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26. Juni 2017 | Pia Drießen

Es ist mir eine Ehre …

Seit ein paar Tagen beschäftigt mich ein Thema, das nicht ganz leicht zu beginnen ist. An sich ist es nichts dramatisches, aber da es durchaus eine persönliche Note hat, bietet es natürlich auch wieder eine super Angriffsfläche für alle Lästerschwestern und Besserwisser. Ich versuche es dennoch mal.

Es gibt diese Menschen, die gerne und freiwillig einen Teil ihrer Freizeit mit ehrenamtlicher Arbeit verbringen. Dazu gehöre zum Beispiel ich. Ob im Kindergarten, der Flüchtlingshilfe, im Sportverein oder der Schule. Ich übernehme gerne organisatorische Aufgaben, einfach weil ich darin gut bin, weil ich Gemeinschaft gerne aktiv mitgestalte und ganz sicher nicht, weil ich mir Ruhm oder Anerkennung erhoffe.

Ich käme dabei nie auf die Idee, andere Leute, die eben diese Einstellung nicht teilen, zu verurteilen oder ihnen Vorwürfe zu machen, weil sie sich bei etwas weniger einbringen, als andere. Ich fahre zum Beispiel nicht gerne Inlineskates, bereite ungerne kunstvolle Cake-Pops zu,  mag weder selber Häkeln noch Stricken und Malen ist nun auch keins meiner Hobbies. Darum tue ich diese Dinge nicht. Und das ist völlig okay. Warum sollte es also nicht okay sein, wenn sich jemand gegen ehrenamtliche Mitarbeit bei egal was entscheidet?

Auch erwarte ich von niemandem dafür Dankbarkeit oder Anerkennung. Warum auch? Ich habe mir das ja ganz alleine und selber so ausgesucht. Ich mag die Arbeit in der Gruppe, im Team. Wenn man irgendwem Danken will, dann immer dem ganzen Team. In der Regel ist Ehrenamt nämlich keine One-Man/Woman-Show. Da käme man ja auch gar nicht weit mit.

Was ich mir aber tatsächlich wünsche und auch erbitte, ist Akzeptanz. Dafür, dass ich mein Amt versuche mit allen mir zur Verfügung stehenden Mittel gut auszufüllen. Das klappt mal sehr gut und mal weniger.

Mit den Ämtern, die ich freiwillig übernommen habe, habe ich neue Aufgaben und auch Pflichten, aber keine neuen Rechte bekommen. Das war mir bewusst und das ist auch total okay. Ich stehe zu meinen Aufgaben.

Ich bekomme nur wirklich fiese Magenschmerzen, wenn man mir die Umsetzung meiner Aufgaben und Pflichten ankreiden will, nur weil sie auch das Durchsetzen von Regeln und Abläufen beinhalten.

Ich bin nicht der Bestimmer. Ich bin aber die, die eine große Gruppe Menschen irgendwie miteinander koordinieren muss und dass dabei am Ende nicht immer alle glücklich sein können, sollte jedem bewusst sein, der schon Mal eine Weile in einer Partnerschaft gelebt hat. Dafür braucht man ja nicht mal mehr als 2 Menschen. Auch muss ich Regeln, die in der Gemeinschaft erarbeitet wurden und die trotzdem nicht jedem passen, durchsetzen.

Vermutlich ist das für Euch alles nur kryptisches Zeug, aber im Grunde sagt es das aus, was ich los werden will: Niemand muss einem Ehrenamtler dankbar sein oder Anerkennung zollen. Natürlich freut man sich trotzdem, wenn jemand mal „Dankeschön“ oder „Gut gemacht“ sagt. Dafür allein sollte man aber ganz sicher nicht an der entscheidenden Stelle den Arm heben.

Was ich mir aber – und ich wiederhole mich – verdammt noch mal erbitte, ist Akzeptanz für das, was der Ehrenamtler tut. Sofern er nicht gerade Spendengelder veruntreut. Denn in aller Regel tut er gerade das, was andere nicht tun möchten oder aus sonstigen Gründen können. In seiner Freizeit. Während andere Cake-Pops bauen, Schweine häkeln oder Inliner fahren. Und das ist immer noch besser, als ein Amt anzunehmen und dann inaktiv zu sein und gar nicht erst in Erscheinung zu treten. Aber selbst das hab ich in der Vergangenheit akzeptiert. Jeder so wie er kann und will. Dass das dann natürlich wieder andere kompensieren müssen ist zwar traurig, aber mit dem Team, in dem ich mein Ehrenamt ausübe, zum Glück gut machbar. Das ist nämlich eine ganz wundervolle Truppe von Machern mit Ideen und Spaß an der Sache.

Howgh!

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Charlotte / Jun 26 2017

    Oh, das war gar nicht so schlimm, wie bei Insta angekündigt 😉 ich mache auch gerne ehrenamtliche Arbeit und muss mir von deiner tiefenentspannten Akzeptanz derer, die kein Bock auf Ehrenamt haben, noch ne Scheibe abschneiden.. Hoffe, die hinter dem Artikel liegenden Erfahrungen waren nicht nachhaltig so schlimm, dass du das Ehrenamt niederlegst.

    • Pia Drießen / Jun 26 2017

      Nee nee. Das hätten die ja vielleicht gerne ;)

      • Gaby / Jun 26 2017

        Also doch… Tiefenentspannt, schrieb hier die Kommentatorin. Das denke ich auch oft. Und unterschreibe in diesem obigen Blogbeitrag jedes Wort.
        Als Schulelternsprecherin. Als Organisatorin des schulinternen Fußballturniers. Als Standhilfe beim Flohmarkt-Café. … Und wenn ich die Langfassung des von mir getippten Protokolls welcher auch immer Sitzung noch mal in eine „lesefreundliche Kurzfassung mit Spiegelstrichen“ umwandle, in der Hoffnung, dass es dann wenigstens die Hälfte der Eltern liest.

        Man lernt immer tolle Leute kennen, macht Dinge, freut sich, wenn was klappt, ärgert sich, wenn was schief geht. Und ist meistens glücklich, dass überhaupt alles gelaufen und die Mehrheit glücklich ist.

        Bis… ja, bis dann wieder jemand nörgelt, dass
        -„der Name meines Kindes auf der Urkunde falsch geschrieben ist“.
        -„es ganz gut ist, wenn man deiner Mutter mal Kontra gibt, weil die sich ja sowieso dauernd einmischt“,
        -„Sie immer noch nicht sagen können, wie es im nächsten Schuljahr weiter geht, wann sprechen Sie denn endlich mit der schulleitung?“ und und und.

        Von Leuten, denen es zu mühsam ist, ihrem Kind auch nur mal einen Euro für das Geschenk für die schwer erkrankte Lehrerin mitzugeben („ach, das vergessen wir immer“). Die nur dann auf den Fußballplatz kommen, wenn die Siegerehrung gerade anfängt („Wie, der Kuchen ist schon alle?“).

        Manchmal macht mich das müde und wütend und manchmal richtig richtig traurig.
        Nein, keiner muss sich bedanken. Nein, ich finde das nicht schlimm, wenn andere keinen Fuß in die Schule setzen. Jeder wie er mag und kann. Ich hab nur ein Kind und neben meinem Job noch ein bisschen freie Kapazitäten. Und es macht mir Spaß.

        Aber ich muss mich verdammt noch mal nicht noch blöde anmachen lassen, wenn irgendetwas mal nicht 100 Prozent geklappt hat. 90 Prozent sind immer noch ein super Resultat.

  2. Fraukahpunkt / Jun 26 2017

    Word.
    Kann ich so unterschreiben.

  3. Ruth / Jun 26 2017

    Ich bin ehrenamtliche Vorsitzende eines Kita-Fördervereins, der aus komplett inaktiven Mitgliedern besteht. Ich selber habe unerwartet kurz nach Antritt meines Amtes meine Arbeitszeit von 20 auf 35 Stunden erhöht. Ich scheitere also regelmäßig an meinen eigenen Ansprüchen, und bin echt nicht glücklich damit. Aber umso mehr bewundere ich doch, was Du auf die Reihe kriegst! Wir brauchen viel, viel mehr Menschen im Ehrenamt – und auch die, die nur einmal im Jahr einen Kuchen zu m Sommerfest backen, verdienen Anerkennung. In diesem Sinne: DANKE!!!

    • Helga / Jun 27 2017

      Ich finde auch, dass Akzeptanz alleine nicht genug ist. Menschen, die ihre Freizeit hergeben, um anderen zu helfen, eine schöne Zeit zu bereiten oder…, sollten nicht nur akzeptiert zu werden, sondern haben Anerkennung verdient. Und wenn es eben nur dieser eine gebackene Kuchen pro Jahr ist. Ich denke, die wenigsten Menschen machen freiwillige Arbeit der Dankbarkeit anderer wegen, sondern weil sie eben Spaß an ihrer Aufgabe haben. Ich stelle niemanden an den Pranger, weil er seine Freizeit anderweitig verbringt. Im Gegenteil. Jeder bestimmt selbst über seine Zeit, sein Glück, sein Leben und lieber soll jemand seinen privaten Hobbies nachgehen als ein Ehrenamt anzunehmen, hinter dem er nicht voll steht.
      Ohne Ehrenamtler wäre unsere Gesellschaft nicht dieselbe. Deswegen auch von mir an dieser Stelle ein großes Dankeschön!

  4. Hannah / Jun 26 2017

    Wahre Worte. Auch ich bin ehrenamtlich tätig, meine Familie in weiten Teilen ebenfalls und ich kann nur unterschreiben bzw. unterstreichen, was du hier sagst. Ein weiteres Problem, oder vielleicht auch ein Teil des Problems, was du hier beschreibst, ist, dass viele Leute, die weniger involviert sind, gar nicht wissen – oder sich nicht bewusst machen – dass eine Aufgabe als Ehrenamt ausgeführt wird. Und natürlich macht man das, so gut man es kann, aber Dinge wie Familie, der Beruf, mit dem man das Geld für das täglich Brot verdient, oder wichtige Termine können immer mal Vorrang haben. Das Ehrenamt ist etwas, das in der Regel in der Freizeit stattfindet bzw. ausgeübt wird. Soll heißen, als Beispiel, von einem ehrenamtlich geführten kirchlichen Ferienhaus kann ich nicht denselben Service verlangen wie von einem Reisebüro und einem Pauschalurlaub. Das Verständnis oder Bewusstsein dafür, dass man sich mit einem Ehrenamt in der Regel einen nicht unerheblichen Batzen Arbeit neben Job, Familie, Hobbys auflädt, fehlt bei vielen – und dann wird gemeckert, wenn Dinge nicht in der Art und Weise oder nicht so schnell erfolgen, wie sie das gerne hätten. Natürlich sollte man ein Ehrenamt nur dann übernehmen, wenn man erstens Lust dazu hat und zweitens die Aufgaben zeitlich und anderweitig stemmen kann. Trotzdem ist und bleibt es eben nur ein Ehrenamt. Mehr Toleranz – nicht nur hier, sondern ganz allgemein im Miteinander – wäre da manchmal nicht verkehrt.

  5. Katharina / Jun 26 2017

    Amen.

  6. Christina / Jun 26 2017

    Da hast du vollkommen recht, und leider sind es immer überall die gleichen, die in Vereinen, Kindergarten, Schule usw. die Ehrenamtsarbeit übernehmen.
    Ich finde immer den Spruch:“ Für so etwas habe ich keine Zeit“ schlimm, das hört sich immer so an, als hätte man selbst zuviel Zeit uns wüsste nichts anderes damit anzufangen.

    Komischerweise sind die mit den Ehrenämtern oft auch die, die sonst noch jede Menge an der Backe haben.

    Nicht ärgern, nur wundern, und im richtigen Moment auch einfach mal nicht die Klappe halten.

  7. Carina / Jun 27 2017

    Ich arbeite auch sehr gerne Ehrenamtlich. Was mich aber, seit ein paar Jahren ärgert, ist ständig von Leuten, die nicht bereit sind zu helfen, kritisiert zu werden. „Warum habt ihr das nicht so gemacht? Wieso ist das noch nicht fertig“ GIbt es da keine bessere Auswahl“ usw. Wer nicht bereit ist zu unterstützen, sollte, meiner Meinung nach, nicht kritisieren.

  8. Buitta / Jun 27 2017

    Es ist leider aber immer so. Wer Verantwortung übernimmt bekommt die Motzer und Kritiker immer gleich dazu. Und das sind oft die Menschen, die sich nicht engagieren oder nur sich (sein Kind) und nie die Gruppe sehen.

  9. Silke / Jun 27 2017

    Danke Pia, toll geschrieben, am liebsten würde ich deinen Artikel ausdrucken und auf der nächsten Schulpflegschaftssitzung in Übergröße aufhängen, da gibts nämlich auch so einige Pöstchenreiter, aber wenn es drauf ankommt, findet man die nirgendwo. Ich mache es auch gerne (und ganz sicher nicht wegen Ruhm oder Ehre) sondern weil es mir Spaß macht und ich muss mich selber häufig zügeln, um mir nicht noch mehr an die Backe zu hängen, aber da würde dann eben einfach was auf der Strecke bleiben. Bleib so wie du bist und mach weiter, ich freue mich schon auf das nächste Sommerfest :)

    • Pia Drießen / Jun 27 2017

      Wir sollten uns eh mal kurzschließen. Vielleicht können wir ja auch mal was zusammen organisieren?

  10. Mel Hau-Di / Jun 27 2017

    Bin auch in der Freiwilligenarbeit tätig. Da wir einem Dachverband angeschlossen sind, bekommt jeder, der bei uns im Vorstand gearbeitet hat, auch ein Führungszeugnis nach dem Rücktritt. Das kann man dann den Bewerbungsunterlagen beilegen. Oft wertschätzen das künftige Arbeitgeber sehr!

    — via facebook.com

  11. Bianka / Jul 2 2017

    Ich helfe auch viel mit, habe aber leider nicht die Zeit die ich gerne haette und bin immer dankbar wenn andere einspringen koennen, und es auch gerne machen!

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