leider völlig unterschätzt.

        Gruß,
        Tom

  2. Jenny / Mrz 15 2016

    Die Schmetterlinge sind ja hübsch :) Hast du dafür vllt. eine Bastelanleitung die du teilen magst/darfst?

    LG

  3. Sayuri / Mrz 15 2016

    Wie macht man den sie süßen schmetterlinge?

    Ui das Puzzel ist echt Cool, meiner hasst puzzeln -.-“ Naja.

  4. MaaJules / Mrz 15 2016

    Boah, die sehen ja echt toll aus! Wo gibt es denn eine Anleitung für die kleinen Papierscheißerchen?
    Liebe Grüße,
    MaaJules

  5. Carla Moermann / Mrz 15 2016

    Vielleicht ist fechten was für euch. Säbel im speziellen. Sehr strategische Sportart in der man alles turbulente ausblendet und sich auf Taktik und Gegner konzentriert, es ist zwar Waffensport allerdings auf sehr feiner Ebene, es geht im Vergleich zu Handball kaum körperlich zur Sache. Es gewinnt wer im Kopf besser entscheidet und umsetzt oder entsprechend abwehrt. Ich spreche aus Erfahrung, das lastet ein Kind vom Anspruch her voll aus, es kann sich ohne Einflüsse beweisen und wird nicht unnötig von Reizen geflutet.

    — via facebook.com

  6. Jenny / Mrz 15 2016

    Danke :)

  7. Meret Tretter / Mrz 16 2016

    Moin Pia, vor meinem Umzug konnte ich die Kletterhalle in Spich sehr empfehlen. Mir hat der Ausgleich immer sehr gut getan und geholfen meinen viel zu vollen Kopf komplett frei bekommen können. In Spich gibt es meiner Erinnerung nach auch Angebote für Kinder. Es wäre für euch ja auch gut zu erreichen.

    — via facebook.com

  8. Gaby / Mrz 16 2016

    Hallo Pia, ich kann Dein Kind gut verstehen. Ich fand Mannschaftssportarten immer gruselig als Kind. In der Schule ist man da leider immer wieder mal mit konfrontiert.

    Meine Sportkarriere lief dann wie folgt:
    Voltigieren, Leichtathletik, Judo, Schwimmen, Karate, Joggen, Schwimmen, Eislaufen, SCHWIMMEN!
    Hallenhockey fand ich in der Schule auch immer am besten von allen Sportarten in Mannschaften. Und Badminton.

    Ich spiele auch Klavier (das geht auch schlecht in Gruppen – ist sicher auch kein Zufall).
    Aber was ich immer mochte, war im Chor zu singen und in einem Orchester mit zu spielen. Denn eigentlich fand ich das schon nett, was mit anderen zu machen. Nur keinen Sport eben!

  9. Alexandra / Mrz 16 2016

    Ich würde ja reiten vorschlagen, auch wenn es kein klassischer Jungensport ist. Wenn keine Allergien da sind und er keine Angst vor Ponies hat. Es geht nicht um Wettstreit, sondern in erster Linie um Harmonie und Ruhe und zusammenarbeiten. Ein toller Sport für Kindern, die auch einfach lernen müssen, auf ihren Bauch zu hören oder auf ihre Gefühl, ohne Kopf.

    Liebe Grüße
    Alexandra

  10. Leabe200269 / Mrz 16 2016

    Ich spiele selbst jetzt ca. 2 Jahre mit sehr großer Leidenschaft sowohl Hallen- als auch Feldhockey und könnte mir auch selbst vorstellen, dass Wasserski mir Spaß machen könnte… Vielleicht will ihr Sohn es ja einmal ausprobieren…

  11. Kulturereignis / Mrz 17 2016

    Uah, ich erkenne mich in Alex voll wieder, mein Neffe tickt ähnlich, beide weisen wir wohl eine deutliche Tendenz zur Hochsensibilität auf… Da ist einem die ein oder andere Sportart oft wirklich einfach zu dicht und zu aggro. Ich bin erst sportglücklich geworden, als ich Joggen und ähnliches entdeckt habe… Bloß möglichst ohne Wettkampf und Körperkontakt. Ich wünsche Euch, dass Ihr noch was Passendes findet, denn so ein Ausgleich tut tatsächlich gut, auch und gerade für Kinder, finde ich auch…

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