Schul-, aber nicht lernfrei.

In NRW waren heute noch Pfingstferien. Wie ich meiner Timeline bei Twitter entnahm, ist das wohl noch nicht jedem Erstklässler-Elternteil geläufig und so standen eine Menge Kinder heute morgen ganz umsonst vor der Schule. Ich musste ein bisschen kichern, als ich das las.

Meine Jungs schliefen hingegen heute sehr lang und zeigten gar keine Ambitionen, überhaupt aufzustehen. Auf dem Rückweg vom Kindergarten, welcher heute wiederum geöffnet hatte, ging ich also beim Bäcker vorbei und holte frische Brötchen, um mit meinen Jungs in Ruhe zu frühstücken. Wir haben ja noch so einen echten Dorf-Bäcker mit Backstube und so. Sehr fein.

Tatsächlich saß ich dann mit meiner Brötchentüte recht lange alleine da, bis endlich irgendwann gegen 9 Uhr erst Max und eine halbe Stunde später auch Alex herunter kamen. Erinnert sich noch irgendjemand daran, dass meine Kinder um 5 Uhr aufstanden? Jeden Tag? Ich nicht. Gnihihi.

Wir frühstückten gemütlich und redeten über die Sommerferien. Wir planen sowohl ans Meer, wie auch in die alte Heimat zu fahren und freuen uns alle sehr auf diese Urlaube. Außerdem werden alle 3 Kinder eine Woche die Kirchenfreizeit unserer Gemeinde und die Jungs dann noch eine Woche Handball-Camp besuchen.

Nach dem Frühstück setzte ich mich erneut mit Alex hin und lernte mit ihm für die Schule. Also diese Rechtschreibregeln regen mich von Tag zu Tag mehr auf. Max schreibt die meisten Wörter intuitiv richtig, während Alex von einem halben Dutzend Regeln so verunsichert ist, dass er manchmal sehr inflationär mit dem Dehnungs-h umgeht oder plötzlich die simpelsten Worte völlig falsch schreibt. Heute sollte er „Tim fährt nach Hause.“ schreibe. Eine sehr leichte Übung, die er schon x-fach korrekt geschrieben hat. Und dann schreibt er „Tim pfert nach hause.“ Da weiß man dann selber nicht mehr, ob man nun lachen oder weinen soll.

Wenn ich ihn Worte verbal buchstabieren lasse, macht er so gut wie nie Fehler. Sobald er sie schreiben soll, passieren teilweise solche gruseligen Dinge, wie mit pfert. Dann frage ich ihn: Von welchem Wort leitet sich fährt denn ab? und zack, erkennt er die Fehler und kann es korrekt aufschreiben. Das nützt ihm und mir und uns natürlich reichlich wenig, wenn er in einem Test total unter Strom steht und das Gefühl hat, alle Rechtschreibregeln auf einmal anwenden zu müssen, so dass zum Schluss nur höchst merkwürdiges Zeug dabei raus kommt.

Ansonsten kann er ganz sicher bestimmen, wo ein ß und wo ein ss hinkommt, wann man seit und wann man seid schreibt und wann ein Wort mit äu und wann mit eu geschrieben wird. Doppelte Vokale bekommt er intuitiv immer richtig hin, bei doppelten Konsonanten muss er manchmal nachbessern, bemerkt seine Fehler beim erneuten Drüberlesen aber selber. Das Dehnungs-h ist ein Arschloch. Also, das sage ich jetzt so. Denn auch nach einer Woche intensivem Übungen, habe ich das immer noch nicht verstanden. Also lasse ich Alex Wörter mit Dehnungs-h stumpf auswendig lernen. So.

Jedenfalls kam irgendwann Max dazu und fragte, ob er mit lernen dürfte. Und so diktierte ich beiden Jungs eine ganze Latte an Wörtern und erklärte auch Max, warum man zum Beispiel Bäume mit äu und nicht mit eu schreibt. Max überraschte mich daraufhin sehr, als er bei allen folgenden Wörter, auf die man diese Regel anwenden konnte, diese auch korrekt umsetzte. Manchmal ist es gar nicht so verkehrt, einen großen Bruder zu haben.

Der Rest des Tages war einfach nur gemütlich und bummelig. Die Jungs waren mal draußen, mal in ihren Zimmer, schauten mal fern. Ein ganz normaler Ferientag also. Pfingstferien. Für alle, die nächstes Schuljahr Erstklässler haben: nächstes Schuljahr dauern die Pfingstferien in NRW sogar eine ganze Woche. Schreibt es Euch ruhig schon mal auf.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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23 Gedanken zu „Schul-, aber nicht lernfrei.

  1. Die Rechtschreibprobleme haben wir auch. Meine Tochter ist auch in der 2.Klasse, hat in Deutsch eine 1, aber wenn sie unkonzentriert ist, dann fehlt z.b. das h bei sehr, oder v wird mit f verwechselt.
    Als ich die Lehrerin darauf ansprach, wurde mir gesagt, dass das in der 2. noch völlig normal und in Ordnung ist. In der 3. wird sich das bessern, denn dann lernen sie die Abstammung der Wörter, bzw. vom Wortstamm abzuleiten.
    Mein Kind liest ununterbrochen Bücher, aber die richtige Schreibweise der Wörter übernimmt sie dadurch nicht automatisch. Ich hoffe auf die 3. Klasse. Lass dich und dein Kind nicht stressen.

  2. Hallo!
    Diese Regeln fielen und fallen uns hier auch immer wieder schwer…meinen Jungs hilft beim lernen – allen schon mal für de Abwechslung – ein Fehlertext. Ich schreibe ein paar Texte vor, baue je nach Regel / Thema ein paar Fehler ein und lasse sie finden. So entwickeln sie schon mal ein Auge für das fehlerhafte. Ich gebe immer an, wie viele Fehler im Text zu finden sind.
    Viele Grüße, Kerstin

    1. In der 1. Klasse durften die nach Gehör schreiben (das wurde nicht gelernt, sondern einfach getan) und seit Beginn der 2. Klasse lernen sie nun Rechtschreibung klassisch mit dem Lernwerk von Jahndorf.

  3. Auch ich als Grundschullehrerin muss sagen: die deutsche Grammatik und Rechtschreibung sind wirklich sau sau schwer!!! Ubd mich wundert es auch etwas, dass Alex das jetzt schon alles können muss?! Er ist doch „erst“ in der 2, oder?

  4. Rechtschreibung ist ein Arsch! Echt! Ich kann mich gut erinnern als meine Mum mit mir geübt hat und fast verzweifelt ist. Ich habe es immer wieder geschafft in einem Diktat das gleiche Wort auf 5 unterschiedliche Arten zu schreiben. …
    Aber irgendwann wird das besser!

  5. Gestern morgen stand auf meinem Wecker 04:17 Uhr als mich fröhliches Geplapper aus dem Babyphone weckte.
    Heute früh stand immerhin 04:34 Uhr drauf…

    Dein Beitrag macht mir Hoffnung! Danke ;)

    LG Simona

  6. Hallo , Mein Sohn (14 Jahre) hat LSR was auch bestätigt ist. Dafür bekamen wir eine Bescheinigung für die Schule und es wird dort bei Arbeiten besonders Deutsch berücksichtigt. Ich muss sagen es tut ihm richtig gut mit der Bescheinigung. Er schreibt manchmal Wörter, da muss man wirklich lachen bei. LG Cindy

  7. Allerbeste und solidarische Grüße an Alex! Ich kann sein Problem -glaube ich, wenn ich es richtig verstanden habe – sehr gut nachvollziehen. Ich bin selber hochsensitiv, konnte vor Schulbeginn schon lesen und sollte in der Schule eine Klasse überspringen wegen „lernt zu schnell“ (was meine Eltern glücklicherweise abgelehnt haben!). Mit mittlerweile 42 Jahren halte ich mich für sehr rechtschreibsicher und nerve immer alle damit, dass mir jeder pupsige Fehler sofort ins Auge springt (ehrlich, ich wär auch froh wenn es nicht so wäre, aber was soll ich machen?).
    Aber in Alex Alter ging es mir ähnlich wie ihm: ich hab bei Diktaten immer versucht, für jedes Wort alle Rechtschreibregeln einmal durchzurattern (wegen bloß keinen Fehler machen und so) und bin dabei arg in Stress und oft durcheinander gekommen. Dann gibt es noch so viele Ausnahmen von irgendwelchen Regeln, dass mensch als Logik-Freundin die ich war und bin schier verzweifeln konnte.
    Aber ich habe im Laufe der Zeit gelernt, meiner Intuition und meinem Gedächtnis gleichermaßen zu trauen, auf die wörtliche Einzelfallprüfung zu verzichten und so hat es irgendwann „zusch“ gemacht, der Knoten ist geplatzt und ich mutierte zu einem regelrechten Rechtschreib-Nerd?, siehe oben…
    Viel Gelassenheit und Zuversicht für den lieben Alex und herzliche Grüße allerseits!

  8. Falls es den tapferen Rechtschreiber nicht noch mehr verwirrt, hier ein ziemlich sicheres zweistufiges Prüfverfahren.
    Nur bei 2x Ja -> h setzen

    1) Vokal lang?
    2) Nach diesem Vokal l,m,n oder r?

    Bsp:
    Mehl, Rahm, Bohne, fahren
    Gegenbsp:
    Bonn (zwar n, aber Vokal kurz)
    Nase (Vokal lang, aber s statt lmnr)

    Viel Erfolg! Anne

  9. Liebe Pia, ich lese Dein Blog schon länger aber habe noch nie etwas geschrieben. In manchen Situationen die du beschreibst finde ich mich recht gut wieder. Mein Sohn ist gerade 3 und ebenfalls hochsensibel. Leider kennen wir keine anderen Kinder persönlich denen es so geht und manchmal fühle ich mich da, als wäre mein Sohn von einem anderen Stern. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er eines Tages ein solches Feriencamp besuchen würde… (er geht auch nur ungern in die Krippe in spricht dort so gut wie nicht). Für ihn ist schon ein normaler Familienurlaub in einem Hotel mit Speisesaal und Swimmingpool sehr anstrengend. Mich würde interessieren wie das mit den Feriencamps für deine Kinder ist – ist das mit dem Alter einfacher geworden? Oder wäre das nie ein Problem gewesen? Falls du darüber mal berichten könntest würde ich mich sehr freuen. Liebe Grüsse, Martina

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