Bis einer heult! • Allein Zuhaus'
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28. Juni 2017 | Pia Drießen

Allein Zuhaus‘

Vor ein paar Wochen erwähnte ich mal in einem Nebensatz, dass ein Kind alleine Zuhause geblieben ist. Ich weiß gar nicht mehr, in welcher Situation und welches Kind es war. Es muss einer der Jungs gewesen sein, denn Mimi ließ ich da noch nicht alleine Zuhause. Daraufhin erhielt ich viele Anfragen, wann wir denn die Kinder das erste Mal alleine daheim gelassen hätte. Und ob es irgendwelche Regeln gäbe und was ist, wenn etwas passiert. Ich versuche das heute mal zu beantworten.

Natürlich muss jede Familie für sich entscheiden ob, wann und wie lange sie die Kinder allein daheim lässt. Bei uns war es noch nie mehr als eine Stunde. In der Regel ist es weniger.

Angefangen hat das Ganze in den Sommerferien vor 2 Jahren, als Alex gerade aus dem Kindergarten, aber noch nicht in der Schule war. Eines morgens, als ich die beiden Kleinen in den Kindergarten brachte, wollte er nicht mit kommen. Ich wägte ganz kurz ab, welche Gefahren für ihn bestanden, eine halbe Stunde alleine Zuhause zu bleiben und entschied mich für: nicht mehr oder weniger, als wären wir gemeinsam Zuhause. Also bekam er die Auflage auf gar keinem Fall irgendjemandem die Tür zu öffnen. Egal, ob er die Person kennt oder nicht. Und sollte wirklich irgendetwas passieren, dann solle er mich auf dem Handy anrufen.

Tatsächlich hat mich noch nie eins der Kinder angerufen, wenn sie mal alleine waren. In der Regel nutzen sie diese Zeit nämlich, um Fernsehen zu gucken und da will man ja nicht gestört werden.

Bei Alex habe ich mir auch nie Sorgen gemacht, dass er Dummheiten anstellen könnte. Er war schon immer der Vosichtigste der drei Geschwister und zudem ist er sehr pflichtbewusst.

Ziemlich genau ein Jahr später – wieder in den Sommerferien – wollte Max dann auch nicht mehr mit, wenn ich Mimi in den Kindergarten brachte. Erneutes Abwägen der Gefahren. Diesmal kam natürlich die Komponente Geschwisterstreit hinzu. Zwar wird hier überwiegend mit Worten und nicht mit Fäusten gestritten, aber auch das kann mal ganz wunderbar ausarten. Ich schärfte also beiden Jungs ein, dass sich nicht in die Haare kriegen sollten, solange ich weg war. Immerhin könne ich weder eingreifen noch schlichten. „Das müsst ihr dann selber lösen.

Natürlich sind beide die pure Harmonie, wenn sie alleine sind. Manchmal glaube ich ja, dass Streit nur ausartet, weil ein Elternteil da ist und irgendwie eingebunden wird. Sei es durch Petzen oder Ermahnen. Zwar halten wir uns in der Regel aus den Streitigkeiten der Kinder raus, aber wenn es gar zu deftig wird, mahnen wir schon mal zu einer gepflegteren Ausdrucksweise.

Jedenfalls war es auch nie ein Problem, die Jungs gemeinsam allein zu lassen. Bei Max alleine machte ich mir nochmal Gedanken, weil er so verträumt ist, dass ich mir gut vorstellen konnte, dass er sich an meine „Nicht an die Tür gehen!„-Regel nicht erinnern würde, sobald es klingelt. Ich habe das daher zwei Mal getestet und geklingelt. Beim ersten Mal kam er in den Flur gerannt, bremste ein paar Meter vor der Haustür ab und versuchte durch die Milchglasscheibe zu erkenne, wer davor steht. Beim zweiten Mal stand er gar nicht erst vom Sofa auf. Meinen Schlüssel sollte ich somit besser nicht vergessen, wenn Max mal allein Zuhause ist. Alex hingegen schaut immer kurz aus dem Fenster, um zu gucken, wer da klingelt und gibt auch schon Mal Antworten durch die Tür, wenn er die Person kennt.

Nun hatten wir gestern die Situation, dass der Mann und ich kurz das Auto in die Werkstatt bringen mussten und maximal 2 Kinder mitnehmen konnten. In unserem Zweitwagen haben wir nämlich keinen Platz für 3 Kindersitze.  Für mich war klar, dass wir Mimi mitnehmen. Aber die wollte partout nicht, wenn ihre Brüder auch nicht mit müssen.

Der Mann meinte, dass wir ja maximal 20 Minuten weg seien und das ja die Jungs auch noch da wären. Aber genau da sah ich das Problem. Nicht, dass Mimi irgendwas Verrücktes anstellen würde, sondern viel mehr die Verantwortung, die ich Alex da übertrug, machten mir Bauchschmerzen. Sollte tatsächlich was passieren, wie würde Alex damit umgehen? Er würde sich vermutlich fürchterliche Vorwürfe machen. Aber als Mutter muss man auch irgendwann lernen loszulassen und zu vertrauen.  Also ließen wir die Kinder tatsächlich für 15 Minuten alleine Zuhause und wurden von Mimi mir einem überraschten: „Wart ihr schon weg?“ begrüßt. Na, danke!

Im Grunde gibt es vermutlich keinen idealen Zeitpunkt. Wenn es nicht nötig ist, dann lasse ich die Kinder nicht alleine. Es ist wirklich eher die Ausnahme als die Regel. Ich war von meinem ersten Schultag an ein Schlüsselkind und sehr viel alleine Zuhause . Ich habe es gehasst. Und ich habe die Situation nahezu täglich ausgenutzt. Das will ich für meine Kinder nicht, wenn es nicht sein muss.

Vermutlich hilft Euch mein Erfahrungsbericht nicht wirklich weiter. Es kommt auf die Situation, das Kind und die Rahmenbedingungen an. Es braucht klare Regeln und Optionen, wenn es tatsächlich mal einen Zwischenfall geben sollte. Mehr kann man nicht machen. Der Rest ist ausprobieren, vertrauen und eben loslassen.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Inge Meysel / Jun 28 2017

    Meine große bleibt seid dem 5. Lebensjahr stundenweise alleine und ist bis heute sehr stolz

    — via facebook.com

  2. Karoettchen / Jun 28 2017

    Ich weiß noch, dass ich ab der ersten Klasse ca. 2x die Woche mittags für eine halbe Stunde alleine war. Meine Mutter war arbeiten und ich hatte schon Schulschluss.
    In dieser Zeit habe ich auch immer Fernsehen geschaut und nervös am Fenster gestanden und gewartet, dass meine Mutter kommt. Alles in allem ist nie etwas gewesen. Abgesprochen war auch, dass ich zur Nachbarin gehe, falls irgendetwas sein sollte.

  3. Barbara / Jun 28 2017

    Wir haben auch so eine Situation. Die kleine Tochter 1,5 Jahre, soll Mittagsschlaf halten und schläft am
    besten im Wagen auf holprigen Wegen ein. Die Grosse ist 5 und will nicht mit gehen (sind bis zum Einschlafen meisten keine 20Minuten). Ich gehe dann in Sichtweite spazieren, unsere Tür ist dann offen, damit sie zu mir laufen kann, wenn sie etwas braucht. Wir wohnen in ausserhalb vom Ort. Man kennt alle 6 Nachbarn und hat gute Sicht auf den Feldweg auf den ich gehe. So ganz weit weg fahren (mal jemanden zum Bahnhof fahren und sie bleibt allein für 10Min) trau ich mich nicht. Ich glaube man kennt seine Kinder und weiss, was „zumutbar“ ist.

  4. Andrea Joshi Michels / Jun 28 2017

    Meine beiden Spezialisten habe ich 1x für 4 Minuten alleine gelassen, als der Hund Durchfall hatte. Zu diesem Zeitpunkt ging es gut. Derzeit ist das absolut unmöglich. Das große Kind kommt in meinem Beisein auf Ideen, die absolut irrsinnig sind und da möchte ich nicht probieren, was ihr in den Kopf kommt, wenn ich nicht da bin. Wir sind auch meilenweit davon entfernt, dass das große Kind alleine in die Schule gehen kann. Ich finde das traurig, dass es fürs Kind nicht möglich ist, weil ich ihr eigentlich gerne etwas mehr Freiheit geben würde. Mit ihrer selbstgefährdenden und distanzlosen Art kann ich keinerlei Kompromisse eingehen, zur Zeit zumindest nicht. 7 Jahre stehen auf dem Papier, was bekanntlich sehr geduldig ist. Irgendwann werden wir auch so weit sein🙂

    — via facebook.com

  5. Katha Vau / Jun 29 2017

    Meine beiden Mädels (5 und 7) bleiben auch mal ne halbe Stunde bis stunde alleine. Länger nie. Bei uns hat das auch damit angefangen, dass ich ein paar Tage vor der Einschulung der großen die kleine morgens in den Kiga bringen musste und die große wollte nicht mit. Also hab ich meine Handy Nummer als kurzwahl ins Telefon eingespeichert und ihr auch eingeschärft, ja nicht die Tür zu öffnen,bzw an der Gegensprechanlage zu fragen, wer da ist. Sie durfte auch Fernsehen während meiner Abwesenheit. Das hat sie auch von der Nervosität abgelenkt. Trotzdem erhielt ich kurz bevor ich wieder daheim war einen Anruf, wann ich denn wieder da bin ;).

    — via facebook.com

  6. Anja Rudat / Jun 29 2017

    Ich habe habe meine Tochter heute 8 Jahre, auch schon mit 5 J. für ne halbe Stunde alleine gelassen. Natürlich haben wir vorher genau darüber gesprochen was sie nicht machen darf und das sie mich anrufen soll wenn was ist. Heute geht sie alleine in die Schule und auch wieder nach Hause. Sie ist glaub ich auch ganz froh das sie für eine Weile auch mal fü sich sein darf und nicht die nervige Mama um sich hat. Sie ist nie länger als eine Stunde zu Hause. Das klappt sehr gut und ich kann mich auf sie verlassen.

    — via facebook.com

  7. Carolin / Jun 29 2017

    Ich kann für uns keinen Zeitpunkt festlegen. Es ist einfach ein spontanes loslassen. Irgendwie passt es dann und wann. Der große ist jetzt 5,5 Jahre. Er war bisher nur alleine drin oder im Garten spielen während wir schon Drinnen /draußen waren . Mehr fordert er bisher nicht. Mal schauen wann das sich ändert.

  8. Julia / Jun 29 2017

    fing bei uns auch so an, dass der große mal nicht mit wollte, als ich den kleinen abgeholt hatte. bei ihm kann ich mich auch drauf verlassen, dass er in der zeit keinen Blödsinn macht. er schaut dann auch mal tv, was es sonst unter der Woche nicht gibt.
    er hat auch einen kurs mit gemacht ( ich sage Nein ), der war sehr hilfreich auch für mich ( war mit Eltern ). da fing es auch um das Thema nicht mit fremden mitgehen, alleine zu hause sein etc, sexueller mißbrauch in der Familie etc.
    es wurde ihnen vermittelt, wie sie auf Situationen reagieren können und handeln können.
    beide habe ich auch schon mal kurz alleine gelassen, wenn ich noch was einkaufen musste. direkt vor der tür.
    den kleinen habe ich ein mal alleine gelassen, als er magen darm hatte und die ganze zeit gespuckt hatte und ich den großen vom hort holen musste.
    Familie wohnt hunderte Kilometer weit weg, die können nicht mal schnell einspringen.
    habe immer mein Handy dabei und sie können mich anrufen, wenn etwas ist. habe auch schon angerufen, ob alles okay ist.

  9. Maufeline / Jun 29 2017

    War bei uns auch ähnlich,vor allem das, dass es zu lästig war, kleinere Geschwister mit abzuholen.

    Als meine Tochter mit fünf das erste Mal ganz allleine zu Hause bleiben sollte wollte ich grade weg fahren, da kam sie zur Tür hinaus, rief: „Tschüss Mama, ich schaffe das schon, alleine zu sein, und wenn jemand klingelt ich sage auch nicht, dass Du nicht da bist!! “

    Argh ^^
    Ich habe sie dann mitgenommen, ob sie wollte oder nicht ^^
    Mittlerweile hat sie dann auch mal verstanden, wie das so geht mit dem alleine bleiben ;-) (Sie ist ja auch schon 9 1/2)

  10. Quasselette / Jun 29 2017

    Ich war auch ein Schlüsselkind. Mit 7 bin ich morgens alleine mit Wecker aufgestanden, hab mich fertig gemacht, bin zur Schule, kam mittags wieder, hab mir Essen auf dem Herd gekocht, was meine Mutter da hat stehen lassen, machte Hausaufgaben und meine Eltern kamen gegen fünf heim. Tatsächlich fand ich das niemals schlimm und war sogar total stolz, dass mir meine Eltern so viel Vertrauen entgegen brachten. Heute käme vermutlich das Jugendamt, wenn man sein Kind den ganzen Tag alleine ließe

  11. Kai / Jun 29 2017

    Tochter 2 (10) war am Donnerstag den Tag über ohne uns Eltern, bewacht nur von Tochter 1 (18). Ich habe dann dem Hund (7) die Verantwortung für den Tag übertragen. :)

  12. Bea / Jun 29 2017

    ich finde das auch sehr schwierig. bei uns kommt noch hinzu, dass wir kein telefon zuhause haben und im 4.0G wohnen. es ist noch nie eines der kinder ans fenster gegangen und im kinderzimmer haben wir schon immer abschließbare fenster. aber man weiß nie. einziger vorteil: mit im haus wohnt eine meine besten freundinnen. die könnte im notfall ein anlaufpunkt sein.

    ansonsten heißt es bei uns in den wenigen ausnahmen immer: macht euch die glotze an und bleibt bitte einfach davor sitzen ;D

  13. Susann / Jun 29 2017

    Du schreibst, dass du es gehasst hast, allein zu Hause zu sein und das beinah täglich ausgenutzt hast. Darf ich fragen, warum du es gehasst hast? Und was genau du mit „ausgenutzt“ meinst?

    Ich hatte gestern mit einer Freundin ein Gespräch darüber, dass wir beide allein gefrühstückt haben, weil die Eltern schon auf Arbeit waren/Spätschicht hatten und noch schliefen. Ich fand das nie schlimm, sie mochte es gar nicht. Vermutlich ist das auch immer eine Typ-Frage. Aber wir kennen ja alle unsere eigenen Kinder am besten und werden schon einen vernünftigen Weg finden ;)

    • Pia Drießen / Jun 29 2017

      Wenn man nach Hause kommt, dann will man von seinem Tag erzählen. Gerade als Kind. Nur war da halt dann keiner. Ich hab dann Fernsehen geschaut. Oder Süßes gefuttert. Und ich hatte auch immer Angst, dass was passiert. Ich war aber generell auch ein eher ängstliches Kind.

  14. Helene / Jun 29 2017

    Danke für diesen ehrlichen, schönen Erfahrungsbericht! Ich glaube auch jede Familie, jedes Kind ist anders. Du selbst kennst auch die Rolle des Kindes daheim und hast somit auch die weniger schöne Seite des allein bleiben müssen gesehen.
    Wie heißt es so schön: Alleinsein ist schön, wenn man es kann. Nicht, wenn man es muss…

  15. Gaby / Jun 30 2017

    Gutes Thema in so einem Familienblog. Ich habe das als Kind auch gehasst, allein zu sein, ich hatte immer Angst und habe mich total verlassen gefühlt. Das ist echt Typsache. Mein Sohn ist auch schon mit sieben mal ne halbe Stunde allein geblieben, ein- zweimal pro Woche kommt er aus der Schule und niemand ist da. Aber er ist elf.
    Bei uns in Berlin gehen die ziemlich viele Kinder so lange in den Kindergarten bzw. Schulhort, bis die Eltern wieder da sind. Da kann man seine Kinder auch schon früh um halb sieben bringen. Das ist sicher anstrengend, aber vielleicht auch schöner, als allein zu Hause zu sein, wenn beide Eltern arbeiten müssen.

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