Bis einer heult! • Wutgeheul
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12. September 2016 | Pia Drießen

Wutgeheul

Man hört ja öfters, dass die eigenen Kinder selten auf fremde Leute kommen. Oder auch: ich hab jetzt zwei Schulkinder. Zwei überaus ehrgeizige und noch perfektionistischere Schulkinder.

Ich kann gar nicht in Worte fassen wie unendlich dankbar ich über die Hausaufgabenbetreuung in der OGS bin. Die Kinder bekommen an unserer Schule einen Wochenplan an Hausaufgaben, die sie bis Freitag erledigt haben und dann abgeben müssen. Am Wochenende gibt es keine Hausaufgaben. Max soll pro Tag maximal 30 Minuten Hausaufgaben machen. Alex 40 Minuten. Meine Kinder haben mit dem Hausaufgabenpensum in diesem Zeitfenster zum Glück keine Probleme und bekommen alles in der OGS rechtzeitig fertig. Das ist für mich als Mutter ein wahres Geschenk, denn: muss ich zuhause mal die Hausaufgaben begleiten (wegen eines Arzttermins z.B.), flippt einer nach dem anderen – gerne auch mal gleichzeitig – wegen Nichtigkeiten aus.

Das N ist schief! Ich radier das alles wieder weg!“ [Wutgeheul!]

Meine kleinen a’s sehen alle aus wie Aa!“ [Wutgeheul!]

Der Platz reicht nicht aus!
Schreib in der nächsten Zeile weiter.
Aber da gehört der nächste Satz hin! ICH WILL DAS SO NICHT!!!“ [Wutgeheul!!]

Max radierte heute eine ganze Reihe große und kleine As wieder weg, weil an zwei Stellen das A über die Linien ragte. [Wutgeheul!]

Es muss einfach immer perfekt sein, wenn es nach ihrer Meinung geht. Und dabei ist es völlig egal, ob man Alex oder Max fragt. Ständig – wirklich ständig! – kritisieren sie sich selber. Ich säusle in der Zeit ein „Nein, Schatz, das sieht wirklich gut aus!“ oder auch „Besser geht es doch gar nicht.“ (und meine das auch so!) nur um dann wieder angeschluchzheult zu werden, dass das alles nicht gut aussieht. Nicht ordentlich. Nicht perfekt!

Ich würde mich ja gerne wundern, woher sie das haben, aber die Wahrheit ist: bei den Eltern war eigentlich nichts anderes möglich. Der Mann arbeitet seit 2 Wochen an einem Blogartikel inkl. Video. Nur so als Beispiel. und auch mir sagt man manchmal eine gewissen Neigung zum Perfektionismus nach.

In der OGS unterdrücken beiden diesen Frust scheinbar oder haben zumindest dort eine höhere Frustrationstolleranz. Im heimischen Umfeld kann man ja ruhig bedenkenlos ausflippen. Da kennt man das schon.

Als ich dann heute mit allen 3 Kindern am Tisch saß und Max und Alex abwechseln in Wutgeheul verfielen, schaltete sich Mimi ein: „Mama, guck mal, ich hab meinen Namen geschrieben!“ ENDLICH! Sie schreibt nämlich alle möglichen Namen, nur nicht ihren eigenen. Der ist ihr zu lang. Ich freute mich also ganz ehrlich, als sie heute ihren Namen ganz alleine und fehlerfrei aufgeschrieben hatte. Und während ich sie so freudestrahlend lobe verzieht sich das kleine Gesicht und schreit wutheulend: „Aber das A ist schief! Das sieht gar nicht aus wie eine Leiter, sondern wie ein Haus!

20160912

Und ich denke mir so: Yo, eigene Kinder kommen halt selten auf andere Leute [Frustgeheul!]

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. anika / Sep 12 2016

    You Made my Day 😘

  2. Ann / Sep 12 2016

    Ohje, das erinnert mich sehr stark an meine Grundschulzeit, meine arme Mama… :D Sie hat an der Stelle immer gesagt „Du bist in der Schule, um etwas zu lernen, nicht weil du schon alles kannst“ Damit konnte sie mich immer beruhigen, wenn nicht jedes a perfekt war. Vielleicht hilft das ja auch bei Ihnen?

    Liebe Grüße :)

  3. Eva Quinten / Sep 12 2016

    Das kommt mir so wahnsinnig bekannt vor, auch wenn meiner noch kein Schulkind ist.
    Wenn er seine kleinen Macken an den Tag legt, da erkenne ich uns Eltern das eine oder andere mal auch wieder. 😂
    Aber ist das nicht auch irgendwie schön? 😉😍

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  4. Simone Hocke / Sep 12 2016

    Unser neuer Träger der OGS ist… unorganisiert. Ich möchte mich ja hier nicht in die Nesseln setzen. 🙊 Mein Kind schafft die Hausaufgaben selten dort.

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  5. Nici Daleigh / Sep 12 2016

    Das kenne ich auch von mir. Colin hat das derzeit etwas abgelegt, was mich beruhigt. Ich habe in der dritten Klasse mal ein zu 3/4 vollgeschrieben Heft komplett neu geschrieben, weil ich etwas mit Killer korrigiert hatte und das unschön aussah. So eine Perfektion kann bisweilen auch für einen selber ganz schön anstrengend sein.

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  6. Sandra Stiemerling / Sep 12 2016

    Meine Tochter (wird nächste Woche 24) hat in der 1. Klasse die Buchstaben mit dem Lineal gezogen, soweit das möglich war. Der Radiergummi war ihr bester Freund, bei Buchstaben wie S, O, P usw.
    Zu Beginn der 2. Klasse lies die Klassenlehrerin (die die Klasse bereits in der 1. hatte) einen kleinen Aufsatz schreiben, was sie in den Ferien erlebt haben. Am ersten Elternabend legte sie einige Beispiele auf den OverheadProjektor und die versch. Schriftbilder aufzuzeigen. Bei jedem Aufsatz kam von der jeweiligen Mama/Papa „das ist meine/meiner!“ Und dann kam der Aufsatz meiner Tochter…. Und ein Raunen ging durch den Raum. „wie gedruckt!“ „so ordentlich!“ – die Mama der besten Freundin grinste mich an und meinte „Deine?“ Ja. Meine. Die Klassenlehrerin meinte danach, sie unterrichte seit 20 Jahren 1. Klassen, aber so eine saubere Schrift hat sie noch nie gesehen.
    Ich hatte übrigens ne 4 in Schönschreiben, ihr Vater hätte Arzt sein können von seinem Schriftbild. Aber… mein Papa schrieb Zeit seines Lebens alles in Normschrift. Und legte da großen Wert drauf.
    Aber ich kann das nachvollziehen. krumme A’s, schiefe E’s und „gefällt mir nicht!“ kenne ich zu gut. Aaaaber: sie hat ihren Weg gemacht und nach wie vor eine sehr sehr sehr schöne Handschrift ;)

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  7. Bine Arandt / Sep 12 2016

    Haha, sie erinnern dich doch nur ab und an dran, das sie wirklich deine sind… 😉 Bin auch seeehr dankbar für die Hausaufgabenbetreuung in der OGS. Hatten letztens mal Hausaufgaben zu Hause… nee, den Streß brauch ich nicht.

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  8. Frühlingskindermama / Sep 12 2016

    Hihi, sehr schön, das ist bzw. wird bei uns ähnlich;-)

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  9. Andrea Joshi Michels / Sep 12 2016

    Ich habe hier das Modell: Schnell schnell und egal wie es aussieht. Ist auch nicht besser. Da geht ein A über 2 Zeilen und ein anders würde 3x in die Zeile passen.

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  10. Meike Soe / Sep 12 2016

    Wieder einmal beruhigend zu wissen, dass es woanders genau so ist😂😂😂

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  11. Kat / Sep 13 2016

    Hallo, das kommt mir sooo bekannt vor. Mein Großer ist jetzt auch in der 2. Klasse, seit der allerersten Hausaufgabe( ein Blatt mit Igel, wo er 34345455 Einsen reinschreiben sollte), wird radiert, korrigiert, geheult, geschrien, sich für selber zu blöd empfunden etc. JEDEN Tag. Seit jetzt über einem Schuljahr. Mit anderen Eltern brauche ich da gar nicht drüber zu sprechen, aber deren Kinder machen ihre Hausaufgaben auch in 10 Minuten, wofür meins doppelt so lange braucht. ;-)

  12. Manali / Sep 13 2016

    Eigentlich ja gar nicht verkehrt. Unsere geht ins 2. Schuljahr und was da teilweise für Schmierhefte geführt werden….puh.
    Manchmal bin ich zu streng bei den Hausaufgaben denn meistens radiere ich etwas weg weil es aus Faulheit oder Flüchtigkeit daneben geht.
    Ich hoffe das zahlt sich irgendwann mal aus 😂

  13. Lise / Sep 13 2016

    Herzlichen Glückwunsch… Problem erkannt. Da kann man den lieben Kleinen noch so versichern, dass alles gut ist wie es ist, wenn man selbst immer (auch unbewusst) perfekt sein will…die haben halt ein feines Gespür. Geht bei uns genau so…einschließlich Wutgeheul…also Kopf hoch und ein bisschen mehr Mut zur Lücke für alle Familienmitglieder…

  14. Katrin / Sep 13 2016

    Ich befürchte, dass es in einigen Jahren bei uns zuhause wirklich exakt so ablaufen wird 🙈 Genau so war es schon bei mir, als ich klein war. Wie könnte es beim Baby anders sein?! 😉

  15. Anja / Sep 13 2016

    sei froh, dass sie so gut dabei sind. Mit meinen gab es immer Schwierigkeiten. Nie wollten sie Hausaufgaben machen. Jeden Nachmittag ein Kampf. Unsere hatten immer auf den nächsten Tag auf. Es ging schon los, dass sie oftmals gar nichts ins Hausaufgabenheft reingeschrieben haben und mir somit die Handhabe fehlte. Und immer war die Mutter schuld (bei den Lehrern)… wenn wieder was fehlte…Meine Gedanken waren dann, wie schaffe ich es, dass es keine Strafarbeiten ect. mehr für uns gab, wenn sie die Hausaufgaben vergessen haben. Irgendein Lehrer hat es dann mal eingesehen, dass mein Sohn eben keine Hausaufgaben machen will und auch jeden Tag irgendein Utensil fehlt. Mein Sohn voller Selbstbewußtsein: „ich bin eben nicht der Schul-bzw. Hausaufgabentyp“. Dieser Lehrer hat mein Kind dann einfach mal „in Ruhe“ gelassen und von da ab lief es viel besser. Ich weiß nicht warum, aber meine Jungs können mit Strafen und Druck einfach nicht umgehen. Da geht bei denen dann gar nichts mehr. Aber wie bringt man das einem Lehrer bei ? Wie gesagt, einer hat es mal eingesehen bzw. hat einfach aufgegeben. Einer der Jungs ist jetzt fertig mit der Schule und ich bin sooooo froh.

  16. Sabine / Sep 14 2016

    Ich weiß jetzt nicht, ob ich lachen, weinen oder dir Mut zusprechen soll. Letzteres brauchst du gewiss nicht ;-) Ich dachte immer, spätestens in der Grundschule würde dieses „Wutgeheule“ aufhören. Na Danke für die Aufmunterung ;-) Zwinker, zwinker. Dann kann ich mich wenigstens jetzt schon damit abfinden, dass das so bleibt, bis der Herr hier auszieht. Alles Gute!

  17. Lorelai / Sep 18 2016

    30-40min Hausaufgaben täglich? Ein Riesenpensum! Hier sind es 5-10…

  18. Virgi Lehmann / Sep 30 2016
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