Bis einer heult! • Nicht besonders schlau.
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14. September 2016 | Pia Drießen

Nicht besonders schlau.

Alex‘ Lieblingsfach ist Religion. Der Grund dafür sind die spannenden Geschichten aus einer lang vergangen Zeit, die Alex wie ein Detektiv zerlegt, analysiert und beurteilt. Es ist wahnsinnig spannend sich seine Gedanken und Meinungen zu dieser oder jener Bibelgeschichte anzuhören und ja, ich habe ihn schon immer ermutigt Dinge zu hinterfragen und sie nicht als gegeben hinzunehmen. Gleichwohl wir keine Atheisten sind und Alex letztes Jahr auf seinen Wunsch hin auch getauft wurde. Vielleicht lasse ich ihn hier selber mal zu seiner Auffassung von Gott zu Wort kommen.

Aber wieso ich heute darüber schreibe: Vor ein paar Wochen war Alex mit seiner Klasse in dem Theaterstück An der Arche um 8. Passen dazu behandelten sie im Religionsunterricht anschließend die Geschichte von Noahs Arche. Alex hatte dennoch seine Schwierigkeiten, zwischen dem Theaterstück und der Bibelgeschichte zu differenzieren und warf das ein oder andere durcheinander. Also lasen wir vor ein paar Tagen abends die Geschichte von Noahs Arche in seiner Kinderbibel nach.

20160914_01

Besondere Aufmerksamkeit schenkte Alex dieser Passage:

„Da machte Noah die Tür weit auf.
Menschen und Tiere stürmten hinaus.
Wie schön war die Erde wieder!
[…]
Da baute Noah einen Altar
und brachte Gott Opfer.“

Weil Alex genau wissen wollte, was mit Opfer bringen gemeint war, schlug ich die Stelle in der Bibel nach:

Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. [Genesis/1. Mose 8,20]

Als ich ihm die Bibelstelle vorlas, brach Alex in schallendes Gelächter aus und bekam sich gar nicht mehr ein. Ich war ziemlich verdutzt und konnte mir die Reaktion erst gar nicht erklären. Dann erklärte er mir:

„Wie dumm ist das denn? Erst sagt Gott, Noah soll von jedem Tier auf der Erde 2 mitnehmen. Ein Männchen und ein Weibchen. Damit die Babys bekommen können und die Tiere weiter leben können. Und dann sitzen die Monatelang auf dem Schiff fest und als sie gerettet werden, schlachtet Noah die Tiere? Der war aber nicht besonders schlau!“

Ich hab es ihm dann gleich getan und sehr herzlich gelacht. Die Bibel. Eine Detektivgeschichte.

PS: Und jetzt freu ich mich auf den ein oder anderen Theologen, der mit das logisch erklären mag. *gnihihi*

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Marketing- und Medienberaterin mit Schwerpunkt Social Media. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Christiane / Sep 14 2016

    Soweit ich weiß, würden doch von den Opfertieren mehr (7 Paare?) mitgenommen.

  2. Mona / Sep 14 2016

    Der Logik noch mussten die geretteten Tiere ja auch fressen, also könnten auch Futtertiere an Bord gewesen sein.
    Und als Opfertier wird er wahrscheinlich extra Tiere mitgenommen haben (weil die Tieropfer damals ja durchaus üblich waren war Noah sicher drauf vorbereitet ;-) )

  3. Cynthia Fo-Ba / Sep 14 2016
  4. Melanie Verstege / Sep 14 2016
  5. Susi Auras / Sep 14 2016
  6. Dana / Sep 14 2016

    1. Mose 7, Verse 2 und 3
    2 Aus allerlei reinem Vieh nimm zu dir je sieben und sieben, das Männlein und sein Weiblein; von dem unreinen Vieh aber je ein Paar, das Männlein und sein Weiblein. (1. Mose 8.20) (3. Mose 11.1) 3 Desgleichen von den Vögeln unter dem Himmel je sieben und sieben, das Männlein und sein Weiblein, auf daß Same lebendig bleibe auf dem ganzen Erdboden.
    ;-)
    Ich finds klasse, dass Dein Kind so mitdenkt und sich nicht alles nur „vorkauen“ lässt!
    Liebe Grüße
    Dana

    • Pia Drießen / Sep 14 2016

      Danke! Ja, da fragt man sich dann doch, warum das in der Kinderbibel unterschlagen wird? Ich selber habe übrigens auch nur in 1. Mose 6,19 und 6,20 nachgelesen:

      19 Und du sollst in die Arche bringen von allen Tieren, von allem Fleisch, je ein Paar, Männchen und Weibchen, dass sie leben bleiben mit dir.
      20 Von den Vögeln nach ihrer Art, von dem Vieh nach seiner Art und von allem Gewürm auf Erden nach seiner Art: von den allen soll je ein Paar zu dir hineingehen, dass sie leben bleiben.

      • Dana / Sep 14 2016

        Ja, das finde ich so schade an manchen Kinderbibeln, dass da so oft die Geschichten durch Kürzung verfälscht werden. Wir haben eine uralte, die lässt sich relativ schwer lesen, ist aber im Vergleich richtig gut.

  7. Anja Steinhausen / Sep 14 2016

    Etwas weiter vorn in der Geschichte in der Bibel steht: 1. Mose 7.3 Von allen reinen Tieren nimm zu dir je sieben, das Männchen und sein Weibchen, von den unreinen Tieren aber je ein Paar, das Männchen und sein Weibchen.

    In 1. Mose 6 ist die bekannteste Stelle mit den Pärchen, diese sollen bei Noah leben, die anderen sollen auch als Fleisch dienen und eben Opferfleisch ;)

    Gott hat halt schon mitgedacht. :D

  8. Sasa / Sep 14 2016

    Selbst wenn man die Bibel wörtlich nimmt, dürften die Tiere inzwischen reichlich Nachwuchs bekommen haben: „Im sechshundertundersten Lebensjahr Noahs am ersten Tage des ersten Monats waren die Wasser vertrocknet auf Erden.“ 😉

  9. Bodo Boehnke / Sep 14 2016

    das passiert, wenn man die Bibel wörtlich nimmt.
    In der Theologie heißt es: nicht über den Buchstaben hinweggehen,
    aber auch nicht bei ihm stehen bleiben.

    In der Bibel stehen keine Zeitungsberichte,
    sondern die Erfahrungen der Menschen unseres Kulturkreises mit Gott.
    Stell dir vor,
    du hättest ein Tagebuch seit deinem 4 Lebensjahr geschrieben.
    Da stünde auf der einen Seite: Papa ist toll!
    (evtl. weil ihr im Schwimmbad ward).
    Auf der nächsten Seite steht:
    Papa ist total dooof…
    (weil er dir das Fernsehen verboten hat.)
    Absolut widersprüchlich und doch:
    beides ist wahr.

    Da stehen Sachen drin,
    die dir heute peinlich sind.
    Am liebsten würdest du das Tagebuch wegwerfen.
    Tu es nicht,
    warte noch ein Weilchen,
    bis du erwachsen bist
    und dann wird dir dein Tagebuch vielleicht wertvolle Hinweise geben,
    woher du eigentlich kommst und wie du so geworden bist, wie du bist.

    In jedem Märchen sind tiefere Wahrheiten verborgen als in der Zeitung.
    Ebenso in der Bibel.
    Das sind keine Tatsachenberichte – die Menschen haben früher viel mehr Bildersprache gebraucht.

    Man liest nur mit dem Herzen gut :)

    • Pia Drießen / Sep 14 2016

      Natürlich nehmen Kinder das geschriebene Wort erstmal wörtlich. Umso weniger verstehe ich, wie man dann entscheidende Textpassagen aus der Bibel in einer Kinderbibel einfach weglassen kann (s.o.)
      Ansonsten gebe ich Dir natürlich Recht.

  10. Scarlet Schmalor / Sep 14 2016

    Wo er recht hat kluges Köpfchen dein Sohn

    — via facebook.com

  11. Anja Drämel / Sep 14 2016

    Einfach ein schlaues Köpfchen der Alex! Bin auch auf eine Erklärung gespannt …

    — via facebook.com

  12. kindhochzwei / Sep 14 2016

    @dailypia 😂Du hast einen sehr klugen Sohn! Auf dass er sich das kritische Denken erhalte!

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  13. Thomas Kessels / Sep 14 2016
  14. Anja Tröger / Sep 14 2016

    Cooler Detektiv! Des Rätsels Lösung ist ganz einfach: 1. Mose 7,2; Noah nahm von den reinen Tieren 7 Paare mit, so wie Gott es ihm gesagt hatte. Da bleiben dann auch noch genug zum opfern übrig, ohne das die ganze Art aussterben mußte. 😎

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  15. Pädagogentante / Sep 14 2016
  16. Frau Ährenwort / Sep 14 2016

    Das ist echt der Hammer 😂😂😂😂

  17. Silke Rößler / Sep 14 2016
  18. Ramona Ei Bach / Sep 14 2016

    Ich bin Christ. Aber diese Geschichte ist echt seltsam. Die Israeliten haben ja recht oft geopfert. Die 7 Paar dürften schnell verbraucht worden sein, zumal die auch was essen mussten. Wenn man mal 40 Tage und Nächte eine Pflanze unter Wasser stellt, bleibt da nicht mehr viel übrig… Also dürfte es recht wüst ausgesehen haben. Ich denke, da gibt es viele Rätsel, die wir wohl nie klären werden. Aber wofür brauche ich noch Glauben, wenn alles erklärbar ist? Ich komme da schnell an meine Grenzen . Möge Alex seinen Weg finden 💪

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  19. Nicole Grosser / Sep 14 2016
  20. Ina Schenk / Sep 14 2016

    Er nahm von allen reinen Tieren 7 paar mit, da kommt schon einiges zusammen!

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  21. Kathi / Sep 15 2016

    Die Bibel ist kein Tatsachenbericht. Das bedeutet, dass die Geschichten in ihr alle symolisch auf das Verhältnis zwischen Gott und Mensch zeigen sollen.
    Das bedeutet, dass es na dem Ende der Flut sehr wohl noch Tiere auf der Erde gab, die geopfert werden konnten, da nicht alles Leben auf der Erdeausgelöscht wurde. Aber in Noahs Welt wurde alles überflutet.
    Das, was Alex an der Geschichte verstehen sollte ist, dass Gott den Anspruch auf Allmächtigkeit über die Welt hat und diesen auch ausnutzen kann, indem er alles zerstört, was er erschaffen hat. Aber der Gott an den wir glauben, ist kein zerstörerischer Thyrann, sondern ein liebender Vater. Er will seine Kinder (die, die an ihn glauben) vor dem Schlechten beschützen. Das tut er in der Geschichte, indem er das Schlechte in Noahs Welt überflutet und diejenigen, die an ihn (Gott) glauben durch den Auftrag an Noah beschützt.
    Auf diesen Zusammenhang kann Alex aber sicherlich selber auch kommen, wenn du ihm erklärst, dass alle Geschichten in der Bibel nur dazu dienen, dass die Menschen verstehen, wer Gott ist, wie sein Charakter ist und welche Gefühle er für die Menschen hat. :-)
    Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Weiterforschen!

  22. Kathrin Roth / Sep 16 2016

    Nein, die „reinen“ Tiere waren zum Opfern, grade nicht zum Essen. Bei Noah wird biblisch nicht erklärt, wie er das festlegte, später bei den Israeliten gelten Tiere mit geteilten Hufen und wiederkäuendem Essen als rein, bei den Fischen diejenigen, die sowohl Flossen als auch Schuppen hatten.

    — via facebook.com

  23. Sabine Verfürth / Sep 21 2016
  24. Theologin / Sep 23 2016

    Da ist er ja auf dem besten Weg ein großer Exeget zu werden, der die Bibel historisch-kritisch durchleuchtet. Und sich dann der großen Aufgabe stellen kann den „Geschichten“ trotz ihrer Logikfehler, Sperrigkeiten, ihres Alters und der großen Entfernung zu unserer Lebenswelt Sinn für das Hier und Jetzt abzugewinnen. Ich finde es übrigens toll, wie Sie die Interessen und Fragen ihres Kindes ernst nehmen und miteinander bearbeiten ohne zu viel vorzugeben.

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