Bis einer heult! • Der teuerste Feitagshaarschnitt ever
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3. Oktober 2016 | Pia Drießen

Der teuerste Feitagshaarschnitt ever

Große Kinder sind toll. Inzwischen können wir Eltern am Wochenende auch bedenkenlos bis 9:30 Uhr schlafen, ohne dass die Kinder das Haus anzünden oder Wände bemalen. Da feiert man so ein langes Wochenende mit quasi 2 Sonntagen gleich doppelt. Als ich also heute Morgen um kurz vor 10 Uhr das Erdgeschoss betrat, flog mir ein mittelgroßer Junge in die Arme und rief freudestrahlend „Mami!!!“ So kann der Tag ruhig anfangen. Ich drücke und küsse das mittlere Kind also zur Begrüßung und stutze dann. Kurz wuschel ich ihm durch die Haare und ziehe dann ganz langsam eine Augenbraue hoch.

„Hast Du Dir die Haare geschnitten?“

Stille.

„Herz, hast Du Dir die Haare selber geschnitten?“
„Ja, aber die Mimi auch!“

Ich kreische kurz auf und rufe dann Mimi dazu. Bei ihr sieht man aber so gut wie nichts, da es nur ein paar Zentimeter einer Pony-Strähne betrifft. Aber bei Max … alter Falter!

Der Gute hat sich ein riesen Loch mitten in die Stirnhaarpartie geschnitten. So, dass man es nicht irgendwie kaschieren kann. Vor meinem geistigen Auge zieht Jim Carrey in seiner Rolle in Dumm und Dümmer vorbei. Arg!

Im Grunde wäre es mir total egal, aber dass Schulkinder wirklich fies sein können ist hinlänglich bekannt und mit der Frisur hat er jedenfalls gute Chancen im Kanon ausgelacht zu werden. Mein Muttiherz seufzt.

Nach dem Frühstück mache ich ein Foto vom Meisterwerk und heule dem liebsten Friseur und Freund ins WhatsApp-Fenster.

20161003_02

Letztendlich konnte Jürgen mich dann wirklich überzeugen, dass ich da gar nichts retten kann. Stattdessen sollten wir kurz rum kommen. Bester Jürgen von Welt!

Wir machten uns also auf den Weg und ich erfuhr während der Fahrt dann, was das Kind dazu getrieben hatte. Er wollte irgendwas basteln und dafür brauchte er ein paar Haare. „So viele sollten es gar nicht werden. Ich wollte die aufkleben. Als Haare eben. Ich hab dabei ja nicht in den Spiegel geguckt.“ Ja, nun, hätte er mal besser machen sollen. Ich kicherte ein bisschen und ermahnte ihn, trotzdem es ja sehr lustig sei, sowas nicht noch mal zu probieren. Immerhin hätte Jürgen für den Beruf des Friseurs eine mehrjährige Ausbildung absolvieren und die Meisterschule besuchen müssen.

In einiger Entfernung steht plötzlich ein Mann auf der Straße und winkt uns. Ach wie freundlich, denke ich so und stelle dann fest, dass es ein Polizist mit Winkerkelle ist. Ich folge der bittenden Geste und verlasse die Straße, um mich in eine allgemeine Polizeikontrolle zu begeben. Denke ich da noch so. Der Polizist ist auch wirklich sehr nett und begrüßt nicht nur mich, sondern auch Max sehr freundlich. Dann reiche ich ihm Fahrzeugschein, Führerschein und Personalausweis und erhalte die Information, dass ich doch ein klein wenig zu schnell unterwegs gewesen wäre. Ich bin ernsthaft erstaunt, weil ich eigentlich nur aus einem Kreisverkehr herauskommend beschleunigt habe, aber vermutlich ist genau das die Gefahr: Eine Straße durchs Industriegebiet, an einem Feiertag … ich hab einfach nicht auf meine Geschwindigkeit geachtet und ja, das ist ein ziemlich dummer Fehler. Ich mache also kein Tamtam, entschuldige mich und nickte reuevoll, als mir der freundliche Polizist immer noch sehr freundlich erklärt, er schriebe mir gerade die Anzeige.

Mein 1. Punkt in Flensburg und ich bin sowas von gar nicht stolz darauf. Das saftige Bußgeld kommt ja noch dazu. Ich ärgere mich sehr über mich selber, weil ich sonst nämlich sehr angepasst fahre und in meiner ganzen Autofahrerkarriere erst einmal mit 40km/h in einer 30er Zone geblitzt wurde. Damals war ich 19!

Ich verabschiede mich vom freundlichen Polizisten und wünsche noch einen ruhigen Dienst. Max winkt und wird mehrstimmig von seinen Kollegen verabschiedet. Eine sehr nette Erfahrung für Max, der mich von da an penibel alle 100 Meter fragt, ob ich auch nicht zu schnell fahre.

Bei Jürgen angekommen darf Max noch mal die Geschichte erzählen, wie und wieso er sich selber die Haare geschnitten hat. Jürgen lacht und rettet dann, was zu retten ist. Mit ein wenig Gel kann man das ganze jetzt wie eine Frisur aussehen lassen. Immerhin!

Das Ende vom Lied: das war der mit Abstand teuerste Haarschnitt, den eins meiner Kinder je erhalten hat. An einem Feiertag!

Außerdem sollte jeder einen Friseur zum Freund haben und immer schön angemessen schnell fahren.

Ein Foto von Max‘ Haarschneideexperiment gibt es selbstredend nicht. Wenn ich mein Kind so schon nicht in die Schule schicken würde, werde ich es erst recht nicht hier zeigen. Sie verstehen ;)

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Ramona / Okt 3 2016

    Oh dear. Ich fühle mit dir. In vielerlei Hinsicht! Diese Haarschneidaktionen hatten wir hier ja auch schon diverse Male durch.

    Ich hab neulich auch meinen ersten Punkt in Flensburg gelandet und viel Bußgeld löhnen müssen. Zu allem Überfluss wurde ich letzte Woche schon wieder geblitzt. Da hab ich mich so über mich selbst geärgert, weil ich echt unaufmerksam war.

  2. Steffi / Okt 3 2016

    Das hat Lya letztes Jahr auch fertig gebracht – sie hatte so schöne lange Haare und am ende des Tages mussten wir radikal alles abrasieren . Sie beendete den Tag mit dem Satz – nun sehe ich aus wie mein Papa =)
    Zum Glück wächst sowas nach und im Kindergarten geht sowas noch da kam außer von den Kindergärtnerin und den anderen Eltern kein grosses TamTam .

  3. Maike Vogt / Okt 3 2016

    Herrlich :)

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  4. Simone Hellmann / Okt 3 2016

    Oh nein wie ärgerlich 😅

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  5. Melanie Verstege / Okt 3 2016

    Oh mann, das kenn ich. Mein Kind hat sich mal mit ihrer besten Freundin die Haare like Angela Merkel geschnitten. Hab dann den Fehler gemacht, im örtlichen NETT Werk zu fragen, ob man das retten kann. Ich sollte doch froh sein, dass sie gesund ist. Als wenn ich das nach vier Fehlgeburten nicht zu schätzen wüsste. Trotzdem muss mein Kind nicht wie der letzte Heckenpenner rum rennen. 😅

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  6. Sarah Henkelmann / Okt 3 2016

    Der Mittlere hat das im Ganzen inzwischen 3x geschafft :) 2x war auch mit Hilfe der freundlichen Friseurin nix zu retten :) Aber ich fürchte er macht das wieder… ;)

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  7. Lotte Stein / Okt 3 2016

    Ich musste gerade sehr daran denken..als ich mir als Kind mal ein aufzieh-Auto, mit dem mir ein Sandkastenkumpel über den Kopf gefahren ist und sich die Reifen schön verheddert haben, aus den Haaren geschnitten hab.😅 Schönes Sträußchen am Hinterkopf hatte ich danach. Danach wurden meine Haare dann fachmännisch von Schulterlang auf Prinz Eisenherz getrimmt.

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  8. Lu Kraft / Okt 3 2016

    Teurer Feiertag :-( —Der Gute hat sich ein riesen Loch mitten in die Stirnhaarpartie geschnitten. So, dass man es nicht irgendwie kaschieren kann—-
    Oooohhhh, da kenne ich eine Simone(damals fast 5) die das vor 28 Jahren bei ihrer Freundin gemacht hat *ggg*

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  9. Ulrike Alt / Okt 3 2016

    Oha. Gute Freunde sind durch nichts zu ersetzen. 😉

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  10. Mel Ti / Okt 3 2016

    Genau so ein Loch hat sich unser Erstgeborener auch mal rein geschnitten. Da half nur noch der Langhaarrasierer (ok, lang war danach nix mehr, außer mein Gesicht). Der kleine Kerl fand das aber toll und hat versprochen, dass er das als Schulkind nicht mehr macht (es war schließlich schon das dritte Mal, dass er sich selbst die Haare schneiden wollte). Bis jetzt (er ist jetzt in der vierten Klasse) hat er sich dran gehalten😉

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  11. Marzena Hübner / Okt 4 2016

    Herrlich. ..kenn das auch mit dem Haare schneiden 😂😂😂😂🙈🙈🙈🙈

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  12. Biene / Okt 4 2016

    Was ich mal interessieren würde, wenn du nach einem Kreisverkehr „nur beschleunigt hast“ wie schnell durfte man dann da bloß fahren?

  13. Manuela Wiechert / Okt 4 2016

    Gab es hier auch mal, war an Weihnachten 😄

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  14. Manuela / Okt 5 2016

    Herrlich, normal chaotisch 😂😂…
    Liebe Grüße

  15. xxx / Okt 8 2016

    Ich finde es etwas übertrieben, es sind nur Haare – OMG!

    • Pia Drießen / Okt 8 2016

      Genau. Und darum muss das Kind dennoch nicht rum rennen, als wäre es in eine Heckenschere gelaufen.

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